El Silbador
- Автор: Guben Berndt
- Серия: der pfeifer #1
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
»Bringt die beiden weg«, befahl sie den Wachen. »Adios amado mio«, winkte sie Michel spöttisch nach.
»Ich hätte nie für möglich gehalten, daß Frauen so klug sein können, Senorita«, versuchte Escamillo ihrerEitelkeit zu schmeicheln. »Die Genialität, mit der Ihr das Schiff in Eure Hände gebracht habt, ringt mir höchste Bewunderung ab.«
»Pah«, lächelte Marina, »wartet noch ein Weilchen. Dann werdet Ihr mich richtig kennenlernen. Eins möchte ich Euch gleich hier an Ort und Stelle sagen — auch Euch, Senor Virgen«, bemerkte sie zu dem Steuermann hin, »ich dulde keinen Widerspruch, auch nicht von Seiten meiner Offiziere. Was ich mir erobert habe, das lasse ich mir so leicht nicht wieder abjagen. Merkt Euch das, Senores, und spinnt keine Hintergedanken in meinem Rücken, sonst hängt Ihr noch eher als die Alemanes da unten im Kielraum. Ihr könnt jetzt gehen. Ich brauche Euch nicht mehr.«
Escamillo machte ein langes Gesicht. Er hatte bereits gute Zeiten für sich selbst kommen sehen.
»Valgame Dios«, meinte er zu Virgen, als sich die Gräfin entfernt hatte. »Da scheinen wir uns ja was Schönes aufgehängt zu haben. Ich denke nicht daran, mir auf die Dauer von einem raffinierten Frauenzimmer Befehle erteilen zu lassen.«
Pedro Virgen drückte ängstlich den Zeigefinger auf die Lippen.
»Nicht so laut, Escamillo, bedenkt, wenn man Euch hört!«
Escamillo dämpfte seine Stimme zum Flüsterton.
»Sobald wir an Land sind, suchen wir das Freibeutergericht auf. Wir müssen es erreichen, daß Porquez sein Schiff wiederbekommt, unter der Bedingung, daß er den Doktor und Jardin nicht mehr aufnimmt. Das Weib muß so bald wie möglich in der Versenkung verschwinden. So eine verfluchte Hexe! Möchte wissen, wie sie an Bord kommen konnte.«
»Kann mir denken, daß sie dem Alten eine reiche Entlohnung für die Passage gegeben hat. Wahrscheinlich ist sie so ein Früchtchen, das sich auf der Iberia nicht mehr sehen lassen darf. Möchte darauf schwören, daß der Doktor lediglich auf das Schiff gekommen ist, um sie zu beobachten. — Was denkt Ihr, Escamillo, wer den Garcia umgebracht hat?«
»Sie natürlich, wer sonst? Aber was geht das uns an?«
»Nichts, gar nichts«, beeilte sich Virgen zuzustimmen.
Marina ging in die Kombüse.
»Gebt Wein an die Leute aus, Koch, und sorgt dafür, daß die Rationen von jetzt ab erhöht werden. Wenn die Schiffskasse nicht ausreicht, so schieße ich das Geld aus meiner Tasche zu.« Der Koch, ein alter Gauner, aber ein Meister in seinem Fach, machte eine tiefe Verbeugung. »Naturalmente, Senorita Capitan, maravilloso! Ich werde den Männern sagen, wie gut es ist, wenn man einen Capitan hat, der auch etwas von den Genüssen des Lucullus versteht.« »Oh«, meinte Marina, »Ihr braucht den Leuten nicht zu sagen, daß ich diese Anweisung gegeben habe, sonst glauben sie, ich will mich bei ihnen einschmeicheln. Das habe ich nicht nötig.« »Naturalmente, Senorita, ich werde stumm sein wie ein Grab«, plusterte sich der Koch auf. Man sah aber seinen Augen an, daß er es kaum erwarten konnte, den Mannschaften die frohe Kunde zu bringen.Es war auch nicht viel mehr als eine Viertelstunde vergangen, als die Korsaren nach ihrer Kapitänin schrien. Minutenlang ließen sie die Gräfin hochleben, die die Gelegenheit benutzte, um sich gleich nach Piratenart Treue schwören zu lassen.
»Von nun an, Jungs«, rief sie, »gehört das Schiff euch. Ihr steht nicht mehr in Heuer, sondern erhaltet von jeder Beute gleichen Anteil. Wir werden den Kaperbrief verbrennen und auf eigene Faust unsere Kämpfe ausführen. Von heute an gilt nur noch das Piratenrecht. Ich hoffe, ihr seid einverstanden.«
Ein johlendes Gebrüll folgte diesen Worten.
Marina hielt plötzlich eine goldumstickte, schwarze Samtflagge in der Hand, auf der zwei Hände abgebildet waren. Die eine packte gerade ein Schiff und die andere streichelte einen Frauenkopf. »Das ist unsere neue Flagge: Liebe auf dem Land und Beute zur See. Wie gefällt sie euch?« »Bien! — Bravo! — Diantre! — Oh! — Oh!« kamen die Beifallsrufe der Leute. Als die Stimmung weiter fortgeschritten war, rief Marina plötzlich den Namen Guillermo. Sie hatte zu Beginn der Meuterei genau aufgepaßt, wer den Anlaß durch seine Unzufriedenheit dazu gegeben hatte. Unzufriedene waren immer unzufrieden. Man mußte also vorbeugen. Es gab zwei Möglichkeiten: entweder man hängte sie auf, oder man machte sie zufrieden. Marina war klug genug, um sich für das letztere zu entscheiden. Als Guillermo vortrat, reichte sie ihm die Hand.
»Ich habe gehört, daß du ein tapferer Mann bist, und bitte dich, zu mir in die Kabine zu kommen.«
Als Guillermo später bei ihr war, schritt sie erst zur Tür, um sich zu vergewissern, daß niemand horchte.
»Hör zu, amigo, ich habe für dich einen besonderen Auftrag. Willst du ihn annehmen?« Der Pirat nickte eifrig.
»Gut denn, ich will dich in mein Vertrauen ziehen. Hör zu, ich traue weder dem Steuermann noch dem Zweiten Offizier. Ich weiß, daß es diesen beiden nicht recht ist, mich als Capitan über sich zu haben. Du wirst von heute an deinen Dienst an Deck quittieren und mein persönlicher Beschützer werden. Beobachte diese beiden Caballeros und melde mir, wenn du etwas Verdächtiges bei ihnen bemerkst. Ferner paßt du auf, daß man nicht gegen mich intrigiert. Es könnten auch unter der Mannschaft noch Leute sein, die der Silbador behext hat. Jedenfalls lege ich mein Schicksal in deine tapferen Hände.« Sie stand auf und gab ihm einen zärtlichen Kuß auf die Wange.
»Willst du das für mich tun?«
Guillermo sank auf die Knie und schwor jeden Eid. Er hätte sich für die schöne Kapitänin vierteilen lassen.
Marina wußte, wie man Unzufriedenheit in Opferbereitschaft verwandelt.
Michel stolperte vorwärts und stieß mit dem Kopf gegen die Wand des engen Schiffskarzers. Eberstein fiel über ein Paar Beine auf der Erde. Es war so dunkel in diesem Loch, daß man nicht die Hand vor den Augen sehen konnte.
»Hola«, sagte eine Stimme, »wir kriegen Gesellschaft, Capitan. Ich nehme an, daß einer von den beiden Caballeros Senor Baum ist.«
»Ihr habt Euch nicht geirrt, Jardin. Ich bin es. Könnt Ihr mir erklären, wie diese verteufelte Situation zustande gekommen ist?«
»Und ob ich das kann, amigo! Das Weibsstück hat das ganze Schiff aufgewiegelt.« Er berichtete der Reihe nach, wie sich alles zugetragen hatte.
»So verdankt Ihr dieses Unglück nicht zuletzt mir, Senores«, sagte Michel, »und das tut mir aufrichtig leid. Was werden sie mit uns machen?« Der Kapitän schaltete sich ein. »Sie werden in Codrington ein Piratengericht zusammenrufen und behaupten, daß wir ihnen verboten hätten, die Feinde zu töten, und somit das Schiff gefährdet worden sei. Oder sie werden sagen, daß wir ihnen die Beute nicht gegönnt hätten. Mit dem Unsinn von der Zauberei können sie dem alten Seerichter nicht kommen. Er würde sie auslachen. Man wird ihn übrigens bestechen, so daß wir in jedem Fall Unrecht bekommen. Mag sein, daß sie uns selber laufen lassen; aber mein Schiff bin ich los. Und Ihr bekommt nirgends mehr eine Heuer.« »Schöne Aussichten«, brummte Jardin. »Wie konntet Ihr nur ein Weib an Bord nehmen? Es ist eine alte Weisheit, daß Frauen auf dem Wasser Unglück bringen.«