Der stolze Orinoco
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:
»Da es ja nicht ausgeschlossen ist, nahm Herr Mirabal wieder das Wort, daß ich von der Anwesenheit des Oberst von Kermor nichts erfahren hätte, werde ich Nachforschungen anstellen, mich bei hiesigen Einwohnern erkundigen. Auch ich möchte Sie bitten, nicht vorschnell zu verzweifeln. Daß Ihr Herr Vater nach San-Fernando gekommen ist, steht ja fest. Doch trat er auch unter seinem wahren Namen auf? Reiste er vielleicht nicht in seiner Eigenschaft als Oberst? Wer mag das wissen?«
Diese Hypothese erschien ja annehmbar, wenn man sich auch kaum erklären konnte, warum der Oberst seinen Namen und seinen Stand verheimlicht haben sollte.
»Wenn Herr von Kermor, bemerkte Jacques Helloch dazu, nicht gerade bei seiner Fahrt durch San-Fernando unerkannt bleiben wollte.
- Weshalb aber eine solche Verheimlichung? fragte Herr Mirabal.
- Mein Vater hatte gar schweren Kummer erlitten, antwortete der junge Mann, dessen Herz immer heftiger zu pochen anfing. Nach dem Tode meiner armen Mutter glaubte er, in der Welt ganz verlassen dazustehen.
- Doch Sie, mein armes Kind?
- Mich hielt er ebenfalls für todt,« erwiderte Jean, während der Sergeant Martial in seiner Ecke heimlich brummte.
Offenbar paßte es ihm keineswegs, seinen Neffen in dieser Weise ausgefragt zu sehen. Dabei wurden verschiedene Einzelheiten ans Licht gezogen, die er immer gern, wenigstens so weit sie mit der Vergangenheit seines angeblichen Neffen zusammenhingen, im Dunkeln gelassen hätte.
Weder Herr Mirabal, noch Jacques Helloch stellten übrigens weitere Fragen. Der von schwerem Unglück geprüfte Oberst von Kermor hatte geglaubt, im Geheimen abreisen zu müssen. so geheim, daß auch sein alter Waffengefährte nichts von seiner Absicht erfuhr. Es war demnach nicht unwahrscheinlich, daß er seinen Namen in der Hoffnung vertauscht hatte, niemals an dem Orte entdeckt zu werden, wohin er sich mit seinem von so harten Schlägen zerstörten Leben geflüchtet hatte.
Nach ihrer Rückkehr in den Gasthof gingen der Sergeant Martial und Jean an diesem Tage nicht wieder aus.
Am nächsten Tage hatte Jean eine Unterredung mit dem Gouverneur der Provinz des Orinoco, dem Herr Miguel ihn vorgestellt hatte.
Seine Excellenz konnte ihm freilich nichts auf seinen Vater Bezügliches mittheilen. Der Gouverneur nahm seine Stelle in San-Fernando erst seit fünf Jahren ein. Doch wenn er dem jungen Manne auch keine Auskunft geben konnte, so wollte er sich wenigstens Herrn Mirabal bei den Nachforschungen anschließen die dieser anzustellen übernommen hatte.
Der zweite Tag verstrich, ohne daß die Angelegenheit einen Schritt weiter gekommen wäre. Der Sergeant Martial wüthete gegen sich selbst. So weit gekommen zu sein, so viele Gefahren ausgestanden zu haben, und Alles. Alles rein vergeblich! Wie hatte er nur so schwach sein können, einer solchen Reise zuzustimmen, so schwach, sie zu unternehmen! Jedenfalls gelobte er sich, seinen Unmuth nicht vor dem unglücklichen Jean laut werden zu lassen, denn das hätte den Schmerz des jungen Mannes, der ja schon allein so bestürzt, so verzweifelt war, noch weiter verschlimmert.
Jacques Helloch bemühte sich inzwischen, Erkundigungen einzuziehen, was sich zunächst leider erfolglos erwies. An Bord der »Moriche« zurückgekehrt, verfiel er einer so traurigen Stimmung, daß Germain Paterne darüber ordentlich erschrak. Sein Freund, der sonst so gern plauderte, so gleichmäßig heiter und mittheilsam war, antwortete kaum noch auf seine Fragen.
»Was hast Du denn? redete Germain Paterne ihn an.
- O. nichts.
- Nichts. das bedeutet zuweilen Alles. Ich gebe ja gern zu, daß die Lage des armen jungen Mannes recht betrübend ist; das ist für Dich aber doch kein Grund, Deine Mission gänzlich aus dem Auge zu verlieren.
- Meine Mission?
- Allerdings. Du bist doch nicht, ich mag das wenigstens nimmermehr glauben, von dem Minister der öffentlichen Aufklärung nach dem Orinoco geschickt worden, um hier nur den Oberst von Kermor wiederzufinden?
- Ja, warum denn nicht?
- Ich bitte Dich, Jacques, laß uns ernsthaft sprechen! Du bist so glücklich gewesen, den Sohn des Oberst retten zu können.
- Den Sohn! rief Jacques Helloch lebhafter. Ach ja. den Sohn!. Nun, Germain, vielleicht. ja, es wäre wohl besser gewesen, daß Jean umkam, wenn er seinen Vater doch nicht wiederfinden soll.
- Ich begreife Dich nicht, Jacques.
- Weil das Dinge sind, von denen Du nichts verstehst. von denen Du nichts verstehen kannst.
- Ich danke bestens!«
Germain Paterne nahm sich vor, seinen Gefährten nicht weiter auszuforschen, er fragte sich nur, was dessen immer wachsende Zuneigung zu dem jungen von Kermor eigentlich für Sinn habe.
Am folgenden Tage, als Jean mit dem Sergeanten Martial bei Herrn Mirabal erschien, wollte dieser in Begleitung Jacques Helloch's ihn grade aufsuchen.
Nach gehaltener Umfrage bei den Bewohnern von San-Fernando hatte sich ergeben, daß ein Fremder vor einem Dutzend Jahren thatsächlich in dem Orte verweilt habe. Doch ob das ein Franzose gewesen war, konnte niemand sagen; auf jeden Fall schien er aber Ursache gehabt zu haben, ein strenges Incognito zu bewahren.
Jean glaubte hiermit in das Dunkel der geheimnißvollen Angelegenheit einen ersten Lichtstrahl fallen zu sehen. Ob man nun auf Ahnungen Gewicht legen darf oder nicht, ihm kam der Gedanke, daß dieser Fremde sein Vater gewesen sei. sein Vater gewesen sein müsse.
»Und weiß man auch, Herr Mirabal, fragte er, wohin sich jener Reisende bei seinem Weggange von hier gewendet hatte?
- Ja, mein Kind; er ist nach der Gegend des obern Orinoco weitergezogen.
- Und seitdem hat man nichts mehr von ihm gehört?
- Niemand weiß, was aus ihm geworden ist.
- Das ließe sich vielleicht auskundschaften, meinte Jacques Helloch, wenn man auf diesem Theile des Stromes Nachforschungen anstellte.
- Ja freilich, doch das wäre wohl ein zu gefahrvolles Unternehmen, bemerkte Herr Mirabal, und sich auf so schwachfüßige Anzeichen hin dem auszusetzen.«
Der Sergeant Martial gab durch eine Handbewegung zu erkennen, daß er die Anschauung des Herrn Mirabal theilte.
Jean selbst schwieg zwar dazu, doch in seiner entschlossenen Haltung, in dem Feuer, das aus seinen Augen strahlte, erkannte man den festen Entschluß, keine Hindernisse zu achten, die Reise, und wenn sie auch noch so gefahrvoll wäre, fortzusetzen und seine Pläne nicht aufzugeben, sondern bis zum Ende zu verfolgen.
Herr Mirabal verstand ihn sehr gut, als Jean zu ihm sagte:
»Ich danke Ihnen, Herr Mirabal, und auch Ihnen, Herr Helloch, für das, was Sie gethan haben. Ein Fremder ist hier zu der Zeit gesehen worden, wo mein Vater sich in San-Fernando befand, wo er einen Brief von hier abschickte.
- Gewiß; doch daraus schon schließen zu wollen, daß das der Oberst von Kermor gewesen sei. wendete der alte Herr ein.
- Warum das nicht? rief Jacques Helloch. Liegt nicht die Wahrscheinlichkeit vor, daß er es gewesen wäre?
- Kurz, da jener Fremde sich nach dem obern Orinoco begeben hat, erklärte Jean, werde ich ebenfalls dahin gehen!
- Jean. Jean! rief der Sergeant Martial, indem er auf den jungen Mann zueilte.
- Ich werde dahin gehen!« wiederholte Jean in einem Tone, der seinen unerschütterlichen Entschluß erkennen ließ.
Dann wandte er sich wieder an den Herrn des Hauses.
»Giebt es wohl am obern Orinoco Flecken oder Dörfer, wohin ich mich begeben könnte, um noch weitere Aufklärung zu erlangen, Herr Mirabal?
- Dörfer. ja. mehrere; zum Beispiel Guachapana, la Esmeralda und noch andre. Wenn es aber möglich ist, die Spuren Ihres Vaters wieder zu entdecken, liebes Kind, so wird das jenseits der Quellen, in der Mission von Santa-Juana der Fall sein.
- Wir haben von dieser Mission schon reden hören, sagte Jacques Helloch. Ist sie erst neueren Ursprungs?