Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Er lächelte, und Wren lächelte zurück.
Dann ließ er sie allein, damit sie sich anziehen konnte. Als er die Tür, die ihre Räume trennte, zuzog, sah sie einen Moment gedankenverloren hinter ihm her. Plötzlich fiel ihr auf, daß es große Widersprüche zwischen der Geschichte ihrer Großmutter über ihre Eltern und dem gab, was Garth über sie erzählt hatte. Allerdings stammte Garths Version aus zweiter Hand, während die der Königin vollständig auf Ereignissen beruhte, die vor dem Weggehen ihrer Mutter von Arborlon stattgefunden hatten, so daß Widersprüche vielleicht zu erwarten waren. Dennoch hatte keiner von beiden etwas zu dem gesagt, was ihm an der Geschichte des anderen als offensichtlich falsch aufgefallen sein mußte. Garth hatte niemals die Flugreiter erwähnt, und die Königin hatte niemals von den Fahrenden gesprochen. Keiner von beiden hatte etwas darüber gesagt, warum ihre Eltern nicht zuerst nach Shady Vale und zu den Ohmsfords gereist, sondern statt dessen ins Westland gezogen waren.
Sie fragte sich, ob sie mit Garth darüber sprechen sollte. Aber als sie daran dachte, wie wichtig ihre anderen Sorgen waren, fragte sie sich auch, ob dies wirklich nötig sei.
Sie fand die Kleidungsstücke, die für sie zurechtgelegt worden waren und die besser paßten als die von Garth – eine Hose, eine Tunika, Strümpfe, einen Gürtel und ein Paar sorgfältig gearbeiteter, knöchelhoher Stiefel. Sie zog die Kleider an und ging dabei im Geiste immer wieder die Enthüllungen der vergangenen Nacht durch und dachte über alles nach, was sie erfahren hatte. Die Königin schien sich der Bedeutung von Wrens Ankunft in Arborlon sicher zu sein. Zumindest war sie sich im stillen sicher, daß sich Eowens Vision als richtig erweisen würde. Auch Aurin Striate hatte erwähnt, daß sie auf sie gewartet hätten. Und doch hatte niemand gesagt, warum das so war, obwohl es scheinbar jeder wußte. In dem Traum hatte es keinerlei Hinweis darauf gegeben, was Wrens Anwesenheit denn eigentlich bewirken sollte. Vielleicht war eine weitere Vision notwendig, um das zu erfahren.
Sie grinste über ihre eigene Respektlosigkeit. Doch als sie ihre Stiefel anzog, verschwand das Grinsen abrupt aus ihrem Gesicht. Was, wenn die Bedeutung ihrer Rückkehr darauf beruhte, daß sie die Elfensteine bei sich trug? Was, wenn man von ihr erwartete, daß sie die Steine als Waffe gegen die Dämonen einsetzte? Ihr wurde kalt bei dem Gedanken, denn sie erinnerte sich an die beiden Male, wo sie gezwungen gewesen war, sie gegen ihren Willen zu gebrauchen, und sie erinnerte sich auch an das Gefühl der Macht, als die Magie wie flüssiges Feuer durch sie hindurchfloß, das gleichzeitig brannte und anregte. Sie war sich der berauschenden Wirkung der Magie bewußt, der Bindung, die sich jedesmal aufbaute, wenn sie im Spiel war, und wie sie ein Teil ihrer selbst zu sein schien. Sie hatte sich wiederholt gesagt, daß sie sie nicht benutzen wollte, fand sich dann aber doch dazu gezwungen. Oder auch überzeugt. Sie schüttelte den Kopf. Wie sie es nannte, war unwichtig, denn das Ergebnis war dasselbe. Jedes Mal, wenn sie die Magie benutzte, entfernte sie sich ein wenig mehr zu jemandem, den sie nicht kannte. Sie verlor die Macht über sich selbst, indem sie die Macht der Magie benutzte. Sie stieß ihre Füße in die Stiefel und stand auf. Wahrscheinlich irrte sie sich. Es konnten nicht die Elfensteine sein, die wichtig waren. Warum hätte Ellenroh sie sonst nicht einfach hierbehalten, anstatt sie Alleyne zu geben? Wenn die Steine wirklich etwas ändern konnten, warum waren sie dann nicht schon vor langer Zeit gegen die Dämonen benutzt worden?
Sie zögerte, griff dann nach ihrem Nachthemd und zog die Elfensteine aus der Tasche, in die sie sie in der vorigen Nacht versenkt hatte. Sie lagen glitzernd in ihrer Hand. Ihre Magie schlief, war harmlos und unsichtbar. Sie betrachtete sie intensiv, wunderte sich erneut über die Umstände, die sie in ihre Obhut gegeben hatten, und wünschte sich, daß sich Ellenroh letzte Nacht einverstanden erklärt hätte, sie zurückzunehmen.
Dann schob sie die bedrückenden Gedanken über die Elfensteine beiseite und versenkte die lästigen Talismane tief in die Tasche ihrer Tunika. Nachdem sie schließlich noch ein langes Messer in ihren Gürtel geschoben hatte, richtete sie sich zuversichtlich auf und verließ den Raum.
Ein Elfenjäger war vor ihrer Tür postiert worden, und nachdem er Garth gerufen hatte, begleitete der Wachposten sie die Treppe hinunter in den Eßraum und zum Frühstück. Sie aßen allein an einem langen, polierten Eichentisch, der mit weißem Leinen gedeckt und mit Blumen geschmückt war und in einem höhlenartigen Raum mit einer gewölbten Decke und bemalten Glasfenstern stand, die das Sonnenlicht in allen Regenbogenfarben filterten. Ein Dienstmädchen wartete bereits auf sie, wodurch die bescheidene Wren sich jedoch äußerst unbehaglich fühlte. Sie aß schweigend wie Garth ihr gegenüber und fragte sich, was man wohl von ihr erwartete, wenn sie ihr Frühstück beendet hatte. Von der Königin war nichts zu sehen.
Trotzdem erschien die Eule, als sie die Mahlzeit kaum beendet hatten. Aurin Striate sah auch jetzt so hager und blaß aus wie schon in den Schatten und der Dunkelheit der Lavafelder außerhalb. Sein kantiger Körper wirkte schlaksig und unkoordiniert, und wenn er sich bewegte, war es nicht so, wie es sollte. Er trug frische Kleidung, und seine Zipfelmütze war verschwunden, aber er schaffte es noch immer, irgendwie zerknittert und zerzaust auszusehen – das schien bei ihm normal zu sein. Er trat an den Eßtisch heran, setzte sich und lehnte sich bequem vor.
»Du siehst bedeutend besser aus als letzte Nacht«, wagte er sich mit halbherzigem Lächeln vor. »Saubere Kleidung und ein Bad machen dich wirklich zu einem hübschen Mädchen, Wren. Du hast dich gut erholt, nicht wahr?«
Sie lächelte zurück. Sie mochte die Eule. »Gut genug, danke. Und danke auch noch mal dafür, daß du uns sicher hereingebracht hast. Ohne dich hätten wir es nicht geschafft.«
Die Eule schürzte die Lippen, warf Garth einen bedeutungsvollen Blick zu und zuckte die Achseln. »Vielleicht ist es so. Aber wir wissen beide, daß du diejenige warst, die uns wirklich gerettet hat.« Er hielt inne, verkniff es sich, die Elfensteine zu erwähnen, und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Seine alternden Elfenzüge verzogen sich wie bei einem Kobold. »Willst du dich ein wenig umschauen, wenn du fertig bist? Ein bißchen von dem sehen, was es dort draußen gibt? Deine Großmutter hat mich dir für einige Zeit zugeteilt.«
Wenige Minuten später verließen sie das Palastgelände durch die Vordertore und gingen hinunter in die Stadt. Der Palast lag tief in den beschützenden Wäldern auf einem Hügel im Zentrum von Arborlon, und die Hütten und Geschäfte der Stadt umschlossen ihn. Bei Tage war die Stadt sehr lebendig. Die Elfen waren eifrig bei der Arbeit, und in den Straßen herrschte geschäftiges Treiben. Als die drei sich ihren Weg durch die Menge bahnten, wurden von allen Seiten Blicke auf sie geworfen – nicht auf die Eule oder auf Wren, sondern auf Garth, der viel größer war als die Elfen und eindeutig nicht zu ihnen gehörte. Garth schien es, wie es für ihn typisch war, gar nicht zu bemerken. Wren reckte ihren Hals, um alles zu sehen. Sonnenlicht beleuchtete das Grün der Bäume und des Grases und die Farben der Gebäude und Blumen, die die Gehwege säumten. Es war, als würden der Dunst und das Feuer außerhalb der Mauern nicht existieren. Es lag eine Spur von Asche und Schwefel in der Luft, und der Schatten von Killeshan war ein dunkler Fleck vor dem östlichen Himmel, wo die Stadt an die Berge stieß, aber die Magie hielt die Welt hier drinnen geborgen und geschützt. Die Elfen gingen ihren Geschäften nach, als gäbe es keinerlei Bedrohung und als sei das Morrowindl außerhalb der Stadt dasselbe wie innerhalb. Nach einiger Zeit traten sie aus dem Schutz des Waldes heraus und konnten jetzt auch die äußere Mauer erkennen. Bei Tageslicht sah sie ganz anders aus. Das Glühen der Magie war zu einem schwachen Schimmern verblaßt, das die Welt jenseits davon mit sanften, verschwommenen, ihres Glanzes beraubten, durchscheinenden Farben belegte. Morrowindl war mit seinen Bergen, Killeshans Krater, dem Gemisch aus Lavagestein und verkümmerten Wäldern, den Rissen in der Erde mit ihren Geysiren aus Asche und Dampf fast bis zur Unsichtbarkeit in Nebel gehüllt. Elfenkrieger patrouillierten auf den Festungsmauern, obwohl jetzt keine Kämpfe stattfanden, da die Dämonen davongeschlichen waren, um sich bis zum Einbruch der Nacht auszuruhen. Die Welt außerhalb der Mauer war düster und leer geworden, und nur die Stimmen und die Bewegungen der Menschen hier drinnen waren zu hören.