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Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:

Durch ein Unglück wurde eine Familie zerrissen, und nun sucht die Tochter als Erwachsene ihren vermißten Vater, der sie wiederum für tot hält -mitten im Quellgebiet des unerforschten Orinoco findet man die ersten Spuren. Ein mächtiger Indianderstamm lebt unter der Herrschaft eines weißen Häuptlings, und eine Bande Verbrecher bedroht diesen Stamm, als die Expedition gerade eintriftt. Es kommt zum Kampf, und die Verbrecher werden glücklich besiegt.
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Das Dorf umfaßte etwa vierzig cylindrische oder cylindrisch-konische Strohhütten und seine Bewohnerschaft mochte zweihundert Köpfe zahlen.

Bei ihrer Landung hätten Herr Miguel und seine Gefährten glauben können, daß es in Augustino weder Frauen noch Kinder gäbe.

Das erklärte sich indeß damit, daß Frauen und Kinder, sobald sich die Nachricht von der Annäherung fremder Männer verbreitete, entsetzt nach den Wäldern entflohen waren.

Dagegen erschien ein gut gewachsener Piaroa von etwa vierzig Jahren, kräftigem Körperbau, großer Schulterbreite und bekleidet mit dem üblichen Guayneo, das Haar, das ihm rückwärts auf die Schulter fiel, an der Stirn schon zur Kindeszeit abgesengt mit Ringen und Stricken unter den Knien und über den Knöcheln. Der Mann wandelte längs des Uferrandes hin und ihn begleiteten gegen zehn Indianer, die ihm einen gewissen Respect zu erweisen schienen.

Es war der Capitan, der Häuptling des Dorfes, der den Platz für dessen Anlage an recht gesunder Stelle bestimmt hatte, wo Augustino von der gewöhnlichen Geißel des Uferlandes, den verwünschten, unerträglichen Muskitos frei blieb.

Herr Miguel, dem die andern Passagiere folgten, ging auf den Capitan, der der venezuolanischen Sprache mächtig war, zu.

»Ihr seid hier willkommen, Deine Freunde und Du, begann der Indianer, ihm die Hand bietend.

- Wir sind nur für wenige Stunden hierher gekommen, antwortete Herr Miguel, und gedenken schon morgen mit Tagesanbruch weiter zu reisen.

- Bis dahin, sagte der Piaroa, kannst Du in unsern Hütten, die Dir zur Verfügung stehen, ausruhen.

- Nimm unsern Dank, Capitan, erwiderte Herr Miguel, wir werden Dir einen Besuch abstatten. Für eine einzige Nacht ist es für uns aber vortheilhafter, gleich an Bord der Falcas zu bleiben.

- Wie es Dir beliebt!

- Du bist der Häuptling dieses hübschen Dorfes? fuhr Herr Miguel, das Uferland hinansteigend, fort.

- Ja. es ist zwar erst im Entstehen, doch es wird weiter gedeihen, wenn es den Schutz des Gouverneurs von San-

Fernando findet. Ich glaube, es wird dem Präsidenten der Republik angenehm sein, am Orinoco noch ein Dorf mehr zu besitzen.

- Wir werden ihm bei unsrer Rückkehr mittheilen, erklärte Herr Miguel, daß der Capitan.

- Caribal, nannte der Indianer seinen Namen, und zwar mit demselben Stolz, als wenn es der eines Städtegründers oder Simon Bolivar's selbst gewesen wäre.

- Der Capitan Caribal, fuhr Herr Miguel fort, kann in San-Fernando gegenüber dem Gouverneur, wie in Caracas gegenüber dem Präsidenten, auf unsre guten Dienste rechnen.«

In glücklicherer Weise und in freundlicherem Tone hätte man zu diesen Piaroas gar nicht in Beziehung treten können.

Herr Miguel und seine Begleiter folgten den Indianern bis zu dem in Büchsenschußweite entfernten Dorfe.

Jacques Helloch und sein Freund Jean gingen nebeneinander vor dem Sergeanten Martial her.

»Ihr gewohnter Führer, das Buch unsers Landsmanns, lieber Jean, sagte Jacques, giebt Ihnen ohne Zweifel genaue Auskunft über diese Piaroas, so daß Sie von den Leuten jedenfalls mehr wissen, als wir.

- Ich ersehe daraus, antwortete der junge Mann, daß diese Indianer sanften Charakters und dem Kriege abhold sein sollen. Die meiste Zeit leben sie in den entlegensten Wäldern des Orinocobeckens. Man möchte glauben, daß die Sippe hier eine neue Lebensweise am Stromufer zu beginnen beabsichtige.

- Höchst wahrscheinlich, lieber Jean, und ihr geistig offenbar geweckter Capitan wird sie bestimmt haben, das Dorf an dieser Stelle zu gründen. Der venezuolanische Gouverneur hätte alle Ursache, derartige Unternehmungen zu unterstützen, und wenn einige Missionäre nach Augustino kämen, würden sich die Piaroas hier gewiß bald bis zur Stufe der civilisierten Indianer, der »Racionales«, wie man sie gewöhnlich nennt, erheben.

- Missionäre, Herr Helloch, antwortete Jean, ja, solche muthige, opferbereite Männer würden unter diesen Indianerstämmen gewiß Erfolge erzielen. Ich habe mir immer vorgestellt, daß diese Apostel, die das sorglose Leben, dessen sie sich erfreuen könnten, aufgeben, auf die Freuden der Familie verzichten, die die Hingabe an ihren Beruf bis zur Aufopferung des Lebens treiben. daß gerade sie die edelste Mission zu Ehren der Menschheit erfüllen. Bedenken Sie, welche Erfolge - den Berichten nach - der Pater Esperante in Santa-Juana erzielt hat und wie sein Beispiel zur Nacheiferung mahnt!

- Ja, gewiß, gewiß,« stimmte Jacques Helloch zu.

Er war immer höchst erstaunt, bei dem jungen Mann so ernste, edelsinnige Gedanken zu finden. Offenbar war dieser geistig seinen Jahren voraus. So fuhr Jacques Helloch fort:

»Mein lieber Jean, das sind doch Dinge, an die man kaum denkt, so lange man noch so jung ist.

- O, ich bin schon alt, Herr Helloch, erwiderte Jean, leicht erröthend.

- Alt. ja freilich. ganze siebzehn Jahre!

- Siebzehn Jahre weniger zwei Monate und neun Tage, bestätigte der Sergeant Martial, der jetzt in das Gespräch eingriff, und ich begreife nicht, warum Du Dich als alt hinstellen willst, lieber Neffe.

- Bitte um Verzeihung, Onkelchen, es soll nicht wieder vorkommen,« gelobte Jean, der ein Lächeln nicht unterdrücken konnte.

Darauf wandte er sich wieder Jacques Helloch zu.

»Um übrigens auf die Missionäre zurückzukommen, fuhr er fort, würden die, die sich in Augustino niederließen, gar arg gegen die Vorurtheile und den Aberglauben dieser Indianer anzukämpfen haben, denn meinem Führer nach zeichnen gerade die hiesigen Stämme sich in dieser Beziehung ganz besonders aus!«

Die Passagiere der Falcas sollten auch bald genug erfahren, wie begründet das Urtheil des frühern französischen Reisenden war.

Die Hütte (Case) des Capitan stand geschützt unter einer Gruppe prächtiger Bäume. Ein Dach von Palmenblättern bedeckte sie, und darüber erhob sich eine Art cylindrischer Krone, die wiederum von einem Büschel Blumen überragt war. Eine einzige Thür bildete den Eingang nach dem freien Innenraume, der fünfzehn Fuß im Durchmesser haben mochte. Die auf das unumgänglich Nöthige beschränkte Ausstattung bestand aus Bastkörben, Decken, einem Tische, einigen Sitzen von sehr grober Arbeit und den höchst einfachen Wirthschaftsgegenständen des Indianers, nebst seinen Bogen, Pfeilen und Ackergeräthen.

Diese Hütte war ganz eben erst fertig geworden und gestern mit einer Feierlichkeit eingeweiht worden - einer Feierlichkeit, die die Austreibung des bösen Geistes bezweckte.

Der böse Geist verschwindet nun - dem Indianerglauben nach - nicht wie ein Dunst, und zerstreut sich nicht, wie etwa ein Nebel. Ein Klopfen und Schlagen an die Strohwände, wie es eine abergläubische europäische Hausfrau thun würde, genügte hier eben nicht. Der Geist gleicht nicht einem Staube, den man mit dem Besen ausfegen kann. Er ist ein körperloses Wesen, daß erst von einem lebenden Thiere eingeathmet und dann von diesem in die Luft hinausgetragen werden muß. Die Erledigung dieser Aufgabe muß also einem beliebigen Vogel überlassen werden.

Gewöhnlich bevorzugt man hierbei einen Tucan (Pfefferfresser), der sich stets bestens bewährt. Während er umherflattert, pflegt die in der Hütte versammelte, mit ihrer besten Tracht geschmückte Familie Gesänge anzustimmen, Tänze aufzuführen, Opfer zu bringen und dazu unzählige Tassen Bruquilla-Kaffee zu trinken, dem ein gutes Theil Aguardiente oder Tafia zugesetzt ist.

Da man sich am Vorabend einen Tucan nicht hatte beschaffen können, war ein Papagei als »Reiniger« verwendet worden.

Nachdem dieser im Innern gehörig hin und her geflogen war, hatte man ihn nach dem Walde zu freigelassen, und nun konnte das Strohhaus in aller Ruhe und Sicherheit bewohnt werden. Der Capitan zögerte selbst keinen Augenblick, Fremde da hineinzuführen, und diese waren sicher, nicht von dem bösen Geiste belästigt zu werden.

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