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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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Unter Cattilaras Anleitung brachten die Zofen ein Kleidungsstück nach dem anderen herbei, damit Ista es begutachten konnte, und die Burgherrin öffnete ihr Schmuckkästchen.

»Mein Herr Gemahl sagte, Ihr hättet all Eure Besitztümer an die Jokoner verloren«, erklärte Cattilara atemlos. »Deshalb bitte ich Euch, nehmt von mir zum Geschenk, was auch immer Euer Gefallen findet.«

»Da ich ursprünglich auf einer Pilgerreise war, hatte ich nur wenig dabei, deshalb habe ich auch nur wenig verloren«, beschwichtigte Ista. »Viel wichtiger ist, dass die Götter meine Männer verschont haben. Alles andere kann ersetzt werden.«

»Ich habe den Eindruck, es war eine grausame Prüfung für Euch«, sagte Cattilara, die bestürzt nach Luft geschnappt hatte, als die Akolythin die hässlichen Wunden an Istas Knie enthüllte.

»Den Jokonern ist es am Ende schlimmer ergangen, Dank Eures Herrn Gemahls und seiner Leute.«

Dieses Lob für ihren Gemahl ließ Cattilara freudig strahlen. »Ist er nicht großartig? Vom ersten Augenblick an, da ich ihn sah, bin ich unsterblich in ihn verliebt. Es war an einem Herbsttag, als er gemeinsam mit meinem Vater durch die Tore von Oby ritt. Mein Vater ist der Graf von Oby, der bedeutendsten Festung in Caribastos, abgesehen von der Residenz des Herzogs.«

Ista schmunzelte. »Ich kann Euch versichern, dass Lord Arhys auf dem Rücken eines Pferdes einen bemerkenswerten ersten Eindruck vermittelt.«

Cattilara plapperte weiter: »Er sah wundervoll aus, aber auch sehr traurig. Seine erste Frau war im Kindbett gestorben, schon Jahre zuvor, bei der Geburt seiner Tochter Liviana. Man erzählte sich, dass er seither keine andere Frau mehr angeschaut hatte. Ich war damals erst vierzehn. Zu jung, sagte mein Vater zu mir, und dass es bloß eine mädchenhafte Schwärmerei von mir wäre. Aber ich habe ihm das Gegenteil bewiesen. Drei Jahre lang habe ich mit meinem Vater um Lord Arhys Gunst gekämpft, und was habe ich alles dabei gewonnen!«

Allerdings. »Seid Ihr schon lange verheiratet?«

»Seit fast vier Jahren.« Sie lächelte stolz.

»Habt Ihr Kinder?«

Ihr Mundwinkel sanken herab, und ihre Stimme wurde traurig. »Bisher nicht.«

»Nun«, entgegnete Ista und versuchte, den unerwarteten Abgrund an verborgenem Kummer zu überbrücken, der sich so deutlich auf dem Gesicht des Mädchens zeigte. »Ihr seid noch jung … Schauen wir uns die Kleider an.«

Ista erschrak, als sie durchsah, was Cattilara ihr anbot. Die Gräfin bevorzugte helle, leichte, luftige Gewänder, die ihrer schlanken Figur ohne Zweifel außerordentlich gut anstanden. Doch Ista hatte den Verdacht, dass sie selbst darin aussehen würde wie ein Zwerg, der eine Gardine hinter sich her schleppt. Doch sie drückte es nicht ganz so unverblümt aus. »Ich … ich bin immer noch in Trauer wegen des kürzlichen Todes meiner Mutter«, sagte sie. »Und auch meine Pilgerfahrt ist noch lange nicht beendet, auch wenn sie von den jokonischen Plünderern so grob unterbrochen wurde. Habt Ihr vielleicht etwas in Farben, die meiner Trauer angemessener sind …?«

Die ältere von Cattilaras Damen blickte auf Ista, dann wieder auf die hellen Seidenstoffe. Offenbar verstand sie Istas Worte richtig, denn längeres Stöbern in den Truhen sowie kurze Ausflüge zu weiter entfernten Lagerräumen beförderten schließlich mehrere Kleider zu Tage, die einen weniger mädchenhaft Schnitt aufwiesen, nicht ganz so lange Schleppen besaßen und in angemessenem Schwarz und Flieder gehalten war. Ista lächelte und schüttelte den Kopf, als Cattilara ihr das Schmuckkästchen reichte. Die Gräfin schaute sich selbst noch einmal an, was darin zur Auswahl stand; dann machte sie einen Knicks und entschuldigte sich kurz.

Ista hörte, wie Cattilara draußen auf der Galerie nur wenige Schritte machte und dann in einen Raum abbog. Bald darauf waren ihre Stimme und die eines Mannes zu vernehmen.

Offensichtlich war Lord Arhys zurückgekehrt. Kurze Zeit später näherten sich die leichten, eiligen Schritte der Gräfin wieder, und Cattilara kam zurück ins Zimmer, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen.

Sie streckte die Hand aus, in der eine kostbare Trauerbrosche aus Silber lag, mit Amethysten und Perlen besetzt.

»Mein Herr Gemahl hat nur wenige Preziosen von seinem großen Vater geerbt«, meinte sie schüchtern, »doch das ist eine davon. Er würde sich geehrt fühlen, wenn Ihr sie annehmt, um dieser vergangenen Zeit willen.«

Ista war von dem Anblick überrascht und stieß ein belustigtes Schnaufen aus. »O ja. Ich erinnere mich an dieses Stück. Lord dy Lutez pflegte es am Hut zu tragen, wenn sich die Gelegenheit ergab.« König Ias hatte es ihm gegeben — eines der unbedeutendsten von vielen Geschenken, die sich schließlich zur Hälfte seines Königreichs summiert hatten, ehe alles zusammenbrach.

Cattilara hob den Blick, und Ista hätte schwören können, dass ihre Augen in verklärtem Glanz strahlten. Vermutlich teilte die Gräfin die Vermutungen ihres Gatten über das heroische Ende seines Vaters. Ista war sich immer noch nicht sicher, ob Lord Arhys ihr geglaubt hatte, als sie ein intimes Verhältnis abgestritten hatte. Immerhin hatte dy Lutez als Liebhaber einen nicht minder bedeutenden Ruf gehabt denn als Krieger. Womöglich hatte Arhys ihre Geschichte nur aus Höflichkeit akzeptiert. Glaubte er, dass sie noch immer um dy Lutez trauerte? Oder um Ias? Oder um welche verlorene Liebe auch immer? Die Brosche war eine vieldeutige Botschaft — falls es eine Botschaft war.

Arhys’ Haut war unter ihrer Hand so fest und kühl gewesen wie Wachs, als sie im Zelt seine Wunde berührt hatte. Die Haut eines Toten. Trotzdem war er wieder aufgestanden, war geritten, hatte geredet, seine Frau geküsst, hatte gelacht und so brummig geknurrt wie jeder andere Ehemann.

Ista hätte sich inzwischen vielleicht einreden können, dass alles nur Einbildung gewesen war, oder ein Trugbild, doch Ferda hatte das Blut auf ihrer Handfläche ebenfalls gesehen.

Doch Ista dachte nicht länger über seine möglichen geheimen Hintergedanken nach und sagte stattdessen: »Ich danke Euch. Und richtet auch Eurem Herrn Gemahl meinen Dank aus.«

Cattilara wirkte überaus selbstzufrieden.

Man brachte Ista zu Cattilaras Bett, ließ sie sich niederlegen und breitete ihre immer noch feuchten Haare auf einem leinenen Handtuch um ihren Kopf herum aus. Die Akolythin setzte sich auf einen Hocker auf der andere Seite des Gemachs und wachte über sie. Cattilara drängte ihre Damen hinaus, folgte ihnen leise und ließ ihren hoch geehrten Gast zurück, damit der bis zum Abendessen ruhen konnte. Womöglich wollte die Gräfin auch die Zubereitung der Mahlzeiten überwachen. Das stille, dämmrige Gemach, die Müdigkeit und die Wohltat sauberer Haut und sauberer Kleidung vermittelten Ista das Gefühl — oder die Illusion? —, endlich eine Zuflucht gefunden zu haben. Obwohl sie noch immer ein wenig Kopfschmerz hatte und eine leichte Anspannung fühlte, sanken ihre Lider herab.

Plötzlich spürte sie einen kühlen Hauch auf der Wange und schlug verärgert die Augen wieder auf. Im Grunde verwunderte es sie nicht, dass es in dieser Burg Geister gab — die gab es in allen alten Festungen. Und es wunderte sie auch nicht, dass diese Geister nun hervorkamen und einen neuen Besucher in Augenschein nahmen; dennoch erschrak Ista, als sie sich auf die Seite drehte und einen verschwommenen weißen Fleck sah, der vor ihr in der Luft schwebte. Während sie ihn unwillig anstarrte, kamen zwei weitere aus den Wänden und gesellten sich zu dem ersten, als würden sie von ihrer Wärme angezogen. Es waren alte Geister, schwach und formlos und beinahe gänzlich einem gnädigen Vergessen anheim gefallen. Zornig verzog Ista die Lippen. »Hinweg, Verlorene«, flüsterte sie. »Ich kann nichts für euch tun.« Eine wischende Bewegung mit der Hand ließ die Umrisse wie Nebel verwehen, und sie verschwanden vor ihrem inneren Auge. Kein Spiegel hätte diesen Anblick gezeigt, kein Begleiter ihn wahrgenommen.

»Majestät?«, murmelte die Akolythin schläfrig.

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