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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L

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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
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»Na«, sagte sie und versuchte zu lächeln. »Da ist der Schläfer endlich doch erwacht.«

»Mit wem hast du gesprochen?« Ich hörte mich an wie ein frisch aus der Mikrowelle entronnener Frosch.

»Ach … nur mit einem Boten«, sagte sie. »Wie fühlst du dich?«

»Wie lange war ich bewusstlos?«

»Zeit«, sagte Kalypso nachdenklich. »Zeit ist hier immer schwierig. Ich weiß es ehrlich nicht, Percy.«

»Du kennst meinen Namen?«

»Du sprichst im Schlaf.«

Ich wurde rot. »Ja. Das … das habe ich schon mal gehört.«

»Ja. Wer ist Annabeth?«

»Oh. Äh. Eine Freundin. Wir waren zusammen, als … Moment mal, wie bin ich hier hergekommen? Wo bin ich?«

Kalypso hob die Hand und fuhr mit den Fingern durch meine ruinierte Frisur. Ich trat nervös zurück.

»Tut mir leid«, sagte sie. »Ich habe mich einfach daran gewöhnt, mich um dich zu kümmern. Wie du hergekommen bist? Du bist vom Himmel gefallen. Du bist hier im Wasser gelandet.« Sie zeigte das Ufer entlang. »Ich weiß nicht, wie du das überlebt hast. Das Wasser hat deinen Fall offenbar aufgefangen. Und wo du bist? Du bist auf Ogygia.«

Sie sprach das aus wie O-dschie-dschie-ah.

»Liegt das in der Nähe vom Mount St. Helens?«, fragte ich, weil meine Erdkundekenntnisse so gut wie nicht vorhanden sind.

Kalypso lachte. Es war ein kleines zurückhaltendes Lachen, als fände sie mich wirklich lustig, wolle mich aber nicht in Verlegenheit stürzen. Sie war süß, wenn sie lachte.

»Das liegt in der Nähe von nirgendwo, Mutiger«, sagte sie. »Ogygia ist meine Phantominsel. Sie existiert ganz von sich aus, überall und nirgends. Hier kannst du in Sicherheit gesund werden. Hab keine Angst.«

»Aber meine Freunde …«

»Annabeth«, sagte sie. »Und Grover und Tyson?«

»Ja!«, sagte ich. »Ich muss zu ihnen zurück. Sie schweben in Gefahr.«

Sie berührte mein Gesicht und diesmal wich ich nicht zurück. »Ruhe dich erst einmal aus. Solange du nicht geheilt bist, kannst du nichts für deine Freunde tun.«

Kaum hatte sie das gesagt, merkte ich, wie müde ich war. »Du bist doch … du bist doch keine böse Zauberin, oder?«

Sie lächelte bescheiden. »Wieso kommst du denn auf die Idee?«

»Na ja, ich bin mal Circe begegnet, und die hatte auch eine ziemlich schöne Insel. Nur hat sie gern Männer in Meerschweinchen verwandelt.«

Kalypso schenkte mir wieder dieses Lachen. »Ich verspreche dir, ich werde dich nicht in ein Meerschweinchen verwandeln.«

»Und auch nicht in etwas anderes?«

»Ich bin keine böse Zauberin«, sagte Kalypso. »Und ich bin auch nicht deine Feindin, Mutiger. Und jetzt ruh dich aus. Dir fallen ja schon die Augen zu.«

Sie hatte Recht. Meine Knie gaben unter mir nach und ich wäre mit dem Gesicht zuerst im Kies gelandet, wenn Kalypso mich nicht aufgefangen hätte. Ihre Haare dufteten nach Zimt. Sie war sehr stark, oder vielleicht war ich einfach nur ungeheuer schwach und dünn. Sie führte mich zu einer gepolsterten Bank am Brunnen und half mir beim Hinlegen.

»Ruh dich aus«, befahl sie. Und beim Plätschern der Quelle, umgeben vom Duft von Zimt und Wacholder, schlief ich ein.

Als ich das nächste Mal aufwachte, war Nacht, aber ich wusste nicht genau, ob es dieselbe Nacht war oder viele Nächte später. Ich lag in der Höhle im Bett, aber dann stand ich auf, hüllte mich in einen Umhang und schlich hinaus. Die Sterne leuchteten – es gab Tausende, wie man es nur in der Natur sieht. Ich konnte alle Sternbilder erkennen, die Annabeth mich gelehrt hatte – Steinbock, Pegasus, Schütze. Und dort, am südlichen Horizont, gab es ein neues: die Jägerin, ein Tribut an eine Freundin von uns, die im vergangenen Winter ums Leben gekommen war.

»Percy, was siehst du?«

Ich senkte meinen Blick wieder zur Erde. So fantastisch die Sterne auch sein mochten, Kalypso war doppelt so strahlend. Ich hatte sogar Aphrodite, die Göttin der Liebe, gesehen, und ich würde das niemals laut sagen, denn dann würde sie mich zu Asche verbrennen, aber ich fand Kalypso viel schöner, weil sie mir so natürlich vorkam, als ob sie gar nicht versuchte, schön zu sein, ja sogar als ob ihr das egal wäre. Sie war es einfach. Mit ihrem Zopf und ihrem weißen Gewand schien sie im Mondlicht zu glühen. Sie hielt eine winzige Pflanze in der Hand. Die Blüten der Pflanze waren silbern und zart.

»Ich wollte nur sehen, ob …«, ich ertappte mich dabei, wie ich sie anstarrte. »Äh … ich hab’s vergessen.«

Sie lachte leise. »Na, wenn du sowieso auf den Beinen bist, kannst du mir helfen, das hier einzupflanzen.«

Sie reichte mir die Pflanze, an der unten ein Klumpen aus Wurzeln und Erde hing. Die Blumen leuchteten in meiner Hand. Kalypso griff zu ihrem Spaten und führte mich zum Ende des Gartens, wo sie anfing zu graben.

»Mondgewebe«, erklärte Kalypso. »Das kann nur nachts gepflanzt werden.«

Ich sah zu, wie das silbrige Licht über die Blütenblätter huschte. »Was macht es denn?«

»Was es macht?«, überlegte Kalypso. »Eigentlich gar nichts, glaube ich. Es lebt, es spendet Licht, ist schön. Muss es denn noch mehr machen?«

»Wahrscheinlich nicht«, sagte ich.

Sie nahm die Pflanze und unsere Hände berührten einander. Ihre Finger waren warm. Sie pflanzte das Mondgewebe und trat zurück, um ihr Werk in Augenschein zu nehmen. »Ich liebe meinen Garten.«

»Der ist wirklich umwerfend«, sagte ich. Ich war zwar nicht gerade ein Gartenfan, aber Kalypso hatte Rosensträucher, die in sechs verschiedenen Farben blühten, Spaliere voller Geißblatt und die Rebstöcke quollen über von roten und lila Trauben, für die Dionysos ganz bestimmt Männchen gemacht hätte.

»Meine Mom hat sich immer einen Garten gewünscht«, sagte ich.

»Warum hat sie sich keinen angelegt?«

»Na ja, wir wohnen in Manhattan. In einem Wohnblock.«

»Manhattan? Wohnblock?«

Ich starrte sie an. »Du hast keine Ahnung, wovon ich rede, was?«

»Ich fürchte, nein. Ich habe Ogygia schon seit … langer Zeit nicht mehr verlassen.«

»Manhattan ist eine große Stadt, und da gibt’s so gut wie keinen Platz für Gärten.«

Kalypso runzelte die Stirn. »Das ist traurig. Hermes besucht mich ab und zu. Er sagt, dass die Welt da draußen sich sehr verändert hat. Mir war aber nicht klar, dass sie sich so sehr verändert hat, dass es keine Gärten mehr gibt.«

»Warum hast du die Insel so lange nicht verlassen?«

Sie schlug die Augen nieder. »Das ist meine Strafe.«

»Warum? Was hast du angestellt?«

»Ich? Nichts. Aber ich fürchte, mein Vater hat eine Menge angestellt. Er heißt Atlas.«

Bei diesem Namen lief es mir eiskalt den Rücken hinunter. Ich war dem Titanen Atlas im vergangenen Winter begegnet, und das war nicht gerade lustig gewesen. Er hatte versucht, so ungefähr alle umzubringen, die mir etwas bedeuteten.

»Trotzdem«, sagte ich zögernd, »es ist nicht fair, dich für die Untaten deines Vaters zu bestrafen. Ich habe noch eine andere Tochter des Atlas gekannt. Sie hieß Zoë. Sie war eine der mutigsten Personen, die mir je begegnet sind.«

Kalypso sah mich sehr lange forschend an. Ihre Augen waren traurig.

»Was ist los?«, fragte ich.

»Bist du – bist du geheilt, mein Mutiger? Glaubst du, du wirst bald aufbrechen können?«

»Wieso?«, fragte ich. »Ich weiß nicht.« Ich bewegte meine Beine. Sie waren noch immer steif. Und mir wurde schon schwindlig vom langen Stehen. »Willst du mich los sein?«

»Ich …« Ihre Stimme versagte. »Wir sehen uns morgen früh. Schlaf gut.«

Sie rannte zum Strand davon. Ich war zu verwirrt, um etwas anderes zu tun, als zuzusehen, wie sie in der Dunkelheit verschwand.

Ich weiß nicht genau, wie viel Zeit verging. Wie Kalypso gesagt hatte, war es schwer, auf der Insel die Zeit im Auge zu behalten. Ich wusste, dass ich aufbrechen musste. Bestenfalls würden meine Freunde sich Sorgen machen; schlimmstenfalls waren sie in großer Gefahr. Ich wusste nicht einmal, ob Annabeth aus dem Vulkan entkommen war. Obwohl ich mehrere Male versucht hatte, den Empathielink zu Grover herzustellen, bekam ich keinen Kontakt. Ich fand es schrecklich, nicht zu wissen, ob es ihnen gut ging.

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