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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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Reiter übten mit stumpfen Lanzen auf dem Turnierplatz. Charbonneau spuckte aus. »Es ist die Burg eines schrecklichen Mannes, des Landgrafen dieser Gegend: Graf Sigdorff der Gerechte.« »Der Gerechte? Das klingt nicht nach einem schrecklichen Mann.« »Er ist jetzt alt. Er erhielt den Namen, als er jung war. Er ritt damals gegen Bamberg und nahm zweihundert Mann gefangen. Er befahl, hundert von ihnen die rechte Hand und den anderen hundert die linke Hand abzuschlagen.«

Sie ließen ihre Pferde galoppieren, bis die Burg ihren Blicken entschwunden war.

Kurz vor Mittag kamen sie zu einem Wegweiser, der von der Römerstraße zum Dorf Entburg zeigte, und sie beschlossen, dorthin zu fahren und eine Vorstellung zu geben. Wenige Minuten nach der Abzweigung kamen sie um eine Biegung und sahen einen Mann auf einem mageren braunen Pferd, der mitten auf dem Weg hielt und die Straße versperrte. Er war kahlköpfig und hatte einen Stiernacken. Seine Kleidung war aus grobem Wollstoff, und sein Körper wirkte feist und zugleich fest, wie der des Baders, als Rob ihn kennengelernt hatte. Der Platz reichte nicht aus, um an ihm vorbeizufahren, aber seine Waffen steckten in der Scheide. Rob zugehe die Stute, während sie einander prüfend betrachteten. Der Glatzköpfige sagte etwas. »Er will wissen, ob du Alkohol hast«, übersetzte Charbonneau.

»Sag 'hm, nein.«

»Der Hurensohn ist nicht allein«, sagte Charbonneau im gleichen Tonfall, und Rob sah, dass zwei weitere Männer auf Reittieren hinter den Bäumen hervorkamen.

Der eine war ein junger Mann auf einem Maultier. Als er zu dem Dicken ritt, bemerkte Rob, dass sie einander ähnlich sahen, und er erriet, dass sie Vater und Sohn waren.

Der dritte Mann saß auf einem riesigen, schwerfälligen Tier, das wie ein Arbeitspferd aussah. Er nahm dicht hinter dem Wagen Aufstellung und schnitt ihnen die Flucht nach hinten ab. Er war vielleicht dreißig Jahre alt, klein, sah bösartig aus, und sein linkes Ohr fehlte wie bei Mistress Buffington.

Beide Neuankömmlinge hielten Schwerter in den Händen. Der Glatzkopf sprach laut zu Charbonneau.

»Du sollst vom Wagen steigen und dich ausziehen. Wenn du das tust, werden sie dich töten«, übersetzte Charbonneau. »Kleidung ist teuer, und sie wollen nicht, dass sie durch Blut wertlos wird.« Rob bemerkte nicht, wie Charbonneau das Messer zog. Der alte Mann warf es, vor Anstrengung stöhnend, mit einer geübten Bewegung, so dass es hart und schnell dem jungen Mann auf dem Maultier in die Brust drang.

Rob trat mit einem Schritt auf den breiten Rücken der Stute, warf sich auf den Kahlkopf und riss ihn aus dem Sattel. Sie schlugen rollend und kratzend auf dem Boden auf, jeder suchte verzweifelt, einen Griff anzubringen, der den anderen kampfunfähig machte. Schließlich konnte Rob seinen linken Arm von hinten unter das Kinn seines Gegners klemmen. Eine fleischige Faust schlug auf seine Leiste ein, aber er drehte sich, so dass die Schläge seinen Oberschenkel trafen. Es waren schreckliche Schläge, die sein Bein betäubten. Bis jetzt war er immer betrunken und halb wahnsinnig vor Wut gewesen, wenn er gekämpft hatte. Jetzt war er nüchtern, und er konzentrierte sich auf einen kalten, klaren Gedanken: Töte ihn! Wütend packte er mit seiner freien Hand das linke Handgelenk des Mannes, zog es zurück und versuchte, ihn zu erwürgen oder seine Luftröhre einzudrücken.

Dann packte er die Stirn des anderen und versuchte, den Kopf so weit zurückzureißen, dass der Halswirbel brach.

Brich! flehte er.

Aber es war ein kurzer, dicker Hals, gut mit Fett gepolstert und mit Muskeln bepackt.

Eine Hand mit langen schwarzen Fingernägeln zwängte sich zu seinem Gesicht hinauf. Er bog den Kopf weg, aber die Hand kratzte über seine Wange, die zu bluten begann.

Die Hand kam wieder. Diesmal konnte der Mann etwas höher reichen, suchte die Augen. Seine scharfen Nägel stachen, und Rob schrie. Dann stand plötzlich Charbonneau über ihnen. Er setzte die Spitze seines Schwertes überlegt an, fand die Stelle zwischen den Rippen und stieß das Schwert tief hinein.

Der Glatzkopf seufzte, als wäre er zufrieden. Er hörte auf zu knurren und sich zu bewegen und blieb schwer liegen. Rob roch ihn zum erstenmal. Einen Augenblick später konnte er sich von dem Körper wegwälzen. Er setzte sich auf und strich sich über das verletzte Gesicht.

Der Junge hing über dem Rumpf des Maultiers, seine schmutzigen nackten Füße hatten sich grausam verfangen.

Charbonneau holte sich sein Messer zurück und wischte es ab. Er zog die toten Füße aus den Steigbügeln und ließ die Leiche auf den Boden fallen. »Wo ist der dritte Schweinehund?« keuchte Rob. Er konnte nicht verhindern, dass seine Stimme zitterte.

Charbonneau spuckte aus. »Er ist beim ersten Anzeichen, dass wir uns nicht höflich umbringen lassen, abgehauen.« »Vielleicht zum Gerechten um Verstärkung?«

Charbonneau schüttelte den Kopf. »Das sind dreckige Halsabschneider, nicht die Männer des Landgrafen.« Er durchsuchte die Leichen so geübt, als wäre es nicht das erste Mal. Um den Hals des Mannes hing ein kleiner Beutel mit Münzen. Der Junge trug kein Geld bei sich, aber ein fleckiges Kruzifix. Ihre Waffen waren armselig, aber Charbonneau warf sie in den Wagen.

Sie ließen die Straßenräuber im Schmutz liegen, den Kahlkopf mit dem Gesicht nach unten in seinem eigenen Blut.

Charbonneau band das Maultier hinten an den Wagen und führte das knochige erbeutete Pferd am Zügel, während sie auf die Römerstraße zurückkehrten.

Fremde Straßen

Als Rob Charbonneau fragte, wo er das Messerwerfen gelernt habe, erzählte der alte Franzose, dass es ihm die Seeräuber in seiner Jugend beigebracht hatten. »Es war eine nützliche Sache, wenn man mit den verdammten Dänen kämpfte und sich ihrer Schiffe bemächtigte.« Er zögerte. »Und wenn man mit den verdammten Engländern kämpfte und sich ihrer Schiffe bemächtigte«, fügte er verschmitzt hinzu. Inzwischen störten sie die alten nationalen Rivalitäten nicht mehr, und jeder kannte den Wert seines Gefährten. Sie grinsten einander an.

»Zeigst du es mir?«

»Wenn du mir das Jonglieren beibringst«, erwiderte Charbonneau, und Rob stimmte begeistert zu. Das Abkommen war einseitig, denn Charbonneau war zu alt, um eine neue, schwierige Fertigkeit zu meistern, und in der kurzen Zeit, die sie noch beisammenblieben, lernte er nur, zwei Bälle hochzuschnellen. Aber das Werfen und Fangen machte ihm viel Freude.

»Man braucht ein besonderes Messer. Bei einem Wurfmesser ist die Klinge beschwert, so dass eine rasche Bewegung des Handgelenks es mühelos mit der Spitze voran auf den Weg schickt.« Rob lernte schnell, wie er Charbonneaus Messer werfen musste, damit es mit der scharfen Klinge voran flog. Es war schwieriger, dorthin zu treffen, wohin er wollte, aber er war an die Disziplin des Übens gewöhnt und warf das Messer nach einer Kerbe an einem dicken Baum, wann immer er eine Möglichkeit dazu hatte.

Sie blieben auf den Römerstraßen, auf denen ein vielsprachiges Gemisch von Menschen unterwegs war. Pilger bewegten sich allein, in kleinen oder großen Gruppen in die ungefähre Richtung, in der Jerusalem lag; manchmal wurden sie von Palmenträgern geführt oder unterwiesen, christlichen Jüngern, die zwei gekreuzte, im Heiligen Land gepflückte Palmzweige trugen und dadurch anzeigten, dass sie die heilige Reise bereits unternommen hatten. Gruppen von gepanzerten Rittern galoppierten mit Kampfgeschrei vorbei, sie waren oft betrunken, für gewöhnlich angriffslustig und immer auf Ruhm, Beute und Schurkereien aus. Manche der religiösen Eiferer trugen härene Hemden und krochen auf blutigen Händen und Knien nach Palästina, um Gelübde zu erfüllen, die sie vor Gott oder einem Heiligen abgelegt

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