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Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:

Durch ein Unglück wurde eine Familie zerrissen, und nun sucht die Tochter als Erwachsene ihren vermißten Vater, der sie wiederum für tot hält -mitten im Quellgebiet des unerforschten Orinoco findet man die ersten Spuren. Ein mächtiger Indianderstamm lebt unter der Herrschaft eines weißen Häuptlings, und eine Bande Verbrecher bedroht diesen Stamm, als die Expedition gerade eintriftt. Es kommt zum Kampf, und die Verbrecher werden glücklich besiegt.
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Beim Verlassen der Hütte des Capitan Caribal fanden die Reisenden die Bewohner Augustinos zahlreicher, vielleicht vollzählig versammelt. Die jetzt beruhigten, von ihren Vätern, Brüdern und Ehemännern zurückgerufenen Frauen und Kinder hatten das Dorf wieder zu betreten gewagt. Sie liefen von einer Hütte zur andern, schlenderten unter den Bäumen umher und begaben sich sogar nach dem Strande, wo die Falcas angebunden lagen.

Germain Paterne konnte bemerken, daß die kleinen, wohlgebauten Frauen mit regelmäßigen Zügen doch auf niedrigerer Stufe standen als die Männer.

Alle Piaroas versuchten nun, einen kleinen Handel anzufangen, wie sie das von jeher gewöhnt sind, wenn Reisende, Touristen oder Kaufleute, auf dem Orinoco hierherkommen. Sie boten dabei frische Gemüse, Zuckerrohr oder eine Art Bananen, die unter dem Namen Plantanos bekannt sind, an, eine Frucht, die, getrocknet oder eingemacht, den Indianern bei ihren Zügen vielfach als alleinige Nahrung dient.

Dafür erhielten sie einige Päckchen Cigarren, wonach sie sehr lüstern sind, Messer, Beile, Glasperlen-Halsbänder u. dgl. und schienen über ihren Tauschhandel mit den Fremden sehr befriedigt zu sein.

Das Hinundherlaufen und Abschließen der Geschäfte hatte nur eine Stunde beansprucht. Ehe die Sonne unter den Horizont versank, blieb den Jägern noch genug Zeit, in den Wäldern der Nachbarschaft von Augustino ihr Glück zu versuchen.

Als ein solcher Vorschlag laut wurde, stimmten ihm Herr Miguel und Jacques Helloch natürlich im Augenblicke zu. Ihre Gefährten überließen es ihnen gern, Wasser- und Bisamschweine, Hirsche, Pavas, Huccos, Tauben und Enten zu erlegen, die dem Personal der Piroguen ja jeder Zeit willkommen waren.

Die Herren Varinas und Felipe, Jean von Kermor und der Sergeant Martial blieben demnach zurück, die einen in den Fahrzeugen, die andern auf dem Strande oder im Dorfe, während Jacques Helloch und Herr Miguel, denen Germain Paterne mit der von ihm unzertrennlichen Botanisiertrommel auf dem Rücken sich anschloß, in das Dickicht von Palmen, Flaschenkürbisbäumen, Coloraditos und unzähligen Morichals, das sich jenseits der Zuckerrohr- und Maniocfelder erhob, erwartungsvoll eindrangen.

Ein Verirren war dabei nicht zu befürchten, denn die Jagd sollte nicht über die nächste Umgebung von Augustino ausgedehnt werden, wenn sich die Jäger von ihrem cynegetischen Eifer nicht zu weit verleiten ließen.

Dazu lag übrigens gar keine Veranlassung vor. Schon in der ersten Stunde hatte Herr Miguel ein Bisamschwein erlegt und Jacques Helloch einen Hirsch zu Boden gestreckt. Mit diesen zwei Thieren hätten sie schon genug Beute nach den Falcas mitgebracht. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sie einen oder zwei Indianer mit zur Jagd genommen hätten; da sich beim Aufbruch aber keiner zu ihrer Begleitung anbot, hatten sie auf eine solche Hilfe verzichtet. Da sie auch die mit kleinen

Reparaturen an den Piroguen beschäftigten Schiffsleute nicht hatten abhalten wollen, waren sie eben allein gegangen, um allein nach dem Dorfe zurückzukehren.

Nachdem sie zwischen zwei und drei Kilometer weit hinausgezogen waren, befanden sie sich bereits, Herr Miguel das Bisamschwein auf der Schulter, Jacques Helloch und Germain Paterne den Hirsch tragend, auf dem Rückwege und nur noch fünf bis sechs Flintenschuß weit von Augustino, als sie einmal stehen blieben, um sich ein wenig zu erholen.

Es war sehr warm und der Luftwechsel unter dem dichten Blätterdome obendrein noch besonders erschwert.

Da, als sie sich eben am Fuße eines mächtigen Palmenstammes niedergesetzt hatten, begann sich das Unterholz in einem Dickicht zu ihrer Rechten heftig zu bewegen. Es sah aus, als wollte eine gewaltige Masse durch das Gezweig des Buschwerks dringen.

»Achtung! rief Jacques Helloch seinen Begleitern zu. Da drin ist ein Raubthier!

- Ich habe zwei Kugelpatronen im Gewehre, antwortete Herr Miguel.

- Nun, so halten Sie sich schußfertig, während ich meine Flinte lade,« erwiderte Jacques Helloch.

Es bedurfte für ihn nur weniger Secunden, um auch mit seinem Hammerleßgewehre schußbereit zu sein.

Augenblicklich bewegten sich die Zweige des Gebüsches nicht. Bei scharfem Hinhorchen konnten die Jäger aber ein keuchendes Schnaufen und auch einen knurrenden Ton vernehmen, über dessen Natur kein Irrthum möglich war.

»Das muß ein sehr großes Thier sein, sagte Germain Paterne, auf das Dickicht zugehend.

- Bleib' hier. bleib' zurück! rief ihm Jacques Helloch zu. Wir haben es wahrscheinlich mit einem Jaguar oder einem

Puma zu thun. Doch bei vier Kugeln, die den Burschen erwarten.

- Vorsicht!. Vorsicht! mahnte Herr Miguel. Mir scheint, ich sehe einen langen Rüssel, der sich durch die Zweige vorschiebt.

- Na, wer denn auch der Inhaber dieses Rüssels sein mag.« antwortete Jacques Helloch, und damit blitzten schon zwei Schüsse aus seinem Gewehre auf.

Jetzt theilte sich das Dickicht, einem mächtigen Drucke nachgebend, ein wüthendes Geheul scholl daraus hervor und eine gewaltige Masse brach durch das Gezweig.

Sofort krachten zwei weitere Schüsse.

Herr Miguel hatte dem Thiere seine Kugeln entgegengejagt.

Fast augenblicklich stürzte dieses mit lautem Todesschrei zusammen.

»Ah. das ist ja nur ein Tapir! rief Germain Paterne, der war eigentlich keine vier Ladungen Pulver und keine vier Kugeln werth!«

Das war ja richtig, so weit die von dem harmlosen Thiere drohende Gefahr in Betracht kam, nicht aber, wenn man dessen Werth als Nahrungsmittel veranschlagte.

Statt mit einem Puma oder einem Jaguar, den gefährlichsten Raubthieren Mittelamerikas, hatten es die Jäger also nur mit einem Tapir zu thun gehabt. Es war ein ziemlich großes Exemplar mit braunem, auf dem Kopfe und an der Kehle mehr grauem Felle von spärlicher Behaarung, doch mit einer Art Mähne, dem Zeichen des männlichen Geschlechts. Dieses Thier, das mehr in der Nacht als am Tage umherschweift, bewohnt die Urwalddickichte und auch die Sümpfe des Landes. Seine Nase, ein kleiner Rüssel, verleiht ihm Aehnlichkeit mit dem Eber, auch mit einem Schweine von der Größe eines Esels.

Ein Angriff ist von dieser Art Dickhäutern nie zu befürchten. Das Thier frißt nur Pflanzen und Früchte und wäre höchstens imstande, einen Jäger über den Haufen zu rennen.

Die vier Gewehrschüsse waren indeß nicht als vergeudet anzusehen, wenn es gelang, den Tapir nach den Piroguen zu schaffen, wo die Mannschaften ihn gewiß auszunutzen verstanden.

Als das Thier aber zu Boden gestürzt war, hatten Herr Miguel und seine Begleiter nichts von dem Aufschrei eines Indianers gehört, der sie links von dem Dickicht her belauschte, und hatten den Mann auch nicht in größter Eile nach dem Dorfe zu fortlaufen sehen. Sie beluden sich arglos wieder mit dem Bisamschweine und dem Hirsche und setzten den Rückweg fort mit der Absicht, den Tapir durch einige Schiffsleute aus dem Walde holen zu lassen.

In Augustino angelangt, fanden sie die ganze Bevölkerung aber in wüthender Aufregung. Männer und Frauen drängten sich um den Capitan. Der Herr Caribal erschien nicht minder erregt, als seine getreuen Unterthanen, und als Germain Paterne, Herr Miguel und Jacques Helloch auf der Bildfläche erschienen, wurden sie mit schrecklichem Geschrei, mit Ausbrüchen des Hasses und der Rachsucht empfangen.

Was mochte hier vorgegangen sein?. Woher diese Veränderung des Benehmens?. Hatten die Piaroas etwa Feindseligkeiten gegen die Piroguen im Sinne?.

Darüber konnten sie sich bald beruhigen, als sie den jungen Mann, den Sergeanten Martial und die Herren Felipe und Varinas auf sich zukommen sahen.

»Was in aller Welt giebt es denn hier? fragten sie.

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