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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Ingrey hatte mit weiteren Fragen zu Hallana gerechnet und zögerte, breitete dann aber seine Erinnerungen aus. Nachdem er sie jahrelang verborgen gehalten hatte, wiederholte er sie nun schon ein drittes Mal innerhalb einer Woche. Die Geschichte schien mit jedem Erzählen flüssiger zu werden, als würde der Bericht allmählich die tatsächlichen Geschehnisse verdrängen, selbst in seinem eigenen Gedächtnis.

Wenzel hörte stirnrunzelnd zu. »Euer Wolf war anders als der Eures Vaters«, stellte er fest, als Ingrey schließlich zum Ende kam und das Chaos wölfischer Gefühle während seines wochenlangen Deliriums beschrieben hatte, so gut er konnte.

»Nun, zum einen war er nicht krank, zumindest nicht … nicht auf dieselbe Weise. Ich habe mich gefragt, ob Tiere wohl die Fallsucht bekommen können oder eine andere Geisteskrankheit.«

»Wie ist der Jäger Eures Vaters an dieses Tier gekommen?«

»Ich weiß es nicht. Er war schon tot, bevor ich mich so weit erholt hatte, dass ich Fragen stellen konnte.«

»Ach. Ich habe nämlich gehört«, eine leichte Betonung lag auf diesem letzten Wort, gefolgt von einer deutlichen Pause, »dass es nicht der Wolf war, den man eigentlich für Euch bestimmt hatte. Dass der tollwütige Wolf einen Tag vor dem Ritual seinen Rudelgefährten totgebissen hatte. Und dass man den neuen Wolf in jener Nacht vor dem Käfig des kranken Tieres aufgefunden hatte.«

»Dann habt Ihr mehr gehört, als man mir erzählt hat. Aber es wäre möglich, nehme ich an.«

»Hat Eure Mutter Euch etwas über Euren Hengst erzählt?«, warf Ingrey ein. »An dem Morgen, als Ihr verändert aufgewacht seid.«

»Nein. An diesem Morgen ist sie gestorben.«

»Aber doch nicht an Tollwut!«

»Nein. Und doch mache ich mir seither so meine Gedanken. Sie starb bei einem Sturz vom Pferd.«

Ingrey schürzte die Lippen. Ijada blickte überrascht.

»Das Tier fand bei dem Unfall ebenfalls den Tod«, fügte Wenzel hinzu. »Hat sich ein Bein gebrochen. Der Stallknecht schnitt ihm die Kehle durch … so sagt man. Als ich viel später Gelegenheit bekam, darüber nachzudenken, war sie schon lange Zeit begraben. Ich habe lange an ihrem Grab gesessen, aber dort ist nichts zu spüren. Keine Geister, keine Antworten. Ihr Tod war sehr schmerzlich für mich — nur vier Monate nach dem meines Vaters. Die Übereinstimmung zu Eurem Fall ist mir durchaus nicht entgangen, Ingrey. Aber wenn Bruder und Schwester Wolfengrund einen Plan ausgeheckt haben, eine gemeinsame Absicht verfolgten, hat niemand mir sie anvertraut.«

»Vielleicht war es ein Wettstreit«, warf Ijada nachdenklich ein und blickte zwischen den beiden anderen hin und her. »Wie zwei verfeindete Festungen, eine auf jeder Seite der Lure. Die ihre Mauern verstärken.«

Wenzel öffnete die Hand in einer Geste, die bekundete, dass er dies für möglich hielt. Seine gerunzelte Stirn verriet allerdings, dass er sich mit diesem Gedanken nicht so einfach anfreunden konnte.

»In all dieser Zeit müsst Ihr doch Theorien entwickelt haben, Wenzel«, sagte Ingrey.

Wenzel zuckte die Achseln. »Mutmaßungen, Annahmen, Hirngespinste wohl eher. Meine Nächte waren erfüllt davon, bis ich dieser Gedanken über die Maßen müde war.«

Ingrey schob das letzte Stück Kloß auf dem Teller umher; dann meinte er leise: »Weshalb seid Ihr dann nicht früher an mich herangetreten?«

»Ihr wart in Darthaca. In dauerhaftem Exil, so weit ich wusste. Dann verlor Eure Familie Euch gänzlich aus den Augen. Ihr hättet ebenso gut tot sein können — jedenfalls wusste niemand etwas anderes.«

»Aber was war später? Nach meiner Rückkehr?«

»Es schien, als hättet Ihr unter Hetwars Schutz einen sicheren Platz gefunden. Gewiss wart Ihr mit Eurem Dispens besser behütet als ich mit meinen Geheimnissen. Ich habe Euch darum beneidet. Hättet Ihr es mir gedankt, wenn ich wieder Unordnung und Zweifel in Euer Leben gebracht hätte?«

»Wahrscheinlich nicht«, räumte Ingrey widerstrebend ein.

Ein hartes Klopfen erklang von der schweren Zimmertür her. Ijada zuckte zusammen, doch Wenzel rief einfach nur: »Herein!«

Wenzels Schreiber schob den Kopf durch die Tür und murmelte entschuldigend: »Die Botschaft, auf die Ihr gewartet habt, ist eingetroffen, Herr.«

»Ah, gut. Danke.« Wenzel schob sich vom Tisch zurück und erhob sich. »Entschuldigt mich einen Moment. Esst ruhig weiter.« Er wies auf die Schüsseln.

Sobald Wenzel draußen war, eilten zwei Diener herein. Sie räumten benutztes Geschirr ab, trugen neue Gänge auf und füllten Wein und Wasser nach. Dann zogen sie sich mit ebenso stummen Verbeugungen wieder zurück. Ingrey und Ijada blieben allein und sahen einander an. Einige zaghafte Erkundungen der abgedeckten Schüsseln brachten Leckerbissen, Obst und Süßigkeiten zum Vorschein. Ijadas Gesicht hellte sich auf. Sie reichten sich gegenseitig die vielversprechendsten Bissen an.

Ingrey blickte zu der geschlossenen Tür. »Glaubt Ihr, Prinzessin Fara weiß von Wenzels Tier?«, fragte er.

Ijada musterte ein Stück mit Honig gesüßtes Marzipan und aß es, ehe sie antwortete. Ihr nachdenklicher Blick galt nicht dem Essen, wie Ingrey befand. »Es würde einiges erklären, was ich an den beiden nicht verstanden habe. Ihre Beziehung kam mir seltsam vor, obwohl ich nicht unbedingt erwartet hatte, dass so eine hochgeborene Ehe der meiner Mutter gleicht … den beiden Ehen meiner Mutter. Auch wenn er nicht sonderlich hübsch ist, glaube ich, dass Fara wollte, dass Wenzel sich in sie verliebt. Und dass er es ein wenig galanter zeigt, als er es getan hat.«

»War er nicht galant?«

»Oh, er war stets höflich, so weit ich es mitbekommen habe. Kühl und förmlich. Ich habe nie verstanden, weshalb sie in seiner Gegenwart immer ein wenig ängstlich wirkte, denn er hat nie die Hand gegen sie erhoben oder auch nur die Stimme. Aber wenn sie Angst um ihn hatte und nicht vor ihm, zumindest nicht nur vor ihm, ist das vielleicht die Erklärung.«

»Und hat er sich in sie verliebt?«

Sie blickte noch nachdenklicher drein. »Schwer zu sagen. Er war sehr oft in düsterer Stimmung, abwesend und schweigsam, tagelang, wie es schien. Aber wenn Besucher auf Burg Rossfluten weilten, konnte er sich zusammennehmen, und es gab viele geistreiche Gespräche — er ist wirklich sehr gebildet. Trotzdem hat er hier an einem Abend mit dir mehr gesprochen, als ich ihn jemals während irgendeiner Mahlzeit mit seiner Frau reden hörte. Andererseits … faszinierst du ihn auf eine Weise, wie sie es nicht konnte.« Ihre Augen ruhten kurz auf ihm, dann blickte sie wieder beiseite. Er wusste, dass sie ihre innere Wahrnehmung erprobte.

Ich ebenfalls, erkannte Ingrey. »Ihm bleibt nur wenig Zeit, dafür zu sorgen, dass diese neuen Verwicklungen nicht seine eigene Sicherheit gefährden. Das erklärt vielleicht, weshalb er so drängt. Und das tut er — meinst du nicht auch?« Ingrey zumindest fühlte sich bedrängt.

»O ja.« Sie überlegte kurz. »Obwohl es natürlich sein kann, dass da einfach etwas aus ihm hervorbricht, was allzu lange unterdrückt werden musste. Denn mit wem konnte er schon darüber reden, vor uns? Er ist besorgt, ja, aber außerdem … ich weiß es nicht. Aufgeregt? Nein, etwas schwerer Greifbares. Froh ist sicher nicht der richtige Ausdruck.« Sie verzog den Mund.

»Schwer vorstellbar«, stellte Ingrey trocken fest.

Die Tür öffnete sich, und Ingrey fuhr herum. Es war Wenzel. Mit einer entschuldigenden Geste nahm er wieder Platz.

»Nun? Habt Ihr Eure Angelegenheiten geregelt?«, erkundigte Ijada sich höflich.

»Gut genug. Wenn ich es Euch bisher noch nicht gesagt habe, Ingrey, so möchte ich Euch zu Eurer zügigen Reise gratulieren. Es sieht nicht so aus, als ob ich dem nacheifern könnte — sehr zu meinem Bedauern. Am besten schicke ich Euch mit Lady Ijada morgen voraus. Ihre Gegenwart in diesem Leichenzug, der bald zu einer regelrechten Prozession werden wird, ist gewissermaßen … hm, unpassend. Und den ganzen Weg nach Ostheim im Paradeschritt, du meine Güte!«

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