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Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:

Durch ein Unglück wurde eine Familie zerrissen, und nun sucht die Tochter als Erwachsene ihren vermißten Vater, der sie wiederum für tot hält -mitten im Quellgebiet des unerforschten Orinoco findet man die ersten Spuren. Ein mächtiger Indianderstamm lebt unter der Herrschaft eines weißen Häuptlings, und eine Bande Verbrecher bedroht diesen Stamm, als die Expedition gerade eintriftt. Es kommt zum Kampf, und die Verbrecher werden glücklich besiegt.
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Die Fahrzeuge befanden sich jetzt dem Guaviare gegenüber, dessen Mündung das linke Ufer des Orinoco tief einbuchtet, wenn es nicht der Orinoco ist, der tief in das rechte Ufer des Guaviare einschneidet, im Falle daß Herr Varinas gegen die Herren Miguel und Felipe Recht behielt.

Es darf wohl nicht wundernehmen, daß der Vertheidiger des Guaviare, das Fernrohr vor den Augen, die Blicke über den weiten Einschnitt schweifen ließ, durch den der von ihm bevorzugte Fluß sein thoniges, gelbliches Wasser entleerte. Freilich darf man sich auch nicht mehr wundern, daß Herr Felipe, der die vollkommenste Nichtachtung heuchelte, als die Pirogue vor der weiten Bucht vorüberglitt, obgleich er recht wohl wußte, um was es sich handelte, ironischen Tones fragte:

»Welcher Bach ist denn das?«

Ein Bach, dieser Guaviare, den Fahrzeuge noch tausend Kilometer hinaufsegeln können; ein Bach, dessen Zuflüsse das Gebiet bis zum Fuße der Anden bewässern; ein Bach, der in der Secunde eine Wassermasse von dreihundertzweitausend Cubikmetern in den andern Strom ergießt!

Auf die verächtliche, spöttische Frage des Herrn Felipe erfolgte jedoch keine Antwort, denn niemand fand Zeit zu einer solchen, oder sie bestand doch nur in dem einen Worte, das die Mannschaften der drei Falcas gleichzeitig hervorstießen:

»Chubasco!. Chubasco!«

Das ist der indianische Name für den furchtbaren kurzen Sturm, der jetzt am fernen Horizonte losbrach. Einer Lawine gleich wühlte sich der Chubasco in das Bett des Orinoco ein. Seltsam ist dabei und unerklärlich für jeden, der mit diesen, den venezuolanischen Ilanos eigenthümlichen Erscheinungen nicht vertraut ist, daß er von Nordwesten her über deren Ebenen dahinbraust.

Noch einen Augenblick vorher war die Luft ruhig. mehr als ruhig, schwer, dick, fast zum festen Körper erstarrt. Die von Elektricität übersättigten Wolken verbreiteten sich mehr und mehr über den Himmel, der Sturm aber, statt ebenfalls von Süden herzukommen, raste von der entgegengesetzten Seite heran. Nahe dem Zenith prallte er auf jene Dunstmassen, zerstreute die einen und wälzte dafür andre zu Haufen an, die, vom Winde gebläht, von Regen- und Hagelmassen belastet, sich über die Stromecke entluden, an der sich die Fluthen eines mächtigen Stromes mit denen seiner zwei großen Zuflüsse mischten.

Die erste Wirkung des Chubasco bestand darin, daß er die Fahrzeuge von der Mündung des Guaviare entfernte, die zweite aber darin, daß er sie, ohne Mithilfe der Palancas, nicht nur gegen die Strömung festhielt, sondern sie sogar in schräger Richtung auf San-Fernando zutrieb. Brachte der wilde Sturm sie selbst nicht in Gefahr, so hatten die Passagiere sich nicht über die Richtung zu beklagen, die er den drei Piroguen aufzwang.

Leider sind diese Chubascos aber gewöhnlich von zahlreichen Unfällen begleitet. Wer nicht selbst davon Zeuge gewesen ist, kann sich von ihrem Ungestüm gar keine Vorstellung machen. Sie erzeugen alles zerreißende, mit Hagelschauern verbundene Böen, denen man sich nicht ungestraft aussetzen könnte, einen Kartätschenhagel, der auch die Strohdächer der Deckhäuser durchlöchert.

Auf den Ruf »Chubasco! Chubasco!« hatten die Passagiere sofort Unterschlups gesucht. In richtiger Voraussicht dieses »Hundewetters«, wie es die Stromschiffer nennen, waren schon die Segel eingezogen und die Masten niedergelegt worden, und so konnten die »Maripare«, die »Moriche« und die »Gallinetta« dem ersten Anprall des Orkans widerstehen.

Jene Vorsichtsmaßregeln hatten jedoch noch keineswegs alle Gefahren beseitigt; es drohten auch noch andre, außer der des Kenterns. Vom wüthenden Winde getrieben und von schäumenden, denen des Oceans ähnlichen Wellen überspült, schwankten die Falcas eine auf die andre zu, stießen gegeneinander und drohten dadurch leck zu werden oder an den Felsen des rechten Ufers in Trümmer zu gehen. Selbst wenn die Passagiere sich dann noch ans Land zu retten vermochten, mußte doch ihr Gepäck und alles Schiffsmaterial dabei verloren gehen.

Jetzt taumelten die Fahrzeuge auf dem auf- und abwogenden Strome hilflos umher. Es war den Schiffern ganz unmöglich, sie mittelst der Palancas am Achter in bestimmter Richtung hinzusteuern. Sie drehten sich völlig um sich selbst, wenn sie auf eine riesige Woge stießen, die einen furchtbaren Wasserschwall über ihren Bordrand ergoß. Durch diese Ueberlastung tiefer eingedrückt, wären sie zweifellos gesunken, wenn die Schiffsleute nicht ununterbrochen bemüht gewesen wären, das Wasser auszuschöpfen, und die Passagiere ihnen dabei nicht redlich geholfen hätten.

Die flachbodigen Fahrzeuge, nur bestimmt, auf ruhigen Wasserflächen zu segeln, sind weder der Größe, noch der Gestalt nach geeignet, einen derartigen Sturm auszuhalten, und groß ist die Zahl derer, die bei den in der warmen Jahreszeit so häufigen Chubascos zwischen den Ufern des mittleren Orinoco zugrundegehen.

Der Strom ist an dieser Stelle grade sehr breit. Er erweiterte sich schon von der Südspitze der großen Insel Guayartivari an. Man könnte ihn für einen großen Binnensee halten, der, im Osten und gegenüber der Mündung des Guaviare abgerundet, sich nach Süden in Trichterform fortsetzt. Hier können die

Stürme unbehindert ihre Wuth entfalten, denn die Ilanos am Ufer haben weder Cerros noch Waldmassen, die ihre Kraft brechen könnten. Ein von solchem Unwetter überraschtes Fahrzeug hat nicht einmal, wie auf dem Meere, die Möglichkeit, sich ihm durch Flucht zu entziehen, sondern muß als einziges Rettungsmittel auf gut Glück auf das Ufer laufen.

Die Mannschaften wußten das recht gut und vermochten doch nichts zu thun, um einer solchen Katastrophe vorzubeugen. Schon dachten sie daran, ehe sie gegen die Felsen stießen, ihre Personen zu retten, und das war nur dadurch möglich, daß sie sich in die schaumige Brandung stürzten und schwimmend das Ufer zu erreichen suchten.

Die Herren Miguel, Felipe und Varinas hatten, trotz des Wüthens der Böe, das Deckhaus der »Maripare« verlassen, die durch überschlagende Wellen halb angefüllt war. Jetzt hielten sie sich für jede Möglichkeit bereit.

Der eine von ihnen sagte nur beiläufig:

»Das nennt man: im Hafen scheitern!«

An Bord der »Gallinetta« bemühte sich der Sergeant Martial, nach Kräften ruhig und gefaßt zu bleiben. Wäre er allein gewesen und hätte er nur für sich selbst zu fürchten gehabt, so würde er wohl bald die Resignation des alten Soldaten gefunden haben, der ganz andern Gefahren ins Auge geblickt hat. Doch Jean. den Sohn seines Obersten. das Kind, das er bei dieser abenteuerlichen Reise zu begleiten und zu schützen übernommen hatte, wie konnte er es retten, wenn die Pirogue entfernt vom Ufer unterging?

Der Sergeant Martial konnte nicht schwimmen, doch wenn er es auch gekonnt hätte, was hätte er in den aufgeregten Fluthen, deren Wogen blitzgeschwind dahintrieben, auszurichten vermocht? Immerhin würde er sich im Nothfalle hineinstürzen, und wenn es ihm nicht gelang, Jean zu retten, so wollte er wenigstens mit ihm sterben.

Der junge Mann hatte übrigens seinen Gleichmuth bewahrt, während der Sergeant Martial ihn mehr und mehr zu verlieren schien. Aus dem Deckhause heraustretend, klammerte er sich fest an einen Balken auf dem Hintertheile des Fahrzeugs an. Er sah wohl die Gefahr, wendete die Augen aber nicht davon ab, und seine Lippen murmelten den Namen seines Vaters.

Einer wachte jedoch über ihn, ohne daß er es bemerkte, während die steuerlosen Piroguen nach der gleichen Seite dahintrieben und bald dicht nebeneinander, bald, durch eine überbrechende Woge getrennt, schaukelnd umhergeworfen wurden. Jacques Helloch verlor ihn nicht aus dem Auge, und wenn die Falcas dicht und nahe daran, eine die andre zu zerstören, aneinander dahinliefen, dachte er nur daran, ihm Muth zuzusprechen. Der junge Mann, der auch vor der drohenden Todesgefahr nicht erzitterte, bedurfte dessen freilich nicht.

»Noch zwei Minuten, und wir sind am Strande, sagte Germain Paterne, der auf dem Vordertheile der »Moriche« stand.

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