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Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:

1825 wird eine franko-kanadische Verschwörung gegen die englische Regierung in Kanada verraten. Aber der Verräter verzweifelt an seiner Schuld und erschießt sich. Nun setzt die Familie alles daran, dieses Verbrechen zu sühnen, bis ihr guter Name wieder hergestellt ist. In spannenden Episoden schildert uns Verne das Schicksal der beiden Söhne des Verräters, die für ein freies Kanada kämpfen -bis zum bitteren Ende. Ein Abenteuerroman vor historischem Hintergrund, bei dem auch die kanadischen Indianer eine wichtige Rolle spielen.
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Während des Nachtisches lief Lionel, der gar nicht an seinem Platze zu halten war, an der ganzen Tafel umher, um jedem daran Sitzenden einige angenehme Worte zu sagen. Als er dabei zu Meister Nick gelangte, hatte er den Einfall, diesem mit volltönender Stimme zuzurufen:

»Wird Nicolas Sagamore nicht auch einige Worte im Namen des Stammes der Sagamores sprechen?«

Bei der glücklichen Geistesverfassung, in der er sich gerade befand, nahm Meister Nick den Vorschlag seines jungen Schreibers nicht übel auf, obwohl dieser sich der emphatischen Sprechweise der Indianer bedient hatte.

»Du meinst, Lionel?. antwortete er.

- Ich meine, großer Häuptling, der Augenblick sei gekommen, um das Wort zur Beglückwünschung der jungen Eheleute zu ergreifen.

- Wenn Du denn glaubst, daß dazu die rechte Zeit ist, erwiderte Meister Nick, so will ich es versuchen.«

Der brave Mann erhob sich und bat mit einer von huronischer Würde getragenen Bewegung um einige Ruhe.

Sofort schwieg Alles still.

»Junges Ehepaar, begann er, ein alter Freund Eurer Familie kann nicht von hinnen gehen, ohne Euch seine Erkenntlichkeit auszudrücken für.«

Plötzlich unterbrach sich Meister Nick, der angefangene Satz blieb ihm auf den Lippen hängen. Seine erstaunten Blicke hatten sich nach der Thür des großen Saales gerichtet.

Auf der Schwelle derselben stand ein Mann, dessen Erscheinen Niemand bemerkt hatte.

Diesen Mann hatte Meister Nick auf den ersten Blick erkannt und er rief in einem Tone, in dem sich Ueberraschung und Unruhe gleichmäßig ausdrückten: »Herr Rip!«

Dreizehntes Capitel

Flintenschüsse zum Nachtisch

Der Chef des Hauses Rip & Cie. hatte diesmal nicht sein eigenes Personal bei sich. Draußen gingen etwa zehn Beamte Gilbert Argall's auf und ab, und außer diesen hielten noch vierzig Freiwillige den Haupteingang zum Hofe besetzt. Sehr wahrscheinlich war das Haus gänzlich eingeschlossen.

Handelte es sich nur um eine einfache Haussuchung oder um eine Verhaftung, welche dem Haupte der Familie Harcher drohte?

Jedenfalls mußte ein außergewöhnlich wichtiger Grund vorliegen, daß der Polizeiminister es für nöthig gehalten hatte, eine so zahlreiche Mannschaft nach der Farm von Chipogan zu entsenden.

Bei Nennung des Namens Rip von Seiten des Notars fühlten sich Herr und Fräulein de Vaudreuil wie versteinert; sie wußten ja, daß Johann ohne Namen sich im Saale befand. Sie wußten auch, daß gerade Rip den Auftrag erhalten hatte, die Nachforschungen nach ihm in die Hand zu nehmen. Und was konnten sie jetzt anderes denken, als daß Rip nach endlicher Entdeckung seiner Spur zu dessen Verhaftung vorschreiten wolle? Fiel Johann aber in die Hände Gilbert Argall's, so war er rettungslos verloren.

Seine größte Willenskraft zusammenraffend, hatte Johann nicht mit einer Wimper gezuckt; kaum flog eine leichte Blässe über das Gesicht des jungen Mannes, und keine Bewegung, nicht einmal eine unwillkürliche, hätte ihn verrathen können.

Und doch erkannte er Rip recht gut wieder, mit dem er ja schon an dem Tage zusammengetroffen war, wo der Wagen ihn mit Meister Nick und Lionel von Montreal nach der Insel Jesus beförderte. Rip, den Geheimagenten, der schon seit zwei Monaten seine Fährte aufzuspüren sich bemühte! Rip, den Verführer, dem seine Familie die auf ihr lastende Schande verdankte, indem er seinen Vater Simon Morgaz zu jener Verrätherei verleitete!

Trotz alledem bewahrte er seine Kaltblütigkeit und ließ er nichts von dem tödtlichen Hasse merken, der in ihm kochte, während Herr und Fräulein de Vaudreuil an seiner Seite zitterten.

Wenn Johann indeß Rip kannte, so kannte Rip ihn doch nicht. Er wußte nicht, daß der Fahrgast, den er einen Augenblick auf der Landstraße von Montreal gesehen, der Patriot war, auf dessen Kopf die Regierung einen Preis gesetzt hatte. Er wußte nur, daß Johann ohne Namen sich in der Farm von Chipogan befinden mußte, und zwar hatte er seine Spur folgendermaßen entdeckt:

Wenige Tage vorher war der junge Proscribirte fünf oder sechs Meilen von St. Charles gesehen worden, nachdem er das geschlossene Haus in St. Charles verlassen, und gleichzeitig lief bei der Behörde eine Meldung ein, welche ihn als einen verdächtigen Fremden, der eben der Grafschaft Vercheres den Rücken gewendet habe, bezeichnete. Da er bemerkte, daß man auf ihn aufmerksam geworden war, hatte er mehr ins Innere der Grafschaft flüchten müssen, wäre auch dabei mehrmals der Polizei fast in die Hände gelaufen, und nur mit Mühe vermochte er sich bis zur Farm Thomas Harcher's durchzuschlagen.

Die Agenten des Hauses Rip hatten jedoch seine Fährte nicht mehr, »wie er glaubte«, verloren, vielmehr die fast gewisse Ueberzeugung gewonnen, daß die Farm von Chipogan ihm Unterkunft gewähren müsse. Rip erhielt hiervon sofort Nachricht. Da dieser nicht allein wußte, daß diese Farm Eigenthum des Herrn de Vaudreuil war, sondern auch, daß dieser selbst sich zur Zeit dort befand, so zweifelte er gar nicht mehr daran, daß der Fremde, der eben daselbst verweilte, Johann ohne Namen sein müsse. Nachdem er einige seiner Leute beauftragt, sich unter die zahlreichen Eingeladenen Thomas Harcher's zu mischen, erstattete er Bericht an Gilbert Argall, der ihm eine Anzahl Polizisten und eine Abtheilung Freiwilliger von Montreal zur Verfügung stellte.

So war es gekommen, daß Rip letzt auf der Schwelle des Saales mit der Ueberzeugung erschien, daß Johann ohne Namen sich unter den Gästen des Farmers von Chipogan befinden müsse.

Es war fast um fünf Uhr Nachmittags. Obwohl man die Lampen noch nicht angezündet hatte, war es im Innern doch ziemlich hell. Mit einem Blick hatte Rip schnell die ganze Gesellschaft überflogen, ohne daß Johann seine Aufmerksamkeit mehr als die anderen im Saale anwesenden Tischgenossen erregt hätte.

Thomas Harcher, der seinen Hof von einer Anzahl Männer besetzt sah, hatte sich inzwischen erhoben und wandte sich an Rip:

»Wer sind Sie? fragte er.

- Ein Agent, beauftragt mit einer Mission seitens des Polizeiministers, antwortete Rip.

- Was führt Sie hierher?

- Das werden Sie sofort erfahren. - Sind Sie nicht Thomas Harcher von Chipogan, Pächter des Herrn de Vaudreuil?

- Ja, und ich frage Sie, mit welchem Rechte Sie in mein Haus eingedrungen sind?

- Gemäß dem mir gewordenen Auftrage will ich eine Verhaftung vornehmen.

- Eine Verhaftung! rief der Farmer, eine Verhaftung in meinen vier Wänden!. Und wen beabsichtigen Sie zu verhaften?

- Einen Mann, auf dessen Kopf laut Bekanntmachung des General-Gouverneurs ein Preis ausgesetzt ist und der sich hier befindet.

- Und der nennt sich?..

- Er nennt sich, antwortete Rip mit lauter Stimme, Johann ohne Namen, oder richtiger, er läßt sich so nennen!«

Auf diese Erklärung folgte ein lang dauerndes Gemurmel. Wie? Johann ohne Namen war es, den Rip verhaften wollte, und er behauptete, daß dieser in der Farm von Chipogan weile?

Das Aussehen des Farmers, seiner Frau, seiner Kinder und aller seiner Gäste verrieth natürlicher Weise eine so tiefe Verblüffung, daß Rip fast glauben konnte, seine Leute hätten sich geirrt und ihn wieder auf eine falsche Fährte geführt. Nichtsdestoweniger wiederholte er sein Verlangen, und diesmal womöglich in noch mehr befehlerischem Tone.

»Thomas Harcher, fuhr er fort, der Mann, den ich suche, ist hier, und ich fordere Sie auf, ihn auszuliefern!«

Bei diesen Worten sah Thomas Harcher seine Gattin an; diese aber packte ihn am Arm und rief:

»So antworte doch auf das, was man Dich fragt!

- Ja, Thomas, geben Sie Antwort! setzte Meister Nick hinzu. Es scheint mir, dieselbe kann Ihnen nicht schwer werden.

- In der That, nicht im Geringsten!« sagte der Farmer.

Dann wendete er sich an Rip:

»Johann ohne Namen, den Sie suchen, erklärte er, ist nicht in der Farm von Chipogan.

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