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Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:

1825 wird eine franko-kanadische Verschwörung gegen die englische Regierung in Kanada verraten. Aber der Verräter verzweifelt an seiner Schuld und erschießt sich. Nun setzt die Familie alles daran, dieses Verbrechen zu sühnen, bis ihr guter Name wieder hergestellt ist. In spannenden Episoden schildert uns Verne das Schicksal der beiden Söhne des Verräters, die für ein freies Kanada kämpfen -bis zum bitteren Ende. Ein Abenteuerroman vor historischem Hintergrund, bei dem auch die kanadischen Indianer eine wichtige Rolle spielen.
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Jeder belustigte sich nun nach Belieben. Vielleicht hatte nur Meister Nick einige Mühe, seine Mahoganni-Brüder zu verlassen, wenn er in Gesellschaft seiner canadischen Freunde ein wenig Luft schöpfen wollte, und kleinlauter als je wiederholte er gegen Herrn de Vaudreuil ohne Unterlaß:

»Ich weiß wahrhaftig nicht, wie ich mich von diesen Wilden losmachen soll!«

Wenn inzwischen Einer viel beschäftigt, überlastet war und von Mittag bis um drei Uhr, die Stunde, wo nach altem Herkommen das Hochzeitsmahl bereit stehen mußte, mit nicht immer zarten Worten noch mehr aufgemuntert wurde, so war das Thomas Harcher. Wohl bemühten sich Catherine sowie ihre Söhne und Töchter, ihm zu helfen; die mancherlei Sorgen, welche eine Festtafel von solcher Ausdehnung ihm auferlegte, ließen ihm aber doch keine Minute Ruhe.

In der That waren es nicht allein sehr viele begehrliche Magen, die es hier zu befriedigen galt, sondern man mußte auch dem verschiedensten Geschmacke Genüge zu thun suchen. Der Speisezettel enthielt in Folge dessen die ganze Sammlung gewöhnlicher und außergewöhnlicher Gerichte, welche die canadische Küche ausmachen.

Auf der ungeheuren Tischreihe - an der hundertfünfzig Gäste Platz nehmen sollten - lagen ebenso viele Löffel und Gabeln in weiße Servietten gewickelt, und stand vor jedem Teller ein metallener Becher. Messer gab es nicht, da sich Jeder mit dem zu bedienen hatte, welches er in der Tasche führte; Brot auch nicht, da bei Hochzeitsschmäusen nur eine Art Ahornzuckerkuchen zulässig ist. Zahlreiche Schüsseln, welche wir noch eingehender anführen werden, standen schon mit kalten Speisen bereit, während die anderen, die warmen Gerichte, nach und nach aufgetragen werden sollten. Diese letzteren bildeten große Terrinen mit sehr heißer Suppe, aus der ein wohlriechender Dampf aufstieg, verschiedene gebackene und gekochte Fische aus dem Süßwasser des St. Lorenzo oder der Landseen, Forellen, Lachse, Aale, Hechte, Weißfische, Alsen, Touradis und Maskinongis; ganze Ketten von kleinen Vögeln, ferner Tauben, Wachteln, Waldschnepfen und Wasserschnepfen und fricassirte Eichhörnchen; nachher als Hauptstücke Truthahn, Gänse, junge Trappen, die im Federviehhofe der Familie gemästet waren, die einen goldig gebräunt im hellen Feuer der Bratöfen, die anderen in einem Meere von Kräutersauce schwimmend; außerdem warme Austernpastete, Pasteten aus feingehacktem Fleisch, Gemüse von großen Zwiebeln, Schöpsenkeulen, gebratene Wildschweinsrücken, einheimische Sagamiten, auf dem Rost gebratene Coteletten von Hirsch- und Damwild; endlich die beiden Wunderdinge des geschätztesten Wildes, welches die Feinschmecker beider Welten nach Canada verlocken könnte, die von den Jägern in den Prairien so gesuchte Bisonzunge und der Höcker genannten Wiederkäuers, der letztere in der natürlichen Haut gedämpft und verziert mit wohlriechenden Blättern. Hierzu füge man noch das Namensverzeichniß der Sauceschüsseln, in denen »Relishszwanzigerlei Art enthalten waren, die Berge von Gemüsen, das in den letzten Tagen des Indianersommers gereist war, das Backwerk jeder Sorte, darunter vorzüglich den sogenannten Krachkuchen und die Pfannkuchen, in deren Zubereitung die Töchter der Catherine Harcher eines wohlverdienten Ruhmes genossen, die verschiedenen Früchte, welche aus dem eigenen Garten geerntet waren, und endlich in hunderten von mannigfach geformten Flaschen den Obstwein, das Bier und daneben den Wein, Rum, Genever und was sonst für den Nachtisch bestimmt war - so hat man eine kleine Vorstellung von dem Festmahle, welches diesen Ehrentag feiern helfen sollte.

Der geräumige Saal war zu Ehren Bernards und Roses Miquelon sehr künstlerisch ausgeschmückt. Frische Blätterguirlanden zogen sich an den Wänden hin, einige Sträuche schienen wirklich in den Ecken gewachsen zu sein. Hunderte von Sträußen wohlriechender Blumen zierten die Fensteröffnungen. Gleichzeitig bildeten Flinten. Pistolen, Karabiner - alle Waffen einer Familie, unter der sich so viel Jäger befanden - da und dort ein glänzendes Ornament.

Das junge Ehepaar nahm die Mitte der Tafel ein, welche hufeisenförmig aufgestellt war. Hufeisenförmig wie die Niagarafälle, welche hundertfünfzig Meilen im Südwesten ihre Katarakten tosend in den Abgrund stürzen. Und wahre Katarakten waren es auch, die hier in dem Abgrund franco-canadischer Magen verschwinden sollten.

Zu den Seiten der Neuvermählten hatten Herr und Fräulein de Vaudreuil, nebst Johann und seinen Gefährten vom »Champlain« Platz genommen. Ihnen gegenüber, zwischen Thomas und Catherine Harcher, thronte Meister Nick mit den ersten Kriegern seines Stammes, welch' Letztere ohne Zweifel beobachten wollten, wie ihr neuer Häuptling sich halten würde, und in dieser Beziehung gelobte sich Nicolas Sagamore, einen seines Stammbaumes würdigen Appetit zu zeigen. Es versteht sich von selbst, daß heute, entgegen der sonst herrschenden Gewohnheit und nur für diese außergewöhnliche Gelegenheit, auch die Kinder einen Platz an der Tafel, zwischen ihren Eltern und deren Freunden erhalten hatten. Um alle Tischgäste schwärmte endlich eine speciell für diese Dienstleistung gemiethete Schwadron von Negern.

Um fünf Uhr verschritt man zu dem ersten Sturm. Um sechs Uhr trat ein Waffenstillstand ein, nicht um die Todten aufzulesen, sondern um den Lebenden Zeit zu geben, einmal wieder Athem zu schöpfen. Dann begannen die Toaste auf die jungen Eheleute, die »Speechs« zu Ehren der Familie Harcher.

Nachher folgten die lustigen Hochzeitsgesänge, denn nach althergebrachter Gewohnheit pflegen bei jeder Gesellschaft, beim Mittag- wie beim Abendessen, Damen und Herren abwechselnd vorzüglich alte französische Lieder zu singen.

Endlich trug Lionel ein recht nettes Gedicht vor, welches er speciell für diese Gelegenheit gemacht hatte.

»Bravo, Lionel, bravo!« rief Meister Nick, der den Mißmuth über seine spätere Souveränität im Glase ertränkt hatte.

Im Grunde war der gute Mann ziemlich stolz auf die Erfolge seines jungen Poeten, und er schlug sogar vor, einmal auf die Gesundheit des »liebenswürdigen Laureaten der FreundesLyra« zu trinken.

Auf diesen Vorschlag hin erklangen die nach Lionel zu erhobenen Gläser, der glücklich und verlegen zu gleicher Zeit erschien, auch glaubte er nicht besser antworten zu können, als mit dem unmittelbar darauf ausgebrachten Toast:

»Auf das Wohlsein Nicolas Sagamore's, des letzten Zweiges jenes edlen Stammes, an den der Große Geist das Geschick des Huronenvolkes knüpfen wollte!«

Donnerndes Bravo. Die Mahogannis hatten sich an der Tafel erhoben und schwangen ihre Tomahawks so wüthend, als wären sie bereit, über die Irokesen, die Mungos oder einen anderen feindlichen Stamm des Fernen Westens herzufallen. Meister Nick mit seinem gutmüthigen Gesicht machte inmitten seiner kriegerischen Stammverwandten allerdings einen sehr friedfertigen Eindruck. Wahrlich, dieser naseweise Lionel hätte auch besser den Mund gehalten.

Als die Aufregung sich gelegt, griff man den nächstfolgenden Gang mit erneuten Kräften an.

Inmitten dieser geräuschvollen Ehrenbezeugung konnten Johann, Clary de Vaudreuil und deren Vater sich mit gedämpfter Stimme bequem unterhalten. Am Abend dieses Tages sollten sie sich ja trennen. Wenn auch Herr und Fräulein de Vaudreuil erst am nächsten Morgen sich von ihren freundlichen Wirthen zu verabschieden gedachten, so war doch Johann entschlossen, schon in der Nacht aufzubrechen, um außerhalb der Farm von Chipogan ein sicheres Obdach zu suchen.

»Und doch, bemerkte Herr de Vaudreuil, wie sollte die Polizei auf den Gedanken kommen, Johann ohne Namen unter den Mitgliedern der Familie Harcher zu vermuthen?

- Wer weiß, ob deren Spione mir nicht auf den Fersen sind, antwortete Johann, als hätte er eine gewisse Vorahnung. Und wenn es sich so verhielte, wenn der Farmer und seine Söhne hörten, daß ich der bin.

- So würden dieselben Sie vertheidigen, fiel Clary lebhaft ein, sie würden sich für Sie tödten lassen!

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