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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L

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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
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Ich spürte, dass an meinem Bein etwas brannte. Die Eispfeife in meiner Tasche wurde kälter. Wenn ich jemals Hilfe gebraucht hatte, dann jetzt, aber ich zögerte. Ich traute Quintus’ Geschenk nicht.

Ehe ich mich entscheiden konnte, sagte der größte Telchine: »Wollen mal sehen, wie stark er ist. Wollen mal sehen, wie lange er braucht, um zu verbrennen.«

Er nahm eine Handvoll Lava aus der nächstgelegenen Esse. Seine Finger loderten auf, aber das schien ihm nichts auszumachen. Die anderen älteren Telchinen folgten seinem Beispiel. Der erste bewarf mich mit einer Handvoll geschmolzenen Felsens und steckte meine Hose an. Zwei weitere Ladungen trafen meine Brust. Voller Entsetzen ließ ich mein Schwert fallen und schlug auf meine Kleider ein. Feuer umgab mich. Seltsamerweise kam es mir anfangs nur warm vor, aber dann wurde es von Sekunde zu Sekunde heißer.

»Das Wesen deines Vaters beschützt dich«, sagte ein Dämon. »Macht dich schwer zu verbrennen. Aber nicht unmöglich, Jungspund. Nicht unmöglich.«

Sie bewarfen mich mit noch mehr Lava, und ich weiß noch, dass ich schrie. Mein ganzer Körper brannte. Der Schmerz war schlimmer als alles, was ich jemals verspürt hatte. Ich wurde verzehrt. Ich fiel auf den Metallboden und hörte, wie die jungen Meeresdämonen vor Begeisterung heulten.

Dann erinnerte ich mich an die Stimme der Flussnajade auf der Ranch: Das Wasser ist in mir.

Ich brauchte das Meer. Ich spürte, wie mein Inneres sich zusammenkrampfte, aber in meiner Nähe war nichts, was mir hätte helfen können. Kein Wasserhahn und kein Fluss. Nicht einmal eine versteinerte Seemuschel. Und außerdem hatte es, als ich bei den Ställen meiner Kraft freien Lauf gelassen hatte, einen entsetzlichen Moment gegeben, wo sie fast mit mir durchgegangen wäre.

Mir blieb keine Wahl. Ich rief das Meer. Ich horchte in mich hinein und erinnerte mich an die Wellen und die Strömungen, an die endlose Macht des Ozeans. Und ich ließ all dem in einem einzigen grauenhaften Schrei seinen Lauf.

Später konnte ich nie beschreiben, was dann passierte. Eine Explosion, eine Flutwelle, ein Wirbelwind, der mich hochhob und in die Lava hinunterschleuderte. Feuer und Wasser stießen zusammen, wurden zu überhitztem Dampf, und ich schoss in einer gewaltigen Explosion aus dem Herzen des Vulkans in die Luft, wie ein Stück Treibholz. Das Letzte, woran ich mich erinnere, ehe ich die Besinnung verlor, ist, dass ich flog, ich flog so hoch, dass Zeus mir niemals vergeben wird, und dann fiel ich, und Rauch und Feuer und Wasser strömten aus mir heraus. Ich war ein Komet, der der Erde entgegengeschleudert wurde.

Ich nehme Dauerurlaub

Ich erwachte mit dem Gefühl, noch immer zu brennen. Meine Haut schmerzte. Meine Kehle war wie ausgedörrt.

Über mir sah ich blauen Himmel und Bäume. Ich hörte einen Quell plätschern und roch Wacholder und Zedern und allerlei andere Pflanzen mit süßem Duft. Ich hörte auch Wellen, die sanft gegen einen felsigen Strand schlugen. Ich fragte mich, ob ich wohl tot war, aber ich wusste es besser. Ich hatte das Land der Toten gesehen, und dort gab es keinen blauen Himmel.

Ich versuchte, mich aufzusetzen. Meine Muskeln fühlten sich an, als ob sie schmolzen.

»Halt still«, sagte eine Mädchenstimme. »Du bist zu schwach, um aufzustehen.«

Sie legte mir ein kühles Tuch über die Stirn. Ein Bronzelöffel schwebte über mir und Flüssigkeit tropfte in meinen Mund. Das Getränk beruhigte meinen Hals und hinterließ einen warmen schokoladigen Nachgeschmack. Nektar der Götter. Dann tauchte über mir das Gesicht des Mädchens auf.

Sie hatte mandelförmige Augen und über einer Schulter einen karamellfarbenen Zopf. Sie war … fünfzehn? Sechzehn? Schwer zu sagen. Sie hatte so ein Gesicht, das zeitlos wirkt. Sie fing an zu singen und meine Schmerzen lösten sich auf. Sie arbeitete mit Magie. Ich spürte, wie ihre Musik in meine Haut einsank, wie sie meine Brandwunden heilte und verschwinden ließ.

»Wer?«, krächzte ich.

»Psst, Mutiger«, sagte sie. »Ruhe dich aus und werde heil. Hier kann dir nichts Böses widerfahren. Ich bin Kalypso.«

Als ich das nächste Mal erwachte, befand ich mich in einer Höhle, aber was Höhlen angeht, hatte ich schon sehr viel schlimmere erlebt. An der Decke glitzerten Kristallformationen in allen möglichen Farben – Weiß und Lila und Grün, wie diese Steinklumpen, die in Andenkenläden verkauft werden. Ich lag auf einem bequemen Bett mit Federkissen und weißen Baumwollbezügen. Die Höhle wurde durch Seidenvorhänge in mehrere Kammern unterteilt. Vor der einen Wand standen ein großer Webstuhl und eine Harfe. An der anderen gab es Regale, in denen ordentlich aufgereihte Fruchtkonserven standen. Getrocknete Kräuter hingen von der Decke: Rosmarin, Thymian und allerlei andere. Meine Mutter hätte die Namen von allen gewusst.

In die Höhlenwand war eine Feuerstätte eingelassen, und über den Flammen blubberte es in einem Topf. Es roch wunderbar, wie Rindereintopf.

Ich setzte mich auf und versuchte, den pochenden Schmerz in meinem Kopf zu ignorieren. Ich sah meine Arme an und erwartete entsetzliche Narben, aber alles sah gut aus. Ein wenig rosafarbener als sonst, aber nicht schlecht. Ich trug ein weißes Baumwoll-T-Shirt und eine weiße Hose mit Tunnelzug, die nicht mir gehörte. Meine Füße waren nackt. In einem Moment der Panik fragte ich mich, was wohl aus Springflut geworden war, aber dann griff ich in meine Tasche und da war mein Kugelschreiber – dort, wo er immer wiederauftauchte.

Nicht nur das, auch die stygische Hundepfeife steckte wieder in meiner Tasche. Auf irgendeine Weise war sie mir gefolgt. Und das fand ich nicht gerade beruhigend.

Mit Mühe stand ich auf. Der Steinboden war eisig kalt unter meinen Füßen. Ich drehte mich um und sah in einen Spiegel aus polierter Bronze.

»Heiliger Poseidon«, murmelte ich. Ich sah aus, als ob ich zwanzig Pfund abgenommen hätte, die ich nicht entbehren konnte. Meine Haare waren ein Rattennest. Sie waren an den Spitzen versengt wie der Bart des Hephaistos. Wenn ich dieses Gesicht bei jemandem sähe, der an einer Straßenkreuzung bettelt, würde ich die Autotüren verriegeln.

Ich wandte mich von dem Spiegel ab. Der Höhleneingang war auf meiner linken Seite. Draußen sah ich Tageslicht.

Die Höhle ging auf eine grüne Wiese. Links gab es eine Gruppe von Zedern, rechts einen riesigen Blumengarten. Auf der Wiese plätscherten vier Brunnen, das Wasser sprudelte jeweils aus der Flöte eines Steinsatyrs. Vor mir fiel die Wiese zu einem steinigen Ufer ab. Die Wellen eines Sees schlugen auf die Steine. Ich wusste, dass es ein See war, weil … ich wusste es eben. Süßwasser. Kein Salz. Die Sonne ließ das Wasser glitzern und der Himmel war tiefblau. Es sah paradiesisch aus, und das machte mich sofort nervös. Wenn ihr euch erst mal ein paar Jahre mit mythologischem Kram abgegeben habt, dann wisst ihr, dass Paradiese Orte sind, wo normalerweise Morde stattfinden.

Das Mädchen mit dem Karamellzopf, diese Kalypso, stand am Ufer und redete mit jemandem. Ich konnte im Glitzern des Sonnenlichts nicht sehr viel erkennen, aber ich hatte den Eindruck, dass sie sich stritten. Ich versuchte mich zu erinnern, was ich aus den alten Mythen über Kalypso wusste. Ich hatte ihren Namen schon einmal gehört, aber … ich konnte mich nicht erinnern. War sie ein Monster? Lockte sie Heroen in die Falle und brachte sie dann um? Aber wenn sie böse war, warum lebte ich dann noch?

Ich ging langsam auf sie zu, weil meine Beine noch immer steif waren. Als das Gras in Kies überging, schaute ich nach unten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, und als ich wieder aufblickte, war Kalypso allein. Sie trug ein weißes ärmelloses griechisches Gewand mit einem tiefen, mit Goldfäden umstickten Ausschnitt. Sie rieb sich die Augen, als ob sie gerade geweint hätte.

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