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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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war klar, dass er ihrer Mutter den Hof machte. Und eines Tages erzählte Binnie Rob, dass sie und Wulf heiraten würden. Dadurch wurde es für Rob leichter, es in dem Haus auszuhalten. Während eines Schneesturms brachte Mistress Buffington einen schönen Wurf zur Welt: eine weiße Miniaturausgabe von ihr, einen weißen Kater und zwei schwarzweiße Kater, die vermutlich ihrem Vater ähnlich sahen. Binnie machte sich erbötig, die vier Kätzchen zu ertränken, doch sobald sie entwöhnt waren, polsterte Rob einen Korb mit Lappen aus und brachte die jungen Tiere in Kneipen, wo er die Leute zu Drinks einlud, um Abnehmer für sie zu finden. Im März kehrten die Unfreien, die die schwere Arbeit im Hafen besorgten, in den Hafenbezirk zurück, und wieder konnte man auf der Thames Street eine Menge von Männern und Rollwagen sehen, die Exportgüter in die Lagerhäuser und auf die Schiffe brachten. Rob erkundigte sich bei Reisenden mit unzähligen Fragen und kam zu dem Schluß, dass seine Reise am besten in Calais begann. »Dorthin geht mein Schiff«, sagte Wulf und nahm ihn zum Kai mit, damit er sich die »Queen Emma" ansah. Sie war nicht so großartig wie ihr Name: ein großer, alter Holzkahn mit einem sehr hohen Mast. Die Schauerleute beluden ihn mit Zinnplatten aus Cornwall. Wulf brachte Rob zum Kapitän, einem ernsten Waliser, der nickte, als er gefragt wurde, ob er einen Passagier mitnehmen würde, und einen annehmbaren Preis nannte.

»Ich habe ein Pferd und einen Wagen«, teilte ihm Rob mit. Der Kapitän runzelte die Stirn. »Es wird Euch teuer kommen, sie über das Meer zu schaffen. Die meisten Reisenden verkaufen ihre Tiere und Gefährte diesseits des Kanals und kaufen drüben neue.« Rob überlegte, entschloß sich aber, die Fracht zu bezahlen, so teuer sie auch war. Er hatte vor, während seiner Reise als Baderchirurg zu arbeiten. Die Stute und der rote Wagen waren ein gutes Gespann, und er glaubte nicht, dass er noch einmal etwas finden würde, das ihm so zusagte.

Der April brachte milderes Wetter, und schließlich liefen die ersten Schiffe aus. Die »Queen Emma« wand am elften Tag des Monats ihren Anker aus dem Schlamm der Themse, und Binnie weinte ihr viele Tränen nach. Das große Boot lag infolge seiner Metallfracht tief; es verließ die Themse, glitt langsam durch die Enge zwischen der Insel

Thanet und dem Festland, kroch die Küste von Kent entlang und überquerte dann den Kanal.

Die grüne Küste wurde dunkler, während sie zurückblieb, bis England zu blauem Dunst wurde und dann zu einem purpurnen Streifen, den das Meer verschluckte. Rob hatte keine Gelegenheit, elegische Gedanken zu wälzen, denn er war seekrank und musste sich übergeben. Wulf kam auf Deck an ihm vorbei, blieb stehen und spuckte verächtlich über die Seitenwand. »Gütiger Gott! Wir liegen zu tief im Wasser, um zu schlingern oder zu stampfen, es herrscht das freundlichste Wetter, und die See ist ruhig. Was fehlt Euch?« Aber Rob konnte nicht antworten, denn er lehnte über der Reling, um das Deck nicht zu beschmutzen. Ein Teil seines Problems war Angst, denn er war noch nie auf See gewesen, und jetzt verfolgten ihn alle Geschichten über Ertrunkene, die er je gehört hatte, vom Ehemann und den Söhnen von Editha Lipton bis zu dem unglückseligen Tom ROSS, der Binnie als Witwe zurückgelassen hatte. Das ölige Wasser unter ihm wirkte unergründlich und bodenlos. Als wolle er Robs Zustand verschlimmern, nahm der Wind zu, und tiefe Wellen durchfurchten das Meer.

Die Reise hatte sieben endlose Stunden gedauert, als ein anderer Dunst am schwankenden Horizont auftauchte und langsam zu Calais wurde. Rob führte das Pferd und den Wagen die Laufplanke hinunter auf festes Land, das sich jedoch wie das Meer zu heben und zu senken schien. Nachdem er ein paar Minuten gegangen war, wurde der Boden ruhiger. Aber die Sprache, die er hier hörte, war wie ein Schlag ins Gesicht. Die Leute um ihn redeten in einer singend-rasselnden Sprache, und er verstand kein einziges Wort. Schließlich hielt er an, stieg auf seinen Wagen und klatschte in die Hände.

»Ich will jemanden anstellen, der meine Sprache spricht«, rief er laut. Ein alter Mann mit verknittertem Gesicht trat vor. Er hatte dünne Beine und einen ausgemergelten Körper, der darauf schließen ließ, dass der Kandidat zum Heben und Tragen kaum verwendbar war. Er bemerkte Robs blasses Gesicht, und seine Augen glitzerten.

»Können wir nicht bei einem besänftigenden Trunk darüber sprechen? Apfelschnaps wirkt Wunder und beruhigt den Magen.« Das vertraute Englisch war Balsam für Robs Ohren.

Sie hielten beim ersten Wirtshaus und setzten sich an einen groben Fichtenholztisch im Freien.

»Ich heiße Charbonneau«, schrie der Franzose, um den Lärm des Hafens zu übertönen. »Louis Charbonneau.«

»Rob Jeremy Cole.«

Als der Apfelschnaps kam, prosteten sie sich zu, und Charbonneau hatte recht, der Alkohol wärmte Robs Magen und brachte ihn ins Leben zurück. »Ich glaube, ich kann sogar essen«, meinte er verwundert.

Erfreut bestellte Charbonneau, und bald brachte die Kellnerin ein knuspriges Brot, einen Teller mit kleinen grünen Oliven und einen Ziegenkäse an ihren Tisch, der sogar beim Bader Anklang gefunden hätte.

»Du kannst sehen, warum ich Hilfe brauche«, sagte Rob kläglich, »ich kann ja nicht einmal etwas zu essen verlangen.« Charbonneau lächelte. »Ich war mein Leben lang ein Seemann. Als mein erstes Schiff in London anlegte, war ich noch ein Junge, und ich weiß noch genau, wie ich mich nach meiner Muttersprache sehnte.« Er hatte die Hälfte seiner Zeit an Land auf der anderen Seite des Kanals verbracht, wo man Englisch sprach.

»Ich bin ein Baderchirurg und reise nach Persien, um seltene Medizinen und Heilpflanzen zu kaufen und sie nach England zu schicken.« Er hatte beschlossen, den Leuten diese Geschichte aufzutischen, um Diskussionen darüber zu vermeiden, dass in den Augen der Kirche der wirkliche Grund für die Reise nach Isfahan als ein Verbrechen galt. Charbonneau zog die Brauen hoch. »Ein weiter Weg.« Rob nickte. »Ich brauche einen Führer, jemanden, der auch übersetzen kann, so dass ich Vorstellungen geben, Arznei verkaufen und die Kranken behandeln kann, während wir reisen. Ich werde einen guten Lohn zahlen.«

Charbonneau nahm eine Olive vom Teller und legte sie auf den sonnenwarmen Tisch. »Frankreich«, sagte er. Er nahm noch eine. »Die von den sächsischen Kaisern beherrschten Herzogtümer Deutschlands.« Dann noch eine und wieder eine, bis es sieben Oliven in einer Reihe waren. »Böhmen«, sagte er, auf die dritte Olive zeigend,

»wo die Slawen und die Tschechen leben. Als nächstes kommt das Gebiet der Magyaren, ein christliches Land, aber voller wilder, barbarischer Reiter. Dann der Balkan, ein Land mit hohen, wilden Bergen und großen, wilden Menschen. Dann Thrazien, von dem ich wenig weiß, außer dass es die äußerste Grenze von Europa ist und dort Konstantinopel liegt. Und schließlich Persien, dein Ziel.« Er betrachtete Rob nachdenklich. »Meine Geburtsstadt liegt an der Grenze zwischen Frankreich und dem Land der Deutschen, deren Sprache ich seit meiner Kindheit spreche.

Wenn du mich anheuern willst, werde ich dich begleiten, bis hierher.« Er ergriff die beiden ersten Oliven und steckte sie in den Mund. »Ich muss dich aber rechtzeitig verlassen, um vor dem nächsten Winter in Straßburg zu sein.«

»Abgemacht«, stimmte Rob erleichtert zu.

Dann bestellte Charbonneau grinsend noch einen Apfelschnaps, während Rob mit ernsthafter Miene die anderen Oliven der Reihe nach verzehrte und sich so durch die restlichen fünf Länder durchaß.

Fremder in einem fremden Land

Frankreich leuchtete nicht so grün wie England, aber hier gab es mehr Sonnenschein. Der Himmel wirkte höher.

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