Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
- Автор: Риордан Рик
- Серия: Percy Jackson #4
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L». Краткое содержание книги:
»Ich könnte ihn doch nicht freilassen, oder? Eine solche Kraft habe ich nicht!«
Der Gott grunzte. »Keine Kraft, was? Hättest mich fast an der Nase herumgeführt. Du bist der Sohn des Weltenrüttlers, Knabe. Du kennst deine eigene Stärke nicht.«
Das war das Letzte, was ich von ihm hören wollte. Ich hatte mich da auf dem Berg nicht unter Kontrolle gehabt. Ich hatte so viel Energie freigesetzt, dass ich mich beinahe selbst hätte verdampfen lassen, fast wäre alles Leben aus mir herausgesickert. Und jetzt erfuhr ich, dass ich den gesamten Nordwesten der USA zerstört hatte und um ein Haar das entsetzlichste Monster geweckt hätte, das jemals von den Göttern eingekerkert worden war. Vielleicht war ich zu gefährlich. Vielleicht waren meine Freunde sicherer, wenn sie mich für tot hielten.
»Was ist mit Grover und Tyson?«, fragte ich.
Hephaistos schüttelte den Kopf. »Kein Lebenszeichen, fürchte ich. Ich nehme an, sie sind im Labyrinth.«
»Was soll ich also machen?«
Hephaistos zog den Kopf ein. »Frag niemals einen alten Krüppel um Rat, Knabe. Aber eins kann ich dir sagen. Du bist doch meiner Frau begegnet?«
»Aphrodite.«
»Richtig. Die ist ganz schön tückisch, Knabe. Hüte dich vor der Liebe. Die verdreht dir das Gehirn und am Ende glaubst du, unten sei oben und richtig sei falsch.«
Ich dachte an meine Begegnung mit Aphrodite im vergangenen Winter, auf dem Rücksitz eines weißen Cadillac, mitten in der Wüste. Sie hatte mir gesagt, dass sie sich für mich ganz besonders interessierte, und dass sie in der Abteilung Romanzen alles besonders schwierig für mich machen würde, weil sie mich so gut leiden könnte.
»Gehört das auch zu ihrem Plan?«, fragte ich. »Hat sie mich hier abgesetzt?«
»Kann schon sein. Bei ihr weiß man nie. Aber wenn du vorhast, diesen Ort zu verlassen – und ich sage nicht, was richtig oder falsch ist –, dann habe ich dir eine Antwort versprochen. Ich habe dir den Weg zu Dädalus versprochen. Also, hör gut zu. Es hat nichts mit Ariadnes Faden zu tun. Sicher, der Faden hilft. Hinter dem ist die Armee der Titanen her. Aber der beste Weg durch das Labyrinth … Theseus hat die Prinzessin geholfen. Und die Prinzessin war eine gewöhnliche Sterbliche – nicht ein Tropfen göttlichen Blutes in ihren Adern. Aber sie war gescheit und sie konnte sehen, Knabe. Sie konnte sehr deutlich sehen. Also, was ich sagen will – ich glaube, du weißt, wie du dich im Labyrinth orientieren kannst.«
Langsam begriff ich. Warum hatte ich das nicht längst kapiert? Hera hatte Recht gehabt. Ich hatte die Antwort die ganze Zeit vor Augen gehabt.
»Ja«, sagte ich. »Ja, ich weiß es.«
»Dann musst du nur noch entscheiden, ob du von hier weggehst oder nicht.«
»Ich …« Ich wollte Ja sagen. Natürlich wollte ich Ja sagen. Aber die Worte blieben mir in der Kehle stecken. Ich ertappte mich dabei, wie ich auf den See blickte, und plötzlich kam es mir schrecklich vor, von hier fortzumüssen.
»Warte noch mit der Entscheidung«, riet Hephaistos. »Warte bis zur Morgendämmerung. Die Morgendämmerung ist ein guter Zeitpunkt, um Entscheidungen zu treffen.«
»Wird Dädalus uns denn überhaupt helfen?«, fragte ich. »Wenn er Luke die Möglichkeit gibt, sich im Labyrinth zu orientieren, dann sind wir tot. Ich habe geträumt … Dädalus hat seinen Neffen umgebracht. Er ist verbittert und böse und …«
»Es ist nicht leicht, ein brillanter Erfinder zu sein«, knurrte Hephaistos. »Immer allein. Immer missverstanden. Es ist leicht, bitter zu werden, entsetzliche Fehler zu begehen. Mit Leuten zu arbeiten ist schwerer als mit Maschinen. Und wenn du einen Menschen zerbrichst, kann man ihn nicht reparieren.«
Hephaistos wischte die letzten Pepsitropfen von seinem Overall. »Dädalus hatte eigentlich einen guten Start. Er half Prinzessin Ariadne und Theseus, einfach weil sie ihm leidtaten. Er wollte eine gute Tat begehen. Und deshalb ging dann alles in seinem Leben schief. Ist das fair?« Der Gott zuckte mit den Schultern. »Ich weiß nicht, ob Dädalus dir helfen wird, Knabe, aber du darfst eine Person erst dann verurteilen, wenn du an ihrer Esse gestanden und mit ihrem Hammer gearbeitet hast, okay?«
»Ich … ich werde es versuchen.«
Hephaistos erhob sich. »Mach’s gut, Knabe. Das war super, wie du die Telchinen zerstört hast. Ich werde mich deshalb immer an dich erinnern.«
Das klang nach einem endgültigen Abschied. Hephaistos explodierte zu einer Flammensäule, die über das Wasser wanderte und die Welt dort draußen ansteuerte.
Ich ging stundenlang am Strand entlang. Als ich endlich zur Wiese zurückkam, war es sehr spät, vielleicht vier oder fünf Uhr morgens, aber Kalypso war noch immer in ihrem Garten und kümmerte sich im Sternenlicht um ihre Blumen. Das Mondgewebe leuchtete silbrig und die anderen Pflanzen reagierten auf die Magie und leuchteten rot und gelb und blau.
»Er hat dir die Rückkehr befohlen«, tippte Kalypso.
»Na ja, nicht gerade befohlen. Er hat mir die Wahl gelassen.«
Ihre Augen begegneten meinen. »Ich habe es versprochen. Ich mache kein Angebot.«
»Angebot wofür?«
»Dafür, dass du bleibst.«
»Bleibst«, sagte ich. »Meinst du … für immer?«
»Hier auf der Insel wärst du unsterblich«, sagte sie leise. »Du würdest niemals altern oder sterben. Du könntest den Kampf anderen überlassen, Percy Jackson. Du könntest deiner Weissagung entkommen.«
Ich starrte sie verdutzt an. »Einfach so?«
Sie nickte. »Einfach so.«
»Aber … meine Freunde!«
Kalypso stand auf und nahm meine Hand. Ihre Berührung schickte einen warmen Strom durch meinen Körper. »Du hast nach meinem Fluch gefragt, Percy. Ich wollte es dir nicht erzählen. Die Wahrheit ist, dass die Götter mir ab und zu Gesellschaft schicken. Alle tausend Jahre oder so erlauben sie einem Heros, der Hilfe braucht, an meinem Ufer angespült zu werden. Ich pflege ihn und schließe Freundschaft mit ihm, aber es ist niemals ein Zufall. Die Moiren sorgen dafür, dass die Heroen, die sie schicken …«
Ihre Stimme zitterte und sie konnte nicht weiterreden.
Ich drückte ihre Hand fester. »Was denn? Womit mache ich dich so traurig?«
»Sie schicken immer jemanden, der nicht bleiben kann«, flüsterte sie. »Der mein Angebot zu bleiben nur für kurze Zeit annehmen kann. Sie schicken mir einen Heros, bei dem ich einfach … einen Heros, in den ich mich einfach verlieben muss.«
Alles war still, bis auf das Plätschern der Quelle und der Wellen am Ufer. Ich brauchte sehr lange, um zu begreifen, was sie da gesagt hatte.
»Mich?«, fragte ich.
»Wenn du nur dein Gesicht sehen könntest«, sie unterdrückte ein Lächeln. »Natürlich, dich.«
»Deshalb bist du die ganze Zeit immer wieder ausgewichen?«
»Ich habe mir alle Mühe gegeben. Aber ich schaffe es nicht. Die Moiren sind grausam. Sie haben dich zu mir geschickt, mein Mutiger, in dem Wissen, dass du mir das Herz brechen würdest.«
»Aber ich … ich meine … ich bin doch nur ich.«
»Das ist genug«, erklärte Kalypso. »Ich hatte mir vorgenommen, es nicht einmal zu erwähnen. Ich wollte dich gehen lassen, ohne es dir auch nur anzubieten. Aber das kann ich nicht. Und ich vermute, die Moiren haben das auch gewusst. Du könntest bei mir bleiben, Percy. Ich fürchte, nur so könntest du mir helfen.«
Ich starrte den Horizont an. Die ersten roten Streifen der Dämmerung erhellten den Himmel. Ich könnte für immer hierbleiben, von der Erde verschwinden. Ich könnte bei Kalypso leben, und die unsichtbaren Dienstboten würden mir jeden Wunsch erfüllen. Wir könnten im Garten Blumen ziehen und mit Singvögeln plaudern und unter dem perfekten Himmel über den Strand schlendern. Kein Krieg. Keine Weissagung. Keine Seite mehr, auf die ich mich stellen müsste.