Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Er erhob sich abrupt. »Nachdem du nun weißt, wie die Stadt hierher gekommen ist, zumindest der Legende nach, laß uns unseren Rundgang beenden. Es gibt drei Gruppen von Toren im Keel, eine Hauptgruppe und zwei kleinere. Schau dort hinüber...«
Er marschierte los, redete und erklärte, was sie sahen, und führte die Unterhaltung von Fragen fort, die anscheinend niemand beantworten wollte. Wren hörte halbherzig zu, denn seine Erklärung, wie die Elfen nach Morrowindl gekommen waren, interessierte sie mehr. Es erforderte so ungeheure Magie, eine ganze Stadt aufzunehmen, sie auf die Größe eines Elfensteins zu reduzieren und sie für eine Reise über ein Meer darin zu versiegeln! Sie konnte es sich noch immer nicht vorstellen. Elfenmagie, die aus der Feenzeit wiedergewonnen worden war, aus einer Zeit, an die man sich kaum erinnern konnte – es war unglaublich. All diese Macht und doch keine Möglichkeit, sich von den Dämonen zu befreien, keine Möglichkeit, sie zu zerstören! Ihr Mund verschloß sich gegen ein Dutzend von Einwänden. Sie wußte wirklich nicht, was sie glauben sollte.
Sie verbrachten den Morgen und den frühen Nachmittag damit, durch die Stadt zu spazieren. Sie kletterten auf die Festungsmauern und schauten über das jenseitige Land, das dumpf und verschleiert, bar jeder Bewegung dalag, außer dort, wo der Dampf von Killeshan hervorbrach und der Vog umherwirbelte. Sie sahen Phaeton wieder, der von der Stadt zum Keel hinüberging, ohne sie zu bemerken. Sein markantes Gesicht unter dem sonnengebleichten Haar war rauh und voller Narben. Die Eule beobachtete ihn mit steinernem Gesicht und wandte sich gerade um, um ihren Spaziergang fortzusetzen, als Wren ihn bat, ihr von Phaeton zu erzählen. Der Feldkommandant der Königin, antwortete Aurin Striate, sei befehlsmäßig nur noch Barsimmon Oridio untergeben und sei bestrebt, dessen Nachfolger zu werden.
»Warum magst du ihn nicht?« fragte Wren direkt.
Die Eule hob eine Augenbraue. »Das ist schwer zu erklären. Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen uns, denke ich. Ich verbringe den größten Teil der Zeit außerhalb der Mauern, streife auf der Suche nach Dämonen umher und beobachte, wo sie sind und was sie vorhaben. Ich lebe meistenteils nicht anders als sie, und wenn man das tut, lernt man sie kennen. Ich kenne die Arten und ihre Gewohnheiten und weiß mehr über sie als sonst jemand. Aber Phaeton denkt ganz anders. Für ihn sind die Dämonen einfach Feinde, die zerstört werden müssen. Er möchte mit der Elfenarmee ausschwärmen und sie auslöschen. Er bearbeitet Barsimmon Oridio und die Königin seit Monaten, ihn das tun zu lassen. Seine Männer lieben ihn und denken, er habe recht. Sie wollen einfach glauben, er wüßte etwas, was sie nicht verstehen. Wir sind hier seit fast zehn Jahren hinter dem Keel eingeschlossen. Das Leben geht weiter, und man kann nichts beurteilen, wenn man nur schaut oder nur mit Leuten spricht, die alle im Herzen krank sind. Sie erinnern sich daran, wie sie früher gelebt haben, und so wollen sie wieder leben.«
Wren überlegte kurz, ob sie das Thema, wie die Dämonen dorthin gekommen waren und warum sie nicht einfach wieder zurückgeschickt werden konnten, noch einmal anschneiden sollte, entschied sich aber dagegen. Statt dessen sagte sie: »Ich vermute, du denkst, daß es dort draußen keinerlei Hoffnung auf einen Sieg des Heeres gibt.«
Die Eule sah sie mit starrem Blick an. »Du warst mit mir dort draußen, Wren – und das ist mehr, als Phaeton von sich sagen kann. Du bist vom Strand zu uns herauf gereist. Du hast den Dämonen immer wieder gegenübergestanden. Meinst du nicht auch, daß sie anders sind als wir? Es gibt hundert verschiedene Arten, und jede von ihnen ist auf andere Weise gefährlich. Einige kann man mit einer Eisenklinge töten und andere nicht. Unten am Rowen entlang gibt es die Zurückgekehrten, die nur aus Zähnen und Klauen und Muskeln zu bestehen scheinen. Es sind Tiere. Oben auf dem Blackledge gibt es die Draculs – das sind Geister, die dir das Leben aussaugen. Doch sie sind wie Rauch, sind nichts, was man bekämpfen kann, nichts, in das man ein Schwert stoßen kann. Und das sind nur zwei Arten, Wren.« Er schüttelte den Kopf. »Nein, ich glaube nicht, daß wir dort draußen siegen könnten. Ich glaube, wir haben schon Glück, wenn wir hier drinnen überleben können.«
Sie gingen ein Stück weiter. Dann sagte Wren: »Der Stachelkater hat mir erzählt, daß die Magie, die die Stadt jetzt noch schützt, allmählich schwächer wird.«
Sie formulierte es als Feststellung, nicht als Frage, und wartete auf eine Antwort. Lange Zeit reagierte die Eule nicht, sondern hielt den Kopf geneigt und die Augen auf den Boden vor ihnen gerichtet.
Schließlich schaute er einen kurzen Moment lang zu ihr hinüber und sagte: »Der Stachelkater hat recht.«
Sie stiegen wieder zur Stadt hinab, wanderten durch die Geschäfte und betrachteten aufmerksam die Karren auf dem Marktplatz. Sie begutachteten die Waren und beobachteten die Leute, die hier kauften und verkauften. Arborlon war eine Stadt, die bis auf einen einzigen Punkt jeder anderen Stadt vollkommen glich. Wren schaute in die Elfengesichter rundherum und fand ihr eigenes Aussehen in denen der anderen widergespiegelt. Es war das erste Mal, daß sie diese Erfahrung machte, und sie freute sich darüber und über den Gedanken, daß sie seit mehr als hundert Jahren der erste Mensch war, der das konnte. Die Elfen lebten, die Elfen existierten. Es war eine wunderbare Entdeckung, und es begeisterte sie noch immer, daß sie diejenige gewesen war, die sie gemacht hatte.
Auf dem Marktplatz nahmen sie eine kurze Mahlzeit ein – ein dünn gebackenes Brot, das um getrocknetes Fleisch und Gemüse gewickelt war, ein Stück frisches birnenähnliches Obst und einen Becher Ale – und schlenderten dann weiter. Die Eule führte sie hinter dem Palast in die Gärten des Lebens. Sie spazierten schweigend die Wege entlang, verloren sich im Wohlgeruch der Blumenbeete und in den Düften von Hunderten farbenprächtiger Blüten, die inmitten der Pflanzen und Büsche und Bäume verstreut wuchsen. Sie kamen zu einem weiß gekleideten Auserwählten, einem der Hüter des Ellcrys, der ihnen zunickte und vorbeiging. Wren stellte fest, daß sie an Par Ohmsfords Geschichte vom Elfenmädchen Amberle, der berühmtesten Auserwählten von allen, dachte. Sie kletterten auf die Spitze des Hügels, auf dem die Gärten angelegt waren, und standen vor dem Ellcrys. Die scharlachroten Blätter und silbernen Zweige des Baumes zitterten im Sonnenlicht und waren so außergewöhnlich, daß sie ihnen unwirklich vorkamen. Wren verspürte das Bedürfnis, den Baum zu berühren, ihm etwas zuzuflüstern und ihm vielleicht zu sagen, daß sie wußte und verstand, wen und was er überdauert hatte. Sie tat es jedoch nicht. Sie stand einfach da. Der Ellcrys sprach niemals zu jemandem, doch er wußte bereits, wie sie sich fühlte. Also sah sie ihn einfach an und dachte, wie furchtbar es wäre, wenn der Keel vollständig versagen würde und die Dämonen die Elfen und ihre Stadt überrennen könnten. Der Ellcrys würde natürlich zerstört werden, und wenn dies geschah, würden all die Monster, die im Schrecklichen gefangen waren, die Wesen aus der Feenzeit, die all die Jahre ausgeschlossen gewesen waren, erneut in die Welt der Sterblichen entlassen werden. Dann würde Allanons Vision von der zukünftigen Welt wahr werden. Es war ein düsterer Gedanke.
Schließlich gingen sie zurück zum Palast, um sich bis zum Abendessen auszuruhen. Die Eule verließ sie hinter dem Haupteingang und sagte, er habe sich um Geschäfte zu kümmern. Mehr erwähnte er nicht.
»Ich weiß, daß du mehr Fragen stellen möchtest, als du verarbeiten kannst, Wren«, sagte er beim Fortgehen, und ein hageres Gesicht legte sich in ernste Falten. »Versuche, geduldig zu sein. Die Antworten werden nur zu bald kommen, fürchte ich.« Er ging den Weg zurück und aus den Toren hinaus. Wren stand neben Garth, schaute hinter ihm her und sagte nichts. Der große Fahrende wandte sich nach einem Moment zu ihr um und signalisierte etwas. Er war wieder hungrig und wollte in den Speisesaal gehen, um etwas zu essen aufzutreiben. Wren nickte abwesend. Sie dachte noch immer über die Elfen und ihre Magie nach, und dabei fiel ihr auch ein, daß die Eule nie ihre Frage beantwortet hatte, warum innerhalb des Keels ein Graben war. Garth verschwand den Gang hinunter, und seine Schritte hallten in der Stille wider. Kurz darauf wandte sie sich um und ging zu ihrem Zimmer. Sie war nicht sicher, ob sie etwas anderes tun wollte, als über alles nachzudenken, wenn sie erst einmal dort war, aber vielleicht war das ja genug. Sie stieg die Haupttreppe hinauf, lauschte gedankenverloren in die Stille und wollte gerade einen Gang hinuntergehen, als Gavilan Elessedil vor ihr auftauchte.