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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Abgerufen?«

«Wenn die Gelder abgehoben werden oder eingehen.«

«Angenommen, ich wäre einfach an einen Schalter gegangen, hätte dort ein Sparbuch vorgelegt und Geld verlangt?«

«Dann wären auf einem Bildschirm zwei Sternchen erschienen, und man hätte Sie zu mir gesandt.«

«Ihre Telefonvermittlung hat mich gleich mit Ihrem Büro verbunden.«

«Das war Zufall. Die Außenhandelsabteilung hat noch zwei

Direktoren. Hätte man Sie zu einem meiner Kollegen durchgestellt, hätte der fiche trotzdem vorgeschrieben, daß man Sie zu mir schickt. Ich bin der Leiter dieser Filiale.«

«Ich verstehe. «Dabei war Borowski keineswegs sicher, daß er die Zusammenhänge begriffen hatte. Es gab da eine Lücke im Ablauf.»Warten Sie einen Augenblick. Sie wußten doch überhaupt nichts von einem fiche, als Sie sich die Kontounterlagen in Ihr Zimmer bringen ließen.«

«Warum ich es trotzdem verlangt habe?«unterbrach ihn d'Amacourt, der die Frage vorhergesehen hatte.»Seien Sie doch vernünftig, Monsieur. Versetzen Sie sich in meine Lage. Ein Mann ruft an, nennt seinen Namen und sagt dann, er >spräche von über vier Millionen Franc.< Vier Millionen! Wären Sie da nicht auch äußerst hilfsbereit und geneigt, die eine oder andere Vorschrift außer acht zu lassen?«

Jason sah den eleganten Bankier an und begriff, daß er ganz und gar nichts Ungewöhnliches gesagt hatte.

«Wie lauteten die Instruktionen?«

«Zunächst sollte eine Telefonnummer angerufen werden — eine nicht registrierte natürlich — und alle Informationen an sie weitergegeben werden.«

«Erinnern Sie sich an die Nummer?«

«Ich mache es mir zur Gewohnheit, mir solche Dinge zu merken.«

«Das kann ich mir vorstellen. Und wie lautet die Nummer?«

«Ich muß mich schützen, Monsieur. Wie hätten Sie sie sonst bekommen können? Ich stelle diese Frage… wie sagt man?… rhetorisch.«

«Was bedeutet, daß Sie die Antwort bereits kennen. Wie habe ich die Nummer also erfahren?«

«In Zürich. Sie haben einen sehr hohen Preis dafür bezahlt, daß jemand nicht nur die äußerst strengen Vorschriften des Schweizer Bankgewerbes, sondern auch die Gesetze des Landes brach.«

«Jetzt habe ich den Mann«, sagte Borowski, vor dessen geistigen Augen plötzlich das Gesicht Koenigs auftauchte.»Er hat das Verbrechen bereits begangen.«

«In der Gemeinschaftsbank? Machen Sie Witze?«

«Keineswegs. Sein Name ist Koenig. Sein Schreibtisch steht im ersten Stock.«

«Das werde ich mir merken.«

«Sicher werden Sie das. Die Nummer?«D'Amacourt gab sie ihm. Jason schrieb sie auf eine Papierserviette.»Woher weiß ich, daß diese Nummer richtig ist?«

«Sie können einigermaßen sicher sein; ich bin noch nicht bezahlt worden.«

«Das genügt.«

D'Amacourt beugte sich vor.»Eine Fotokopie des Originalfiche traf mit dem Kontenkurier ein. Sie war in ein schwarzes Etui eingeschlossen und wurde vom Leiter der Registratur in Empfang genommen und quittiert. Die Karte in dem Etui war von einem Partner der Gemeinschaftsbank unterschrieben und von einem Schweizer Notar gegengezeichnet; die Instruktionen waren unmißverständlich: In allen Angelegenheiten, die das Konto von Jason C. Borowski betrafen, sollte sofort ein Telefonanruf in die Vereinigten Staaten erfolgen. Die Nummer in New York war unkenntlich gemacht worden, und statt dessen hatte man einen Anschluß in Paris eingetragen und abgezeichnet.«

«Woher wußten Sie, daß es eine New Yorker Nummer war?«fragte Borowski erstaunt.

«Die Vorwahlnummer war in Klammern vermerkt, sie war nicht ausgestrichen worden. Sie lautete 212. Als geschäftsführender Direktor der Auslandsabteilung führe ich fast täglich Gespräche mit New York.«

«Die Korrektur war also ziemlich oberflächlich.«

«Richtig. Vielleicht ist sie in Eile erfolgt, oder man hat sie falsch ausgeführt. Andererseits gab es keine Möglichkeit, die Instruktionen ganz zu tilgen, ohne die Karte erneut notariell beglaubigen zu lassen. Die Vorwahlnummer stehenzulassen, bedeutete kein besonders großes Risiko, wenn man bedenkt, wie viele Anschlüsse es in New York gibt. Jedenfalls sah ich mich infolge der Änderung dazu veranlaßt, ein oder zwei Fragen zu stellen. Bankiers reagieren allergisch auf solche Art von Änderungen. «D'Amacourt trank die letzten Tropfen aus seinem Glas.

«Noch einen Whisky?«fragte Jason.

«Nein, vielen Dank. Das würde unser Gespräch nur verlängern.«

«Sie haben es selbst unterbrochen.«

«Ich denke nach, Monsieur. Vielleicht sollten Sie eine ungefähre Summe nennen, ehe ich fortfahre.«

Borowski studierte den Mann.»Es könnte eine fünfstellige sein«, sagte er.

«Na gut, ich werde fortfahren. Ich sprach mit einer Frau

… «

«Einer Frau? Was haben Sie zu Anfang gesagt?«

«Die Wahrheit. Ich sei geschäftsführender Direktor der Valois und befolge Instruktionen der Gemeinschaftsbank in Zürich. Was hätte ich sonst sagen sollen?«

«Weiter.«

«Ich sagte, ich hätte mit einem Mann am Telefon geredet, der behauptete, Jason Borowski zu sein. Sie fragte mich, wann das gewesen wäre, worauf ich erwiderte, vor wenigen Minuten. Dann wollte sie den genauen Inhalt unseres Gesprächs wissen. An diesem Punkt erklärte ich ihr meine Bedenken gegen solche Auskunft.

Auf dem fiche stand ausdrücklich, daß New York, nicht Paris, angerufen werden sollte. Sie sagte natürlich, das sei nicht meine Angelegenheit, die Änderung sei durch Unterschrift autorisiert und ob ich etwa wolle, daß Zürich informiert werde, daß ein Mitglied der Geschäftsleitung der Valois-Bank sich weigere, den Instruktionen der Gemeinschaftsbank nachzukommen?«

«Augenblick«, unterbrach Jason.»Wer war sie?«

«Ich habe keine Ahnung.«

«Sie meinen, Sie redeten die ganze Zeit mir ihr, ohne zu wissen, wer sie war?«

«Das ist die Eigenart eines fiche. Wenn ein Name genannt wird, dann gut. Wenn nicht, stellt man keine Fragen.«

«Sie zögerten aber nicht, nach der Telefonnummer zu fragen.«

«Ein reines Manöver; ich wollte Informationen. Sie haben viereinhalb Millionen Franc überwiesen — einen sehr hohen Betrag — und waren daher ein wichtiger Klient mit vielleicht wichtigeren Verbindungen… Erst sträubt man sich, dann willigt man ein, sträubt sich wieder, um erneut einzuwilligen; auf diese Weise erfährt man etwas. Besonders dann, wenn der Gesprächspartner hörbar Angst hat. Und ich kann Ihnen versichern, daß sie verängstigt war.«

«Und was erfuhren Sie von der Frau?«

«Daß Sie ein gefährlicher Mann seien.«

«In welcher Hinsicht?«

«Das ließ sie offen. Aber allein die Tatsache, daß der Begriff benutzt wurde, genügte mir, um zu fragen, weshalb die Sürete nicht eingeschaltet sei. Ihre Antwort war äußerst interessant: Sein Fall geht über die Sürete und über Interpol hinaus«, erklärte sie.

«Was hat Ihnen das gesagt?«

«Daß alles höchst kompliziert war, und zwar aus vielen Gründen, die man am besten nicht näher untersucht. Aber seit Beginn unseres Gespräches weiß ich noch etwas.«

«Was?«

«Daß Sie mich wirklich gut bezahlen sollten, denn ich muß äußerst vorsichtig sein. Diejenigen, die Sie suchen, haben vielleicht ebensowenig mit der Sürete oder mit Interpol zu tun.«

«Darauf kommen wir noch. Sie sagten also dieser Frau, ich sei auf dem Wege zu Ihnen ins Büro?«

«Ja, ich sagte, Sie würden etwa in einer Viertelstunde da sein. Sie bat mich, ein paar Augenblicke am Telefon zu warten, sie würde gleich wieder zurück sein. Offensichtlich hat sie mit jemand anderem telefoniert. Dann gab sie mir die endgültigen Anweisungen durch. Sie sollten in meinem Büro festgehalten werden, bis ein Mann zu meiner Sekretärin käme, der sich nach einer Angelegenheit aus Zürich erkundigen würde. Wenn Sie dann mein Zimmer verließen, sollte ich Sie durch ein Kopfnicken oder eine Handbewegung identifizieren; ein Fehler müsse ausgeschlossen sein. Der Mann erschien natürlich, aber Sie tauchten nicht auf. Also wartete er mit einem Begleiter am Schalter. Als Sie schließlich anriefen und sagten, Sie wären nach Orly unterwegs, um ein Flugzeug nach London zu nehmen, verließ ich mein Büro, um den Mann zu finden. Meine Sekretärin zeigte ihn mir und ich erzählte ihm, was ich wußte. Der Rest ist Ihnen ja hinreichend bekannt.«

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