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Fahrstuhl zu den Sternen

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Fahrstuhl zu den Sternen
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Es klang alles so vertraut. Das Motto der Lardner und Bickerstaff war: »Der erste Versuch unterbleibt.«

Manchmal allerdings gab das Gesetz des Zufalls ihnen recht. Wie Donald Duck es zum Ausdruck brachte, klang es so durchaus vernünftig. Er begann mit einer Bescheidenheit, die ebenso ungewöhnlich wie irreführend war: Er fühle sich keineswegs befugt, die ingenieurtechnischen Aspekte des Sternenfahrstuhls zu kritisieren. Er wolle nur über die psychologischen Probleme sprechen, die damit verbunden waren. Sie ließen sich in einem Wort zusammenfassen: Schwindel. Der Mensch, legte er dar, hatte eine gerechtfertigte Abneigung gegen die Höhe; lediglich Akrobaten und Seiltänzer waren dieser natürlichen Reaktion gegenüber immun. Das höchste Bauwerk der Erde ragte weniger als fünf Kilometer in die Höhe, und es gab nicht viele, die sich senkrecht die Pfeiler der Brücke von Gibraltar emporfahren lassen würden.

Das aber war nichts im Vergleich zu der entsetzenerregenden Höhe des Orbital-Turms. »Wer hat nicht schon«, deklamierte Bickerstaff, »am Fuß eines immens hohen Gebäudes gestanden und die senkrechten Wände hinaufgestarrt, bis sie über ihm zusammenzubrechen scheinen? Stellen Sie sich nun ein solches Gebäude vor, das immer höher und höher reicht, durch die Wolken, hinauf in die Schwärze des Alls, durch die Ionosphäre, über die Umlaufbahnen der großen Raumstationen hinaus, bis zu einer Höhe, die einen beachtlichen Bruchteil der Entfernung bis zum Mond darstellt! Ein Triumph der Technik ohne Zweifel, aber ein psychologischer Albtraum. Ich stelle mir vor, dass viele Leute durchdrehen, wenn sie sich das Ding nur vorzustellen versuchen. Und wie viele könnten die schwindelerregende Qual der Auffahrt auf sich nehmen — geradewegs aufwärts, fünfundzwanzigtausend Kilometer weit.

Man kann darauf nicht erwidern, es seien völlig normale Menschen in Raumfahrzeugen bis zur selben und größerer Höhe vorgestoßen. Das ist eine ganz andere Sache, wie wir anhand des Fluges innerhalb der Atmosphäre sogleich beweisen werden. Der normale Mensch empfindet nicht einmal in der offenen Gondel eines Ballons, der in mehreren Kilometern Höhe durch die Luft gleitet, das Gefühl des Schwindels. Man stelle aber denselben Menschen auf einen Felsvorsprung in gleicher Höhe und sehe sich dann sein Verhalten an!

Der Unterschied lässt sich leicht erklären. In einem Flugobjekt gibt es keine physische Verbindung zwischen dem Beobachter und der Erdoberfläche. Psychologisch hat er daher mit dem Land, das er unter sich sieht, nichts gemeinsam. Die Frage, was geschehen würde, wenn er abstürzte, stellt sich ihm nicht. Er blickt unbeeindruckt hinab auf ferne und winzige Landschaften, die er vom Gipfel eines steilen Berges aus nie zu betrachten wagen würde. Diese Loslösung von der Erdoberfläche ist aber gerade, was dem Fahrstuhl zu den Sternen fehlt. Der hilflose Passagier, der an der Außenseite des Turmes entlang in die Höhe befördert wird, ist sich seiner Verbindung mit der Erde nur zu deutlich bewusst. Welche Garantie kann gegeben werden, dass einer, der nicht betrunken oder mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt ist, eine solche Fahrt überlebt? Ich fordere Dr. Morgan auf, diese Frage zu beantworten.«

Dr. Morgan war dabei, Antworten zu präparieren — wenige von ihnen freundlicher Natur —, als der Bildschirm von neuem aufleuchtete und einen Anruf signalisierte. Er drückte den Annahmeknopf und war nicht sonderlich überrascht, als er Maxine Duval erblickte.

»Also, Van«, begann sie ohne sonstige Einleitung, »was haben Sie vor?«

»Es juckt mich in den Fingern, aber ich halte es nicht für nützlich, mich mit dem Narren anzulegen. Übrigens — glauben Sie, dass irgendeine Luft-Raumfahrt-Organisation ihn dazu aufgestachelt haben könnte?«

»Meine Leute sind am Nachforschen. Ich setze Sie in Kenntnis, falls sie etwas finden. Ganz privat glaube ich, dass es sich um sein eigenes Machwerk handelt. Ich erkenne die Charakteristiken des Originals. Aber Sie haben meine Frage nicht beantwortet.«

»Ich habe mich noch nicht entschlossen; ich versuche noch immer, mein Frühstück zu verdauen. Was, meinen Sie, sollte ich tun?«

»Einfach. Arrangieren Sie eine Vorführung. Wie lange brauchen Sie dazu?«

»Fünf Jahre, wenn alles klappt.«

»Das ist lächerlich. Das erste Kabel ist bereits installiert.«

»Kein Kabel — ein Band!«

»Keine Haarspaltereien! Welche Last kann es tragen?«

»In Erdnähe? Nicht mehr als fünfhundert Tonnen.«

»Da haben Sie's! Bieten Sie Donald Duck eine Freifahrt an.«

»Ich könnte seine Sicherheit nicht garantieren.«

»Und wie steht's mit meiner Sicherheit?«

»Das meinen Sie nicht im Ernst!«

»So früh am Morgen meine ich alles ernst. Es ist überhaupt ein weiterer Bericht über den Orbital-Turm fällig. Die Fahrzeugattrappe ist recht nett, aber sie bewegt sich nicht. Meine Zuschauer wollen etwas geschehen sehen, und mir geht's nicht anders. Bei unserer letzten Begegnung zeigten sie mir Reißbrettentwürfe der kleinen Fahrzeuge, mit denen die Techniker das Kabel — ich meine das Band — auf- und abfahren. Wie hießen sie doch?«

»Spinnen.«

»Puh — ja. Ich fand die Idee faszinierend. Da haben wir etwas, was bisher absolut unmöglich war. Zum ersten Mal kann man mitten im Himmel völlig stillsitzen, selbst oberhalb der Atmosphäre, und den Ausblick auf die Erde genießen. Kein Raumfahrzeug hat das je fertiggebracht. Ich möchte der erste Mensch sein, der dieses Gefühl beschreibt. Und Donald Duck dabei gleichzeitig die Flügel stutzt.«

Morgan musterte Maxine volle fünf Sekunden lang, um sich zu überzeugen, dass sie es ernst meinte.

»Ich kann mir ausmalen«, sagte er müde, »wie eine junge, karrierebedachte Fernsehreporterin, die sich einen Namen machen will, eine solche Gelegenheit beim Schopf ergriffe. Ich möchte Ihrer strahlenden Laufbahn den Glanz nicht rauben, aber die Antwort ist ganz eindeutig nein.«

Die allerangesehenste aller Nachrichtenpersönlichkeiten gab eine Reihe von Worten von sich, die nicht nur undamenhaft, sondern schlechthin unanständig waren und über einen öffentlichen Kanal niemals hätten übertragen werden dürfen.

»Bevor ich Ihnen mit Ihrem eigenen Hyperdraht die Kehle zuziehe, Van«, fuhr sie fort, »sagen Sie mir: Warum nicht?«

»Wenn irgendetwas schiefginge, könnte ich mir nie verzeihen.«

»Ersparen Sie sich die Krokodilstränen! Mein vorzeitiges Ableben wäre selbstverständlich eine Katastrophe — für Ihr Projekt. Aber ich dächte nicht einmal im Traum daran, die Fahrt zu unternehmen, bevor nicht alle Tests durchgeführt sind und wir die Gewissheit haben, dass alles hundertprozentig sicher ist.«

»Es sähe zu sehr nach Zirkus aus.«

»Wie die Viktorianer (oder waren es die Elisabethaner) zu sagen pflegten: Wen kümmert das einen Dreck?«

»Sehen Sie her, Maxine — oh, da liegt eine dringende Meldung vor, Neuseeland ist gerade untergegangen — Sie werden im Studio gebraucht. Trotzdem vielen Dank für das großzügige Angebot.«

»Dr. Vannevar Morgan — ich weiß ganz genau, warum Sie mich zurückweisen. Sie möchten der Erste sein!«

»Wie die Viktorianer zu sagen pflegten: Wen kümmert das einen Dreck?«

»Touché. Aber ich warne Sie, Van. Sobald Ihre erste Spinne betriebsbereit ist, hören Sie wieder von mir.«

Morgan schüttelte den Kopf. »Tut mir leid, Maxine«, antwortete er. »Sie haben keinerlei Aussicht.«

Starglider plus achtzig

Auszug aus »Gott und Starholm«. (Mandala Press, Moskau, 2149) Es ist genau achtzig Jahre her, seit die interstellare Robotsonde, die inzwischen den Namen Starglider erhalten hat, in das Sonnensystem eindrang und ihre kurze, aber historische Unterhaltung mit der Menschheit führte. Zum ersten Mal wussten wir nun mit Sicherheit, was wir bisher lediglich vermutet hatten: dass wir nicht die einzigen Intelligenzen des Universums sind, und dass es draußen unter den Sternen viel ältere und vielleicht auch weisere Zivilisationen gibt.

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