Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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Tyrion wandte sich an die übrigen drei Ritter der Königsgarde. »Jeder von Euch wird einen Herold eskortieren. Befehlt den Menschen, in ihre Häuser zu gehen. Jeder, den man nach Einbruch der Dunkelheit auf den Straßen antrifft, wird mit dem Tod bestraft.«
»Unser Platz ist an der Seite des Königs«, erwiderte Ser Meryn selbstgefällig.
Cersei fuhr auf wie eine Viper. »Euer Platz ist dort, wo mein Bruder Euch hinschickt«, fauchte sie. »Die Hand spricht mit der Stimme des Königs, und Ungehorsam ist Verrat.«
Boros und Meryn wechselten einen Blick. »Sollen wir unsere weißen Mäntel tragen, Euer Gnaden?«, fragte Ser Boros.
»Meinetwegen könnt Ihr nackt losziehen. Dadurch würdet Ihr den Pöbel vielleicht daran erinnern, dass Ihr eigentlich Männer seid. Nachdem der Mob beobachtet hat, wie Ihr Euch da draußen auf der Straße benommen habt, wird er das vergessen haben.«
Tyrion ließ seine Schwester toben. Sein Kopf dröhnte. Er glaubte Rauch zu riechen, doch vermutlich war das eine Sinnestäuschung. Zwei Felsenkrähen begleiteten ihn zum Turm der Hand. »Sucht Timett, Sohn des Timett.«
»Felsenkrähen laufen Brandmännern nicht hinterher«, entgegnete einer der Wildlinge hochmütig.
Einen Augenblick lang hatte Tyrion vergessen, mit wem er es zu tun hatte. »Dann sucht Shagga.«
»Shagga schläft.«
Es kostete ihn große Mühe, nicht loszubrüllen. »Weckt Ihn.«
»Shagga, Sohn des Dolf, zu wecken, ist nicht leicht«, beschwerte sich der Mann. »Sein Zorn ist entsetzlich.« Knurrend ging er davon.
Gähnend und sich kratzend traf der Stammesmann schließlich ein. »Die halbe Stadt probt den Aufstand, die andere Hälfte brennt, und Shagga schnarcht«, sagte Tyrion.
»Shagga mag Euer brackiges Wasser hier nicht, deshalb muss er Euer schwaches Bier und Euren sauren Wein trinken, und danach tut ihm der Kopf weh.«
»Shae befindet sich in einem Anwesen am Eisentor. Du wirst dorthin gehen und sie beschützen, was immer auch geschieht.«
Der riesige Mann lächelte, und seine Zähne leuchteten wie eine gelbe Gletscherspalte inmitten des Bartes. »Shagga wird sie hierherholen.«
»Du passt nur auf, dass ihr nichts zustößt. Sag ihr, ich würde kommen, sobald ich kann. Heute Nacht noch, falls möglich, aber bestimmt morgen.«
Doch am Abend herrschte immer noch Aufruhr in der Stadt, obwohl Bronn berichtete, die Brände seien gelöscht, und den größten Teil des Pöbels habe man auseinandergetrieben. So sehr sich Tyrion auch nach dem Trost von Shaes Umarmung sehnte, musste er trotzdem einsehen, dass er heute Nacht nirgendwohin gehen würde.
Ser Jaslyn Amwasser berichtete über den Aufruhr und die Verluste, während Tyrion im dämmerigen Solar einen kalten Kapaun mit braunem Brot zum Abendessen verspeiste. Das Zwielicht ging allmählich in Dunkelheit über, doch als die Diener eintraten und Kerzen sowie ein Feuer im Kamin anzünden wollten, brüllte Tyrion sie an und schickte sie hinaus. Seine Stimmung war ebenso düster wie das Zimmer, und Amwasser hatte nichts zu sagen, was ihn hätte aufheitern können.
Auf der Liste der Opfer stand der Hohe Septon ganz oben; man hatte ihn in Stücke gerissen, während er seine Götter um Hilfe anrief. Hungernde mögen keine Priester, die zu fett zum Gehen sind, dachte Tyrion.
Ser Prestons Leiche hatte man zunächst übersehen; die Goldröcke hatten nach einem Ritter in weißer Rüstung gesucht, und er war so grausam zerstückelt und verstümmelt worden, dass er von Kopf bis Fuß rotbraun war.
Ser Aron Santagar hatte man in der Gosse gefunden, und sein Kopf war nur noch roter Brei im zerbrochenen Helm gewesen.
Lady Tandas Tochter hatte ihre Unbeflecktheit einer halben Hundertschaft brüllender Kerle hinter einer Gerberwerkstatt opfern müssen. Die Goldröcke entdeckten sie, als sie nackt durch die Sauenbauchsgasse taumelte.
Tyrek wurde noch immer vermisst, ebenso die Kristallkrone des Hohen Septons. Neun Goldröcke hatten ihr Leben lassen müssen, drei Dutzend waren verwundet. Niemand hatte sich die Mühe gemacht, die Opfer unter dem Pöbel zu zählen.
»Ich will, dass man Tyrek findet, tot oder lebendig«, sagte Tyrion kurzangebunden, nachdem Amwasser geendet hatte. »Er ist noch ein halber Junge, der Sohn meines verstorbenen Onkels Tygett. Sein Vater war immer gut zu mir.«
»Wir werden ihn schon finden. Und die Krone des Septons auch.«
»Von mir aus können sich die Anderen mit der Krone des Septons vergnügen!«
»Als Ihr mich zum Hauptmann der Wache ernannt habt, habt Ihr verlangt, ich solle Euch stets offen die Wahrheit sagen. «
»Irgendwie beschleicht mich so ein Gefühl, dass mir das, was Ihr mir mitteilen wollt, nicht gefallen wird«, erwiderte Tyrion düster.
»Heute haben wir die Stadt gehalten, Mylord, aber für morgen kann ich Euch nichts versprechen. Der Kessel ist kurz vorm Überkochen. So viele Diebe und Mörder sind auf den Straßen unterwegs, dass kein Haus vor ihnen sicher ist, die blutige Ruhr breitet sich in den Suppenküchen am Pisswassergraben aus, und man bekommt weder für Kupfer noch für Silber etwas zu essen. Hörte man vorher nur leise Flüche in dunklen Gassen, so wird inzwischen in den Gildenhallen und auf den Märkten offen über Verrat gesprochen. «
»Braucht Ihr mehr Männer?«
»Ich vertraue schon der halben Truppe nicht, die ich jetzt habe. Slynt hat die Größe der Wache verdreifacht, aber es ist mehr nötig als ein goldener Rock, um einen Mann zum Soldaten zu machen. Gewiss gibt es gute und treue Kerle unter den neuen Rekruten, aber viele sind einfach nur Schläger, Säufer, Feiglinge und Verräter. Sie sind nur halb ausgebildet, kennen kaum Disziplin, und am loyalsten sind sie ihrer eigenen Haut gegenüber. Falls es zum Kampf kommt, werden sie Fersengeld geben, fürchte ich.«
»Etwas anderes habe ich auch nie von ihnen erwartet«, sagte Tyrion. »Sobald irgendwo eine Bresche in die Mauern geschlagen wird, sind wir verloren, das habe ich von Anfang an gewusst.«
»Meine Männer wurden vor allem aus dem einfachen Volk rekrutiert. Und sie gehen durch die gleichen Straßen, trinken in den gleichen Weinschenken, löffeln ihr Braunes in den gleichen Suppenküchen wie der Pöbel. Euer Eunuch muss Euch längst erzählt haben, dass die Lennisters in Königsmund nicht besonders beliebt sind. Viele erinnern sich noch daran, wie Euer Vater die Stadt geplündert hat, als Aerys ihm die Tore öffnete. Sie tuscheln, die Götter würden uns für die Sünden Eures Hauses bestrafen – für den Mord Eures Bruders an König Aerys, für das Gemetzel an Rhaegars Kindern, für die Hinrichtung von Eddard Stark und Joffreys himmelschreiende Rechtsprechung. Manche sprechen darüber, wie viel besser es unter Robert war, und das nicht etwa hinter vorgehaltener Hand, und man denkt darüber nach, ob es unter Stannis auf dem Thron nicht abermals besser werden würde. In den Suppenküchen, Weinschänken und Bordellen hört man solche Reden – und in den Kasernen und Wachräumen ebenfalls, fürchte ich.«
»Sie hassen meine Familie, wollt Ihr das sagen?«
»Ja … Und sie werden sich gegen sie wenden, sollten sie die Möglichkeit bekommen.«
»Auch gegen mich?«
»Fragt Euren Eunuchen.«
»Ich frage Euch.«
Amwassers tief liegende Augen begegneten dem Blick der ungleichen Augen des Zwergs und blinzelten nicht. »Euch hassen sie am meisten, Mylord.«
»Am meisten?« Diese Ungerechtigkeit drückte ihm fast die Kehle zu. »Joffrey hat ihnen gesagt, sie sollten ihre Toten fressen, nachdem er den Hund auf sie gehetzt hat. Wie können sie mir die Schuld dafür geben?«
»Seine Gnaden sind noch ein Knabe. Auf den Straßen heißt es, er habe böse Berater. Die Königin war nie als Freund des einfachen Volkes bekannt, und Lord Varys wird auch nicht aus Liebe die Spinne genannt … aber vor allem Euch beschuldigen sie. Eure Schwester und der Eunuch waren schon zu der Zeit da, als es unter König Robert noch besser war, Ihr hingegen nicht. Sie sagen, Ihr habt die Stadt mit arroganten Söldnern und ungewaschenen Wilden gefüllt, mit brutalen Kerlen, die sich nehmen, was sie wollen, und nur ihren eigenen Gesetzen folgen. Dazu wird behauptet, Ihr hättet Janos Slynt nur deshalb verbannt, weil er zu schlau und ehrlich für Euren Geschmack war. Und den weisen und sanftmütigen Pycelle hättet Ihr in den Kerker geworfen, weil er es wagte, die Stimme gegen Euch zu erheben. Manche sagen sogar, Ihr wolltet den Eisernen Thron für Euch selbst beanspruchen.«