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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Borowski erhob sich und trat mehrere Male mit den Beinen auf. Langsam gewann er seine alte Beweglichkeit zurück, seine Wunden waren weniger schwer, als seine Phantasie ihm eingeredet hatte. Er war für heute Abend mit dem Arzt in Wohlen verabredet, der ihm die Fäden ziehen sollte. Morgen würde einfach alles anders sein.

«Paris«, sagte Jason,»die Antwort liegt in Paris. Ich weiß nur nicht, wo ich anfangen soll. Es ist verrückt. Ich warte auf ein Bild, ein Wort, das mir sagt, wohin ich gehen soll.«

«Warum willst du nicht warten, bis ich von Peter gehört habe? Wir können morgen in Paris sein. Von dort werde ich ihn anrufen.«

«Weil es nichts ändern würde, verstehst du nicht? Gleichgültig, worauf er auch stößt, das, was ich wissen muß, wird nicht dabei sein. Ich muß wissen, warum gewisse Männer mich töten wollen, warum jemand namens Carlos… wie war das doch… ein Vermögen für meine Leiche bezahlen will.«

Weiter kam er nicht, das Krachen auf dem Tisch unterbrach ihn. Marie hatte die Tasse fallen lassen und starrte ihn mit bleichem Gesicht an.»Was hast du gerade gesagt?«

«Was? Ich sagte, daß ich wissen muß…«

«Du hast gerade den Namen Carlos genannt.«

«Das stimmt.«

«In all den Stunden, die wir geredet haben, in all den Tagen, die wir jetzt zusammen sind, hast du ihn nie erwähnt.«

Borowski sah sie an, versuchte sich zu erinnern. Es stimmte; er hatte ihr alles gesagt, das ihm in den Sinn gekommen war, aber aus irgendeinem Grund hatte er Carlos nicht erwähnt, so als hätte er den Namen verdrängt.

«Ja, da hast du wahrscheinlich recht«, sagte er.»Du scheinst zu wissen, wer Carlos ist.«

«Machst du Witze?«

«Keineswegs. Also, wer ist Carlos?«

«Mein Gott — du weißt es wirklich nicht!«rief sie aus und schaute ihm prüfend in die Augen.

«Wer ist Carlos?«

«Ein Mörder! Ein Mann, der seit zwanzig Jahren von der Polizei gejagt wird. Man nimmt an, daß er an die sechzig Politiker und Militärs getötet hat. Niemand weiß genau, wie er aussieht… Man vermutet, daß er von Paris aus agiert.«

Borowski spurte, wie ihn ein kalter Schauer durchlief.

Der Schwiegersohn des Concierge hatte sie nach Wohlen gefahren. Auf der Rückfahrt saßen Jason und Marie hinten im Auto. Die dunkle Landschaft zog schnell an den Fenstern vorbei. Der Arzt hatte ihm die Fäden gezogen und an ihrer Stelle weiche Bandagen angebracht, die er mit Heftpflaster befestigt hatte.»Fahr zurück nach Kanada«, sagte Jason leise.

«Das werde ich auch, in ein paar Tagen. Erst möchte ich Paris sehen.«

«Ich will dich nicht in Paris haben. Ich rufe dich in Ottawa an. Du kannst selbst nach Treadstone suchen und mir die Information telefonisch durchgeben.«

«Ich dachte, du hättest gesagt, das änderte nichts. Du müßtest das Warum erfahren; das Wer sei bedeutungslos, solange du nicht die Hintergründe begreifst!«

«Ich brauche nur einen einzigen Mann aufzuspüren, und ich werde ihn finden.«

«Aber du weißt nicht, wo du beginnen sollst. Du wartest auf ein Bild, einen Satz, der dir den entscheidenden Hinweis gibt. Vielleicht sind sie gar nicht dort.«

«Etwas wird da sein.«

«Etwas ist da, aber du siehst es nicht. Ich schon. Deshalb brauchst du mich. Ich weiß, wie wir vorzugehen haben — du nicht.«

Borowski sah sie an.»Ich glaube, du solltest dich deutlicher ausdrücken.«

«Die Banken. Treadstones Verbindungen sind bei den Banken zu suchen, aber nicht so, wie du vielleicht denkst.«

In der Dorfkirche von Arpajon, zehn Meilen südlich von Paris, ging ein gebeugter alter Mann in einem zerschlissenen Mantel, die schwarze Baskenmütze in seiner Rechten, den Mittelgang hinunter. Die Glocken hallten durch das Mittelschiff. In Höhe der fünften Stuhlreihe blieb der Mann stehen und wartete, bis sie verstummten. Das war sein Signal. Während des Glockengeläutes hatte sich ein junger Mann, der so skrupellos war, wie ein Mensch nur sein konnte, in dem kleinen Gotteshaus umgesehen und jeden gemustert, den er drinnen oder draußen erspähen konnte. Hätte der Mann bei irgend jemandem Gefahr gewittert, hätte er sofort kurzen Prozeß gemacht und den Betreffenden umgelegt. Das war Carlos' Art, und nur Leute, die selbst verfolgt wurden, deren Leben keinen Pfifferling mehr wert war, arbeiteten als seine Helfershelfer.

Carlos vermied jegliches Risiko. Wenn man in seinen Diensten — oder von seiner Hand — starb, bestand der einzige Trost darin, daß dann ein nicht unerheblicher Geldbetrag seinen Weg zu trauernden Witwen und ihren Kindern finden würde — gewiß eine sehr eigenwillige Art, Mitleid zu zeigen.

Der Alte umklammerte seine Baskenmütze und lief weiter an den Stuhlreihen entlang, zu den Beichtstühlen an der linken Wand. Er ging zum fünften, schob den Vorhang auseinander und trat ein. Hinter dem hölzernen Trenngitter brannte eine einzelne Kerze. Er setzte sich auf die kleine Bank, und als sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, erkannte er den Mann in der Mönchskutte, der die Kapuze tief in sein Gesicht gezogen hatte. Der Bote versuchte sich nicht auszumalen, wie jener Mann aussah; es war besser so…

«Angelus Domini«, sagte er.

«Angelus Domini, Kind Gottes«, flüsterte die kapuzenbedeckte Silhouette.»Sind deine Tage angenehm?«

«Sie neigen sich dem Ende zu«, erwiderte der alte Mann und hatte damit das Codewort genannt,»aber ich bin versorgt.«

«Gut. Es ist wichtig, wenn man in Ihrem Alter ein Gefühl der Sicherheit hat«, sagte Carlos.»Nun zur Sache. Haben Sie die Informationen aus Zürich bekommen?«

«Die Eule ist tot; zwei andere auch, vielleicht sogar ein Dritter. Einem anderen ist die Hand schwer verletzt worden; er kann nicht arbeiten. Cain ist verschwunden. Man vermutet, daß die Frau bei ihm ist.«

«Eine seltsame Wendung der Ereignisse«, sagte Carlos.

«Ich habe noch mehr Neuigkeiten: Man hat von dem, der die Anweisung hatte, die Frau zu töten, nichts mehr gehört. Er sollte sie zum Mythen-Quai bringen; niemand weiß, was dort geschehen ist.«

«Es ist möglich, daß sie nie eine Geisel war, sondern der Köder für eine Falle, die hinter Cain selbst zugeschnappt ist. Darüber will ich nachdenken. Hier sind meine weiteren Instruktionen. Sind Sie bereit?«

Der alte Mann griff in die Tasche und holte einen Bleistiftstummel und einen Fetzen Papier heraus.»Ja.«

«Rufen Sie Zürich an. Ich möchte, daß morgen ein Mann nach Paris kommt, der Cain gesehen hat und ihn wiedererkennt. Außerdem soll >Zürich< sich bei Koenig in der Gemeinschaftsbank melden und ihm sagen, daß er das Tonband nach New York schicken soll, an das Postfach im Village Station.«

«Bitte etwas langsamer«, unterbrach der alte Bote,»meine Hand schreibt nicht mehr so schnell wie früher.«

«Verzeihen Sie«, flüsterte Carlos.»Ich war in Gedanken und daher unhöflich. Entschuldigen Sie.«

«Keine Ursache. Bitte weiter.«

«Schließlich soll unser Team sich Zimmer in der Nähe der Bank an der Rue Madeleine nehmen. Diesmal wird die Bank Cains Untergang sein.«

Kapitel 11

Borowski beobachtete aus einiger Entfernung; wie Marie im Berner Bahnhof auf die Bahnsteige zuging. Es war fünf Uhr nachmittags. Zu dieser Zeit herrschte in dem Bahnhofsgelände mit seinen Geschäften und Restaurants ein unübersehbares Gedränge. Menschen eilten an Borowski vorbei, ohne von ihm Notiz zu nehmen. Damit hatte er gerechnet. Und er hatte aufgepaßt. Niemand war ihnen von Lenzburg hierher gefolgt. Getrennt hatten sie den Bahnhof betreten.

Marie blickte noch einmal kurz zurück, bevor sie um die Ecke bog; nur für sie bemerkbar nickte er ihr ein letztes Mal zu, ein glückliches Lächeln spielte dabei um seinen Mund. In zwei Stunden etwa würde sie von Zürich aus nach Paris fliegen.

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