Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
«Eine ganze Menge. D'Amacourt ist dein Mann.«
Kapitel 12
Sie gingen im Laden herum, von einem Tresen zum anderen. Marie blieb in der Nähe des breiten Schaufensters und behielt den Eingang der Bank auf der anderen Seite der Rue Madeleine im Auge.
«Ich habe zwei Halstücher für dich ausgesucht«, sagte Borowski.
«Das solltest du nicht. Die Preise sind viel zu hoch.«
«Es ist fast vier Uhr. Wenn er bis jetzt noch nicht herausgekommen ist, dann verläßt er die Bank bestimmt nicht vor Büroschluß.«
«Wahrscheinlich nicht. Wenn er vorzeitig hätte weggehen wollen, um sich mit irgend jemandem zu treffen, hätte er das inzwischen getan.«
«Du kannst es mir glauben, seine Freunde sind jetzt in Orly und rennen von einer London-Maschine zur anderen. Sie können unmöglich feststellen, mit welcher ich fliege, weil sie nicht wissen, welchen Namen ich verwende.«
«Sie werden sich darauf verlassen, daß der Mann aus Zürich dich erkennt.«
«Aber der sucht nach einem dunkelhaarigen, hinkenden Mann.«
Marie packte Jason am Arm und sah zu der Bank hinüber.»Da ist er! Der in dem Mantel mit dem Samtkragen ist d'Amacourt.«
«Der gerade an seinen Ärmeln zieht?«
«Ja.«
«Ich habe ihn. Wir sehen uns später im Hotel.«
«Sei vorsichtig! Sehr vorsichtig!«
Jason verließ den Laden und eilte dem Bankdirektor hinterher. D'Amacourt war in eine Seitenstraße gebogen und schlenderte gemächlich dahin; das war kein Mann, der es eilig hatte, sich mit jemandem zu treffen. Er wirkte eher wie ein promenierender Pfau.
Als er ein Cafe mit dunklen Fenstern passierte, dessen schwere hölzerne Eingangstür mit massiven Messingbeschlägen geziert war, lief Borowski auf gleicher
Höhe mit ihm und sprach ihn auf französisch an, wobei er seinen amerikanischen Akzent besonders betonte.
«Bonjour, Monsieur. Sie heißen d'Amacourt, nicht wahr?«
Der Bankier blieb stehen. Seine kalten Augen bekamen einen verschreckten Ausdruck. Der Pfau schrumpfte noch weiter in seinen maßgeschneiderten Mantel.»Borowski?«flüsterte er.
«Ihre Freunde sind jetzt bestimmt sehr verwirrt. Ich stelle mir vor, wie sie am Flughafen vergeblich nach mir Ausschau halten und sich fragen, ob Sie ihnen vielleicht eine falsche Information gegeben haben — womöglich absichtlich.«
«Was?«Seine verängstigten Augen traten aus ihren Höhlen.
«Ich glaube, wir sollten miteinander reden«, sagte Jason und hielt d'Amacourt am Arm fest.
«Ich weiß absolut nichts! Ich habe nur die Vorschriften befolgt, die mit dem Konto verbunden waren.«
«Wohl doch nicht. Als ich das erste Mal mit Ihnen sprach, erklärten Sie mir, über ein Konto dieser Art dürften Sie telefonisch keine Auskunft geben. Aber zwanzig Minuten später sagten Sie, alles läge für mich bereit. Also kommen Sie, gehen wir in das Cafe hier.«
Sie setzten sich in eine Nische, abgeschirmt von den Blicken der übrigen Gäste.
«Trinken Sie einen Schluck«, sagte Jason.»Sie werden es brauchen können.«
«Sie werden anmaßend«, erwiderte der Bankier kühl.»Ich nehme einen Whisky.«
«Ich auch.«
Als der Kellner mit den Getränken kam, nutzte d'Amacourt die kurze Pause, um ein Päckchen Zigaretten unter seinem eng anliegenden Mantel hervorzuholen. Borowski riß ein Streichholz an und hielt es dem Bankier dicht vor das Gesicht.
«Merci.« D'Amacourt inhalierte, legte die Zigarette weg und kippte den Whisky zur Hälfte hinunter.»Ich bin nicht der Mann, mit dem Sie sprechen sollten«, sagte er.
«Und wer wäre das Ihrer Ansicht nach?«
«Einer der Eigentümer der Bank vielleicht. Ich weiß es nicht. Aber ganz sicher nicht ich.«
«Erklären Sie das.«
«Es sind Arrangements getroffen worden. Eine Privatbank ist viel flexibler als ein öffentliches Institut mit Aktionären.«
«Wieso?«
«Weil sie größeren Spielraum hat, wenn es um die Wünsche gewisser Klienten geht. Außerdem wird eine Privatbank weniger kontrolliert als eine Gesellschaft, die an der Börse notiert ist. Die Gemeinschaftsbank in Zürich ist auch ein Privatinstitut.«
«Die Forderungen wurden von der Gemeinschaftsbank gestellt?«
«Forderungen… Bitten…ja.«
«Wer sind die Eigentümer der Valois?«
«Wer? Ein Konsortium. Zehn oder zwölf Männer und ihre Familien.«
«Dann sind Sie ja doch der Richtige, oder nicht? Ich meine, es wäre ein wenig albern, wenn ich in ganz Paris herumlaufen würde, um sie ausfindig zu machen.«
«Ich bin nur ein Angestellter. «D'Amacourt leerte sein Glas, drückte die halb verrauchte Zigarette aus und zog mit leicht zitternden Fingern die nächste aus der Schachtel.
«Und welcher Art sind diese Arrangements, die Sie vorhin angedeutet haben?«
«Ich könnte meine Stellung verlieren, Monsieur!«
«Sie könnten Ihr Leben verlieren«, erwiderte Jason, den es beunruhigte, daß ihm diese Worte so leicht über die Lippen kamen.
«Ich bin nicht so einflußreich, wie Sie denken.«
«Und nicht so unwissend, wie Sie mir einreden wollen«, fügte Borowski hinzu, dessen Augen den Bankier auf der anderen Tischseite nicht losließen.»Typen wie Sie gibt es überall, d'Amacourt. Man merkt das an Ihren Kleidern, an der Art und Weise, wie Sie Ihr Haar tragen, selbst an Ihrem Gang. Sie stolzieren wie ein Pfau. Ein Mann wie Sie wird nicht Direktor der Valois-Bank, ohne Fragen zu stellen; Sie haben sich ganz bestimmt abgesichert. Sie lassen sich nur auf illegale Machenschaften ein, wenn Sie überzeugt sind, daß Sie Ihre eigene Haut retten können. Jetzt sagen Sie mir, was das für Arrangements waren. Ihre Person interessiert mich nicht weiter, drücke ich mich klar genug aus?«
D'Amacourt riß ein Streichholz an und hielt es an seine Zigarette, während er Jason anstarrte.»Sie brauchen mir nicht zu drohen, Monsieur. Sie sind ein sehr reicher Mann. Weshalb zahlen Sie mich nicht?«Der Bankier lächelte nervös.»Sie haben übrigens ganz recht. Ich habe ein oder zwei Fragen gestellt. Paris ist nicht Zürich. Ein Mann in meiner Position muß sich in der Tat absichern.«
Borowski lehnte sich zurück und drehte sein Glas zwischen den Fingern. Das Klirren der Eiswürfel war d'Amacourt sichtlich unangenehm.»Nennen Sie einen vernünftigen Preis«, sagte er schließlich,»dann können wir darüber diskutieren.«
«Ich bin ein vernünftiger Mann. Wollen wir doch die Entscheidung vom Wert meiner Information für Sie abhängig machen. Den Preis sollten Sie bestimmen. Bankiers auf der ganzen Welt werden von dankbaren Klienten, die von ihnen gut beraten worden sind, für ihren Service entschädigt. Ich würde in Ihnen gerne einen Klienten sehen.«
«Sicher würden Sie das«, lächelte Borowski und schüttelte den Kopf über den Nerv des Mannes.»Ihnen ist es offensichtlich angenehmer, von einem Trinkgeld für persönliche Dienste zu reden als von Bestechung.«
D'Amacourt zuckte die Achseln.»Ich bin mit der Definition einverstanden und würde, wenn man mich je fragen sollte, Ihre Worte wiederholen.«
«Um welche Arrangements handelt es sich nun?«
«Die Überweisung aus Zürich begleitete une fiche confidentielle…«
«Une fiche?« unterbrach Jason und erinnerte sich an den Augenblick in Apfels Büro in der Gemeinschaftsbank, als Koenig hereingekommen war und diese Worte ausgesprochen hatte.»Das habe ich schon einmal gehört. Was ist das?«
«Eigentlich ein altmodischer Ausdruck. Er stammt aus der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, als die großen Bankhäuser — in erster Linie die Rothschilds — die internationalen Geldströme überwachten.«
«Und worum handelt es sich genau?«
«Um versiegelte Instruktionen, die geöffnet und befolgt werden müssen, wenn das fragliche Konto abgerufen wird.«