Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
- Автор: Риордан Рик
- Серия: Percy Jackson #4
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L». Краткое содержание книги:
Er machte vor dem Mann auf dem Thron eine steife Verbeugung. »König Kokalos. Ich habe gehört, du hast mein kleines Rätsel gelöst?«
Kokalos lächelte. »Von klein kann ja wohl kaum die Rede sein, Minos. Zumal, wenn du in aller Welt herausposaunst, dass du dem, der es lösen kann, tausend Talente in Gold zahlst. Ist dieses Angebot ernst gemeint?«
Minos klatschte in die Hände. Zwei kräftige Wachen schleppten einen riesigen hölzernen Kasten herein. Direkt vor Kokalos’ Füßen setzten sie ihn ab und öffneten ihn. Darin funkelten Stapel von Goldbarren, die so ungefähr eine Trillion Dollar wert sein mussten.
Kokalos stieß einen beifälligen Pfiff aus. »Für diese Belohnung musst du dein Königreich in den Bankrott gestürzt haben, mein Freund.«
»Das ist nicht deine Angelegenheit.«
Kokalos zuckte mit den Schultern. »Das Rätsel war eigentlich ziemlich leicht. Einer von meinen Bediensteten hat es gelöst.«
»Vater«, sagte eine der Töchter mahnend. Sie schien die Älteste zu sein – sie war etwas größer als ihre Schwestern.
Kokalos achtete nicht auf sie. Er zog eine lange spitze Muschel aus den Falten seines Gewandes. Durch die Muschel war eine Silberkette gezogen worden, so dass sie wie eine riesige Perle an einem Halsband hing.
Minos trat vor und griff nach der Muschel. »Einer von deinen Bediensteten, hast du gesagt? Wie hat er die Muschel aufgefädelt, ohne sie zu zerbrechen?«
»Kaum zu glauben, aber er hat eine Ameise benutzt. Hat einen Seidenfaden an dem kleinen Wesen festgebunden und es mit Honig durch die Muschel gelockt.«
»Erfinderischer Mann«, sagte Minos.
»Ja, in der Tat. Der Hauslehrer meiner Töchter. Sie sind ihm auch sehr zugetan.«
Minos’ Blick wurde kalt. »Da wäre ich aber vorsichtig.«
Ich hätte Kokalos gern gewarnt. Vertrau diesem Kerl nicht! Wirf ihn in den Kerker, zu ein paar menschenfressenden Löwen oder so! Aber der rothaarige König lachte nur. »Keine Sorge, Minos. Meine Töchter sind viel weiser, als ihr Alter annehmen lässt. Was mein Gold angeht …«
»Das Gold«, sagte Minos, »ist für den, der das Rätsel gelöst hat. Und das kann nur einer sein. Du hast Dädalus bei dir aufgenommen.«
Kokalos rutschte nervös auf seinem Thron hin und her. »Woher weißt du seinen Namen?«
»Er ist ein Dieb«, sagte Minos. »Er hat mal an meinem Hof gearbeitet, Kokalos. Er hat meine eigene Tochter gegen mich aufgestachelt. Er hat einem Usurpator geholfen, mich in meinem eigenen Zuhause lächerlich zu machen. Und dann hat er sich der Gerechtigkeit entzogen. Ich suche ihn jetzt seit zehn Jahren.«
»Darüber weiß ich nichts. Aber ich habe dem Mann meinen Schutz angeboten. Er war überaus nützlich …«
»Ich mache dir ein Angebot«, sagte Minos. »Liefere mir den Flüchtling aus und das Gold gehört dir. Oder wage es, mich zu deinem Feind zu machen. Du willst doch Kreta nicht zum Feind haben?«
Kokalos erbleichte. Ich fand es ziemlich blöd von ihm, mitten in seinem eigenen Thronsaal solche Angst zu haben. Er hätte seine Armee rufen sollen oder so etwas. Minos hatte bloß zwei Wachen. Aber Kokalos saß nur schwitzend auf seinem Thron.
»Vater«, sagte die älteste Tochter. »Du kannst doch nicht …«
»Sei still, Aelia.« Kokalos zwirbelte sich den Bart. Wieder sah er das funkelnde Gold an. »Das schmerzt mich, Minos. Die Götter lieben es nicht gerade, wenn man seinen Eid der Gastfreundschaft bricht.«
»Die Götter lieben es auch nicht, wenn man Verbrecher bei sich aufnimmt.«
Kokalos nickte. »So sei es denn. Du bekommst deinen Mann in Ketten ausgeliefert.«
»Vater!«, sagte Aelia noch einmal. Dann riss sie sich zusammen und gab ihrer Stimme einen süßeren Klang. »Lass uns … lass uns erst noch unseren Gast feiern. Nach seiner langen Reise verdient er doch ein heißes Bad, neue Kleidung und ein anständiges Essen. Es wäre mir eine Ehre, ihm das Bad selbst einlaufen zu lassen.«
Sie lächelte Minos auf reizende Weise an und der alte König grunzte. »Ja, ein Bad könnte wohl nicht schaden.« Er sah Kokalos an. »Dann sehen wir uns zum Essen. Mit dem Gefangenen.«
»Hier lang, mein König«, sagte Aelia. Sie und ihre Schwestern führten Minos aus dem Saal.
Ich folgte ihnen in ein Badezimmer, das mit Mosaikfliesen ausgelegt war. Dampf füllte die Luft. Aus einem Wasserhahn lief Wasser in die Wanne. Aelia und ihre Schwestern füllten die Wanne mit Rosenblättern und einer Art altgriechischem Badezusatz, und bald war das Wasser von buntem Schaum bedeckt. Die Mädchen traten beiseite, als Minos seine Gewänder fallen ließ und in die Wanne stieg.
»Ahh.« Er lächelte. »Ein wunderbares Bad. Danke, meine Lieben. Es war wirklich eine sehr lange Reise.«
»Ihr jagt Eure Beute also seit zehn Jahren, hoher Herr?«, fragte Aelia und klimperte mit den Wimpern. »Da müsst Ihr ja sehr entschlossen sein.«
»Ich vergesse niemals eine Schuld.« Minos grinste. »Es war weise von eurem Vater, meinen Forderungen nachzugeben.«
»Ja, wirklich, hoher Herr«, sagte Aelia. Ich fand, dass sie es mit den Schmeicheleien wirklich übertrieb, aber der alte Trottel fraß ihr geradezu aus der Hand. Aelias Schwestern ließen Duftöl auf den Kopf des Königs tropfen.
»Wisst Ihr, hoher Herr«, sagte Aelia. »Dädalus hat gewusst, dass Ihr kommen würdet. Er dachte, das Rätsel sei vielleicht eine Falle, aber er konnte der Versuchung, es zu lösen, einfach nicht widerstehen.«
Minos runzelte die Stirn. »Dädalus hat euch von mir erzählt?«
»Ja, hoher Herr.«
»Er ist ein schlechter Mann, Prinzessin. Meine eigene Tochter ist ihm auf den Leim gegangen. Hört nicht auf ihn.«
»Er ist ein Genie«, sagte Aelia. »Und er glaubt, dass Frauen genauso intelligent sind wie Männer. Er war der Erste, der uns klargemacht hat, dass wir selbst denken können. Vielleicht war es bei Eurer Tochter genauso.«
Minos versuchte, sich aufzusetzen, aber Aelias Schwestern drückten ihn zurück ins Wasser. Aelia trat hinter ihn. Sie hielt drei winzige runde Gegenstände in der Hand. Ich hielt sie zuerst für Badeperlen, aber als sie die Kugeln ins Wasser warf, schossen Bronzefäden daraus hervor, die sich um den König wickelten – sie fesselten seine Knöchel, banden seine Handgelenke an seine Hüften und wanden sich um seinen Hals. Obwohl ich Minos hasste, war es ein entsetzlicher Anblick. Er schlug um sich und rief um Hilfe, aber die Mädchen waren viel stärker. Bald lag er hilflos im Wasser und nur sein Kinn ragte noch hervor. Die Bronzefäden wickelten sich weiter um ihn wie ein Kokon und zogen sich um seinen Leib zusammen.
»Was wollt ihr?«, fragte Minos. »Warum tut ihr das?«
Aelia lächelte. »Dädalus war gut zu uns, mein König, und es gefällt mir nicht, wie Ihr unseren Vater bedroht habt.«
»Sagt Dädalus«, knurrte Minos, »sagt ihm, ich werde ihn noch nach dem Tod verfolgen. Wenn es in der Unterwelt Gerechtigkeit gibt, wird meine Seele ihm bis in alle Ewigkeit nachsetzen.«
»Tapfere Worte, mein König«, sagte Aelia. »Ich wünsche Euch Glück bei der Suche nach Gerechtigkeit in der Unterwelt.«
Und damit wickelten die Bronzefäden sich um Minos’ Gesicht und er sah aus wie eine bronzene Mumie.
Die Tür des Baderaums wurde geöffnet. Dädalus kam herein; er hielt eine Reisetasche in der Hand.
Seine Haare waren kurz geschoren und sein Bart schlohweiß. Er sah gebrechlich und traurig aus. Als er die Hand ausstreckte und die Stirn der Mumie berührte, wickelten sich die Fäden auseinander und sanken zum Boden der Wanne. Nichts war mehr darin; König Minos schien sich in Luft aufgelöst zu haben.
»Ein schmerzloser Tod«, sagte Dädalus nachdenklich. »Viel besser, als er es verdient hatte. Danke, meine Prinzessinnen.«
Aelia umarmte ihn. »Wir können hier nicht bleiben, Meister. Wenn unser Vater erfährt …«