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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04

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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04 von George RR Martin.
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»Man nennt mich Melisandre, Ser.« Sie allein trug keine Rüstung, sondern ihre wallende rote Robe. An ihrem Hals sog der große Rubin das Tageslicht in sich auf. »Ich diene Eurem König und dem Herrn des Lichts.«

»Ich wünsche Euch alles Gute dabei, Mylady«, antwortete Ser Cortnay, »aber ich verneige mich vor anderen Göttern und einem anderen König.«

»Es gibt nur einen wahren König und einen wahren Gott«, verkündete Lord Florent.

»Sind wir hier, um über Religion zu streiten, Mylord? Hätte ich das geahnt, hätte ich einen Septon mitgebracht.«

»Ihr wisst sehr wohl, aus welchem Grund wir hier sind«, erwiderte Stannis. »Ihr habt zwei Wochen Zeit gehabt, um mein Angebot zu überdenken. Ihr habt Raben ausgesandt. Niemand ist Euch zu Hilfe gekommen. Und das wird auch niemand tun. Sturmkap steht allein, und meine Geduld ist zu Ende. Ein letztes Mal befehle ich Euch, Ser, die Tore zu öffnen und mir auszuhändigen, was dem Rechte nach mir gehört.«

»Und zu welchen Bedingungen?«, fragte Ser Cortnay.

»Sie bleiben wie zuvor«, antwortete Stannis. »Ich werde Euch für den begangenen Hochverrat begnadigen, wie ich ebenso die Lords in meinem Gefolge begnadigt habe. Die Männer Eurer Festung dürfen wählen, ob sie in meine Dienste treten oder unbehindert nach Hause zurückkehren. Ihr dürft Eure Waffen behalten, und jeder Mann darf so viel von seinen Besitztümern mitnehmen, wie er tragen kann. Eure Pferde und Packtiere werde ich allerdings für mich beanspruchen müssen.«

»Und was wird aus Edric Sturm?«

»Der Bastard meines Bruders muss mir ausgeliefert werden. «

»Dann lautet die Antwort weiterhin nein, Mylord.«

Der König biss die Zähne zusammen. Er sagte nichts.

Stattdessen ergriff Melisandre das Wort. »Möge der Herr des Lichts Euch in Eurer Dunkelheit beschützen, Ser Cortnay. «

»Mögen sich die Anderen mit Eurem Herrn des Lichts vergnügen«, fauchte Fünfrosen zurück, »und sich den Hintern mit dem Lumpen abwischen, den Ihr tragt.«

Lord Alester Florent räusperte sich. »Ser Cortnay, hütet Eure Zunge. Seine Gnaden beabsichtigt nicht, dem Jungen ein Leid zuzufügen. Das Kind ist von seinem eigenen Blut, und ebenso von meinem. Meine Nichte Delena war die Mutter, wie ein jeder weiß. Falls Ihr dem König nicht vertraut, so vertraut wenigstens mir. Ihr kennt mich als Mann der Ehre …«

»Ich kenne Euch als Mann des Ehrgeizes«, unterbrach ihn Ser Cortnay. »Als Mann, der Könige und Götter wechselt wie ich meine Stiefel. Und für die anderen Abtrünnigen hier vor mir gilt das Gleiche.«

Ein zorniges Gemurmel erhob sich unter den Männern des Königs. Er ist nicht weit von der Wahrheit entfernt, dachte Davos. Noch vor kurzem hatten sie alle miteinander Renly angehangen, die Fossoweys, Guyard Morrigen und die Lords Caron, Varner, Errol und Estermont. Sie hatten in seinem Pavillon gesessen, mit ihm seinen Schlachtplan geschmiedet und sich überlegt, auf welche Weise man Stannis am besten niederwerfen könnte. Und Lord Florent war bei ihnen gewesen – mochte er auch der Onkel von Königin Selyse sein, so hatte dies den Lord von Klarwasser doch nicht davon abgehalten, das Knie vor Renly zu beugen, als dessen Stern noch im Aufgehen begriffen war.

Bryk Caron ließ sein Pferd ein paar Schritte vortreten. Sein langer Regenbogenumhang flatterte im Seewind. »Keiner hier ist ein Abtrünniger, Ser. Meine Treue gehört Sturmkap, und König Stannis ist dessen rechtmäßiger Herr … und unser wahrer König. Er ist der Letzte aus dem Hause Baratheon, Roberts und Renlys Erbe.«

»Wenn das so wäre, warum befindet sich der Ritter der Blumen dann nicht unter Euch? Und wo ist Mathis Esch? Randyll Tarly? Lady Eichenherz? Warum sind sie nicht bei Euch, jene, die Renly am meisten liebten? Wo ist Brienne von Tarth, frage ich Euch?«

»Die?« Ser Guyard Morrigen lachte rau. »Die ist davongelaufen. Was nicht anders zu erwarten war. Ihre Hand hat schließlich das Schwert geführt, mit dem der König erschlagen wurde.«

»Eine Lüge«, entgegnete Ser Cortnay. »Ich habe Brienne bereits als Kind gekannt, während sie noch bei ihrem Vater in Dämmerhall lebte, und viel besser habe ich sie kennengelernt, als der Abendstern sie hier nach Sturmkap schickte. Sie hat Renly Baratheon geliebt, seit sie ihn das erste Mal gesehen hatte, das hätte ein Blinder sehen können.«

»Gewiss«, erklärte Lord Florent leichthin, »und sie wäre kaum die erste Jungfer, deren Liebe sich in Wahnsinn verkehrte und die den Mann ermordete, der sie verschmäht hat. Obwohl ich für meinen Teil glaube, dass Lady Stark den Mord begangen hat. Sie war den ganzen Weg von Schnellwasser hierhergereist, um ein Bündnis zu erbitten, und Renly hat sie abgewiesen. Von da an hat sie ihn ohne Zweifel als Gefahr für ihren Sohn betrachtet, und deshalb hat sie ihn beseitigt. «

»Es war Brienne«, beharrte Lord Caron. »Ser Emmon Cuy hat es geschworen, ehe er starb. Darauf gebe ich Euch meinen Eid, Ser Cortnay.«

Verachtung schwang in Ser Cortnays Stimme mit. »Was soll der schon wert sein? Ihr tragt Euren Mantel mit den vielen Farben, sehe ich. Den Renly Euch gab, als Ihr ihm den Eid geleistet habt, ihn zu beschützen. Wenn er tot ist, wieso dann nicht auch Ihr?« Er wandte sich in seinem Hohn Guyard Morrigen zu. »Und Euch möchte ich das Gleiche fragen, Ser. Guyard der Grüne, nicht wahr? Von der Regenbogengarde? Unter Eid, sein Leben für seinen König zu geben? Wenn ich einen solchen Mantel besäße, würde ich mich schämen, ihn zu tragen.«

Morrigen fuhr auf. »Seid froh, dass dies eine Unterhandlung ist, Fünfrosen, sonst würde ich Euch die Zunge herausschneiden. «

»Und sie in das gleiche Feuer werfen, dem Ihr Eure Männlichkeit geopfert habt?«

»Genug!«, schrie Stannis. »Der Herr des Lichts wollte, dass mein Bruder für seinen Verrat starb. Wer die Tat begangen hat, spielt keine Rolle.«

»Für Euch vielleicht nicht«, erwiderte Ser Cortnay. »Ich habe mir Euren Vorschlag angehört, Lord Stannis. Jetzt hört meinen an.« Er zog seinen Handschuh aus und schleuderte ihn dem König mit voller Wucht ins Gesicht. »Ein Kampf Mann gegen Mann. Schwert, Lanze oder jede andere Waffe, die Ihr wählen wollt. Falls Ihr Euch scheut, Euer magisches Schwert und Eure königliche Haut gegen einen alten Mann aufs Spiel zu setzen, benennt einen Recken, der an Eurer Stelle kämpft, und ich werde das Gleiche tun.« Er blickte Guyard Morrigen und Bryk Caron von oben herab an. »Jeder von diesen Jüngelchen müsste geeignet sein, denke ich.«

Ser Guyard Morrigen wurde dunkelrot vor Zorn. »Ich würde die Herausforderung gern annehmen, wenn es dem König gefällt.«

»Und ich ebenso.« Bryk Caron sah Stannis an.

Der König knirschte mit den Zähnen. »Nein.«

Ser Cortnay schien nicht überrascht zu sein. »Ist es die Gerechtigkeit Eurer Sache, die Ihr anzweifelt, Mylord, oder die Stärke Eures Arms? Fürchtet Ihr Euch davor, dass ich auf Euer brennendes Schwert pisse und es zum Erlöschen bringe? «

»Haltet Ihr mich für einen vollkommenen Narr, Ser?«, fragte Stannis. »Ich habe zwanzigtausend Mann. Ihr werdet zu Lande und zur See belagert. Warum sollte ich mich auf ein Duell mit Euch einlassen, wo der Sieg doch am Ende mein sein wird?« Er richtete den Zeigefinger auf Cortnay. »Ich gebe Euch eine wohl gemeinte Warnung. Falls Ihr mich zwingt, meine eigene Burg zu stürmen, dürft Ihr keine Gnade erwarten. Ich werde Euch als Verräter hängen lassen, Euch und jeden, der bei Euch ist.«

»Wenn die Götter es so wollen. Beginnt Euren Sturm auf die Festung, Mylord – und vergesst, während Ihr es tut, den Namen der Burg nicht.« Sturmkap. Wo den Stürmen die Spitze genommen wird. Ser Cortnay wendete sein Pferd und ritt zurück zum Tor.

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