Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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Stannis sagte kein Wort, wendete sein Tier jedoch ebenfalls und machte sich auf den Rückweg ins Lager. Die anderen folgten ihm. »Wenn wir diese Mauern erstürmen, werden Tausende sterben«, sorgte sich der alte Lord Estermont, des Königs Großvater mütterlicherseits. »Besser wäre es, ein einzelnes Leben zu gefährden. Unsere Sache ist gerecht, daher müssten die Götter unseren Recken segnen und ihm den Sieg schenken.«
Der Gott, alter Mann, dachte Davos. Vergesst nicht, wir haben nur noch einen, Melisandres Herrn des Lichts.
Ser Jon Fossowey sagte: »Ich würde diese Herausforderung liebend gern persönlich annehmen, obwohl ich nicht halb so gut fechten kann wie Lord Caron oder Ser Guyard. Renly hat keine nennenswerten Ritter auf Sturmkap zurückgelassen. Die Burgwache ist etwas für alte Männer und grüne Jungen.«
Lord Caron stimmte zu. »Ein leichter Sieg, ganz gewiss. Und welch Ruhm gewänne der, der Sturmkap mit einem einzigen Streich einnimmt!«
Stannis brachte sie mit einem Blick zum Schweigen. »Ihr schwatzt wie die Elstern, aber mit weniger Verstand. Ich wünsche Ruhe.« Der König wandte sich Davos zu. »Ser. Reitet mit mir.« Er spornte sein Pferd an und ritt den anderen voraus. Nur Melisandre hielt Schritt und trug das große Banner mit dem flammenden Herzen und dem gekrönten Hirsch, der darin eingeschlossen war. Als wäre er ganz davon verschlungen worden.
Davos bemerkte die Blicke, die die Lords untereinander wechselten, während er an ihnen vorbeiritt und sich zum König gesellte. Sie waren keine Zwiebelritter, sondern stolze Männer aus Häusern mit alten, ehrwürdigen Namen. Irgendwie wusste er, dass Renly sie niemals auf diese Art und Weise gescholten hatte. Der jüngste Baratheon war mit einer Gabe für leutselige Höflichkeit geboren worden, die seinem Bruder traurigerweise fehlte.
Als er den König eingeholt hatte, ließ er sein Pferd in langsamen Trab fallen. »Euer Gnaden.« Aus der Nähe betrachtet sah Stannis noch schlechter aus. Sein Gesicht war hager, und unter den Augen zeichneten sich dunkle Ränder ab.
»Ein Schmuggler muss die Menschen gut einschätzen können«, sagte der König. »Was haltet Ihr von diesem Ser Cortnay Fünfrosen?«
»Ein starrköpfiger Mann«, antwortete Davos vorsichtig.
»Ich würde ihn eher lebensmüde nennen. Er wirft mir seine Begnadigung ins Gesicht. Ja, und dabei verwirkt er sein Leben und das Leben der Männer im Inneren dieser Mauern. Ein Duell?« Der König schnaubte verächtlich. »Ohne Zweifel hat er mich mit Robert verwechselt.«
»Vermutlich war er eher verzweifelt. Welche andere Hoffnung konnte er denn noch hegen?«
»Keine. Die Burg wird fallen. Nur, wie können wir das beschleunigen? « Stannis brütete einen Moment lang vor sich hin. Unter dem steten Hufschlag meinte Davos zu hören, wie der König mit den Zähnen knirschte. »Lord Alester drängt mich, den alten Lord Fünfrosen hierherzubringen. Ser Cortnays Vater. Ihr kennt ihn.«
»Als Euren Gesandten hat mich Lord Fünfrosen höflicher empfangen als die meisten anderen«, sagte Davos. »Er ist ein alter Mann, Euer Gnaden, kränklich und gebrechlich.«
»Florent würde ihn noch kränker und gebrechlicher machen vor seines Sohnes Augen, mit einer Schlinge um den Hals.«
Es war gefährlich, sich gegen einen Mann der Königin zu stellen, doch Davos hatte geschworen, dem König stets die Wahrheit zu sagen. »Ich glaube, das wäre ein schlimmer Fehler, mein Lehnsherr. Ser Cortnay würde eher seinem Vater beim Sterben zusehen, als seinen Treueid brechen. Es würde uns nichts einbringen und unsere Sache nur mit Schande beflecken.«
»Was für Schande?«, fuhr Stannis auf. »Soll ich vielleicht das Leben von Verrätern verschonen?«
»Das Leben jener hinter uns habt Ihr auch verschont.«
»Wollt Ihr mich dafür schelten, Schmuggler?«
»Das steht mir nicht zu.« Davos fürchtete, zu viel gesagt zu haben.
Der König hakte unerbittlich nach. »Ihr schätzt diesen Fünfrosen höher ein als meine Vasallen. Warum?«
»Er hat die Treue gehalten.«
»Fehlgeleitete Treue für einen toten Usurpator.«
»Ja«, räumte Davos ein, »aber immerhin ist er treu geblieben. «
»Und die hinter uns nicht?«
Davos hatte sich zu weit vorgewagt, um nun einen Rückzieher zu machen. »Letztes Jahr waren sie noch Roberts Männer. Vor einem Monat gehörten sie zu Renly. Heute Morgen sind sie die Euren. Wessen werden sie morgen sein?«
Und Stannis lachte. Es war ein plötzlicher Ausbruch, rau und voller Hohn. »Ich habe es Euch gesagt, Melisandre«, wandte er sich an die Rote Frau, »mein Zwiebelritter spricht die Wahrheit zu mir.«
»Ihr kennt ihn gut, das sehe ich, Euer Gnaden«, antwortete die Rote Priesterin.
»Davos, ich habe Euch sehr vermisst«, sagte der König. »So, da habe ich mir also einen Rattenschwanz von Verrätern aufgehalst, denn Eure Nase trügt Euch nicht. Meine Gefolgsleute sind sich nicht einmal in ihrem Verrat treu. Ich brauche sie, aber Ihr sollt wissen, wie sehr es mich schmerzt, sie begnadigt zu haben, während ich bessere Männer für leichtere Vergehen bestraft habe. Ihr hättet alles Recht der Welt, mir Vorwürfe zu machen, Ser Davos.«
»Ihr macht Euch selbst schwerere Vorwürfe, als ich es jemals könnte, Euer Gnaden. Ihr braucht diese großen Lords, um Euren Thron zu erobern …«
»Mit Fingern und allem drum und dran.« Stannis lächelte grimmig.
Ohne nachzudenken hob Davos die verstümmelte Hand an den Beutel um seinen Hals und fühlte die Fingerknochen darin. Glück.
Der König bemerkte die Bewegung. »Tragt Ihr sie noch immer bei Euch, Zwiebelritter? Ihr habt sie nicht verloren?«
»Nein.«
»Warum behaltet Ihr sie? Das habe ich mich schon oft gefragt. «
»Sie erinnern mich an das, was ich einmal war. Woher ich komme. Sie erinnern mich an Eure Gerechtigkeit, mein Lehnsherr.«
»Es war Gerechtigkeit«, sagte Stannis. »Eine gute Tat gleicht die schlechte nicht aus, und eine schlechte Tat nicht die gute. Jede hat ihre eigene Belohnung verdient. Ihr wart ein Held und ein Schmuggler.« Er blickte sich nach Lord Florent und den anderen um, den Regenbogenrittern und Abtrünnigen, die in einigem Abstand folgten. »Diese begnadigten Lords würden gut daran tun, darüber einmal nachzudenken. Gute und aufrichtige Männer werden für Joffrey kämpfen, weil sie ihn fälschlicherweise für den wahren König halten. Ein Nordmann mag das Gleiche über Robb Stark sagen. Aber diese Lords, die unter dem Banner meines Bruders zogen, wussten, dass er ein Usurpator war. Sie haben ihrem rechtmäßigen König den Rücken gekehrt, weil sie von Macht und Ruhm träumten, und ich habe mir genau gemerkt, was für Männer sie sind. Begnadigt habe ich sie, ja. Ihnen vergeben. Aber nichts vergessen.« Er verfiel für einen Augenblick in Schweigen und brütete über seinen Plänen für Gerechtigkeit. Dann fragte er unvermittelt: »Was hält das gemeine Volk von Renlys Tod?«
»Es trauert. Euer Bruder war sehr beliebt.«
»Narren lieben den Narren«, knurrte Stannis, »aber auch ich trauere um ihn. Um den Jungen, der er war, nicht um den Mann, zu dem er wurde.« Einen Augenblick lang schwieg er, dann fügte er hinzu: »Wie hat das Volk die Nachricht von Cerseis Inzest aufgenommen?«
»Solange wir da waren, riefen sie nach König Stannis. Ich weiß allerdings nicht, was sie gesagt haben, nachdem wir abgefahren sind.«
»Ihr denkt also, sie könnten es nicht geglaubt haben?«
»In meiner Zeit als Schmuggler habe ich gelernt, dass manche Menschen alles glauben und andere gar nichts. Wir haben beide Sorten getroffen. Und es wird noch eine andere Geschichte erzählt …«
»Ja«, schnappte Stannis. »Selyse habe mir Hörner aufgesetzt und Narrenglöckchen an den Spitzen festgebunden. Meine Tochter soll von einem schwachsinnigen Narren gezeugt sein! Eine Geschichte, die ebenso abscheulich wie absurd ist. Renly hat sie mir ins Gesicht geschleudert, als wir uns zur Verhandlung trafen. Man müsste genauso verrückt sein wie Flickenfratz, um diese Geschichte zu glauben.«