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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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Ein Kundschafter kam herangeritten und grüßte seinen Befehlshaber respektvoll. Arhys ritt für einen Augenblick zur Seite und besprach sich mit dem Mann; dann blickte er blinzelnd zur Sonne hinauf und runzelte die Stirn. »Majestät, ich muss mich um einige Dinge kümmern. Ich freue mich darauf, bei anderer Gelegenheit erneut das Vergnügen Eurer Gesellschaft genießen zu dürfen.« Mit ernstem Nicken verabschiedete er sich von Ista.

Ferda kam wieder heran. Er lächelte und schaffte es halbwegs, seine Neugier nicht zu deutlich zu zeigen. Kurze Zeit später wurden einige der Packtiere und Dienstboten vorausgeschickt; begleitet von einem halben Dutzend bewaffneter Flankenreiter fielen sie in Trab. Nach ein paar weiteren Meilen bog die Straße in ein langes, flaches Tal ab, mit Bäumen und Weinreben bestanden. Ein befestigtes Dorf schmiegte sich an den kleinen Wasserlauf. Im Olivenhain unweit des Baches stellten die Diener soeben zwei Zelte auf, bereiteten ein Feuer vor und suchten die Speisen zusammen.

Lord Arhys, Ista, Ferdas Schar und ungefähr ein Dutzend der Wachen bogen zur Seite ab, in Richtung des Wäldchens. Der Rest der Krieger zog weiter, ohne einen Blick zurückzuwerfen.

Ista lächelte dankbar, als Ferda ihr von dem weißen Ross herunterhalf. Der junge Soldat erschien wieder und führte das Pferd davon, zu Futter und Wasser. Ein anderer Soldat geleitete Ista, die sich auf Ferdas Arm stützte, in den Schatten eines alten Olivenbaumes. Dort warteten sie auf das Mittagessen. Aus Sätteln, Teppichen und gefalteten Decken war ein Sitz für Ista vorbereitet worden, der weich genug war, dass sie ihre müden Glieder entspannen konnte. Lord Arhys brachte ihr persönlich verdünnten Wein. Anschließend leerte er selbst einen Becher, der wiederum mehr Wasser als Wein enthielt.

Er wischte sich den Mund ab und reichte den Becher an einen bereitstehenden Diener.

»Majestät«, sagte er zu Ista, »ich muss mich ein wenig ausruhen. Meine Leute werden für alles sorgen, was Ihr wünscht. Das andere Zelt ist für Euch, falls Ihr Euch zurückziehen wollt.«

»Vielen Dank. Doch dieser angenehme Schatten dürfte vorerst ausreichen.« Beides waren schlichte Offizierszelte, rasch aufgebaut und ebenso rasch wieder zusammengefaltet. Das größere Kommandozelt war offensichtlich mit dem Rest des Zuges schon weitergeschickt worden.

Er verneigte sich und ging davon, duckte sich unter der Zeltklappe hindurch und verschwand. Ista hatte den Verdacht, dass er nun schon seit zwei Tagen jede Nacht wach geblieben war. Kein Wunder also, wenn er jetzt die Stunde der Ruhe nutzen wollte. Sein Diener folgte ihm nach drinnen und kam einige Minuten später wieder hervor, um sich mit untergeschlagenen Beinen vor der verschlossenen Klappe niederzusetzen.

Die Akolythin, Istas zeitweilige Zofe, fragte nach ihren Wünschen, von denen es nicht viele gab. Schließlich kam sie zu Ista in den Schatten. Ista ermunterte sie zu einem unbefangenen Gespräch und erfuhr auf diese Weise einiges über das örtliche Leben in den Dörfern. Die Marketenderinnen brachten ihr Speisen und schauten besorgt zu, wie sie aß. Als Ista lächelte und ihnen dankte, wirkten sie erleichtert und erfreut.

Das Dorf war zu klein, um einen Tempel zu unterhalten. Ferda und seine verbliebenen Männer erfuhren allerdings, dass auf dem Marktplatz neben dem Brunnen ein Schrein der Tochter zu finden war. Nach dem Essen machten sie sich auf den Weg dorthin, um für ihre Rettung zu danken. Ista entließ sie mit ihren besten Wünschen, sah selbst allerdings keine Notwendigkeit, einen bestimmten Platz aufzusuchen und dort nach den Göttern Ausschau zu halten. Sie schienen sich ihr an allen Orten und zu jeder Zeit aufzudrängen. Ein Ort allerdings, wo die Götter ganz sicher nicht zu finden waren — das wäre womöglich eine Pilgerreise wert!

Der stille, sonnige Nachmittag machte Ista schläfrig, und sie döste ein. Die Akolythin schlief neben ihr auf den Decken. Ihr Schnarchen war durchaus damenhaft, denn das Geräusch erinnerte an eine laut schnurrende Katze.

Ista erwachte aus dem Schlummer, zupfte eine Decke zurecht und lehnte sich wieder gegen die Baumrinde. Der knorrige Stamm war gewiss 500 Jahre alt. Ob es das Dorf schon so lange gab? Es machte den Anschein. Im Besitz Chalions, Ibras, verschiedener roknarischer Fürstentümer und jetzt wieder Chalions … Die verschiedensten Herren waren gekommen und gegangen, wie die Gezeiten an einem Strand, und der Ort dauerte einfach fort, beständig über die Jahrhunderte hinweg. Zum ersten Mal seit Tagen spürte Ista Entspannung, die der Sicherheit und Friedlichkeit dieser stillen Stunde entsprang. Sie gestattete sich, die Augen zu schließen, nur für eine kleine Weile.

Ihre Gedanken zerfaserten, schwebten an der Grenze zum Traum … Sie ging in der Burg von Valenda umher, oder vielleicht im Zangre, und stritt über Kleidung, die ihr nicht richtig passte … fliegende Vögel … ein Raum in einer Burg, von Kerzen erhellt.

Arhys’ Antlitz, vor Grauen verzerrt, der Mund weit aufgerissen … seine Hände griffen entsetzt nach vorn. Er taumelte und gab einen heiseren Laut von sich, der irgendwo zwischen einem Stöhnen und einem Schrei begann nahm und sich zu einem kummervollen Klagelaut steigerte …

Mit einem heftigen Atemzug fuhr Ista hoch. Der Schrei klang ihr noch immer in den Ohren. Sie setzte sich auf und blickte umher, mit wild pochendem Herzen. Die Akolythin schlief weiter. Mehrere Männer saßen auf der anderen Seite des Wäldchens bei den angebundenen Pferden und spielten Karten. Andere schliefen. Niemand sonst schien diesen beängstigenden Laut gehört zu haben. Keiner wandte den Kopf zu Arhys’ Zelt. Der Diener hatte seinen Platz vor dem Eingang verlassen.

Es war nur ein Traum … oder nicht?

Doch es war viel zu greifbar, viel zu echt für einen Traum gewesen. Es hob sich von den vorherigen, verschwommenen Eindrücken so deutlich ab wie ein Fels, der aus einem Strom ragt. Ista zwang sich, sich wieder anzulehnen, doch die Anspannung blieb. Sie spürte einen Druck auf dem Brustkorb wie von straff gezogenen Schnüren, die ihr den Atem nahmen.

Behutsam streckte sie eine Hand aus und erhob sich. Niemand beachtete sie. Verstohlen huschte sie die wenigen Meter durchs Sonnenlicht bis zum nächsten Baum und dort wieder in den Schatten. Am Eingang des Zeltes hielt sie inne. Wenn sie ihn jetzt weckte — was für eine Erklärung konnte sie dann vorbringen? Und wenn er wach war? Wenn er sich gerade anzog? Wie konnte sie diese Vertraulichkeit dann erklären?

Ich muss es wissen!

Ista schlug die Zeltplane zurück und trat ein. Rasch gewöhnten ihre Augen sich an das Dämmerlicht. Das helle Tuch der Planen war dünn genug, um die Schatten der Olivenblätter ausmachen zu können, die sich auf dem Zeltdach bewegten. Das Sonnenlicht ließ die Leinenbahnen sanft erglühen, und durch Dutzende nadelfeiner Löcher stachen Sonnenstrahlen ins Innere des Zelts.

»Lord Arhys? Lord Arhys, ich …« Ihr Flüstern erstarb.

Arhys’ Tunika und seine Stiefel lagen eingewickelt auf einer Decke rechts von ihr. Er selbst lag rücklings auf einem Feldbett zu ihrer Linken, mit dem Kopf zum Eingang und nur mit einem dünnen Leintuch bedeckt. Er hatte sich einen schmalen Streifen aus grauem und schwarzem Stoff um den Oberarm gewunden, direkt auf die Haut, als Zeichen eines persönlichen Gebets an den Wintervater.

Seine Augenlider waren geschlossen und grau. Er regte sich nicht, und seine Haut war so blass und durchschimmernd wie Wachs. Und über seiner linken Brust zeichnete sich ein hellroter Fleck ab, wie ein Brandmal, und rot sickerte es durch den Leinenstoff …

Ista stockte der Atem, und ihr Schrei erstickte. Sie ließ sich neben dem Feldbett auf die Knie fallen. Fünf Götter, man hat ihn ermordet! Aber wie? Niemand hatte das Zelt betreten, seit der Diener es verlassen hatte. Hatte er seinen Herrn verraten? War er ein Spion der Roknari? Mit zitternder Hand schlug Ista die Decke zurück.

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