El Silbador
- Автор: Guben Berndt
- Серия: der pfeifer #1
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
Als der Kapitän sah, daß sich niemand dagegen empörte, schloß er sich offen der Meinung seines Ersten an.
»Nehmt die Fregatte ins Schlepp, Leute. Wir takeln sie in Codrington neu auf und verkaufen sie an Washington. Das gibt ein schönes Stück Geld für uns alle.« Die Korsaren gingen auseinander.
Guillermo machte ein finsteres Gesicht. Als sie außer Hörweite des Schiffsgewaltigen waren, fragte ihn ein Kamerad:»Was ist dir über die Leber gelaufen, Guillermo? Du machst ein Gesicht, als wären wir besiegt worden!« Der Gefragte stieß zornig die Faust in die Luft.
»Weshalb mußte sich dieser verdammte Aleman in unser Geschäft mischen? Die Soldaten haben sicher ein paar Piaster bei sich. Wer die meisten umgelegt hätte, hätte bestimmt einen Beutel voll Geld für den Landaufenthalt in Codrington gehabt!« Der andere wurde nachdenklich.
»Du hast recht. Von dieser Seite habe ich die Sache noch gar nicht betrachtet. Nach Freibeuterrecht steht uns Eigentum und Leben der Besiegten zu. Wir werden das Flibustiergericht auf Barbuda anrufen, damit uns der Kapitän den Schaden ersetzt.« »Diablo«, zischte Guillermo, »ich glaube fast, daß es wahr ist, was der Arztgehilfe von diesem deutschen Doktor erzählt. Du weißt, er soll in den Pyrenäen gar einen Pfarrer behext haben. Warum sollte ihm das nicht auch bei dem Capitan und dem Ersten gelingen?« »Komm, gehen wir hinüber auf die »Trueno« und sprechen mit dem Arztgehilfen. Vielleicht kann der für eine Weile die Zauberkraft von dem Doktor nehmen, damit uns der Kapitän unsere Chance gibt.«
Die hessischen Soldaten wurden in den Kielraum der »Trueno« gepfercht. Aber Michel protestierte nicht dagegen, da sie ja sowieso in Kürze den Hafen anlaufen würden. Dann konnten auch sie wieder frische Luft atmen.
Zunächst hatte Michel alle Hände voll zu tun. Die Piraten hatten Wunden davongetragen, schwerere und leichtere. Der Schiffsarzt wickelte Bandagen um zerschundene Glieder. Die ganz leichten Fälle behandelte Marina, die sich in der Nebenkoje eingerichtet hatte, selbständig. Anfangs ging Michel von Zeit zu Zeit nach dem Rechten sehen.
Später, als die Leute verpflastert und versorgt waren, nahm er ein Tuch und schlug mehrere Bandagen und blutstillende Mittel darin ein, um auch die gefangenen Hessen zu behandeln. Einige der Spanier, die ihn in der Luke, die zum Kielraum hinunterführte, verschwinden sahen, machten ihre Glossen darüber und schüttelten verwundert die Köpfe. Wie hätten sie auch einen Menschen mit humaner Auffassung verstehen können?
Ein fürchterlicher Gestank und lautes Stöhnen schlug dem Arzt entgegen, als er die Leiter hinunterstieg. Zorn kam in ihm hoch. Er nahm sich vor, beim Kapitän ein Wort für die Gefangenen einzulegen.
Ein paar Kerzen brannten trübe.
»Ist jemand verwundet hier unten?« fragte er.
Zwei, drei Stimmen antworteten.
»Wer Hilfe braucht, muß sich schon zu mir bemühen. Ich kann nicht zu jedem einzeln hinkommen.«
Ganz in der Nähe fluchte ein Soldat.
»Mach, das du rauskommst, verdammter Seeräuber! Wir pfeifen auf deine Hilfe.« Michel lachte trocken auf.
»Ohne die wärt ihr längst ein Fraß für die Haie geworden, ihr dickköpfigen Hessen.« Eine andere Stimme kam aus der gegenüberliegenden Ecke.»Wer seid Ihr eigentlich, Herr Medicus? Wie kommt Ihr auf dieses Schiff?«
Michel horchte verwundert auf. Diese Stimme weckte ganz verschwommene Erinnerungen in ihm. Er mußte sie schon einmal irgendwo gehört haben.
»Wer seid Ihr?« stellte er die Gegenfrage. »Wenn hier einer das Recht hat, eine Antwort zu verlangen, dann bin ich es, verstanden?« Mit Absicht gab sich Michel sehr energisch. Er kannte den Kasernenhofton aus eigener Erfahrung und wußte, daß man damit am weitesten kam. Die Antwort erscholl in näselndem Tonfall.
»Ihr scheint mir zwar ein unverschämter Patron zu sein; aber ich sehe ein, daß hier nur das Recht des Stärkeren entscheidet. Ich bin der Rittmeister dieser Leute hier. Wir sind die dritte Schwadron des landgräflich hessischen Reiterregiments.«
»Ah«, meinte Michel belustigt, »ich wußte gar nicht, daß Landgraf Friedrich über Reiterregimenter verfügt. Seit wann existiert eine solche Abteilung? Ihr seht mir eher aus wie Musketiere. Sonst hättet ihr euch mit den Kavalleriesäbeln besser gegen unsere Leute verteidigt.«
»Äh — äh«, machte der Rittmeister. »Ich glaube, wir sind Euch keine Rechenschaft darüber schuldig, was wir darstellen. Ganz abgesehen davon — äh — kommt mir Eure Stimme irgendwie bekannt vor.« »Das geht mir mit der Eurigen ähnlich. Wie ist Euer Name, bitte?« »Rittmeister von Eberstein, Herr Schiffsmedicus.«
Michel wechselte die Farbe. Glücklicherweise war es hier so dunkel, daß niemand seine Blässe bemerken konnte. Es dauerte geraume Zeit, bis er sich wieder gefaßt hatte. »Rudolf Graf von Eberstein?« fragte er unsicher.
»Ganz recht«, kam die verwunderte Antwort aus dem Dunkel. »Kennt Ihr mich?«
»Nicht als Rittmeister, aber als Leutnant der landgräflichen Musketiere in Kassel«, antwortete
Michel mit gepreßter Stimme.
»Stimmt, das war ich vorher. Vor kurzem bin ich befördert worden; aus meiner Kompanie wurde eine Schwadron gebildet, wodurch wir in den Augen der Engländer höher bewertet wurden«, drückte sich der Graf vorsichtig aus. Er wollte nicht direkt sagen, daß man Kavalleristen aus ihnen gemacht hatte, damit der Hof für jeden Reiter zehn Taler Miete kassieren konnte anstatt sieben.
»Eigenartig, Herr Rittmeister«, sagte Michel. »Wie kommt Ihr hierher? Seit wann werden die Offiziere ebenfalls verschachert?«
»Äh — äh«, druckste der Graf herum, »möchte mich darüber nicht näher auslassen. Hatte kleine Offiziershändel. Unangenehme Sache. Kann passieren, sowas.« »Also strafversetzt«, konstatierte Michel.
»Wollt Ihr mir nicht sagen, woher Ihr mich kennt, Herr Doktor?« fragte Eberstein jetzt höflicher. Michel gab sich einen Ruck.
»Gern Herr Rittmeister. — Ihr wart einmal für kurze Zeit mein Vorgesetzter — bis ich mich selbst von Euch befreite.«
Schweigen. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. »Baum — Musketier Baum!« schrie der Graf plötzlich in die Stille.
»Vergeßt nicht, Herr Rittmeister, wenn schon Musketier, dann Musketier Doktor Baum.«»Ja, ja natürlich — äh — ich vergaß —«
»Nichts für ungut, Herr Rittmeister. Ich werde sehen, was ich für Euch tun kann. Seid Ihr verwundet?«
»Nicht der Rede wert. Äh — äh — nur kleine Schramme am linken Arm. Wie gesagt, nicht der Rede wert.«
»Ich werde Euch trotzdem verbinden. Kommt her.«