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Die Elfenkönigin von Shannara

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Die Elfenkönigin von Shannara
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Sie schüttelte langsam den Kopf und lächelte ironisch. »Ich weiß, was ich verlange. Wenn wir Arborlon und die Elfen wieder in die Welt der Menschen, in die Vier Länder mit ihren verschiedenen Rassen verlagern, wird die Magie verloren sein. Wir werden sein, wie wir in den alten Zeiten waren. Aber vielleicht ist das genug. Vielleicht soll es so sein.«

Alle, die um den Tisch saßen, betrachteten sie schweigend. Ihre Gesichter spiegelten eine Mischung aus Unwillen, Zweifel und Verwunderung.

»Ich verstehe nicht viel von der Magie«, sagte Wren schließlich, die einfach nicht mehr nur dasitzen konnte, während sich immer mehr Fragen in ihr auftürmten. »Was meint Ihr eigentlich, wenn Ihr sagt, daß die Magie verloren sein wird, wenn Ihr Morrowindl verlaßt?«

Ellenroh wandte sich ihr zu und sah sie an. »Ich vergesse immer wieder, Wren, daß du im Elfenwissen noch nicht sehr versiert bist und die Ursprünge der Magie noch nicht richtig kennst. Ich werde versuchen, es dir vereinfacht zu erklären. Wenn ich den Loden anrufe, wie ich es beabsichtige, werden Arborlon und die Elfen für die Rückreise ins Westland in dem Elfenstein versammelt werden. Wenn dies geschieht, wird die Magie, die die Stadt jetzt schützt, nutzlos. Die einzige Magie, die dann noch bleibt, ist die, die dem Loden innewohnt und die beschützt, was in ihm getragen wird. Wenn Arborlon wiederhergestellt ist, wird auch diese Magie nutzlos. Der Loden hat, wie du siehst, nur einen Zweck, und wenn er einmal für diesen Zweck gebraucht wurde, läßt seine Magie nach.«

Wren schüttelte verwirrt den Kopf. »Aber wie läßt sich dann erklären, daß der Loden den Keel wiederhergestellt hat, nachdem die Dämonen durchgebrochen waren? Was ist damit?«

»Das ist wahr. Ich habe mir einen kleinen Teil der gleichen Magie, die erforderlich ist, um die Stadt und ihre Einwohner zu transportieren, zunutze gemacht. Kurz gesagt, ich habe ihm ein wenig Macht gestohlen. Wenn man diese Macht gebraucht, um den Keel zu unterstützen, zehrt man also auf, was für den vorrangigen Gebrauch des Elfensteins notwendig ist.« Ellenroh hielt inne. »Wren, du weißt also jetzt, daß die Elfen einen Teil der Magie, die sie einst in der Feenzeit zur Verfügung hatten, wiedererlangt haben. Das gelang ihnen, nachdem sie entdeckt hatten, daß die Magie ihren Ursprung in der Erde und ihren Elementen hat. Kurz bevor wir nach Morrowindl kamen, lange vor meiner Zeit, wurde die Entscheidung getroffen, daß die Elfen versuchen sollten, sie zurückzugewinnen.« Sie hielt inne. »Dieser Versuch war nicht allzu erfolgreich. Schließlich wurde er vollständig aufgegeben. Was an Magie übriggeblieben war, wurde in den Bau des Keel eingebracht. Aber die Magie existiert nur so lange, wie sie gebraucht wird. Wenn die Stadt erst einmal fort ist, wird auch die Magie nicht mehr gebraucht. Wenn es soweit ist, verschwindet sie.«

»Und sie kann wirklich nicht wiederhergestellt werden, wenn Ihr erst einmal wieder im Westland seid?«

Ellenrohs Gesicht versteinerte. »Nein, Wren. Niemals wieder.«

»Ihr nehmt an...« begann Gavilan.

»Niemals«, schnappte Ellenroh, und Gavilan wurde still.

»Hoheit.« Eton Shart zog sanft ihre Aufmerksamkeit auf sich.

»Selbst wenn wir tun würden, was Ihr vorschlagt, und die Macht des Loden anrufen würden, welche Chance hätten wir überhaupt, ins Westland zurückzukehren? Die Dämonen sind überall um uns herum. Wie Ihr bereits sagtet, hatten wir Mühe, uns innerhalb der Mauern der Stadt zu behaupten. Was geschieht, wenn diese Mauern fort sind? Würde allein unser Heer genügen, uns an den Strand zu bringen? Und was geschieht dann mit uns? Wir haben dann weder Boote noch einen Führer.«

»Das Heer kann den Strand nicht lange halten, Hoheit«, wandte auch Barsimmon Oridio ein.

»Nein, Bar, das kann es nicht«, sagte die Königin. »Aber ich möchte auch nicht vorschlagen, das Heer einzusetzen. Ich glaube, die beste Möglichkeit ist es, Morrowindl so zu verlassen, wie wir hergekommen sind – indem nur eine Handvoll von uns den Loden trägt, während die anderen sicher in ihm eingeschlossen sind.«

Es herrschte verblüfftes Schweigen.

»Eine Handvoll, Hoheit?« Barsimmon Oridio war entsetzt.

»Sie hätten keine Chance!«

»Nun, diese Einschätzung muß nicht unbedingt stimmen«, sann Aurin Striate leise.

Die Königin lächelte. »Nein, Aurin, das muß sie nicht. Immerhin ist meine Enkelin ein Beweis dafür. Sie kam durch die Reihen der Dämonen einzig und allein mit der Hilfe ihres Freundes Garth. Der Punkt bei diesem Vorhaben ist, daß ein kleiner Trupp eine weitaus größere Chance hat, zum Strand durchzukommen, als ein ganzes Heer. Ein kleiner Trupp kann schnell und ohne gesehen zu werden, vorwärts gehen. Es ist sicher eine gefährliche Reise, aber sie ist machbar. Bezüglich dessen, was geschehen könnte, wenn diese Gesellschaft erst den Strand erreicht hat, so hat Wren bereits gewisse Vereinbarungen für uns getroffen. Der Flugreiter Tiger Ty wird mit seinem Rock da sein und kann zumindest einen von uns und den Loden in Sicherheit bringen. Weitere Flugreiter könnten die anderen in ihre Obhut nehmen. Ich habe dies sorgfältig durchdacht, und ich glaube, daß es eine Antwort auf unser Problem ist. Ich glaube sogar, meine Freunde, daß es die einzig mögliche Antwort ist.«

Gavilan schüttelte den Kopf. Er war jetzt ruhig, und sein hübsches Gesicht blieb gelassen. »Hoheit, ich weiß, wie verzweifelt die Lage geworden ist. Aber wenn dieses Wagnis, das ihr da vorschlagt, mißlingt, wird das Elfenvolk verloren sein. Wenn die Mitglieder des Trupps, der den Loden mit sich führt, getötet werden, kann die Macht des Elfensteines nie wieder angerufen werden, und die Stadt und ihre Einwohner werden darin gefangen sein. Ich glaube nicht, daß wir dieses Risiko eingehen sollten.«

»Nein, Gavilan?« fragte die Königin sanft.

»Ein vertretbares Risiko wäre es, noch mehr Magie der Erde herbeizurufen«, erwiderte er. Seine Hände hoben sich, um ihren Protest abzuwehren. »Ich kenne die Gefahren. Aber dieses Mal könnten wir damit Erfolg haben. Dieses Mal könnte die Magie stark genug sein, um uns innerhalb des Keels Sicherheit zu verschaffen und die dunklen Wesen ausgeschlossen zu halten.«

»Für wie lange, Gavilan? Für ein Jahr? Oder zwei? Soll unser Volk denn noch länger in der Stadt eingeschlossen bleiben?«

»Besser, als wenn es ausgelöscht würde. Ein Jahr könnte uns die Zeit verschaffen, die wir brauchen, um einen Weg zu finden, die Erdmagie zu kontrollieren. Es muß einen Weg geben, Hoheit. Wir müssen ihn nur entdecken.«

Die Königin schüttelte traurig den Kopf. »Das haben wir uns mehr als hundert Jahre lang gesagt. Und bis jetzt hat niemand die Antwort gefunden. Schaut doch, was wir uns selbst angetan haben. Haben wir denn nichts gelernt?«

Wren verstand nicht ganz, was gesagt wurde, aber sie verstand genug, um zu erkennen, daß die Elfen irgendwo auf ihrem Weg auf Probleme mit der Magie, die sie angerufen hatten, gestoßen waren. Ellenroh hatte entschieden, daß sie zukünftig nichts mehr damit zu tun haben sollten. Gavilan beharrte darauf, daß sie weiterhin versuchen müßten, sie zu beherrschen. Ohne daß es gesagt worden wäre, wußte Wren, daß die Dämonen der Kernpunkt des Streits waren.

»Eule.« Die Königin sprach plötzlich Aurin Striate an. »Was haltet Ihr von meinem Plan?«

Die Eule zuckte die Achseln. »Ich denke, er ist durchführbar, Hoheit. Ich habe Jahre außerhalb der Stadtmauern verbracht. Ich weiß, daß es für einen einzelnen Mann möglich ist, sich dort zu bewegen, ohne von den Dämonen entdeckt zu werden, sogar unter ihnen zu reisen. Ich glaube, eine Handvoll Männer könnte das gleiche tun. Wie Ihr bereits sagtet, kamen Wren und Garth vom Strand herauf. Ich denke, sie können genausogut auch wieder hinuntergehen.«

»Wollt Ihr damit sagen, daß Ihr den Loden diesem Mädchen und ihrem Freund anvertrauen wollt?« stieß Barsimmon Oridio ungläubig hervor.

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