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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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Danach war es leicht, denn den Namen Karl Fritta kannten alle. Wann immer Rob ihn aussprach, war die Antwort ein Nicken und ein weisender Finger, bis er schließlich zu einem Tisch kam, der auf einem Feld neben einem großen Wagen stand. Die sechs größten, zusammenpassenden schweren Füchse waren vor das Gefährt gespannt, die Rob je gesehen hatte. Auf dem Tisch lag ein blankes Schwert, und dahinter saß ein Mann, der sein langes braunes Haar zu zwei dicken Zöpfen geflochten hatte und in ein Gespräch mit dem ersten Mann in einer langen Reihe von Wartenden vertieft war, die mit ihm sprechen wollten.

Rob stand am Ende der Reihe. »Ist das Karl Fritta?« fragte er. »Ja, das ist er«, antwortete ein Mann vor ihm. Sie schauten einander erstaunt an.

»Ihr seid Engländer?«

»Schotte«, antwortete der Mann. »Freut mich! Freut mich!« murmelte er und ergriff Robs Hände. Er war groß und hager, hatte langes graues Haar und war nach englischer Art glattrasiert. Er trug ein Reisegewand aus grobem, schwarzem Stoff, aber das Material war solid und gut geschnitten.

»James Geikie Cullen«, stellte er sich vor. »Schafzüchter und Wollhändler. Ich reise mit meiner Tochter nach Anatolien, um bessere Widder und Mutterschafe zu finden.«

»Robert Jeremy Cole, Baderchirurg. Ich bin nach Persien unterwegs, um wertvolle Medikamente zu kaufen.«

Cullen blickte ihn freundlich an. Die Reihe schob sich weiter, aber sie hatten genügend Zeit, um sich über das Wichtigste zu unterhalten, und englische Worte hatten in Robs Ohren noch nie schöner geklungen.

Cullen befand sich in Begleitung eines Mannes, der eine fleckige braune Hose und einen abgerissenen grauen Kittel trug; er hieß Seredy, und Cullen hatte ihn als Diener und Dolmetscher angestellt. Rob erfuhr zu seiner Überraschung, dass er sich nicht mehr in Böhmen befand, sondern, ohne es zu wissen, vor zwei Tagen die Grenze nach Ungarn überschritten hatte. Das Dorf, das die Karawane so verändert hatte, hieß Vac. Man konnte zwar von den Einwohnern Brot und Käse bekommen, aber die Lebensmittel und andere Vorräte waren teuer. Die Karawane kam aus dem Ort Ulm an der Donau. »Fritta ist Deutscher«, vertraute ihm Cullen an. »Er bemüht sich nicht gerade, freundlich zu sein, aber es ist ratsam, gut mit ihm auszukommen, denn es gibt verläßliche Hinweise, dass magyarische Räuber Einzelreisende und kleine Gruppen überfallen, und es gibt keine andere große Karawane im Umkreis.«

Unmittelbar hinter Rob stellten sich nun drei Juden an, was ihn interessierte.

»In einer solchen Karawane muss man eben mit Adeligen und mit Gesindel zusammen reisen«, stellte Cullen laut fest. Rob beobachtete die drei Männer in den schwarzen Kaftanen und Lederhüten. Sie redeten in einer fremden Sprache miteinander, aber die Augen des Mannes, der Rob am nächsten stand, blitzten, wenn Cullen sprach, als verstehe er jedes Wort. Rob schaute weg.

Als sie Frittas Tisch erreichten, besprach Cullen seine Angelegenheiten und bot dann Rob freundlicherweise Seredy als Dolmetscher an. Der Anführer der Karawane, der solche Gespräche erfahren und rasch führte, erfuhr Robs Namen, Beruf und Reiseziel. »Die Karawane zieht nicht nach Persien«, übersetzte Seredy Frittas Worte.

»Von Konstantinopel ab müßt Ihr andere Verabredungen treffen.«

Rob nickte, dann sprach der Deutsche länger.

»Der Betrag, den Ihr Master Fritta bezahlen müßt, entspricht zwei-undzwanzig englischen Silberpennies, aber er will kein englisches Geld mehr, denn Master Cullen wird mit solchem bezahlen, und Master Fritta sagt, dass er so viel Pennies nicht leicht wechseln kann. Er fragt, ob Ihr in französischen Deniers bezahlen könnt.« »Ja.«

»Er will siebenundzwanzig Deniers«, antwortete Seredy zu rasch. Rob zögerte. Er besaß Deniers, weil er das Spezificum in Frankreich verkauft hatte, wusste aber nicht, wie hoch der Wechselkurs war. »Dreiundzwanzig«, sagte eine Stimme, unmittelbar hinter ihm so leise, dass er glaubte, er habe es sich eingebildet. »Dreiundzwanzig Deniers«, erklärte er entschieden. Der Anführer der Karawane nahm das Angebot eisig an und sah ihm gerade in die Augen.

»Ihr müßt selbst für Eure Verpflegung und Vorräte sorgen. Solltet Ihr zurückbleiben oder gezwungen sein, die Reihe zu verlassen, wird keine Rücksicht genommen. Die Karawane besteht, wenn sie diesen Ort wieder verläßt, aus etwa neunzig Reisegruppen, in denen insgesamt über hundertzwanzig Männer sind. Der Master verlangt eine Wache für je zehn Gruppen, Ihr werdet also alle zwölf Tage die ganze Nacht Wache halten müssen.«

»Abgemacht.«

»Neuankömmlinge müssen sich ans Ende der Marschlinie begeben, wo der Staub am ärgsten und der Reisende am gefährdetsten ist. Ihr kommt unmittelbar hinter Master Cullen und seine Tochter. Sobald jemand vor Euch ausfällt, könnt Ihr um einen Platz vorrücken. Jede neue Gruppe, die sich der Karawane anschließt, wird hinter Euch reisen.« »Abgemacht.«

»Und solltet Ihr Euren Beruf als Baderchirurg ausüben, müßt Ihr alle Einkünfte zu gleichen Teilen mit Master Fritta teilen.« »Nein«, antwortete Rob sofort, denn er fand es ungerecht, dass er diesem Deutschen die Hälfte seines Verdienstes geben sollte. Cullen räusperte sich. Rob warf ihm einen Blick zu, sah Besorgnis auf dem Gesicht des Schotten und erinnerte sich daran, was er von den magyarischen Räubern erzählt hatte.

»Biete zehn an, akzeptiere dreißig!« flüsterte die Stimme hinter ihm. »Ich bin bereit, zehn Prozent meiner Einkünfte abzugeben«, sagte Rob.

Fritta sprach ein einziges kurzes Wort, das Rob für das deutsche Äquivalent von »Blödsinn« hielt, dann folgte ein weiteres kurzes Wort.

»Vierzig, sagt er«, übersetzte Seredy. »Ich biete zwanzig.«

Sie einigten sich auf dreißig Prozent. Als Rob sich bei Cullen für den Dolmetscher bedankte und wegging, schaute er schnell zu den drei Juden hin. Sie waren mittelgroß und hatten so sonnenverbrannte Gesichter, dass sie beinahe schwarz wirkten. Der Mann, der unmittelbar hinter ihm gestanden hatte, hatte eine fleischige Nase und dicke Lippen über einem graugesprenkelten Vollbart. Er sah Rob nicht an, sondern trat mit der Konzentration eines Mannes, der einen Gegner bereits getestet hat, an den Tisch.

Den Neuankömmlingen wurde befohlen, im Lauf des Nachmittags ihren Standort in der Marschlinie einzunehmen und über Nacht auch dort zu lagern, denn die Karawane würde sofort nach Tagesanbruch aufbrechen. Rob suchte sich seinen Platz zwischen Cullen und den Juden, spannte die Stute aus und ließ sie einige Wagenlängen entfernt grasen. Die Einwohner von Vac nahmen die letzte Gelegenheit wahr, den unerwarteten Glücksfall auszunützen und Vorräte zu verkaufen. Ein Bauer kam vorbei und hielt Eier und gelben Käse hoch, für den er vier Deniers verlangte, einen unerhörten Preis. Statt zu bezahlen tauschte Rob den Käse gegen drei Flaschen Universal-Spezificum ein und hatte sich so sein Abendessen verdient.

Während er aß, beobachtete er seine Nachbarn, die ihn ebenfalls beobachteten. Vor ihm holte Seredy Wasser, aber das Kochen besorgte

Cullens Tochter. Sie war hochgewachsen und hatte rotes Haar. Hinter ihm lagerten fünf Männer. Sie besaßen gute Pferde, die sie gerade striegelten, sowie zwei Maulesel für ihr Gepäck, von denen einer vermutlich das Zelt trug, das sie aufgestellt hatten. Die anderen vier sahen schweigend zu, als Rob zu dem Mann ging, der m der Reihe direkt hinter ihm gestanden hatte.

»Ich bin Robert Jeremy Cole. Ich möchte Euch danken.« »Keine Ursache.« Er ließ die Bürste sinken. »Ich bin Meier ben Ascher.« Er stellte seine Gefährten vor, von denen zwei dabei gewesen waren, als Rob mit Fritta verhandelt hatte: Gerson ben Schemuel, der eine Geschwulst auf der Nase hatte, klein war und so zäh aussah wie ein Stück Leder, und Juda Kohn, der eine schmale Nase, einen kleinen Mund, glänzendes schwarzes Haar wie ein Bär und einen entsprechenden Bart besaß. Die beiden anderen waren jünger: Simon ben Levi war mager und ernst, fast schon ein Mann, eine Bohnenstange mit einem schütteren Bart, und Tuveh ben Meier, ein zwölfjähriger Junge, der wie einst Rob für sein Alter sehr groß war. »Mein Sohn«, erklärte Meier.

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