Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
«An nichts.«
«Dann fühlst du etwas. Was?«
«Angst vielleicht… Zorn. Ich weiß es nicht.«
«Konzentriere dich!«
«Verdammt noch mal, das tue ich schon die ganze Zeit!«Borowski ärgerte sich über seinen Ausbruch.»Tut mir leid.«
«Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Dies sind die versteckten Hinweise, nach denen du suchen mußt — nach denen wir suchen müssen. Dein Freund, der, Arzt in Port Noir, hatte recht: Bruchstückhaft kommen alte Erinnerungen zurück, die durch Worte oder visuelle Reize ausgelöst werden, durch ein Gesicht zum Beispiel oder durch die Fassade eines Restaurants. Wir haben selbst gesehen, wie das vor sich geht. Jetzt ist es ein Name, den auszusprechen du fast eine Woche lang vermieden hast, während du mir alles andere, das dir in den letzten fünf Monaten passiert ist, bis ins kleinste Detail erzählt hast. Nur Carlos hast du mit keinem Wort erwähnt. Das bedeutet dir etwas, verstehst du? Dieser Name regt Dinge in dir an, Dinge, die herausbrechen wollen.«
«Ich weiß«, sagte Jason und nahm einen Schluck Wein.
«Darling, am Boulevard Saint-Germain gibt es einen berühmten Buchladen, der vollgestopft ist mit Tausenden von alten Magazinen. Der Inhaber hat sogar Stichwortregister angelegt, wie es sonst eine Bibliothek zu bieten hat. Ich würde gerne herausfinden, ob Carlos in diesem Register enthalten ist. Was hältst du davon?«
Borowski durchzuckte ein stechender Schmerz in der Brust. Das hatte nichts mit seinen Wunden zu tun, das war Angst. Sie spürte es und begriff irgendwie — er fühlte es und konnte nicht begreifen.»Im Lesesaal der Sorbonne liegen alte Zeitungsausgaben aus«, sagte er und blickte zu ihr auf.»Eine davon hat mich eine Weile in Hochstimmung versetzt — bis ich gründlicher darüber nachdachte.«
«Eine Lüge wurde aufgedeckt. Das war das Wichtige. Und jetzt suchen wir die Wahrheit. Du darfst dich nicht vor ihr fürchten, Darling. Ich fürchte mich auch nicht.«
Jason stand auf.»Okay. Dann ist Saint-Germain eingeplant. Unterdessen kannst du den Mann in der Botschaft anrufen.«
Borowski griff in die Tasche und holte die Papierserviette mit der Telefonnummer heraus; er hatte die Zulassungsnummer des Wagens hinzugefügt, der von der Bank an der Rue Madeleine weggerast war.»Hier ist die Nummer, die d'Amacourt mir gegeben hat, und die Zulassungsnummer dieses Autos. Sieh mal, was er machen kann.«
Marie nahm die Serviette und ging ans Telefon. Daneben lag ein kleines Notizbuch mit einem Spiralrücken; sie blätterte darin.»Hier: Er heißt Dennis Corbelier. Peter hat gesagt, er wollte ihn bis heute mittag nach Pariser Zeit angerufen haben. Ich könnte mich auf ihn verlassen; als Attache sei er einer der bestinformierten Leute in der Botschaft.«
«Peter kennt ihn näher?«
«Sie waren Studienkollegen an der Universität von Toronto. Ich kann ihn doch von hier aus anrufen, oder?«
«Sicher. Aber sag ihm nicht, wo du bist.«
Marie nahm den Hörer ab, ließ sich ein Amt geben und wählte die Nummer der kanadischen Botschaft an der Avenue Montaigne. Fünfzehn Sekunden später hatte sie Dennis Corbelier am Apparat.
Marie kam sofort zur Sache.»Ich nehme an, Peter hat Ihnen erzählt, daß ich Hilfe brauche.«
«Mehr als das«, erwiderte Corbelier,»er hat mir auch erklärt, daß Sie in Zürich seien. Ich habe zwar nicht alles begriffen, was er sagte, aber ungefähr habe ich ihm folgen können. Anscheinend geht es in der Welt der Hochfinanz heutzutage hoch her.«
«Das kann man wohl behaupten. Die Schwierigkeit ist nur, daß niemand einem sagen will, wer wen manipuliert. Das ist ja mein Problem.«
«Und wie kann ich Ihnen behilflich sein?«
«Ich habe eine Autonummer und eine Telefonnummer. Beide sind hier in Paris registriert. Der Anschluß ist nicht im Telefonbuch verzeichnet; es könnte peinlich sein, wenn ich anrufe.«
«Geben Sie mir die Nummer. «Das tat sie.»Wir haben ein paar Freunde an wichtigen Stellen, die uns gelegentlich behilflich sind oder wir ihnen. Haben Sie Lust, morgen mit mir zu Mittag zu essen? Ich versuche inzwischen was rauszukriegen.«
«Das würde ich gerne tun, aber morgen habe ich keine Zeit. Ich bin schon mit einem alten Freund verabredet. Vielleicht ein anderes Mal.«
«Peter hat gemeint, ich wäre verrückt, wenn ich es nicht probieren würde. Sie seien nämlich eine umwerfende Frau.«
«Er ist sehr lieb, und das sind Sie auch. Ich rufe Sie morgen nachmittag wieder an.«
«Fein.«
«Bis morgen dann und vielen Dank. «Marie legte auf und sah auf die Uhr.»Ich soll Peter in drei Stunden anrufen. Erinnere mich daran.«
«Glaubst du wirklich, daß er so bald etwas haben wird?«
«Er ganz bestimmt; er hat noch gestern nacht in Washington angerufen. Corbelier hat gerade gesagt, wir alle tauschen Gefälligkeiten aus: Für eine Information revanchiert man sich durch eine andere.«
«Das klingt aber verdächtig nach Verrat.«
«Im Gegenteiclass="underline" Wir beschäftigen uns mit Geld, nicht mit Raketen. Mit Geld, das durch illegale Kanäle fließt, unter Ausschaltung von Gesetzen, die unser aller Interessen dienen. Es sei denn, du willst, daß die Scheichs aus Arabien plötzlich Eigentümer von Grumman Aircraft sind. Dann sprechen wir von Raketen… nachdem sie abgeschossen worden sind.«
«Ich ziehe meine Kritik zurück.«
«Wir müssen d'Amacourts Mann gleich morgen früh aufsuchen. Überleg dir, wieviel du abheben willst.«
«Alles.«
«Alles?«
«Richtig. Wenn du Vorstandsmitglied von Treadstone wärest, was würdest du tun, wenn du erfahren hättest, daß sechs Millionen Franc auf einem Firmenkonto fehlen?«
«Ich verstehe.«
«D'Amacourt hat eine Reihe von Barschecks vorgeschlagen, die auf den Überbringer ausgestellt sind.«
«Hat er wirklich von Schecks geredet?«
«Ja. Stimmt etwas nicht?«
«Allerdings. Die Nummern dieser Schecks könnten notiert und an sämtliche Banken geschickt werden. Du müßtest zu einer Bank, um sie einzulösen; dann würden die Zahlungen gestoppt werden.«
«Ein schlauer Bengel, was? Er läßt sich von beiden Seiten bezahlen. Was tun wir?«
«Nimm nur die Obligationen mit verschiedenen Laufzeiten. Die lassen sich viel leichter zu Geld machen.«
«Du hast dir gerade dein Abendessen verdient«, sagte Jason und strich ihr zärtlich über die Stirn.
«Ich versuche, mir meinen Unterhalt zu verdienen«, erwiderte sie und hielt seine Hand fest.»Zuerst Dinner, dann Peter… und danach der Buchladen auf der Rue Saint-Germain.«
«Ein Buchladen in Saint-Germain«, wiederholte Borowski; und plötzlich schoß ihm wieder der Schmerz durch die Brust.
Was war das nur? Warum hatte er solche Angst?
Sie verließen das Restaurant am Boulevard Raspail und gingen zum Telegrafenamt an der Rue Vaugirard. In der Mitte der Halle stand ein riesiger, kreisförmiger Tresen, wo Angestellte die Kunden bedienten und ihnen eine der gläsernen Zellen zuwiesen, die in den Wänden eingelassen waren.
«Wir haben augenblicklich sehr wenig Überseegespräche, Madame«, sagte die junge Frau hinter dem Schalter zu Marie.»Ihr Gespräch sollte in wenigen Minuten durchgeschaltet sein. Nummer zwölf, bitte.«
«Danke.«
Während sie zur Zelle gingen, hielt Jason ihren Arm.»Ich weiß, warum die Leute hierher kommen«, sagte er.»Die Verbindung klappt hundertmal schneller als in einem Hotel.«
«Das ist nur einer der Gründe.«
Als sie drinnen zweimal die Glocke anschlagen hörten, öffnete Marie die Tür und trat ein, das Notizbuch mit dem Spiralrücken und einem Bleistift in der Hand. Sie nahm den Hörer ab.
Sechzig Sekunden später sah Borowski mit Erstaunen, wie sie die Wand anstarrte und ihr Gesicht plötzlich kalkweiß wurde. Sie fing zu schreien an, ließ die Handtasche fallen, so daß ihr Inhalt sich über den Boden der kleinen Zelle verteilte; das Notizbuch blieb auf dem Sims liegen, der Bleistift zerbrach zwischen ihren Fingern. Er rannte hinein, sie war dem Zusammenbruch nahe.