Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
»Eine gute Wahl, denkt Ihr nicht?« erwiderte Ellenroh ruhig. Sie schaute Wren an, die fand, daß sie der letzte Mensch sei, den die Königin in Erwägung ziehen sollte. »Aber wir müßten sie natürlich erst fragen«, fuhr Ellenroh fort, als könne sie ihre Gedanken lesen. »Auf jeden Fall glaube ich, daß mehr als zwei Menschen gebraucht werden.«
»Und wie viele?« fragte der Elfenkommandant.
»Ja, wie viele?« echote Eton Shart.
Die Königin lächelte, und Wren wußte, was sie dachte. Sie ließ sie den Vorschlag erst einmal überdenken, anstatt einfach dagegen zu argumentieren. Sie hatten noch keineswegs zugestimmt, aber sie erwogen zumindest die wesentlichen Punkte.
»Neun«, sagte die Königin. »Die Glückszahl der Elfen. Außerdem genug, um sicherzugehen, daß die Angelegenheit erfolgreich erledigt wird.«
»Wer würde gehen?« fragte Barsimmon Oridio ruhig.
»Ihr nicht, Bar«, antwortete die Königin. »Ihr auch nicht, Eton. Dies ist eine Reise für junge Männer. Ich möchte, daß Ihr bei der Stadt und bei unserem Volk bleibt. Dies wird für alle sehr neu sein. Der Loden ist schließlich nur eine Geschichte. Jemand muß in meiner Abwesenheit für Ordnung sorgen, und Ihr seid am besten dafür geeignet.«
»Dann wollt Ihr also eine Teilnehmerin der Reise sein?« fragte Eton Shart. »Dieser Reise für junge Männer?«
»Schaut nicht so vorwurfsvoll, Erster Minister«, neckte ihn Ellenroh. »Natürlich muß ich mitgehen. Der Ruhkstab ist mir anvertraut worden, und mir obliegt es, die Macht des Loden anzurufen. Um auf den Punkt zu kommen: Ich bin die Königin. Mir obliegt es, dafür zu sorgen, daß mein Volk und meine Stadt sicher ins Westland zurückgebracht werden. Außerdem habe ich diesen Plan geschmiedet. Ich kann wohl kaum für ihn eintreten, um es dann jemand anderem zu überlassen, ihn auszuführen.«
»Hoheit, ich glaube nicht...« begann Aurin Striate zweifelnd.
»Eule, bitte sagt das nicht.« Ellenrohs Stirnrunzeln ließ die anderen schweigen. »Ich bin sicher, daß ich Wort für Wort jeden Einwand wiederholen kann, den Ihr gerade machen wolltet, also macht Euch nicht die Mühe. Wenn Ihr es für nötig haltet, könnt Ihr mir Eure Bedenken mitteilen, während wir fortziehen, denn ich erwarte auch von Euch, daß Ihr die Reise mitmacht.«
»Ich möchte es gar nicht anders haben.« Das hagere Gesicht der Eule war von Zweifeln umwölkt.
»Es gibt niemanden, der eher dazu in der Lage wäre, außerhalb der Mauern zu überleben, als Ihr, Aurin Striate. Ihr werdet für uns dort draußen Augen und Ohren sein, mein Freund.«
Die Eule nickte wortlos ihre Zustimmung.
Ellenroh sah sich um. »Triss, ich werde Euch und Cort und Dal brauchen, um den Loden und damit alle anderen zu beschützen. Das macht fünf. Eowen wird mitgehen. Wir werden ihre Visionen vielleicht brauchen, wenn wir überleben wollen. Gavilan.« Sie sah ihren Neffen voller Hoffnung an. »Ich möchte, daß auch du mitgehst.«
Gavilan Elessedil überraschte alle mit einem strahlenden Lächeln. »Das würde ich auch gern, Hoheit.«
Ellenroh strahlte. »Du kannst mich nach heute abend wieder
›Tante Ell‹ nennen, Gavilan.«
Schließlich wandte sie sich an Wren. »Und du, Kind? Wirst auch du uns begleiten? Du und dein Freund Garth? Wir brauchen deine Hilfe. Du hast diese Reise vom Strand herauf gemacht, und du hast sie überlebt. Du kennst dich dort draußen ein wenig aus, und dieses Wissen ist wertvoll. Und du bist diejenige, der der Flugreiter versprochen hat, daß er zurückkommt. Fordere ich zuviel?«
Wren blieb einen Moment still. Sie machte sich nicht die Mühe, zu Garth hinüberzusehen. Sie wußte, daß er mitmachen würde, was auch immer sie beschloß. Sie wußte auch, daß sie nicht den ganzen Weg nach Arborlon gekommen war, um sich jetzt auszuschließen, und daß Allanon sie nicht hierher geschickt hatte, damit sie sich versteckte, und daß man ihr die Elfensteine nicht anvertraut hatte, damit sie jeglichen Gebrauch vermied. Die Realität war hart und fordernd. Sie war nicht nur als Bote gesandt worden und sollte nicht nur etwas darüber erfahren, wer sie war und woher sie gekommen war. Ihren Anteil an dieser Angelegenheit – ob es ihr gefiel oder nicht – hatte sie bisher kaum erfüllt.
»Garth und ich gehen mit«, erklärte sie.
Sie dachte, daß ihre Großmutter sich daraufhin herüberbeugen und sie umarmen würde, aber die Königin blieb aufrecht auf ihrem Stuhl sitzen und lächelte statt dessen nur. Was Wren in ihren Augen sah, war jedoch mehr wert als eine Umarmung.
»Sind wir uns also wirklich einig, daß wir es tun wollen?« fragte Eton Shart plötzlich vom anderen Ende des Tisches herüber.
Im Raum wurde es still, als sich Ellenroh Elessedil erhob. Sie stand vor ihnen. Stolz und Zuversicht spiegelten sich in ihren feingeschnittenen Zügen, in der Art, wie sie sich hielt und in dem Glanz ihrer Augen. Wren fand ihre Großmutter in diesem Moment wunderschön, wie die Locken ihres flachsfarbenen Haares auf ihre Schultern fielen, wie ihre Gewänder ihre Füße umspielten und wie die Linien ihres Gesichts und ihres Körpers im Wechselspiel von Schatten und Licht glatt und weich wirkten.
»Das sind wir, Eton«, erwiderte sie sanft. »Ich habe Euch hierhergebeten, damit Ihr hört, was ich beschlossen habe. Wenn ich Euch nicht überzeugen würde, sagte ich mir, würde ich nicht weitermachen. Aber ich glaube, ich hätte in jedem Fall weitergemacht – nicht aus Arroganz, nicht aus einem Gefühl der Sicherheit heraus bezüglich meiner eigenen Vision davon, was sein muß, sondern aus Liebe zu meinem Volk und aus der Angst heraus, daß der Fehler bei mir läge, wenn wir alle verloren wären. Wir haben eine Chance, uns zu retten. Eowen hat in ihrer Vision vorausgesehen, daß es so sein würde. Wren hat mit ihrem Kommen gezeigt, daß es jetzt soweit ist. Alles, was wir sind und jemals sein werden, ist in Gefahr, egal, welche Wahl wir treffen. Aber mir wäre es lieber, wir würden das Risiko darin suchen, etwas zu tun, als darin, nichts zu tun. Die Elfen werden überleben, meine Freunde. Ich bin mir dessen sicher. Das gelingt den Elfen immer.«
Sie schaute einen nach dem anderen mit strahlendem Lächeln an. »Steht Ihr in dieser Angelegenheit hinter mir?«
Darauf erhoben sie sich, einer nach dem anderen, Aurin Striate als erster, Triss, Gavilan, Eton Shart und Barsimmon Oridio nach kurzem Zögern und mit offensichtlichen Zweifeln. Wren stand als letzte auf. Sie war so gefangen in dem, was sie erlebte, daß sie einen Moment lang vergessen hatte, daß sie Teil davon war.
Die Königin nickte. »Ich könnte mir keine besseren Freunde wünschen. Ich liebe Euch alle.« Sie ergriff den Ruhkstab, der vor ihr lag. »Wir werden nicht mehr zögern. Ein Tag muß genügen, um unser Volk einzuweisen, uns selbst vorzubereiten und uns zu rüsten für das, was vor uns liegt. Geht jetzt schlafen. Bald kommt ein neuer Tag.«
Damit wandte sie sich von ihnen ab und verließ den Raum. Schweigend schauten sie ihr nach.
Wren stand vor den Türen des Hohen Konzils, schaute abwesend auf einen Ausschnitt des hellen, sternenerfüllten Himmels und dachte gerade, daß sie sich kaum mehr an ihr Leben vor Beginn ihrer Suche nach den Elfen erinnern konnte, als Gavilan auf sie zukam. Die anderen waren bereits gegangen, alle außer Garth, der in einiger Entfernung an einem Baum lehnte und auf die Stadt hinausschaute. In der Hoffnung, mit ihr sprechen zu können, hatte Wren Eowen gesucht, aber die Seherin war verschwunden. Jetzt wandte sie sich um, als Gavilan näher kam. Sie hatte vor, statt dessen mit ihm zu sprechen und ihm die Fragen zu stellen, auf die sie immer noch eine Antwort bekommen wollte. Das bereitwillige Lächeln erschien sofort. »Kleine Wren«, grüßte er sie ironisch und ein wenig nachdenklich. »Siehst du auch unsere Zukunft, wie Eowen Cerise sie sieht?«
Sie schüttelte den Kopf. »Ich bin auch nicht sicher, daß ich sie gerade jetzt sehen will.«
»Hmmm, ja, vielleicht hast du recht. Sie wird kaum so weich und zärtlich sein wie diese Nacht, nicht wahr?« Er verschränkte lässig seine Arme und schaute ihr in die Augen. »Was werden wir sehen, wenn wir erst einmal außerhalb dieser Mauern sind? Kannst du mir das sagen? Ich bin noch nie dort draußen gewesen, weißt du.«