Der stolze Orinoco
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:
Die Banivas verdienen unter den autochthonen Rassen Venezuelas besondre Erwähnung. Ihre physische Constitution stellt sie über die Zugehörigen andrer Stämme. Sie zeigen einen kräftigen Körperbau mit muskulösen Gliedern, intelligentes Gesicht, sozusagen edles Blut, das unter ihrer röthlichen Haut dahinfließt, und glänzende Augen, die ein wenig schief stehen. Auch vom moralischen Gesichtspunkte aus betrachtet überragen sie die übrigen Eingebornen, denn sie sind erwerbsthätig, ob sie nun als Ruderer dienen oder Hängematten oder Estrillas verfertigen, welch letztere zum Schleppen der Flußschiffe dienen. Die Gutmüthigkeit und Ehrenhaftigkeit dieser Indianer empfehlen sie den Reisenden, die ihrer Dienste bedürfen. Sie sind Fischer, Jäger und verstehen sich ebenso auf den Anbau und die Ernte des Kautschuks. Im Vergleich zu den Piaroas sind sie nicht einmal abergläubisch zu nennen. Doch obwohl Anhänger der katholischen Religion, zu der sie durch glaubenseifrige Missionäre bekehrt wurden, haben sie einzelne alte, örtliche Gebräuche beibehalten, die, wie es scheint, nur sehr schwer auszurotten sind.
Obgleich die Wohnstätten in San-Fernando meist auch nur den Namen Hütten oder Strohhäuschen verdienen, finden sich darunter doch einige, die einen gewissen Comfort bieten.
Die Herren Miguel, Felipe und Varinas fanden Unterkommen beim Gouverneur. Der hochangesehene Mann bestand darauf, die drei Gelehrten aus Ciudad-Bolivar als Gäste aufzunehmen. Wahrscheinlich wurde die Behausung Seiner Excellenz also noch der Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen, die sie nahezu unbewohnbar machten. Auf diesem Punkte waren Herr Miguel und seine beiden Collegen indeß noch nicht angelangt. Ehe man in ernste Verhandlungen eintreten konnte, mußten die in Frage kommenden Oertlichkeiten besichtigt, näher erforscht und jedes Für und Wider zur Formulierung eines Urtheils gegeneinander abgewogen werden. Die Streitfrage erheischte also eine sorgsame Untersuchung der Mündung der drei Flüsse, längeren Aufenthalt an der Vereinigung des Atabapo und des Guaviare, vielleicht auch auf die Strecke von so und so viel Kilometern die Besichtigung ihres Laufes. Vorläufig hatten indeß die Vertreter und Vertheidiger der drei Wasseradern gründlich auszuruhen, um sich von den Mühsalen einer über sechswöchigen Reise auf dem unteren und mittleren Orinoco zu erholen.
Der Sergeant Martial und Jean von Kermor konnten sich in einer Art leidlichen Gasthauses einmiethen, das unweit des Hafens lag und wo sie weitere Auskunft abzuwarten gedachten, um danach ihre Nachsuchungen in dieser oder jener Richtung fortzusetzen.
Jacques Helloch und Germain Paterne zogen es vor, gleich auf ihrer Pirogue zu bleiben. Einmal an diese schwimmende Wohnstätte gewöhnt, glaubten sie sich hier besser untergebracht, als irgend wo anders. Die »Moriche« hatte sie nach San-Fernando gebracht, und die »Moriche« sollte sie nach Caicara zurückführen, sobald ihre wissenschaftliche Mission erledigt wäre.
Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß die Schiffsleute, gleich nachdem die Wuth des Chubasco gebrochen war, sich beeilt hatten, die drei Falcas nach dem Hafen von San-Fernando zu schaffen. Das gelang noch am nämlichen Abend, denn jene heftigen Stürme pflegen sich meist schon binnen zwei bis drei Stunden auszutoben. Ganz ohne Beschädigung waren die Piroguen bei den wiederholten Zusammenstößen auf dem Strome und bei dem schließlichen Auflaufen am Ufer freilich nicht davongekommen; die erlittenen Havarien waren aber so leichter Natur, daß sie schnell ausgebessert werden konnten. An Zeit jedoch fehlte es weder der »Maripare«, noch der »Moriche«, da ihre Passagiere jedenfalls in San-Fernando verweilen sollten. Mit der »Gallinetta« lag das nur insofern anders, als Jean, ohne einen Tag zu verlieren, weiter fahren wollte, sobald ihn irgendwelche Aufschlüsse auf die Spuren des Oberst von Kermor hinwiesen.
Seine Reisegenossen, die sich für das Unternehmen des jungen Mannes ja so lebhaft interessierten, wollten auch nichts unversucht lassen, weitere Nachrichten zu erlangen. Durch Herrn Miguel und seine beiden Collegen war ferner die Mitwirkung des Gouverneurs von San-Fernando so gut wie gesichert, und kein Besserer als er hätte ja eine genaue Umfrage in die Hand nehmen können. Jacques Helloch und Germain Paterne wollten ebenfalls ihr Möglichstes thun, um ihre Landsleute zu unterstützen. Sie besaßen Empfehlungsbriefe an einen hervorragenden und sehr gefälligen weißen Bewohner des Ortes, an einen jetzt achtundsechzigj ährigen Herrn Mirabal, dessen schon Chaffanjon in dem Berichte über seinen Zug nach den Quellen des Orinoco mit dankbarer Anerkennung Erwähnung thut. Die beiden - oder vielmehr die vier - Franzosen fanden bei dessen hochachtbaren, liebenswürdigen Familie gewiß den besten Empfang.
Ehe wir jedoch von den Schritten erzählen, die die Reisenden nach ihrem Eintreffen in San-Fernando unternahmen, sei noch kurz geschildert, wie sie nach der Strandung der Piroguen den Weg nach der Ortschaft zurücklegten.
Wie erwähnt, trug der Sergeant Martial Jean in den Armen, die Herren Miguel, Felipe und Varinas gingen den Beiden voraus, und Jacques Helloch nebst Germain Paterne folgten ihnen nach. Letzterer hatte versichert, daß eine ruhige Nacht dem jungen Manne alle früheren Kräfte wiedergeben werde. Vorsorglicherweise hatte er gleich seine Reiseapotheke mitgenommen, an Hilfe und Pflege konnte es dem jungen Manne also nicht fehlen. Es war freilich ebenso verletzend wie unbegreiflich, daß der Sergeant Martial Germain Paterne immer in gewisser Entfernung zu halten suchte, wenn dieser sich einmal theilnehmend nähern wollte.
»Es ist schon gut. schon gut! knurrte er dann. Mein Neffe athmet ebenso frei wie Sie und ich, und sobald die »Gallinetta« im Hafen liegt, wird es uns an nichts mangeln.
- In einigen Stunden wird sie da sein, erklärte Jacques Helloch, der von Valdez und Parchal wußte, daß die Piroguen noch am Abend eintreffen sollten.
- Das ist ja recht schön, erwiderte der Sergeant Martial, doch wenn wir in San-Fernando nur ein gutes Bett finden. Ah, Herr Helloch, ich danke Ihnen auch noch, daß Sie den Kleinen gerettet haben!«
Offenbar hatte er sich schließlich gesagt, daß er jenem diesen einfachen und kurzen Dank schuldig sei, und dennoch brachte er ihn nur sehr trocknen Tones hervor und musterte dabei Jaques Helloch mit recht verdächtigem Blicke.
Dieser antwortete nur mit einem Neigen des Kopfes und blieb einige Schritte zurück.
In dieser Weise erreichten die »Schiffbrüchigen« die Ortschaft, wo der Sergeant Martial, dem Herr Miguel den Weg angab, zwei Zimmer erhalten konnte, in deren einem Jean jedenfalls besser als unter dem Deckhause der »Gallinetta« aufgehoben war.
Germain Paterne kam, ohne daß sein Gefährte sich ihm angeschlossen hätte, im Laufe des Abends mehreremale, um sich nach dem Befinden des jungen Mannes zu erkundigen. Als Antwort wurde ihm versichert, daß Alles zum besten gehe und man seiner Dienste, für die er einen kargen Dank erhielt, jetzt entrathen könne.
Das Erste verhielt sich auch so; der junge von Kermor schlummerte friedlich, und sobald die Pirogue im Hafen angelegt hatte, brachte Valdez einen Reisesack mit Kleidungsstücken, die der Sergeant Martial für den nächsten Morgen bereit legte.
Und als da Germain Paterne in seiner Doppeleigenschaft als Arzt und Freund wieder vorsprach, wurde ihm, trotz alles Murmelns des Onkels, von Jean der freudigste Empfang nur als Freund zutheil. Der junge Mann spürte nichts mehr von dem Unfalle am Tage vorher und dankte ihm herzlichst für seine dienstwillige Hilfe.