Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
»Es ist nichts«, beruhigte Ista sie. »Ich habe bloß geträumt.«
Es war kein Traum gewesen. Es war ihr zweites Gesicht, das wieder zurückgekehrt war. Unerwünscht, unwillkommen, ärgerlich. Dennoch … trotz des hellen Nachmittags blieb manches an diesem Ort dunkel und undurchdringlich. Vielleicht würde sie diesen klaren Blick brauchen.
Keine Gabe der Götter ist ohne Dornen.
Ista erinnerte sich an ihren letzten lebhaften, beunruhigenden Traum und wagte kaum, wieder einzuschlafen. Stattdessen verharrte sie wohl eine Stunde lang am Rande eines unruhigen Halbschlafs, bis Cattilara und Ihre Damen wiederkamen und sie abholten.
Das ältere Kammerfräulein richtete Istas Haar so, wie es offensichtlich der hiesigen Mode entsprach: vorn geflochten und hochgesteckt, hinten frei über die Schulter fallend. Bei Cattilara fielt das Haar in üppigen Wellen; Istas fahlbrauner Schopf hingegen hatte sich bei ihrem Schläfchen vermutlich verheddert, und sie befürchtete, dass ihr Haar inzwischen wie ein Wischmopp aussah. Immerhin bot ein lavendelfarbenes Hängekleid aus Leinen, mit einem schwarzseidenen Überwurf, der unter der Brust von der Brosche zusammengehalten wurde, einen annehmbar würdevollen Anblick.
Die Sommerhitze lastete schon früh auf diesem nördlichen Landstrich. Die Tische waren im Hof aufgestellt, und das Essen wurde aufgetragen, als die tief stehende Sonne gerade hinter den Dächern versank und die immer längeren Schatten Schutz vor der Glut boten. Die Speisetafel stand an der Stirnseite des Hofes, dem sternförmigen Brunnen gegenüber, und zwei längere Tafeln waren senkrecht dazu aufgestellt.
Ista erhielt einen Platz zur Rechten Lord Arhys; Lady Cattilara saß auf ihrer anderen Seite. Arhys war schon in Eisen und blutbespritztem Leder eine eindrucksvolle Erscheinung gewesen; nun, in seiner höfischen Kleidung aus grauem Tuch mit Goldbesatz, die nach Zitronen duftete, sah er umwerfend aus. Er lächelte herzlich. Istas Herz tat einen Sprung. Sie nahm zusammen, was sie noch an Zurückhaltung aufbringen konnte, grüßte kühl und zwang sich, nicht zu ihm zu schauen.
Ferda erhielt einen Ehrenplatz auf der anderen Seite der Gräfin. Ein älterer Herr in den Roben eines Geistlichen saß links neben Arhys, einen Platz entfernt. Einer der Unterbefehlshaber kam heran, blieb aber stehen, als Arhys zwei Finger über dem leeren Sitz emporhielt. Der Offizier nickte verstehend und ging davon, um an einem der niederen Tische Platz zu nehmen.
Lady Cattilara beobachtete dies. Sie beugte sich hinter Ista zu ihrem Gemahl hin und flüsterte: »Mein Herr Gemahl. Angesichts der hoch geehrten Gäste sollten wir heute Abend eine Ausnahme machen und diesen Platz nutzen.«
Arhys Blick wurde finster. »Heute Abend am allerwenigsten.« Missmutig runzelte er die Stirn und legte einen Finger auf den Mund. Warnend?
Mit zusammengepressten Lippen lehnte Cattilara sich wieder zurück. Doch um Istas willen rang sie sich schließlich wieder ein Lächeln ab und wechselte höfliche Belanglosigkeiten mit Ferda. Ista war erfreut, als sie die verbliebenen Mitglieder von Ferdas Schar an den anderen Tischen entdeckte. Ausgeruht, gewaschen und in geliehenen sauberen Kleidungsstücken saßen sie zwischen den anderen Teilnehmern des Mahls — Arhys’ Offizieren, Cattilaras Damen und einigen wenigen Besuchern in geistlichen Gewändern. Die wichtigen Bürger aus dem Städtchen unterhalb der Burg würden ohne Zweifel bei den nachfolgenden Mahlzeiten Gelegenheit bekommen, vor Ista aufzumarschieren.
Der ältliche Geistliche erhob sich mühsam und trug mit zitternder Stimme die Gebete vor: Er dankte für den Sieg am Tag zuvor und für die wundersame Rettung der Königin; er bat um Heilung für die Verwundeten und segnete das bevorstehende Mahl. Es folgte die lobende Erwähnung der Standfestigkeit Ferdas und seiner Leute, in dieser der Tochter eigenen Jahreszeit. Ista konnte sehen, wie sehr der Ritter sich darüber freute.
»Und wie stets bitten wir besonders die Mutter, deren Zeit bald bevorsteht, um die Genesung des Lord dy Arbanos.« Der Geistliche machte eine segnende Geste über dem leeren Platz zur Linken Lord Arhys, und dieser nickte und seufzte verhalten. Ein eher fühl- als hörbares zustimmendes Gemurmel lief rings um die übrigen Tische, und Ista entging nicht, dass einige finstere, missbilligende Blicke getauscht wurden.
Als die Diener mit den Weinkrügen und dem Wasser kamen und die ersten Platten mit Speisen auftrugen, wagte Ista die Frage: »Wer ist Lord dy Arbanos?«
Cattilara musterte Arhys vorsichtig, doch der entgegnete nur: »Illvin dy Arbanos ist mein Rittmeister. Er … nun, ist nicht ganz gesund, schon seit zwei Monaten. Ich halte ihm den Platz frei, wie Ihr seht.« Seine letzte Bemerkung klang beinahe trotzig. Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: »Außerdem ist Illvin mein Halbbruder.«
Ista nippte am verdünnten Wein in ihrem Kelch und ging in Gedanken Familienstammbäume durch. Ein weiterer nicht anerkannter Bastard von dy Lutez? Aber der mächtige Höfling hatte stets größten Wert daraufgelegt, für jedes Mitglied seiner verstreuten Nachkommenschaft offiziell die Verantwortung zu übernehmen, mit regelmäßigen Gebeten und Opfergaben an den Turm des Bastards für ihren Schutz. Vielleicht war die Mutter diesmal schon verheiratet gewesen, und das Kind war mit stillschweigender Zustimmung des gehörnten Ehemannes der Familie der Frau untergemischt worden? Stillschweigend, wenn auch nicht insgeheim, andernfalls hätte dy Arbanos seinen Platz im Umfeld des Grafen nicht einfordern können und zugebilligt bekommen.
»Es war eine schreckliche Tragödie«, sagte Cattilara.
»So schrecklich, dass wir uns heute Abend nicht die Feier damit verderben sollten«, knurrte Arhys.
So begann Cattilara, bedeutungslosen Tratsch über ihre Familie in Oby zu erzählen. Sie berichtete von ihrem Vater und ihren Brüdern und deren Zusammenstößen mit verstreuten Roknari an den Grenzen während des Feldzugs im letzten Herbst. Ista fiel auf, dass Lord Arhys sich nur wenig von den Speisen auf den Teller legte, und dieses Wenige schob er mehr mit seiner Gabel hin und her, als dass er es aß.
»Ihr esst ja gar nichts, Lord Arhys«, merkte Ista endlich an.
Mit gequältem Lächeln folgte er ihrem Blick auf seinen Teller. »Ich leide ein wenig unter Wechselfieber«, sagte er, »und ich habe festgestellt, dass es sich am besten durch Aushungern behandeln lässt, zumindest in meinem Fall. Es wird sicher bald besser.«
Eine Gruppe von Musikanten hatte auf der Galerie Aufstellung genommen und spielte schwungvoll, was für Arhys — wenn auch nicht für Cattilara — ein willkommener Vorwand war, die schleppende Unterhaltung zu unterbrechen. Kurz darauf entschuldigte er sich und ging davon, um sich mit einem seiner Offiziere zu besprechen. Ista schaute zu dem freien Platz der anderen Seite Arhys’ hinüber, der vollständig gedeckt war. Jemand hatte eine weiße Rose auf den Teller gelegt, als einen Gruß oder ein Gebet.
»Lord dy Arbanos scheint hier sehr vermisst zu werden«, sagte Ista zu Cattilara.
Sie schaute über den Hof hinweg, um ihren Gemahl ausfindig zu machen. Der aber stand an einem der anderen Tische und war in eine Unterhaltung vertieft, außer Hörweite der anderen.
»Wir vermissen ihn sehr«, sagte Cattilara. »Tatsächlich haben wir fast schon die Hoffnung aufgegeben, dass er sich jemals wieder erholen wird, aber Arhys will nichts davon hören … Es ist so traurig.«
»Ist er denn viel älter als der Graf?«
»Nein, er ist der jüngere Bruder meines Herrn Gemahl. Fast zwei Jahre jünger. Einen Großteil ihres Lebens waren die beiden unzertrennlich — der Majordomus hat sie gemeinsam aufgezogen, nachdem ihre Mutter gestorben ist, sagt mein Vater. Und er hat keinen von beiden bevorzugt. Illvin ist Arhys’ Rittmeister, solange ich zurückdenken kann.«
Ihre Mutter? Ista rollte besagten Familienstammbaum in Gedanken wieder zurück. »Dieser Illvin ist also kein Sohn des früheren Kanzlers dy Lutez?«