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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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Ja. Das hätte mir auffallen müssen, auch damals schon. Und wenn ich damals zu unreif war in meiner Urteilskraft, wie war es dann um die Urteilskraft der Götter bestellt, die keine solche, Entschuldigung haben?

»Er hat jeden begeistert, der ihn traf.« Nur mich nicht.

Arhys starrte auf den Widerrist seines Pferdes. »Wisst Ihr«, sagte er nach einer Weile, »ich habe schon schönere Frauen gesehen, doch Ihr zieht meine Aufmerksamkeit ganz besonders auf Euch … Ich kann es nicht erklären.«

Ein höflicher Kavalier, sagte sich Ista, hätte nie einen solchen Schnitzer begangen und eingeräumt, dass es schönere Frau gab als seine derzeitige Zuhörerin. Und ein höflicher Kavalier hätte weitergeredet und sich in poetischer Länge erklärt. Eine bloße Schäkerei konnte man mit einem Lächeln abtun, doch Arhys’ Bemerkungen waren ernst gemeint und beunruhigten Ista sehr viel mehr.

»Ich verstehe allmählich«, fuhr er fort, »warum Vater für Eure Liebe sein Leben riskiert hat.«

»Halt!«, sagte Ista.

Erschrocken schaute er zu ihr hinüber; dann erst dämmerte ihm, dass sie nicht sein Pferd meinte. »Majestät?«

»Wie ich sehe, haben die romantischen Gerüchte ihren Weg bis nach Caribastos gefunden. Aber sorgt Euch nicht um den erlesenen Geschmack Eures Vaters, denn Arvol dy Lutez war niemals mein Liebhaber.«

Arhys war vollkommen überrascht und brauchte eine Weile, um ihre Worte zu verdauen. Schließlich brachte er zögernd hervor: »Ich nehme an … inzwischen habt Ihr keinen Grund mehr, etwas anderes als die Wahrheit zu sagen.«

»Darüber habe ich nie etwas anderes als die Wahrheit gesagt. Ich war es nicht, die all diese Verleumdung und üble Nachrede verbreitet hat. Ich habe meist geschwiegen.« Und war sie daher weniger schuldig? Wohl kaum.

Er legte die Stirn in Falten und dachte darüber nach. »Hat König Ias Euren Unschuldsbeteuerungen keinen Glauben geschenkt?«

Ista rieb sich die Stirn. »Ich muss weiter vorn anfangen. Wie habt Ihr Euch die Wahrheit all die Jahre vorgestellt? Was steckte Eurer Meinung nach hinter den verhängnisvollen Begebenheiten?«

Er schaute unbehaglich drein. »Ich glaubte … war zu dem Schluss gekommen … dass mein Vater durch Folter zu einem Geständnis gebracht werden sollte, was seine Liebe zu Euch betrifft. Und als er nicht reden wollte, um Eure Ehre zu schützen oder die seine, gingen die Folterknechte in ihren Bemühungen zu weit, und er starb durch einen tragischen Zufall in den Kerkern des Zangres. Die Anklagen wegen Unterschlagung und geheimen Verhandlungen mit dem König von Brajar wurden nachträglich hinzugedichtet, um Ias’ Schuld zu verbergen. Das wurde von Ias ja auch stillschweigend bestätigt, indem er die Hinterlassenschaft von dy Lutez nicht eingezogen hat, wie es mit den Gütern wirklicher Verräter geschieht. Dy Lutez’ gesamtes Eigentum ging an die Erben über.«

»Das sind kluge Überlegungen«, stellte Ista fest. Und sie sind zu drei Vierteln zutreffend. Nur das eigentliche Geheimnis war ihm verborgen geblieben. »Es ist wahr, dy Lutez war fast so standhaft wie in Eurer Geschichte, die besser ist als die meisten Geschichten, die darüber erzählt werden.«

Er warf ihr einen raschen Blick zu. »Ich habe Euch beleidigt, Majestät. Ich bitte um Verzeihung.«

Mit Mühe hielt sie ihre Stimme unter Kontrolle. Es war ihr mit einem Mal sehr wichtig, ihm deutlich zu sagen, dass sie nicht die Geliebte seines Vaters gewesen war. Woran lag das? Was machte das nach all den Jahren noch aus? Arhys hegte edle und romantische Vorstellungen über dy Lutez — der ihn jedoch völlig ignoriert hatte, soweit sie feststellen konnte. Warum sollte sie ihm diese einzige Hinterlassenschaft rauben, die er von seinem Vater im Herzen trug?

Aus den Augenwinkeln musterte sie seinen hoch gewachsenen Körper, der lässige Kraft ausstrahlte.

Wenn sie ihn besser kannte, mochte sie es vielleicht wagen, ihm alles zu sagen. Dass sein Vater auf meinen Wunsch hin ertränkt wurde? Wie gut müsste ich ihn dafür wohl kennen?

Sie atmete tief durch. »Euer Vater war kein Verräter, weder im Bett noch außerhalb. Er war so tapfer und edel wie irgendein Mann, der Chalion jemals gedient hat. Um ihn zu zerbrechen bedurfte es einer Aufgabe, die die Kraft eines jeden Mannes überstiegen hätte.« Scheitern war kein Verrat, auch dann nicht, wenn es schreckliche Folgen nach sich zog.

»Majestät, Ihr verwundert mich.«

Ihr Mut verließ sie. Ganz wie bei dy Lutez, ist es nicht so? »Es handelt sich um ein Staatsgeheimnis, und ich habe Stillschweigen geschworen. Ias starb, ehe er mich von diesem Eid entbinden konnte. Ich habe den Schwur abgelegt, niemals einer lebenden Seele davon zu berichten. Mehr kann ich nicht sagen. Ich kann Euch nur versichern, dass Ihr den Namen Eures Vaters ohne Schande tragen könnt.«

Seine Stirn glättete sich. »Ein Staatsgeheimnis … oh.«

O ihr Götter, warum habt ihr mich hergebracht? Bin ich nicht gestraft genug? Treibt ihr Scherze mit mir?

Ista fuhr mit einer Gelassenheit fort, die sie nicht empfand: »Doch nun genug von der toten Vergangenheit. Erzählt mir vom lebenden, atmenden Jetzt. Erzählt mir von Euch.« Das sollte reichen, um den Rest des Weges mit leichter Unterhaltung zu verbringen; Ista musste nur noch gelegentliche, interessierte Lautäußerungen beisteuern, vorausgesetzt, Arhys war wie die meisten Höflinge, die sie kannte.

Er zuckte mit den Schultern. »Da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich wurde in dieser Gegend geboren, und hier habe ich mein ganzes Leben verbracht. Seit meiner Jugend bin ich ausgeritten, um diesen Landstrich zu verteidigen. Meine Mutter starb, als wir … als ich zwölf Jahre alt war. Ich wurde von ihrem treuen … von anderen Verwandten großgezogen, und die Notwendigkeit machte mich zum Krieger. Porifors habe ich über meine Mutter geerbt, und der Herzog hat die Belehnung bestätigt, als ich alt genug war, um die Burg zu verteidigen. Die Besitztümer meines Vaters gingen zum großen Teil an seine erste Familie, obwohl mir noch einiger Grundbesitz hier in Caribastos zufiel. So war es wohl am zweckmäßigsten. Ich nehme an, die Testamentsvollstrecker hatten das ausgehandelt, aber zu jener Zeit wurde alles über meinen Kopf hinweg entschieden.«

Er verstummte abrupt. Offenbar war er fertig. Sein Vater war ein brillanter Geschichtenerzähler gewesen und hätte eine Tafel einen ganzen Abend lang unterhalten können, ohne ein Stichwort zu benötigen.

Arhys schaute sich um und blinzelte in das grelle Sonnenlicht. Dann setzte er noch einen Nachtrag hinzu: »Ich liebe dieses Land. Ich würde jede Meile davon sogar im Dunkeln wieder erkennen.«

Ista folgte seinem Blick. Die Berge waren gänzlich hinter dem Horizont verschwunden, und um sie her dehnte sich eine weite Landschaft mit sanften Hügeln, die nirgendwo den Blick auf den hellen Himmel verwehrte. Es war warm genug, um Olivenhaine wachsen zu lassen, deren schimmernde, silbergrüne Pracht sich überall auf den ausgedehnten Hängen verteilte. Einige befestigte Weiler kauerten am Rande ihres Sichtfelds, in Licht gebadet wie vergoldete Spielzeuge. Ochsengespanne pflügten an diesem friedlichen Tag in fernen Tälern. Ein großes Rad knarrte an einem Bachlauf und schöpfte Wasser, verteilte es über Gemüsebeete und die Rebstöcke, die sich über den tiefer gelegenen, fruchtbareren Boden hinzogen. Das Geräusch klang weich aus der Entfernung. Auf den Hügelspitzen stachen graue Felszacken durch den Boden und schienen sich zu sonnen wie ältere Leute auf einer Bank am Marktplatz.

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