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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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»Euer Gott«, stieß Ista wild hervor, »hat einen abscheulichen Sinn für Humor.«

»Was?«, fragte dy Cabon verständnislos. »Er war hier? Und ich habe ihn verpasst?« Sein Mondgesicht nahm einen verzweifelten Ausdruck an.

Wenn es tatsächlich ein Traum war, den sie beide teilten …

»Wo seid Ihr jetzt?«, fragte Ista drängend. »Ist Foix bei Euch?«

»Was?«

Ista riss die Augen auf.

Sie lag auf dem Rücken im dunklen Schlafgemach, zwischen zerwühlten Leinendecken und in Cattilaras durchschimmernden Nachtgewändern. Allein. Sie fluchte.

Es ging auf Mitternacht zu, vermutete sie. In der Burg war Stille eingekehrt. Durch das Flechtwerk vor ihrem Fenster drang das schwache Zirpen von Insekten. Ein Nachtvogel sang eine leise, einschmeichelnde Melodie. Ein wenig bleiches Mondlicht sickerte ins Innere, sodass das Gemach nicht in völliger Schwärze versank.

Wessen Gebete mochten sie hierher gelockt haben? Viele Menschen beteten zum Bastard. Er war der Gott der letzten Zuflucht, nicht nur der Menschen zweifelhafter Herkunft. Es konnte irgendwer in Porifors sein. Ausgenommen, nahm Ista an, ein Mann, der nach einem hoffnungslosen Zusammenbruch nie wieder aufgewacht war.

Wenn ich jemals herausfinde, wer mir das angetan hat, wird der Betreffende sich wünschen, er hätte nie ein Verslein vor dem Schlafengehen gesprochen …

Leises Knarren und schlurfende Schritte waren von den Treppen zur Galerie her zu hören.

Ista kämpfte sich unter den Decken hervor, schwang die bloßen Füße auf die Dielen, und schlich leise zu dem Fenster, das auf den Innenhof hinausging. Sie entriegelte den hölzernen inneren Fensterladen und schwang ihn zurück. Zum Glück quietschte er nicht. Sie drückte ihr Gesicht gegen das schmuckvolle eiserne Flechtwerk des äußeren Gitters und spähte in den Hof. Der abnehmende Mond war noch nicht unter die Linie der Dächer gesunken. Sein bleiches, kränkliches Licht fiel schräg auf die Galerie.

Istas an das Dunkel gewöhnte Augen konnten deutlich die schlanke Gestalt von Lady Cattilara erkennen. Sie war in eine blasse Robe gekleidet und glitt ohne Begleitung über den Balkon. Vor der Tür am gegenüberliegenden Ende der Galerie hielt sie kurz an, öffnete sie dann behutsam und schlüpfte hinein.

Soll ich folgen? Hinterherschleichen, an Fenstern lauschen, heimlich spähen wie ein Dieb? Nein, das werde ich nicht tun! Egal, wie neugierig du mich machst. Verflucht sollst du sein …

Sie würde Lady Cattilara auf keinen Fall ins Schlafgemach ihres Schwagers folgen. Dazu konnten nicht einmal die Götter sie bringen. Ista schloss die Fensterläden, drehte sich um und marschierte zurück zu ihrem Bett. Dort vergrub sie sich unter den Decken.

Lag wach, lauschte.

Nach einigen Minuten erhob sie sich wieder, trug leise einen Stuhl zum Fenster, setzte sich darauf, lehnte den Kopf gegen das filigrane eiserne Gitter und blickte hinaus. Schwacher Kerzenschein schimmerte durch das Gitterwerk gegenüber. Nach langer Zeit verlosch das blasse Licht. Nach einer weiteren kurzen Zeitspanne öffnete sich die Tür wieder, gerade weit genug, dass eine schlanke Frau sich hindurchzwängen konnte.

Cattilara ging denselben Weg zurück, den sie gekommen war, und stieg die Treppen hinunter. Sie schien nichts bei sich zu tragen.

Offensichtlich hatte sie die Pflege des kranken Mannes beaufsichtigt. Das war nicht unter der Würde einer Burgherrin, wenn es einen so hochwohlgeborenen Patienten, einen so bedeutenden Offizier, einen so nahen und offenbar hoch geschätzten Verwandten ihres Mannes ging. Womöglich benötigte Lord Illvin eine Medizin um Mitternacht, irgendeine Behandlung, die von den Ärzten angeordnet war. Es gab ein Dutzend mögliche harmlose Erklärungen.

Jedenfalls eine Handvoll.

Ein oder zwei zumindest.

Ista stieß zischend den Atem aus und kehrte zum Bett zurück. Es dauert lange, bis sie wieder einschlafen konnte.

Kurz nach Sonnenaufgang erschien Lady Cattilara in Istas Gemächern, viel zu früh für eine Frau, die sich nachts verstohlen in der Burg herumgetrieben hatte. Sie platzte beinahe vor fröhlicher Gastfreundschaft und wollte Ista zu morgendlichen Dankgebeten in den Tempel der Stadt begleiten. Mit Mühe unterdrückte Ista die bohrende Anspannung, die die Gegenwart der jungen Gräfin in ihr hervorrief. Als Ista den blumengeschmückten Eingangshof erreichte, entdeckte sie, dass Pejar dort bereits auf sie wartete und ein Pferd für sie bereithielt. Nun war es zu spät, sich zu entschuldigen. Ihre Muskeln taten immer noch weh, und sie fühlte sich schwach und alles andere als dankbar. Trotzdem ließ sie sich mitschleppen. Pejar führte ihr Reittier in einem schicklichen Tempo. Lady Cattilara setzte sich an die Spitze der kleinen Prozession. Sie hielt den Kopf hoch erhobenen, schwang die Arme und hatte noch genug Atem, mit ihren Damen während des Abstiegs auf dem trügerischen gewundenen Pfad ein Lied anzustimmen.

Hinter den Mauern und Toren des Ortes standen die Gebäude dicht an dicht. Porifors wartete offensichtlich nur darauf, eine Stadt zu werden — durch zusätzliche Mauern oder eine Zeit des Friedens, in der man auf Mauern verzichten konnte. Der Tempel des Ortes war ebenfalls klein und alt, die Altäre der vier Götter kaum mehr als überwölbte Ausbuchtungen das zentralen Innenhofs, und der Turm des Bastards war eines jener provisorisch errichteten, ein Stück abseits stehenden Gebäude, die länger Bestand gehabt hatten, als jemand erwartet oder gewünscht hätte. Trotz alledem war der alte Geistliche nach dem Gottesdienst begierig, der Königinwitwe sämtliche bescheidenen Kostbarkeiten seines Tempels zu zeigen. Ferda bedeutete Pejar, bei Ista zu bleiben, und entschuldigte sich. Er bliebe nicht lange fort, erklärte er. Istas Lippen zuckten angesichts seiner Wahl des Zeitpunkts.

Es stellte sich heraus, dass die Kostbarkeiten des Tempels so bescheiden gar nicht waren. Der Tempel hatte viele großzügige Zuwendungen von Lord Arhys erfolgreicheren Überfällen und Beutezügen erhalten. In den überschwänglichen Aufzählungen des Geistlichen wurde häufig auch Lord Illvins Name genannt. Ja, allerdings, das Verbrechen, das ihn niedergestreckt hatte, war ein schrecklicher Vorfall gewesen. Und leider, leider, konnten die ländlichen Heiler des Tempels nichts für ihn tun. Doch es bestand immer noch die Hoffnung, dass klügere Leute aus den größeren Städten in Ibra oder Chalion Wunder bewirken könnten, wenn nur Lord Arhys’ Gesandte endlich einen dazu bewegen konnten, hierher zu kommen. Nachdem der Geistliche die interessantesten Geschichten zur Herkunft seiner Stücke vorgetragen hatte — oder vielleicht auch die sensationslüsternsten —, beschrieb er genauestens die Pläne für einen neuen Tempel. Dieser sollte gebaut werden, sobald der Friede sowie die Förderung durch den Grafen und die Gräfin es möglich machten.

Schließlich kehrte Ferda zurück. Sein Gesicht war ernst. An der Altarnische der Frühlingsherrin hielt er kurz und kniete nieder. Seine Augen schlossen sich, seine Lippen bewegten sich. Erst dann ging er weiter und trat an Istas Seite.

»Entschuldigt mich, Hochwürden«, unterbrach Ista schroff den Monolog des Geistlichen. »Ich muss kurz mit meinem treuen Ritter sprechen.«

Sie kehrten zur Nische der Frühlingsherrin zurück. »Was ist?«, fragte Ista leise.

Ferdas Stimme war ebenso leise. »Der morgendliche Bote von Lord dy Caribastos ist eingetroffen. Es gibt keine Neuigkeiten von Foix oder dy Cabon, und auch nicht von Liss. Daher wollte ich um Eure Erlaubnis fragen, mich mit zweien meiner Männer auf die Suche zu begeben.« In wohl überlegter Bewunderung blickte er hinüber zu Lady Cattilara, die es übernommen hatte, höflich dem Geistlichen zu lauschen. »Offensichtlich seid Ihr hier in besten Händen. Es wird mich nur einige Tage kosten, bis nach Maradi und wieder zurück zu reiten. Lord Arhys hat sich bereit erklärt, uns einige gute, frische Pferde zu leihen. Ich rechne damit, dass ich wieder zurück bin, bevor Ihr Euch gesund genug fühlt, um weiterzureisen.«

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