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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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M.A.R. D'AMACOURT DIRECTEUR COMPTES A L'ETRANGER ET DE DEVISES

Jetzt mußte sie in Erfahrung bringen, wie Monsieur A. R. d'Amacourt aussah; er würde der Mann sein, den Jason erreichen und mit dem er reden konnte, aber nicht in der Bank.

Plötzlich rannte eine Sekretärin mit ihrem Stenoblock in d'Amacourts Büro, kam dreißig Sekunden später wieder zum Vorschein und griff sofort zum Telefon. Sie wählte drei Zahlen — ein internes Gespräch — und wiederholte leise das, was sie sich notiert hatte.

Zwei Minuten vergingen; die Türe von d'Amacourts Büro öffnete sich, und der Direktor persönlich trat heraus. Er war ein Mann in mittleren Jahren. Sein lichter werdendes schwarzes Haar hatte er so gekämmt, daß die kahlen Stellen verdeckt wurden; seine Augen waren von dicken Tränensäcken umgeben und ließen erkennen, daß er viele Stunden in der Gesellschaft guten Weines verbracht hatte. Aber dieselben Augen waren auch kalt und unruhig. Sie gehörten einem Mann, der seine Umgebung voller Mißtrauen beobachtet. In bellendem Ton stellte er seiner Sekretärin eine Frage; die drehte sich im Stuhl herum und gab sich redlich Mühe, ihre Fassung zu bewahren.

D'Amacourt ging in sein Büro zurück, ohne die Tür zu schließen.

Eine weitere Minute verstrich; nervös blickte die Sekretärin immer wieder nach rechts, wartete offensichtlich ungeduldig auf etwas.

Da leuchtete an der linken Wand ein grünes Licht über zwei Holzpaneelen auf; ein Lift war in Betrieb. Sekunden später öffnete sich die Tür, und ein älterer, elegant gekleideter Mann kam heraus, der ein schwarzes Etui trug, das nicht viel größer als seine Hand war. Marie starrte es an und empfand gleichzeitig Befriedigung und Furcht; sie hatte richtig vermutet. Das schwarze Etui war aus einer Registratur in einem bewachten Raum geholt worden.

Die Sekretärin erhob sich aus ihrem Stuhl, begrüßte den würdigen Herrn und führte ihn in d'Amacourts Büro. Gleich darauf kam sie wieder heraus und schloß die Tür hinter sich.

Marie sah auf die Uhr, die Augen auf dem Sekundenzeiger. Sie wollte noch ein einziges Beweisstück haben. Dazu mußte es ihr gelingen, durch die niedrige Tür in der Balustrade zu gelangen und einen Blick auf den Schreibtisch der Sekretärin zu werfen.

Sie ging an der Empfangssekretärin vorbei, die gerade telefonierte, lächelte ihr zu und sagte nur» d'Amacourt«.

Entschlossen beugte sie sich vor, öffnete die Tür und trat schnell ein.

«Pardon, Madame…« Die Empfangssekretärin hielt die Hand über die Sprechmuschel und redete schnell auf französisch auf die Kundin ein.»Kann ich Ihnen behilflich sein?«

«Ich möchte zu Monsieur d'Amacourt. Ich habe mich leider verspätet. Ich gehe gleich zu seiner Sekretärin«, erwiderte sie und lief weiter.

«Bitte, Madame«, rief die Empfangsdame,»ich muß Sie melden… «

Das Summen der elektrischen Schreibmaschinen und die gedämpften Gespräche übertönten ihre Worte. Marie trat auf die Sekretärin des Direktors zu, die ebenso verwirrt wie die Empfangsdame aufblickte.

«Ja? Kann ich Ihnen behilflich sein?«

«Monsieur d'Amarcourt, bitte.«

«Er hat leider gerade eine Besprechung, Madame. Sind Sie mit ihm verabredet?«

«Natürlich«, sagte Marie und klappte ihre Handtasche auf.

Die Sekretärin blickte auf den Terminkalender, der vor ihr auf dem Schreibtisch lag.»Für diese Uhrzeit habe ich niemanden eingetragen. Das muß ein Irrtum sein.«

«Oh, richtig!«rief die verwirrte Kundin der Valois-Bank aus.»Ich habe mich im Tag geirrt. Erst morgen ist ja die Verabredung. Es tut mir schrecklich leid!«

Sie machte kehrt und ging schnell wieder zurück in den Korridor.

Sie hatte gesehen, was sie sehen wollte. Auf d'Amacourts Telefon leuchtete ein einziger Knopf; ohne sich von seiner Sekretärin verbinden zu lassen, hatte er direkt eine auswärtige Nummer angewählt. Das Konto, das Jason Borowski gehörte, war mit ganz speziellen, vertraulichen Instruktionen versehen, die dem Kontoinhaber nicht mitgeteilt werden durften.

Im Schatten der Markise sah Borowski auf die Uhr; es war zehn vor drei. Marie würde jetzt wieder vor dem Münzapparat im Foyer der Bank warten. Die nächsten paar Minuten würden ihnen die Antwort liefern; vielleicht kannte sie sie bereits.

Von seinem Platz aus hatte er den Eingang der Bank im Blick. Er holte ein Päckchen Zigaretten heraus, zündete sich eine an und schaute erneut auf die Uhr: Acht Minuten vor drei.

Und dann sah er sie, die drei gutgekleideten Männer, die schnell die Rue Madeleine heraufkamen und dabei miteinander sprachen, die Augen aber geradewegs nach vorn gerichtet. Sie überholten die langsameren Fußgänger vor ihnen, entschuldigten sich mit einer Höflichkeit, die eigentlich nicht nach Paris paßte. Jason konzentrierte sich auf den Mann in der Mitte. Das war er. Ein Mann namens Johann.

Sagen Sie Johann, daß er hineingehen soll. Wir kommen dann zurück. Ein hochgewachsener, hagerer Mann mit einer goldgeränderten Brille hatte diese Worte in der Brauerstraße gesprochen. Johann — sie hatten ihn aus Zürich hierher geschickt; er hatte Jason Borowski gesehen und könnte ihn wiedererkennen. Daraus schloß er, daß es keine Fotografien von ihm gab.

Die drei Männer erreichten den Eingang der Bank. Johann und der Mann zu seiner Rechten gingen hinein; der dritte Mann blieb draußen stehen. Borowski eilte zu der Telefonzelle zurück; er würde vier Minuten warten und dann Antoine d'Amacourt ein letztes Mal anrufen.

«La Banque de Valois. Bonjour.«

Zehn Sekunden später war d' Amacourt am Apparat. Seine Stimme klang gequält.»Sind Sie es, Monsieur Borowski? Ich dachte, Sie hätten gesagt, Sie wären zu meinem Büro unterwegs.«

«Ich habe meine Pläne geändert, tut mir leid. Ich muß Sie morgen anrufen. «Jason beobachtete durch die Glastür, wie ein Wagen vor der Bank hielt. Der dritte Mann, der sich neben dem Eingang postiert hatte, nickte dem Fahrer zu.

«… ich tun kann?«D'Amacourt hatte eine Frage gestellt.

«Wie bitte?«

«Ich habe gefragt, ob ich Ihnen irgendwie behilflich sein kann? Ich habe Ihr Konto; alles ist hier für Sie bereit.«

Sicher ist es das, dachte Borowski.

«Hören Sie, ich muß heute nachmittag nach London fliegen, morgen bin ich wieder zurück. Dann werde ich Sie sofort aufsuchen.«

«Nach London, Monsieur?«

«Ich rufe Sie morgen an. Ich muß rasch ein Taxi nach Orly finden.«

Er legte auf und beobachtete den Eingang der Bank. Weniger als eine Minute später kamen Johann und sein Begleiter herausgerannt; sie sprachen mit dem dritten Mann, dann stiegen alle drei in die wartende Limousine. Ihr Ziel war klar: Flughafen Orly. Jason merkte sich die Nummer auf dem Zulassungsschild und wählte dann sein nächstes Gespräch. Wenn der Telefonautomat in der Bank nicht benutzt wurde, würde Marie sofort beim ersten Klingeln abnehmen.

Das tat sie auch.

«Ja?«

«Hast du etwas gesehen?«

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