Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
«Wirst du Peter sagen, daß du in Paris bist?«
«Er wird es ohnehin von der Vermittlung erfahren. Aber keine Sorge, ich werde alles ganz unauffällig machen. Ich bin auf ein paar Tage nach Paris gekommen, weil meine Verwandten in Lyon einfach zu langweilig sind. Das wird er akzeptieren.«
«Meinst du, er kennt jemanden hier in der Botschaft?«
«Peter sorgt dafür, daß er überall seine Beziehungen hat. Das ist eine seiner nützlicheren, aber weniger attraktiven Eigenschaften.«
«Wir werden ja sehen. «Borowski holte ihre Mäntel.»Ich glaube, nach deinem Anruf können wir beide ein warmes Essen und einen Schluck zu trinken gebrauchen.«
«Laß uns vorher an der Bank in der Rue Madeleine vorbeigehen. Ich möchte sehen, ob dort gleich in der Nähe eine Telefonzelle ist.«
Sie fanden eine. Sie befand sich auf der anderen Straßenseite, schräg gegenüber vom Eingang der Bank.
Der hochgewachsene, blonde Mann mit der Schildpattbrille, der in der Nachmittagssonne auf der Rue Madeleine stand, blickte auf seine Armbanduhr. Auf den Bürgersteigen herrschte dichtes Gedränge, der Autoverkehr war chaotisch, wie immer in Paris zu dieser Tageszeit. Er trat in die Telefonzelle und löste den Knoten in der Schnur, an der der Hörer frei heruntergehangen hatte. Das war ein freundliches Signal für den nächsten Benutzer, daß der Apparat außer Betrieb sei; das verringerte die Chance, daß die Zelle besetzt sein würde. Die kleine List hatte funktioniert.
Er schaute wieder auf die Uhr; die Zeit lief. Marie war in der Bank. Sie würde ihn in den nächsten paar Minuten in der Zelle anrufen. Er holte ein paar Münzen aus der Tasche, legte sie vor sich auf das Telefonbuch und blickte zur Bank auf der anderen Straßenseite hinüber. Eine Wolke dämpfte das Sonnenlicht, und er konnte sein Spiegelbild in der Glaswand sehen. Der Anblick befriedigte ihn, und er erinnerte sich an die verdutzte Reaktion eines Friseurs in Montparnasse, der ihn in eine von einem Vorhang abgeschirmte Nische komplimentiert hatte, um dort Jasons Haar zu blondieren. Die Wolke zog vorbei, die Sonne schien wieder, als das Telefon klingelte.
«Bist du's?«fragte Marie St. Jacques.
«Ja, ich bin's«, sagte Borowski.
«Paß auf, daß du den Namen und die genaue Adresse des Büros bekommst. Und rede mit starkem Akzent. Du mußt ein paar Worte falsch aussprechen, damit er merkt, daß du Amerikaner bist. Sag ihm, daß du die Telefone in Paris nicht gewöhnt bist. Und dann mußt du alles in der richtigen Reihenfolge tun, wie ich dir gesagt habe. Ich rufe dich in genau fünf Minuten wieder an.«
«Zeit läuft.«
«Zeit läuft… Viel Glück.«
«Danke. «Jason drückte den Hebel herunter und wählte die Nummer, die er sich gemerkt hatte.
«La Banque de Valois. Bonjour.«
«Ich habe kürzlich eine beträchtliche Geldsumme aus der Schweiz per Kurier an Ihre Bank überwiesen«, begann Borowski.»Nun möchte ich wissen, ob der Betrag eingegangen ist.«
«Ich verbinde Sie mit unserer Außenhandelsabteilung, Monsieur. Einen Augenblick.«
Ein Klicken, dann eine andere Frauenstimme.»Außenhandel.«
Jason wiederholte sein Anliegen.
«Darf ich Sie um Ihren Namen bitten?«
«Ich würde gerne mit einem Mitglied Ihrer Geschäftsleitung sprechen, ehe ich meinen Namen nenne.«
Ein paar Augenblicke war es still.»Wie Sie wünschen, Monsieur. Ich verbinde Sie mit dem Büro von Direktor d'Amacourt. «Die Sekretärin des Direktors war weniger entgegenkommend.»Ich beziehe mich auf eine Überweisung aus Zürich von der Gemeinschaftsbank. Es geht um eine siebenstellige Summe. Monsieur d'Amacourt, wenn ich bitten darf, ich habe sehr wenig Zeit.«
Sein forsches Auftreten hatte Erfolg. Ein etwas verwirrter Direktor kam ans Telefon.»Kann ich Ihnen behilflich sein?«
«Sind Sie d'Amacourt?«fragte Jason.
«Ich bin Antoine d'Amacourt. Darf ich fragen, mit wem ich spreche?«
«Gut! Man hätte mir in Zürich Ihren Namen geben sollen. Das nächste Mal werde ich dafür sorgen, daß das geschieht«, sagte er mit betont amerikanischem Akzent.
«Wie bitte? Wäre es Ihnen angenehmer, wenn wir englisch sprechen, Monsieur?«
«Ja«, erwiderte Jason und fuhr dann in Englisch fort:»Ich habe mit diesem verdammten Telefon schon genügend Schwierigkeiten. «Er schaute auf die Uhr; er hatte weniger als zwei Minuten zur Verfügung.»Mein Name ist Borowski, Jason Borowski. Vor acht Tagen habe ich viereinhalb Millionen Franc von der Gemeinschaftsbank in Zürich überwiesen. Man hat mir versichert, daß die Transaktion vertraulich abgewickelt würde.«
«Alle Transaktionen sind vertraulich, Sir.«
«Schön. Was ich wissen möchte, ist, ob alles glattgegangen ist.«
«Ich sollte Ihnen vielleicht erklären«, führ der Bankdirektor fort,»daß diese vertrauliche Behandlung auch die Bestätigung solcher Transaktionen gegenüber unbekannten Anrufern umfaßt.«
Mit diesem Augenblick hatte Jason gerechnet.
«Das hoffe ich. Aber wie ich schon Ihrer Sekretärin sagte, habe ich es wirklich sehr eilig. In ein paar Stunden verlasse ich Paris. Es ist sehr dringend.«
«Dann empfehle ich, daß Sie zur Bank kommen.«
«Das hatte ich ohnehin vor«, sagte Borowski, den es befriedigte, daß das Gespräch genau die Richtung nahm, die Marie vorhergesehen hatte.»Ich wollte nur, daß alles bereit ist, wenn ich komme. Wo ist Ihr Büro?«
«Im Flur im Erdgeschoß, Monsieur. Ganz hinten, hinter der Flügeltür. Eine Empfangssekretärin sitzt dort.«
«Und ich werde nur mit Ihnen zu tun haben?«
«Wenn Sie es wünschen, obwohl jeder andere leitende…«
«Hören Sie, Mister«, rief der Amerikaner aus,»wir reden hier von über vier Millionen Franc!«
«Also, nur mit mir, Monsieur Borowski.«
«Fein. «Jason legte die Finger auf die Gabel. Er hatte noch fünfzehn Sekunden Zeit.»Hören Sie, es ist jetzt vierzehn Uhr und fünfunddreißig Minuten… Hallo? Hallo?«
«Ich bin hier, Monsieur.«
«Verdammtes Telefon! Hören Sie mich? Hallo? Hallo?«
«Monsieur, bitte, wenn Sie mir Ihre Telefonnummer geben würden… «
«Ich kann Sie nicht verstehen!«Vier Sekunden, drei Sekunden, zwei Sekunden.»Warten Sie eine Minute, ich rufe Sie zurück. «Er drückte die Gabel herunter, so daß die Verbindung unterbrochen wurde. Drei weitere Sekunden verstrichen, dann klingelte das Telefon. Er nahm den Hörer ab.»Er heißt d'Amacourt, sein Büro ist im Erdgeschoß hinter der Flügeltüre.«
«Verstanden«, sagte Marie und legte auf.
Borowski wählte erneut die Nummer der Bank.
«Ich sprach mit Monsieur d'Amacourt, als ich unterbrochen wurde.«
«Pardon, Monsieur.«
«Monsieur Borowski?«
«D'Amacourt?«
«Ja. Es tut mir schrecklich leid, daß Sie solche Schwierigkeiten mit dem Telefon haben.«
«Jetzt funktioniert es ja wieder. Es ist kurz nach halb drei. Ich bin bis drei Uhr bei Ihnen.«
«Ich freue mich darauf, dann Ihre Bekanntschaft zu machen, Monsieur.«
Jason verknotete die Telefonschnur wieder und ließ den Hörer frei herunterhängen, bevor er die Zelle verließ und schnell in den Schatten einer Markise vor einem Geschäft trat. Er drehte sich um und wartete, die Augen auf die Bank auf der anderen Straßenseite gerichtet. Eine andere Bank in der Züricher Bahnhofstraße fiel ihm ein, und er erinnerte sich an den Klang von Sirenen. Die nächsten zwanzig Minuten würden ihm sagen, ob Marie recht hatte oder nicht. Wenn ihre Vermutung richtig war, würde es in der Rue Madeleine keine Sirenen geben.
Die schlanke Frau mit dem breitkrempigen Hut, der die eine Gesichtshälfte teilweise verdeckte, legte den Hörer des öffentlichen Telefons an der rechten Seite des Bankeingangs auf die Gabel. Sie öffnete ihre Handtasche, entnahm ihr eine Puderdose, klappte sie auf und überprüfte scheinbar ihr Makeup, drehte den kleinen Spiegel zuerst nach links, dann nach rechts. Zufrieden klappte sie die Dose wieder zu, schob sie in die Handtasche und ging an den Kassenschaltern vorbei zum hinteren Ende des Erdgeschosses. An einem Tresen in der Mitte blieb sie stehen, nahm einen Kugelschreiber, der an einer Kette hing, und begann, ziellos Zahlen auf einem Überweisungsformular zu schreiben. Weniger als vier Meter von ihr entfernt war eine kleine Tür in einer niedrigen hölzernen Balustrade eingelassen, welche quer durch die ganze Schalterhalle lief. Dahinter standen die Schreibtische der Sekretärinnen. Die rückwärtige Wand hatte fünf Türen. Marie las den Namen, der in goldenen Lettern auf der mittleren Tür stand.