Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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»Umso mehr ein Grund, Königsmund so bald wie möglich anzugreifen. Salladhor Saan hat mir erzählt …«
»Salladhor Saan denkt nur ans Gold!«, fuhr Stannis auf. »Sein Kopf ist voller Träume von den Schätzen, die in seiner Einbildung unter dem Roten Bergfried vergraben liegen, also möchte ich nichts mehr von ihm hören. Der Tag, an dem ich militärischen Rat von einem Briganten aus Lys brauche, ist der Tag, an dem ich meine Krone ab- und das Schwarz anlege. « Der König ballte die Hand zur Faust. »Und Ihr seid hier, um mir zu dienen, Schmuggler? Oder um mich mit Euren Einwänden zu verärgern?«
»Ich bin der Eure«, sagte Davos.
»Dann hört, was ich Euch sage. Ser Cortnays Stellvertreter ist ein Vetter der Fossoweys, Lord Wiesen. Der Junge ist noch nicht trocken hinter den Ohren, knapp zwanzig. Sollte Fünfrosen irgendein Unglück widerfahren, wird dieses Jüngelchen Kastellan von Sturmkap, und seine Vettern glauben, er würde sich mit den Bedingungen einverstanden erklären und die Burg übergeben.«
»Ich kann mich an ein anderes Jüngelchen erinnern, das den Befehl über Sturmkap hatte. Jener Knabe kann auch nicht viel älter als zwanzig gewesen sein.«
»Lord Wiesen ist kein so steinharter Sturkopf wie ich.«
»Stur oder feige, was für einen Unterschied macht das? Ser Cortnay Fünfrosen erschien mir gesund und munter.«
»Das galt auch für meinen Bruder, noch einen Tag vor seinem Tod. Die Nacht ist dunkel und voller Schrecken, Davos.«
Davos Seewert spürte, wie sich ihm die Nackenhaare aufstellten. »Mylord, ich verstehe nicht recht.«
»Das ist auch nicht notwendig. Ich brauche nur Eure Dienste. Ser Cortnay wird vor dem morgigen Tage tot sein. Melisandre hat es in den Flammen der Zukunft gesehen. Seinen Tod, und auf welche Weise es geschehen wird. Und bestimmt wird Fünfrosen nicht in ritterlichem Kampf sterben.« Stannis hielt seinen Becher hoch, und Devan füllte ihn aus dem Krug. »Ihre Flammen lügen nicht. Sie hat Renlys Verhängnis ebenfalls vorhergesehen. Schon auf Drachenstein, und sie hat es Selyse erzählt. Lord Velaryon und Euer Freund Salladhor Saan wollten lieber gegen Joffrey vorgehen, aber Melisandre sagte mir, in Sturmkap würde ich den besten Teil der Streitmacht meines Bruder erringen, und sie hatte Recht.«
»A-aber«, stotterte Davos. »Lord Renly kam nur hierher, weil Ihr die Burg belagert habt. Er hatte die Absicht, nach Königsmund zu marschieren, gegen die Lennisters, und er hätte …«
Stannis richtete sich auf und runzelte die Stirn. »Hätte, wollte, was bedeutet das schon? Er hat getan, was er getan hat. Mit Bannern und Pfirsichen kam er her, und sein Schicksal hat ihn ereilt … und es gereichte mir zum Heil. Melisandre hatte in ihren Flammen noch einen anderen Tag gesehen. Einen Morgen, an dem Renly in seiner grünen Rüstung von Süden her geritten kam, um mein Heer vor den Mauern von Königsmund zu zermalmen. Wäre ich dort auf meinen Bruder getroffen, wäre ich an seiner Stelle gestorben.«
»Oder Ihr hättet Euch mit ihm verbündet und gemeinsam die Lennisters besiegt«, protestierte Davos. »Warum nicht? Wenn sie zwei Möglichkeiten für die Zukunft gesehen hat, nun … beide können nicht wahr sein.«
König Stannis hob den Zeigefinger. »Hier irrt Ihr, Zwiebelritter. Manche Lichter werfen mehr als nur einen Schatten. Stellt Euch vor das Nachtfeuer und seht es Euch selbst an. Die Flammen flackern und tanzen und ruhen niemals. Die Schatten werden groß und kleiner, und jeder Mensch scheint ein Dutzend davon zu werfen. Manche sind blasser als andere, das ist alles. Nun, auch in die Zukunft werfen Menschen Schatten. Einen Schatten oder viele. Melisandre kann sie alle sehen.
Ihr mögt die Frau nicht. Ich weiß es, Davos, ich bin nicht blind. Meine Lords können sie ebenfalls nicht ausstehen. Estermont hält das flammende Herz für eine schlechte Wahl und bittet darum, unter dem alten gekrönten Hirsch kämpfen zu dürfen. Ser Guyard sagt, mein Bannerträger sollte keine Frau sein. Andere tuscheln, dass sie nichts in meinem Kriegsrat zu suchen habe, dass ich sie nach Asshai zurückschicken sollte, dass es sündig sei, sie über Nacht in meinem Zelt zu behalten. Gut, das wird getuschelt … und währenddessen dient sie mir.«
»Und wie?«, fragte Davos und fürchtete die Antwort.
»Wie es notwendig ist.« Der König blickte ihn an. »Und Ihr?«
»Ich …« Davos fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. »Ich stehe unter Eurem Befehl. Was wünscht Ihr von mir?«
»Nichts, was Ihr nicht schon früher getan hättet. Landet im Schutz der Dunkelheit ungesehen mit einem Boot unter der Burg an. Könnt Ihr das?«
»Ja. Heute Nacht?«
Der König nickte knapp. »Ihr werdet ein kleines Boot benötigen. Nicht die Schwarze Betha. Niemand darf wissen, was Ihr tut.«
Davos wollte widersprechen. Er war jetzt ein Ritter, kein Schmuggler mehr, und ein Meuchelmörder war er nie gewesen. Doch als er den Mund öffnete, wollten ihm die Worte nicht über die Lippen gehen. Hier stand Stannis, sein gerechter Herr, dem er alles verdankte, was er war. Und er musste auch an seine Söhne denken. Bei den guten Göttern, was hat sie mit ihm gemacht?
»Ihr seid so still?«, bemerkte Stannis.
Und das sollte ich auch bleiben, sagte sich Davos und sagte stattdessen: »Mein Lehnsherr, Ihr müsst die Burg einnehmen, das sehe ich wohl ein, aber gewiss gibt es andere Möglichkeiten. Anständigere Möglichkeiten. Mag Ser Cortnay den Bastardjungen behalten, dann ergibt er sich.«
»Ich muss den Jungen bekommen, Davos. Ich muss. Denn Melisandre hat ihn ebenfalls in den Flammen gesehen.«
Davos suchte nach einer Antwort. »In Sturmkap finden sich keine Ritter, die es mit Ser Guyard oder Lord Caron aufnehmen können oder einem weiteren Hundert in Euren Diensten. Dieses Duell … könnte es nicht sein, dass Ser Cortnay nur nach einer Möglichkeit sucht, sich ehrenvoll zu ergeben? Selbst, wenn es ihn das eigene Leben kosten sollte?«
Eine besorgte Miene huschte wie eine vorbeiziehende Wolke über des Königs Gesicht. »Eher plant er irgendeine Hinterlist. Es wird keinen Kampf der Recken geben. Ser Cortnay war bereits ein toter Mann, bevor er mir diesen Handschuh hingeworfen hat. Die Flammen lügen nicht, Davos.«
Und dennoch werde ich gebraucht, damit ihre Bilder wahr werden, dachte er. Seit langer Zeit hatte Davos Seewert nicht mehr solche Trauer empfunden.
Und so fuhr er ein weiteres Mal im Dunkel der Nacht durch die Sturmbucht und steuerte ein winziges Boot mit schwarzem Segel. Der Himmel war genauso wie damals, und das Meer ebenfalls. Derselbe Salzgeruch lag in der Luft, und das Wasser gluckerte unter dem Kiel, wie er es in Erinnerung hatte. Tausend lodernde Lagerfeuer brannten um die Burg herum, wie die Feuer der Tyrells und Rothweyns vor sechzehn Jahren gebrannt hatten. Alles andere unterschied sich sehr von damals.
Beim letzten Mal habe ich Sturmkap das Leben gebracht, in Form von Zwiebeln. Dieses Mal ist es der Tod, in Gestalt von Melisandre aus Asshai. Vor sechzehn Jahren hatten die Segel im Wind geknattert, bis er sie eingeholt hatte und gepolsterte Ruder einlegte. Trotzdem hatte ihm das Herz bis zum Hals geschlagen. Die Männer auf den Rothweyn-Galeeren waren nach so langer Zeit unaufmerksam geworden, und so war er mit seinen Leuten geschmeidig wie schwarze Seide durch den Kordon geschlüpft. Diesmal gehörten alle Schiffe Stannis, und Gefahr drohte höchstens von einem Beobachter auf den Burgmauern. Trotzdem war Davos angespannt wie eine Bogensehne.
Melisandre hockte auf der Ducht, kaum zu erkennen in der dunklen roten Robe, die sie von Kopf bis Fuß einhüllte. Ihr Gesicht war ein bleicher Fleck unter der Kapuze. Davos liebte das Wasser. Er schlief am besten, wenn unter ihm das Deck sanft schaukelte, und das Seufzen des Windes in der Takelage war ein süßeres Lied für ihn, als es ein Sänger auf der Harfe spielen konnte. Doch auch das Meer spendete ihm heute Nacht keinen Trost. »Ich kann Eure Angst riechen, Ser Ritter«, sagte die Rote Frau leise.