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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04

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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04 von George RR Martin.
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Jon musste sich anstrengen, um mit Qhorins langen Schritten mitzuhalten. »Lord Rickard starb noch vor meiner Geburt. «

»Er war ein Freund der Nachtwache.« Qhorin warf einen Blick über die Schulter. »Man hört, du hättest einen Schattenwolf bei dir.«

»Geist wird in der Dämmerung zurückkehren. Nachts jagt er.«

Der Schwermütige Edd briet eine Scheibe Schinken und kochte ein Dutzend Eier in einem Kessel über dem Feuer des Alten Bären. Mormont saß auf seinem Feldstuhl aus Holz und Leder. »Mir wurde langsam angst und bange um Euch. Habt Ihr Ärger gehabt?«

»Wir sind auf Alfyn Krähentöter getroffen. Manke hat ihn geschickt, um entlang der Mauer auf Kundschaft zu gehen, und wir haben ihn auf dem Rückweg erwischt.« Qhorin nahm seinen Helm ab. »Alfyn wird dem Reich keinen Schaden mehr zufügen, aber ein paar aus seiner Truppe konnten uns entkommen. Wir haben sie gejagt, trotzdem haben es manche vielleicht doch bis in die Berge geschafft.«

»Und die Verluste?«

»Vier Brüder sind gefallen. Ein Dutzend verwundet. Ein Drittel dessen, was der Feind hinnehmen musste. Und wir haben Gefangene gemacht. Einer ist bald danach an seinen Wunden gestorben, aber die anderen konnten wir verhören. «

»Am besten besprechen wir das im Zelt. Jon wird Euch ein Horn Bier holen. Oder bevorzugt Ihr gewürzten Wein?«

»Heißes Wasser wäre schon angenehm. Und ein Ei und ein Stück Schinken.«

»Wie Ihr wünscht.« Mormont hob die Zeltklappe hoch, und Qhorin Halbhand bückte sich und trat ein.

Edd stand am Topf und rührte die Eier mit einem Löffel um. »Diese Eier beneide ich geradezu«, sagte er. »Ich würde jetzt auch gern ein bisschen kochen. Wenn der Topf größer wäre, könnte ich hineinspringen. Aber ich hätte es lieber, wenn es Wein und nicht Wasser wäre. Man kann schlimmer sterben als warm und betrunken. Ich habe mal einen Bruder gekannt, der sich in Wein ersäuft hat. War aber ein schlechter Wein, und seine Leiche hat ihn nicht besser gemacht.«

»Du hast den Wein noch getrunken?«

»Es ist schrecklich, wenn man einen toten Bruder findet. Du hättest ebenfalls unbedingt etwas trinken müssen, Lord Schnee.« Edd rührte den Topf um und fügte noch ein bisschen Muskatnuss hinzu.

Unruhig hockte sich Jon vors Feuer und stocherte mit einem Stock darin herum. Er konnte die Stimme des Alten Bären aus dem Zelt hören, auch das Krächzen des Raben und Qhorin Halbhands leisere Stimme, doch verstehen konnte er nichts. Alfyn Krähentöter ist gefallen, das ist gut. Er war einer der blutrünstigsten Banditen der Wildlinge gewesen, und sein Name stammte daher, weil er schon so viele schwarze Brüder ermordet hatte. Warum klingt Qhorin dann trotz des Sieges so ernst?

Jon hatte gehofft, nach der Ankunft der Männer aus dem Schattenturm würde sich die Stimmung im Lager verbessern. Erst letzte Nacht hatte er, als er vom Wasserlassen kam, fünf oder sechs Männer gehört, die sich flüsternd an der Glut eines Feuers unterhielten. Chett hatte gerade gemurmelt, es sei längst Zeit umzukehren, und deshalb war Jon stehen geblieben, um zu lauschen. »Dieser ganze Ritt ist doch die Torheit eines alten Mannes«, sagte Chett. »In den Bergen werden wir außer unseren eigenen Gräbern nichts finden.«

»In den Frostfängen gibt es Riesen, Warge und schlimmere Wesen«, sagte Lark von den Schwestern.

»Dorthin werde ich nicht mitkommen, so viel verspreche ich euch.«

»Der Alte Bär wird dir keine Wahl lassen.«

»Könnte ja auch sein, dass wir ihm keine Wahl lassen«, erwiderte Chett.

In diesem Augenblick hatte einer der Hunde den Kopf gehoben und geknurrt, und deshalb hatte er sich rasch fortschleichen müssen, ehe man ihn entdeckte. Das sollte ich bestimmt nicht hören, dachte er. Er überlegte, ob er die Geschichte Mormont erzählen sollte, konnte sich jedoch nicht überwinden, seine Brüder zu verraten, selbst wenn es sich um solche Kerle wie Chett und die Männer von den Schwestern handelte. Ist doch sowieso nur leeres Geschwätz, redete er sich ein. Sie frieren, und sie haben Angst; so geht es uns ja allen. Das Warten hier war schwer, man hockte auf einem steinigen Berg über dem Wald und fragte sich ständig, was der nächste Morgen bringen mochte. Der unsichtbare Feind ist stets der, der am meisten Furcht einflößt.

Jon zog seinen neuen Dolch aus der Scheide und betrachtete den Feuerschein, der über das glänzende schwarze Glas spielte. Den Holzgriff hatte er selbst angefertigt und ihn mit Hanf umwickelt. Das war zwar hässlich, doch es hielt. Der Schwermütige Edd hatte gemeint, dass Glasmesser ungefähr so nützlich wären wie Brustwarzen auf dem Brustharnisch eines Ritters, allerdings war sich Jon dessen nicht so sicher. Die Drachenglasklinge war wesentlich schärfer als Stahl, wenn auch zerbrechlicher.

Sie müssen aus einem bestimmten Grund dort vergraben worden sein.

Er hatte auch einen Dolch für Grenn gemacht, und einen weiteren für den Lord Kommandanten. Das Kriegshorn hatte er Sam gegeben. Bei näherer Untersuchung hatten sie einen Sprung entdeckt, und obwohl sie allen Dreck entfernt hatten, konnte Jon keinen Ton zu Stande bringen. Der Rand war ebenfalls abgestoßen, doch Sam gefielen alte Dinge, auch wenn sie keinen Wert besaßen. »Mach dir doch ein Trinkhorn daraus«, schlug Jon ihm vor, »und jedes Mal, wenn du daraus trinkst, erinnerst du dich an deine Reise vor die Mauer und an die Faust der Ersten Menschen.« Er gab Sam eine Speerspitze und ein Dutzend Pfeilspitzen dazu, während er den Rest zwischen seinen anderen Freunden aufteilte.

Der Alte Bär hatte sich über den Dolch gefreut, doch trug er lieber ein Messer aus Stahl am Gürtel, war Jon aufgefallen. Mormont hatte ebenfalls keine Antwort auf die Frage, wer die Waffen in den Mantel eingeschlagen und beides dort vergraben oder was das zu bedeuten habe. Möglicherweise hat ja Qhorin eine Ahnung. Halbhand war weiter in die Wildnis vorgedrungen als jeder andere Mann.

»Willst du sie bedienen oder soll ich das machen?«

Jon schob den Dolch in die Scheide. »Ich mach das schon.« Er wollte zu gern hören, was sie besprachen.

Edd schnitt drei dicke Scheiben von einem harten Laib Haferbrot, legte sie auf einen Holzteller, bedeckte sie mit Schinken und Bratfett und füllte eine Schüssel mit hart gekochten Eiern. Jon nahm die Schüssel in die eine Hand und den Teller in die andere und trat rückwärts ins Zelt des Lord Kommandanten.

Qhorin saß mit gekreuzten Beinen auf dem Boden und hielt den Rücken so gerade wie einen Speer. Kerzenlicht beleuchtete seine harten flachen Wangen, während er sprach. »… Rasselhemd, den Weiner und jeden anderen großen oder kleinen Häuptling. Sie haben außerdem Warge und Mammuts und eine größere Streitmacht, als wir uns je erträumt haben. Jedenfalls hat er das behauptet. Ebben glaubt, der Mann habe uns Märchen erzählt, um sein Leben ein wenig zu verlängern.«

»Ob nun wahr oder gelogen, die Mauer muss gewarnt werden«, sagte der Alte Bär, während Jon Teller und Schüssel zwischen den beiden Männern abstellte. »Und der König.«

»Welcher König?«

»Alle. Der richtige und die falschen. Falls sie das Reich für sich erobern wollen, sollen sie es auch verteidigen.«

Halbhand nahm sich ein Ei und schlug es am Rand der Schüssel auf. »Diese Könige tun, was sie wollen«, sagte er und pellte das Ei. »Wahrscheinlich wird das nicht sehr viel sein. Unsere größte Hoffnung ist Winterfell. Die Starks müssen den Norden zusammenrufen.«

»Ja. Unbedingt.« Der Alte Bär entrollte eine Karte, betrachtete sie stirnrunzelnd, warf sie zur Seite und öffnete eine zweite. Er dachte gewiss darüber nach, wo der Hammer wohl fallen würde. Die Wache hatte einst siebzehn Burgen entlang der dreihundert Meilen Mauer bemannt, doch diese waren eine nach der anderen aufgegeben worden, als die Bruderschaft kleiner und kleiner wurde. Jetzt lebten nur noch auf dreien Brüder der Wache, eine Tatsache, die Manke Rayder natürlich ebenfalls bekannt war. »Ser Allisar Thorn wird hoffentlich frische Rekruten aus Königsmund mitbringen. Wenn wir Grauwacht vom Schattenturm und Langhügel von Ostwacht aus bemannen können …«

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