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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L

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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
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»Sagen Sie das mal Annabeth.«

Chiron lächelte. »Morgen lasse ich euch von Argus nach Manhattan bringen. Du könntest mal bei deiner Mutter vorbeischauen. Sie … verständlicherweise ist sie außer sich.«

Mein Herz setzte einen Schlag aus. In der ganzen Zeit auf Kalypsos Insel hatte ich kein einziges Mal daran gedacht, wie meine Mom sich wohl fühlte. Sie hat sicher geglaubt, ich sei tot. Sie muss völlig verzweifelt gewesen sein. Was war nur los mit mir, dass ich nie auch nur auf diesen Gedanken gekommen war?

»Chiron«, sagte ich. »Was ist mit Grover und Tyson? Meinen Sie …«

»Das weiß ich nicht, mein Junge.« Chiron starrte in den leeren Kamin. »Wacholder ist ziemlich außer sich. Alle ihre Zweige werden schon gelb. Der Rat der Behuften Älteren hat Grovers Sucherzulassung in absentia zurückgezogen. Wenn er lebend zurückkommt, werden sie ihn in eine schmähliche Verbannung schicken.« Er seufzte. »Aber Grover und Tyson sind sehr erfinderisch. Es gibt immer noch Hoffnung.«

»Ich hätte sie zurückhalten müssen.«

»Grover hat sein eigenes Schicksal, und es war mutig von Tyson, mit ihm zu gehen. Du würdest es merken, wenn Grover in Lebensgefahr schwebte, meinst du nicht?«

»Vermutlich. Der Empathielink. Aber …«

»Ich sollte dir noch eine Sache sagen, Percy«, sagte Chiron. »Genauer gesagt, zwei unangenehme Sachen.«

»Super.«

»Chris Rodriguez, unser Gast …«

Mir fiel ein, was ich im Keller gesehen hatte, als Clarisse versucht hatte, mit ihm zu reden, während er wirres Zeug über das Labyrinth faselte. »Ist er tot?«

»Noch nicht«, sagte Chiron. »Aber es geht ihm sehr schlecht. Er liegt in der Krankenstube, er ist zu schwach, um zu gehen. Ich musste Clarisse befehlen, sich wieder ihrem normalen Stundenplan zu widmen, sie saß dauernd an seinem Bett. Er reagiert auf gar nichts. Er isst und trinkt nichts. Meine Arzneien helfen allesamt nicht. Er hat ganz einfach seinen Lebenswillen verloren.«

Mir schauderte. Trotz aller meiner Zusammenstöße mit Clarisse tat sie mir ungeheuer leid. Sie hatte so sehr versucht, ihm zu helfen. Und jetzt, da ich im Labyrinth gewesen war, konnte ich verstehen, warum der Geist des Minos Chris so leicht in den Wahnsinn treiben konnte. Wenn ich allein dort unten umhergeirrt wäre, ohne meine Freunde, hätte ich niemals wieder herausgefunden.

»Es tut mir leid, dir das sagen zu müssen«, sagte jetzt Chiron. »Die zweite Nachricht ist noch unangenehmer. Quintus ist verschwunden.«

»Verschwunden? Wie das?«

»Vor drei Nächten hat er sich ins Labyrinth geschlichen. Wacholder hat ihn dabei beobachtet. Also hattest du wohl doch Recht, was ihn angeht.«

»Er spioniert für Luke.« Ich erzählte Chiron von der Dreimal-G-Ranch – dass Quintus dort seine Skorpione gekauft und Geryon Kronos’ Armee beliefert hatte. »Das kann kein Zufall sein.«

Chiron seufzte tief. »So viel Verrat. Ich hatte gehofft, Quintus würde sich als Freund erweisen. Aber da habe ich mich wohl geirrt.«

»Was ist mit Mrs O’Leary?«, fragte ich.

»Der Höllenhund ist noch in der Arena. Das Vieh lässt niemanden in seine Nähe. Ich konnte es nicht übers Herz bringen, es in einen Käfig zu zwingen … oder es zu vernichten.«

»Aber Quintus würde sie doch nicht einfach so verlassen!«

»Wie gesagt, Percy, wir scheinen uns in ihm getäuscht zu haben. Und jetzt solltest du dich für den Morgen bereit machen. Annabeth und du, ihr habt noch immer sehr viel zu tun.«

Ich ließ ihn in seinem Rollstuhl sitzen. Er starrte traurig in den Kamin. Ich fragte mich, wie oft er schon dort gesessen und auf Heroen gewartet hatte, die niemals zurückgekehrt waren.

Vor dem Essen schaute ich in der Schwertkampfarena vorbei. Und tätsächlich, in der Mitte des Stadions hatte Mrs O’Leary sich zu einem riesigen Fellhaufen zusammengerollt und kaute ohne große Begeisterung am Kopf einer Strohpuppe herum.

Als sie mich sah, bellte sie und kam auf mich zugestürzt. Ich hielt mich schon für eine Zwischenmahlzeit und konnte gerade noch »hey!« sagen, ehe sie mich umwarf und mein Gesicht ableckte. Ich als Sohn des Poseidon und so werde ja normalerweise nur nass, wenn ich das will, aber Hundespucke gegenüber war ich offenbar machtlos, und ich bekam ein ziemlich gründliches Bad.

»Meine Güte, Mädel«, schrie ich. »Ich kriege keine Luft mehr! Lass mich los!«

Endlich konnte ich sie von mir hinunterschubsen. Ich kraulte ihre Ohren und holte einen Hundekeks Größe XXXL.

»Wo ist denn dein Herrchen?«, fragte ich sie. »Wie hat er dich einfach so verlassen können?«

Sie fiepte, wie um zu sagen, dass sie das auch gern wüsste. Ich war gern bereit, Quintus für einen Feind zu halten, aber ich konnte noch immer nicht verstehen, wieso er Mrs O’Leary zurückgelassen hatte. Wenn ich mir einer Sache sicher war, dann, dass er an seiner Riesentöle wirklich hing.

Ich dachte darüber nach und wischte mir die Hundespucke vom Gesicht, als eine Mädchenstimme sagte: »Hast ja Glück, dass sie dir nicht den Kopf abgebissen hat.«

Clarisse stand auf der anderen Seite der Arena und hielt Schwert und Schild in der Hand. »Wollte gestern hier trainieren«, knurrte sie. »Die Töle hat versucht, mich zu zerkauen.«

»Sie ist eben ein intelligenter Hund«, sagte ich.

»Sehr komisch.«

Sie kam auf uns zu. Mrs O’Leary knurrte, aber ich streichelte ihren Kopf und sie beruhigte sich.

»Blöder Höllenhund«, sagte Clarisse. »Wird mich nicht vom Training abhalten.«

»Ich habe das mit Chris gehört«, sagte ich. »Tut mir leid.«

Clarisse drehte eine Runde um die Arena. Als sie eine Strohpuppe erreicht hatte, griff sie sie wütend an, hieb mit einem einzigen Schlag ihren Kopf ab und bohrte ihr das Schwert in die Eingeweide. Dann zog sie es wieder heraus und lief weiter.

»Ja, ja. Manchmal geht eben was schief.« Ihre Stimme zitterte. »Auch Heroen werden verletzt. Sie … sie sterben, und die Monster kommen einfach immer wieder zurück.«

Sie hob einen kurzen Speer auf und warf ihn durch die Arena. Der Speer durchbohrte eine Strohfigur genau zwischen den Augenöffnungen ihres Helms.

Sie hatte Chris einen Heros genannt, so, als ob er niemals auf die Seite der Titanen übergewechselt wäre. Das erinnerte mich daran, wie Annabeth manchmal über Luke redete. Ich beschloss, dieses Thema nicht zur Sprache zu bringen.

»Chris war mutig«, sagte ich. »Ich hoffe, er wird wieder gesund.«

Sie starrte mich an, als sei ich ihre nächste Zielscheibe. Mrs O’Leary knurrte.

»Tu mir einen Gefallen«, sagte Clarisse.

»Ja, klar.«

»Wenn du Dädalus findest, glaub ihm kein Wort. Bitte ihn nicht um Hilfe. Bring ihn einfach um.«

»Clarisse …«

»Jemand, der so was entwickeln kann wie das Labyrinth, Percy – so jemand ist böse. Durch und durch böse!«

Eine Sekunde lang erinnerte sie mich an Eurytion den Hirten, ihren viel älteren Halbbruder. Sie hatte denselben verbitterten Blick, als sei sie seit zweitausend Jahren ausgenutzt worden und habe das langsam satt. Sie steckte das Schwert in die Scheide. »Das Training ist vorbei. Jetzt wird es ernst.«

In dieser Nacht schlief ich in meinem eigenen Bett, und zum ersten Mal seit Kalypsos Insel träumte ich wieder.

Ich befand mich im Thronsaal eines Königs – einem großen weißen Raum mit Marmorsäulen und einem hölzernen Thron. Auf dem Thron saß ein dicklicher Kerl mit roten Locken und einem Lorbeerkranz. Neben ihm standen drei Mädchen, die aussahen wie seine Töchter. Sie hatten alle seine roten Haare und trugen blaue Gewänder.

Die Türen öffneten sich quietschend und ein Herold kündigte an: »Minos, König von Kreta!«

Ich erstarrte, aber der Mann auf dem Thron lächelte seine Töchter einfach nur an. »Ich kann es gar nicht abwarten, sein Gesicht zu sehen.«

Minos, der königliche Mistkerl höchstpersönlich, kam in den Saal geschritten. Er war so groß und ernst, dass der andere König neben ihm geradezu albern aussah. Minos’ spitzer Bart war grau geworden. Er sah dünner aus als beim letzten Mal, als ich von ihm geträumt hatte, und seine Sandalen waren voller Lehm, aber in seinen Augen brannte dasselbe grausame Licht.

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