Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
- Автор: Риордан Рик
- Серия: Percy Jackson #4
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L». Краткое содержание книги:
Andererseits war ich wirklich schwach. Ich konnte immer nur wenige Stunden auf den Beinen sein. Was immer ich im Mount St. Helens gemacht hatte, es hatte mich ärger mitgenommen als alles, was ich jemals erlebt hatte.
Ich kam mir nicht vor wie ein Gefangener oder so. Ich erinnerte mich an das Lotos Hotel und Casino in Vegas, wo ich zu aufregenden Spielen verleitet worden war, bis ich fast alles vergessen hatte, was mir wichtig war. Aber die Insel Ogygia war ganz anders. Ich dachte die ganze Zeit an Annabeth, Grover und Tyson. Ich wusste genau, warum ich hier wegmusste. Aber ich … konnte nicht. Und dann war da noch Kalypso selber.
Sie redete nie viel über sich, aber gerade deshalb wollte ich unbedingt mehr wissen. Ich saß auf der Wiese, nippte am Nektar und versuchte, mich auf die Blumen oder die Wolken oder die Spiegelungen im See zu konzentrieren, aber ich starrte doch immer nur Kalypso an, wie sie bei der Arbeit die Haare über ihre Schulter warf, und die kleine Strähne, die ihr ins Gesicht fiel, wenn sie sich hinkniete, um im Garten zu graben. Manchmal streckte sie die Hand aus und Vögel kamen aus dem Wald geflogen, um sich auf ihrem Arm niederzulassen – Kolibris, Papageien, Tauben. Sie wünschte ihnen einen guten Morgen, fragte, wie es denn zu Hause im Nest so aussah, und die Vögel zwitscherten eine Weile und flogen dann fröhlich wieder davon. Kalypsos Augen leuchteten. Manchmal sah sie mich an und wir tauschten ein Lächeln, aber fast sofort wurde ihr Gesicht wieder traurig und sie wandte sich ab. Ich verstand nicht, was ihr so zu schaffen machte.
Eines Abends aßen wir zusammen am Strand. Unsichtbare Dienstboten hatten einen Tisch mit Rindereintopf und Apfelwein gedeckt, was vielleicht nicht sonderlich aufregend klingt, aber das liegt nur daran, dass ihr es noch nie probiert habt. Mir waren die unsichtbaren Dienstboten zu Beginn meines Aufenthaltes nicht einmal aufgefallen, aber nach einer Weile bemerkte ich, dass sich die Betten selbst machten, die Mahlzeiten selbst kochten und die Kleider von unsichtbaren Händen gewaschen und zusammengelegt wurden.
Jedenfalls saßen Kalypso und ich beim Abendessen und sie sah im Kerzenlicht wunderschön aus. Ich erzählte ihr von New York und Camp Half-Blood und wie Grover einmal einen Apfel gegessen hatte, mit dem wir gerade Fußball spielen wollten. Sie lachte und zeigte dabei ihr umwerfendes Lächeln, und unsere Blicke trafen sich. Dann schlug sie die Augen nieder.
»Da, schon wieder«, sagte ich.
»Was denn?«
»Du weichst aus, als ob du versuchst, keinen Spaß zu haben.«
Sie starrte weiterhin ihr Glas an. »Wie gesagt, Percy. Ich bin bestraft worden. Verflucht, könnte man sagen.«
»Wie denn? Erzähl es mir. Ich möchte dir helfen.«
Sie bedeckte ihren halb leer gegessenen Teller mit einer Serviette, und sofort entfernte ihn ein unsichtbarer Diener. »Percy, diese Insel, Ogygia, ist mein Zuhause, hier bin ich geboren. Aber sie ist auch mein Gefängnis. Ich stehe unter … Hausarrest, so könnte man das wohl nennen. Ich werde niemals dein Manhattan besuchen. Oder irgendeinen anderen Ort. Ich bin hier allein.«
»Weil Atlas dein Vater ist.«
Sie nickte. »Die Götter haben kein Vertrauen zu ihren Feinden. Und das ist auch richtig so. Ich dürfte mich nicht beklagen. Einige Gefängnisse sind längst nicht so schön wie meins.«
»Aber das ist nicht fair«, sagte ich. »Dass du mit ihm verwandt bist, heißt doch noch lange nicht, dass du ihn unterstützt. Diese andere Tochter, die ich gekannt habe, Zoë Nachtschatten, die hat gegen ihn gekämpft. Und sie ist nicht eingesperrt worden.«
»Aber Percy«, sagte Kalypso mit sanfter Stimme. »Im Ersten Krieg habe ich ihn unterstützt. Er ist schließlich mein Vater.«
»Was? Aber die Titanen sind böse!«
»Wirklich? Allesamt? Jederzeit?« Sie schob die Lippen vor. »Sag es mir, Percy. Ich will nicht mit dir streiten. Aber unterstützt du die Götter, weil sie gut sind oder weil sie deine Familie sind?«
Ich gab keine Antwort. Sie hatte nicht Unrecht. Im vergangenen Winter, nachdem Annabeth und ich den Olymp gerettet hatten, hatten die Götter diskutiert, ob sie mich umbringen sollten oder nicht. Das war zum Beispiel nicht gerade toll gewesen. Aber trotzdem hielt ich zu ihnen – weil Poseidon mein Dad war.
»Vielleicht habe ich mich im Krieg falsch verhalten«, sagte Kalypso. »Und ich muss anstandshalber zugeben, dass die Götter mich gut behandelt haben. Sie besuchen mich ab und zu. Sie bringen mir Nachrichten aus der Welt da draußen. Aber sie können hier wieder weg. Und ich kann das nicht.«
»Du hast keine Freunde?«, fragte ich. »Ich meine … kann sonst niemand hier mit dir leben? Es ist doch schön hier.«
Eine Träne lief über ihre Wange. »Ich … ich habe mir geschworen, nicht darüber zu reden. Aber …«
Sie wurde von einem dröhnenden Geräusch irgendwo draußen auf dem See unterbrochen. Der Horizont begann zu glühen. Er wurde immer heller, bis ich eine Feuersäule sehen konnte, die sich über die Wasseroberfläche bewegte und auf uns zukam.
Ich sprang auf und griff nach meinem Schwert. »Was ist das?«
Kalypso seufzte. »Besuch.«
Als die Feuersäule das Ufer erreichte, erhob sich Kalypso und machte eine förmliche Verbeugung. Die Flammen teilten sich und vor uns stand ein hochgewachsener Mann in einem grauen Overall und einer metallenen Beinschiene; sein Bart und seine Haare schwelten noch vom Feuer.
»Hephaistos«, sagte Kalypso. »Das ist eine seltene Ehre.«
Der Feuergott grunzte. »Kalypso. Schön wie immer. Würdest du uns wohl entschuldigen, meine Liebe? Ich muss mich kurz mit unserem jungen Percy Jackson unterhalten.«
Hephaistos ließ sich schwerfällig am Esstisch nieder und bestellte eine Pepsi. Der unsichtbare Diener brachte ihm eine Dose, öffnete sie zu abrupt und die Flüssigkeit bespritzte die Arbeitskleidung des Gottes. Hephaistos brüllte, spuckte Verwünschungen aus und fegte die Dose vom Tisch.
»Blöde Dienstbotenbande«, murmelte er. »Was sie braucht, sind gute Roboter. Denen würde so was nie passieren.«
»Hephaistos«, sagte ich. »Was ist passiert? Ist Annabeth …«
»Der geht’s gut«, sagte er. »Dieses Mädchen weiß immer Rat. Hat den Weg zurückgefunden und mir die ganze Geschichte erzählt. Sie ist krank vor Sorge.«
»Haben Sie ihr nicht gesagt, dass es mir gut geht?«
»Das konnte ich nicht«, erklärte Hephaistos. »Alle halten dich für tot. Ich musste sichergehen, dass du zurückkommst, ehe ich aller Welt erzähle, wo du steckst.«
»Wie meinen Sie das?«, fragte ich. »Natürlich komme ich zurück.«
Hephaistos musterte mich skeptisch. Er fischte etwas aus seiner Tasche – eine Metallscheibe von der Größe eines iPod. Er drückte auf einen Knopf und die Scheibe verformte sich zu einem Minifernseher aus Bronze. Auf dem Bildschirm lief eine Reportage vom Mount St. Helens; eine riesige Wolke aus Feuer und Asche stieg zum Himmel auf.
»Noch immer keine Gewissheit über weitere Ausbrüche«, sagte der Nachrichtensprecher gerade. »Als Vorsichtsmaßnahme haben die Behörden die Evakuierung von einer halben Million Menschen angeordnet. Inzwischen wurde an so weit entfernten Orten wie Lake Tahoe und Vancouver Ascheregen beobachtet, und das gesamte Gebiet um den Mount St. Helens ist in einem Umkreis von hundert Meilen abgeriegelt. Todesfälle sind noch nicht gemeldet worden, wohl aber Verletzte und Krankheitsfälle wie …«
Hephaistos schaltete den Fernseher aus. »Da habt ihr eine ganz schöne Explosion ausgelöst.«
Ich starrte den leeren Bronzeschirm an. Eine halbe Million Menschen evakuiert? Verletzte. Krankheiten. Was hatte ich angerichtet?
»Die Telchinen wurden auseinandergetrieben«, berichtete der Gott. »Einige haben sich aufgelöst. Andere sind zweifellos entkommen. Ich glaube nicht, dass sie meine Schmiede so bald wieder benutzen werden. Andererseits werde ich das auch nicht tun. Die Explosion hat Typhon dazu gebracht, sich im Schlaf zu bewegen. Wir müssen abwarten, ob …«