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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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Sie seufzte, lehnte sich zur Seite und blies die Kerze aus. Der Geruch nach heißem Wachs stieg ihr noch eine Zeit lang in die Nase, und der Glanz des Kerzenlichts hinterließ einen glühenden Fleck in ihrem Auge, als sie sich zur Seite drehte und das Kissen unter ihrer Schulter zurechtklopfte. Du kannst diese Tür nicht öffnen. Und du kannst mich auch nicht dazu zwingen, welche Träume du mir auch schickst.

Tu das Zweitschlimmste. Das Schlimmste hast du mir schon angetan.

Zu Anfang war ihr Schlaf traumlos und leer. Dann trieb sie eine Weile durch gewöhnliche Träume, in denen eine Absurdität mit der anderen verschmolz. Schließlich betrat sie ein Gemach, und alles war anders. In diesem Gemach war sie nie zuvor gewesen. Es war nicht das Gemach von Lord Illvin, und es war nicht ihr eigenes. Draußen war heller Nachmittag; das schloss sie zumindest aus dem Licht, das durch die fein gemusterten Öffnungen in den Fensterläden fiel. An der Bauweise erkannte sie, dass es ein Raum war, der zu Burg Porifors gehörte. Dann wurde ihr bewusst, dass sie das Zimmer doch schon einmal gesehen hatte, in einem kurzen Augenblick, von Kerzenschein erhellt. Lord Arhys hatte aufgeschrien …

Jetzt war alles still. Das Gemach war sauber und aufgeräumt. Und es war niemand hier außer ihr selbst … nein, einen Augenblick!

Die Tür schwang auf.

Eine vertraute Gestalt zeichnete sich kurz vor dem hellen Hintergrund ab, im trüben Licht, das in den blumengeschmückten Innenhof dahinter fiel. Die Gestalt füllte die Tür von einer Seite zur anderen aus; dann wuchtete sie ihre Körpermassen durch den Türrahmen und ließ die Tür hinter sich zufallen. Kurz verspürte Ista Erleichterung und Freude, als sie dy Cabon erblickte, sicher und wohlbehalten.

Nur … dass es nicht Cabon war. Nicht dy Cabon allein jedenfalls.

Er war fetter, heller, weißer und wirkte ein wenig androgyn. Schwoll dieses Fleisch an, um das Unfassbare zu fassen?

Seine Kleidungsstücke waren fleckenlos und leuchteten wie der Mond, und allein daran hätte Ista den Unterschied erkennen müssen. Ein Lächeln grub Falten in sein Gesicht, und die Augen des Gottes funkelten sie an. Sie waren weiter als die Himmel, tiefer als die Abgründe der See, und von endloser Vielschichtigkeit. Es waren Augen, die gleichzeitig jede Person auf der Welt betrachten konnten und ein jedes lebendes Ding, von innen und von außen, mit der gleichen ruhigen Aufmerksamkeit.

Lord Bastard. Ista sprach seinen Namen nicht laut aus, sonst hätte er es für ein Gebet halten können. Stattdessen sagte sie scheinbar leichthin: »Ist das nicht ein bisschen viel Aufwand für mich?«

Er beugte sich über seinen ausladenden Bauch nach vorn. »Klein, aber stark. Ich kann nicht einmal ein Blatt anheben, wie Ihr wisst. Und kein Eisen biegen. Und nicht Euren Willen. Meine Ista.«

»Ich bin nicht die Eure.«

»Aus mir spricht die Hoffnung und die Vorfreude, wie man es einem Freier wohl nachsehen mag.« Das Lächeln auf seinem feisten Gesicht wurde noch breiter.

»Oder die Betrügerei einer Ratte.«

»Ratten«, bemerkte er seufzend, »sind unbedeutende Kreaturen, scheu und ehrlich. Und sehr beschränkt. Für Betrügereien braucht man einen Mann. Oder eine Frau. Falschheit, Verrat … Vertrauen, Frohlocken … Fallen für Bären …«

Ista zuckte bei dieser möglichen Anspielung auf Foix zusammen. »Ihr wollt irgendetwas. Die Götter können mit süßer Zunge sprechen, wenn sie etwas wollen. Als ich etwas wollte, als ich mit ausgebreiteten Armen auf dem Gesicht lag und gebetet habe, in Tränen und von Entsetzen erfüllt — über Jahre hinweg —, wo seid Ihr da gewesen? Wo waren die Götter in der Nacht, als Teidez starb?«

»Der Herbstsohn hat viele Männer ausgeschickt, als Antwort auf Eure Gebete, süße Ista. Sie haben sich auf der Straße abgewendet und eine andere Richtung eingeschlagen, und sie kamen nicht an. Denn er konnte nicht ihren Willen verbiegen und nicht ihre Schritte lenken. Und so verstreuten sie sich wie Blätter im Wind.«

Seine Mundwinkel hoben sich zu einem Lächeln, in dem ein tieferer Ernst lag als in jedem missmutigen Gesicht, das Ista bisher gesehen hatte. »Nun betet ein anderer — in einer Verzweiflung, die so tief ist wie damals die Eure. Jemand, der mir so lieb ist, wie Teidez meinem Bruder lieb war. Und ich sende Euch. Werdet Ihr Euch auch abwenden? Wie Teidez’ Retter es tat? Auf dem letzten Stück, wenn nur noch wenige Schritte vor Euch liegen?«

Schweigen breitete sich aus.

Istas Kehle war vor Zorn wie zugeschnürt. In ihrem Innern brodelte eine Mischung komplizierter Gefühle, die sie selbst nicht unterscheiden oder benennen konnte. Ein Eintopf aus Leid, nahm sie an. Zischend stieß sie zwischen den Zähnen hervor: »Bastard, du Bastard

Er grinste nur, was ihren Zorn weiter entfachte. »Wenn ein Mann erscheint, der Euch zum Lachen bringen kann, ernste Ista, zornige Ista, eiserne Ista, wird Euer Herz geheilt. Darum habt Ihr nicht gebetet; das ist ein Lohn, den selbst die Götter Euch nicht geben können. Wir müssen uns mit so schlichten Dingen begnügen wie der Erlösung von Euren Sünden.«

»Als ich das letzte Mal den verworrenen, heiligen und unzureichenden Anweisungen der Götter gefolgt bin, wurde ich betrogen und zu Mord verleitet!«, tobte sie. »Aber von Euch brauche ich keine Erlösung! Ich möchte nichts mit Euch zu tun haben. Würde ich glauben, dass ich für Vergessen beten kann, würde ich es tun … zu vergehen, ausgelöscht werden, sich auflösen wie die verlorenen Geister, die einen wirklichen Tod sterben, und so dem Leid der Welt entfliehen! Was können die Götter mir geben?«

Seine Augenbrauen hoben sich zu einem Ausdruck von Wohlwollen, der zutiefst heuchlerisch wirkte: »Arbeit, süße Ista!«

Er trat näher, und die Holzdielen unter seinen Füßen knarrten und ächzten bedenklich. Beinahe wäre sie zurückgewichen angesichts der beängstigenden Vorstellung, dass sie beide durch den Boden brechen und in den Raum darunter stürzen würden. Er hielt die Hände leicht über ihren Schultern, berührte sie aber nicht. Verärgert stellte sie fest, dass sie nackt war. Er beugte sich nach vorne, und sein fetter Leib berührte ihr nackte Haut. »Mein Zeichen ist auf Euer Stirn«, murmelte er.

Seine Lippen berührten ihre Stirn. Der Fleck brannte wie Feuer.

Er hat mir die Gabe des zweiten Gesichts zurückgegeben. Eine unmittelbare, ungelenkte Wahrnehmung der Welt des Geistes, seiner Welt. Ista erinnerte sich, wie die Lippen der Mutter auf dieselbe Weise ihre Haut versengt hatten, in jenem Wachtraum vor langer Zeit, der so verheerende Folgen gehabt hatte. Du kannst mir deine Gaben aufdrängen, aber ich muss sie nicht benutzen. Ich verweigere sie, ich widersetze mich dir!

Seine Augen funkelten noch heller, und er ließ seine feisten Hände ihren bloßen Rücken hinunter wandern und zog sie fester in seine Umarmung, drückte sie tiefer in seine Leibesfülle und beugte sich erneut nach vorn. Er küsste sie mit selbstgefälligem, lüsternem Genuss auf den Mund. Peinliche Erregung erfasste ihren Körper, was ihren Zorn nur noch steigerte.

Unvermittelt verschwanden die dunklen Abgründe aus seinen Augen, die den ihren so nahe waren, dass ihr Blick sich kreuzte. Ein menschlicher Ausdruck trat an deren Stelle, und die Augen wurden erst weit, dann entsetzt. Der Geistliche dy Cabon rang nach Luft und sprang zurück wie ein erschrockenes Tier.

»Majestät!«, rief er mit schriller Stimme. »Vergebt mir! Ich … ich …« Sein Blick huschte durchs Gemach, richtete sich ruckartig auf Ista, und seine Augen wurden noch größer und huschten über die Decke, den Boden, die Wände. »Ich weiß nicht, wo ich bin …«

Sie träumte ihn nicht, dessen war sie ziemlich sicher. Er träumte sie. Und er würde sich ebenfalls sehr lebhaft dran erinnern, wenn er wieder erwacht war. Wo immer er sein mochte.

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