Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Sie ließ Wrens Hand los und trat zurück. »Während wir uns hier unterhalten, entscheidet die Königin über das Schicksal der Elfen, Wren. Deine Ankunft hat alles beschleunigt. Du wolltest wissen, welchen Unterschied deine Anwesenheit hier schon macht? Heute abend, denke ich, wirst du es wissen.«
Wren fuhr auf, als sie es plötzlich erkannte. »Du hattest eine Vision, nicht wahr, Eowen? Du hast gesehen, was sein wird.«
Die Seherin hob ihre Hände, als wüßte sie nicht, ob sie die Unterstellung abwehren oder sie eingestehen sollte. »Immer, Kind«, flüsterte sie. »Immer.« Ihr Gesichtsausdruck war gequält. »Die Visionen hören niemals auf.«
Dann wandte sie sich um, ging den Gang hinunter und verschwand wieder. Wren stand da und schaute hinter ihr her, wie sie auch hinter der Eule hergeschaut hatte. Sie waren Propheten, die auf eine unsichere Zukunft zugingen, selbst Visionen dessen, was den Elfen vorherbestimmt war.
Das Abendessen an diesem Abend war eine langwierige, quälende Angelegenheit mit langen Perioden des Schweigens. Wren und Garth waren in der Dämmerung gerufen worden und zu Eowen und der Eule hinuntergegangen, die bereits warteten. Gavilan hatte sich einige Minuten später zu ihnen gesellt. Jetzt saßen sie nahe beieinander an einem Ende des langen Eichentisches. Eine eindrucksvolle Auswahl an Speisen war vor ihnen aufgebaut, Bedienstete standen zu ihrer Verfügung, und der Speisesaal war gegen die hereinbrechende Nacht hell erleuchtet. Sie sprachen wenig, und wenn sie sprachen, taten sie sich schwer damit, nicht auf jene Gebiete abzuschweifen, deren Untergrund sich schon früher als trügerisch erwiesen hatte. Sogar Gavilan, der letztlich den größten Teil der Unterhaltung bestritt, wählte seine Themen sehr sorgfältig. Wren hätte nicht sagen können, ob ihr Cousin durch die Gegenwart von Eowen und der Eule eingeschüchtert war oder ob ihn etwas anderes störte. Er war genau so fröhlich und heiter wie zuvor, aber ihm fehlte jegliches wahre Interesse an der Mahlzeit, und er schien mit seinen Gedanken woanders zu sein. Wenn sie sprachen, so drehte sich ihr Gespräch überwiegend um Wrens Kindheit bei den Fahrenden und Gavilans Erinnerungen an Alleyne. Die Mahlzeit verstrich nur langsam, und es machte sich unübersehbar ein Gefühl der Erleichterung breit, als sie schließlich beendet war. Obwohl alle nach ihr Ausschau gehalten hatten, war Ellenroh Elessedil nicht erschienen.
Die fünf erhoben sich und wollten ihrer Wege gehen, als ein eifriger Bote in den Raum platzte und hektisch einige Worte mit der Eule wechselte.
Der entließ den Mann mit einem Stirnrunzeln und wandte sich dann an die anderen. »Die Dämonen haben einen Angriff gegen die Nordmauer geführt. Offensichtlich ist es ihnen gelungen, dort durchzubrechen.«
Nun strebten sie schnell auseinander. Eowen, um die Königin zu suchen, Gavilan, um sich zu bewaffnen, die Eule, Wren und Garth, um selber herauszufinden, was vor sich ging. Die Eule führte sie eilig durch die Vordertore aus dem Palast und in die Stadt hinunter. Wren sah den Boden unter ihren Füßen vorbeifliegen, während sie lief. Die Dämmerung war zu Abenddunkel geworden, und das Licht des Keel flackerte wild durch die Wand aus Bäumen. Sie liefen eine Reihe von Nebenstraßen hinab, durch die Elfen in verschiedene Richtungen rannten und schrien und Warnrufe riefen, während die ganze Stadt aufgrund der Nachricht über den Angriff in Alarmbereitschaft geriet. Die Eule umging die Elfenansammlungen, die sich bereits bildeten, und führte sie am Stadtkern entlang, dann eilte er ostwärts an dessen Rückseite vorbei, bis sich die Bäume teilten und der Keel vor ihnen aufragte. Die Mauer war dicht von Elfenkriegern besetzt, und Hunderte kamen über die Brücken, um sich ihnen anzuschließen. Sie alle eilten auf eine Stelle in dem Glühen zu, an der der Lichtschein beinahe ganz verblaßt war und eine massive Ansammlung von Kriegern in fast völliger Dunkelheit kämpfte. Wren und ihre Begleiter gingen weiter, bis sie weniger als zweihundert Meter von der Mauer entfernt waren. Dort mußten sie anhalten, da eine Reihe Krieger vor ihnen vorwärts drängte. Wren packte entsetzt Garths Arm. Wo der Keel gebrochen war, schien die Magie vollständig versagt zu haben, und die Steine der Mauer waren in Schutt verwandelt worden. Hunderte von dunklen, gesichtslosen Körpern zwängten sich in die Lücke und kämpften sich hindurch, während die Elfen auf sie einschlugen, um sie hinauszudrängen. Der Kampf war chaotisch. Körper drehten und wanden sich im Todeskampf, wenn sie von jenen zerschmettert wurden, die nachdrängten. Rufe und Schreie erfüllten die Luft, und die Geräusche des Kampfes zwischen Elfen und Dämonen wurden in dieser Nacht durch nichts gedämpft. Schwerter schlugen aufeinander und Klauen schlugen zu, und die Toten und Verwundeten lagen überall um die Bruchstelle in der Mauer herum. Eine Weile schienen die Dämonen überlegen zu sein, denn ihre Zahl war so groß, daß jene, die in der vordersten Reihe standen, tatsächlich innerhalb der Stadt waren. Aber die Elfen führten wilde Gegenangriffe und trieben sie wieder zurück. Hin und her wogte der Kampf durch die Bruchstelle, und keine Seite konnte einen Voneil erringen.
Auf einmal erscholl der Ruf: »Phaeton, Phaeton«, und der weißblonde Kopf des Elfenanführers erschien an der Spitze eines weiteren Trupps von Kriegern. Den Schwertarm hoch erhoben, führte er einen Angriff gegen die Mauer an. Die Dämonen wurden zurückgedrängt. Sie schrien und heulten, als die Elfen in sie hineinschlugen. Phaeton stand bei dem Angriff in erster Reihe. Er blieb auf wundersame Weise unversehrt, während seine Männer um ihn herum fielen. Die Elfen auf den Festungsmauern schlössen sich dem Gegenangriff an, und schlugen von oben zu, so daß Speere und Pfeile hinabregneten. Der Lichtschein des Keels wurde heller und schloß sich kurzzeitig über der Lücke in der beschädigten Mauer wieder.
Darauf führten die Dämonen noch einen weiteren Angriff. Es waren ungeheuer viele, die bei jedem Vorstoß durch die Mauerlücke krochen. Die Elfen hielten kurze Zeit stand und begannen dann erneut zurückzufallen. Phaeton sprang mit erhobenem Schwert vor sie. Die Fronten änderten sich wenig, als die Kämpfenden auf jeder Seite jetzt versuchten, die Kontrolle zu erlangen. Wren beobachtete erschrocken, daß das Gemetzel sich ausweitete, daß überall Tote und Sterbende und Verletzte lagen und der Kampf so heftig wurde, daß niemand zu ihnen gelangen konnte. Ein kleiner Trupp von Elfen hatte sich um Wren und ihre Begleiter herum gesammelt. Es waren alte Leute, Frauen und Kinder, die alle nicht als Krieger im Elfenheer waren. Eine neugierige Stille schwebte über ihnen, während sie zusahen. Ihre Stimmen zum Schweigen gebracht durch das, was sie sahen.
Aber was ist, wenn die Dämonen durchbrechen? fragte sich Wren plötzlich. Niemand wird eine Chance haben. Dieses Volk kann nirgendwo hinlaufen. Alle werden getötet werden.
Sie schaute wild um sich. Wo war nur die Königin?
Und plötzlich war sie da, umringt von einem Dutzend Mitgliedern ihrer Leibgarde. Die Menge teilte sich vor ihr. Wren sah Triss, der mit hartem, grimmigem Gesicht seine Elfenjäger anführte. Die Königin trat direkt und aufrecht in ihre Mitte. Sie schien unberührt von dem Tumult, der um sie herum tobte. Ihr glattes Gesicht war ruhig, und sie hielt die Augen nach vorn gerichtet. Dann ging sie am Rande der Menge entlang auf die nächstgelegene Brücke zu, die den Graben überspannte. In ihrer Hand trug sie den Ruhkstab, an dessen Spitze der Loden weiß und heiß schimmerte.
Was wird sie tun? fragte sich Wren und hatte plötzlich Angst um sie.
Die Königin ging zur Mitte der Brücke, wo sie sich über das Wasser des Grabens beugte, und blieb dort stehen, wo sie von allen gesehen werden konnte. Rufe erschollen, und die Krieger an der Mauer begannen, ihren Namen zu rufen und sich damit Mut zu machen. Die Elfen, die mit Phaeton an der Bruchstelle kämpften, verstärkten ihre Bemühungen. Sie sammelten alle Kraft für einen Gegenangriff und drängten vorwärts. Wieder wurden die Dämonen zurückgeschlagen. Das Klirren und Schaben eiserner Waffen erklang und gleichzeitig die Schreie der Sterbenden.