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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Ich weiß.«

«Du hast eine schmutzige Phantasie. «Er legte die Zeitung zusammen.»Hier schreiben sie, daß Patronenhülsen und die

Blutspuren untersucht werden. «Borowski blickte auf.»Dann werden da noch Kleiderreste erwähnt.«

«Ist das ein Problem?«

«Für mich nicht. Ich habe meine Sachen in Marseille von der Stange gekauft. Wie steht es mit deinem Kleid? Hast du es anfertigen lassen oder im Laden gekauft?«

«Jetzt machst du mich verlegen. Alle meine Kleider werden von einer Frau in Ottawa geschneidert.«

«Dann kann man also den Hersteller und den Ort nicht feststellen.«

«Ich wüßte nicht, wie. Die Seide stammt von einem Ballen, den ein Beamter unserer Abteilung aus Hongkong einmal mitgebracht hat.«

«Hast du in den Geschäften im Hotel irgend etwas gekauft, das du vielleicht an dir hattest? Ein Halstuch vielleicht?«

«Nein. Ich mache selten solche Einkäufe.«

«Gut. Und man hat deiner Freundin keine Fragen gestellt, als sie auszog?«

«Nicht an der Rezeption, das habe ich dir bereits gesagt. Nur die zwei Männer, die du mit mir im Lift gesehen hast, haben sie angesprochen.«

«Die Männer von der französischen und der belgischen Delegation?«

«Ja. Alles lief bestens.«

«Wir wollen lieber noch einmal überlegen.«

«Da gibt es nichts zu überlegen. Paul — das war der aus Brüssel — hat nichts gesehen. Er wurde von seinem Stuhl zu Boden gestoßen und blieb dort liegen. Claude — er versuchte uns aufzuhalten, erinnerst du dich? — dachte zuerst, ich wäre das auf der Bühne im Scheinwerferlicht gewesen; aber ehe er zur Polizei gehen konnte, hatte er sich in dem Gedränge verletzt und wurde zu einem Arzt gebracht.«

«Und bis er etwas hätte sagen können«, unterbrach Jason sie,»war er nicht mehr sicher.«

«Ja. Aber ich habe so das Gefühl, daß er erkannt hat, weshalb ich bei der Konferenz zugegen war; meine Anwesenheit konnte ihn eigentlich nicht täuschen. Und wenn das so war, so hat ihn das sicherlich in seiner Entscheidung bestärkt, sich herauszuhalten.«

Borowski griff nach seiner Tasse.

«Laß mich das noch einmal wiederholen«, sagte er.»Du warst in Zürich, um… «

«Nun ja, eher Andeutungen solcher Bündnisse. Niemand wird sich hinstellen und offen eingestehen, daß es potente Finanzkreise in seinem Land gibt, die sich den Zugang zu den kanadischen Rohstoffen oder irgendwelchen anderen Märkten erkaufen wollen. Aber man sieht, wer mit wem in der Bar sitzt, wer mit wem zu Abend ißt. Manchmal hilft einem auch der pure Zufall, wenn zum Beispiel ein Delegierter aus, sagen wir, Rom — von dem man weiß, daß der Fiat-Chef Agnelli ihn bezahlt — auf einen zukommt und fragt, wie ernst es Ottawa mit seinen Deklarationsgesetzen nimmt.«

«Ich glaube, das verstehe ich noch nicht ganz.«

«Du solltest das eigentlich. Dein eigenes Land ist in diesem Punkt sehr empfindlich. Wer besetzt was? Wie viele amerikanische Banken werden von OPEC-Geldern kontrolliert? Wie groß ist der Anteil der Industrie, der sich im Besitz europäischer und japanischer Konsortien befindet? In Kanada sind Hunderttausende von Hektar Land mit Kapital erworben worden, das aus England, Italien und Frankreich abgezogen worden ist. Darüber machen wir uns große Sorgen.«

«Tun wir das?«

Marie lachte.»Natürlich. Nichts macht einen Menschen patriotischer als die Vorstellung, daß sein Land sich im Besitze von Ausländern befindet. Er kann sich nach einiger Zeit daran gewöhnen, einen Krieg verloren zu haben — das bedeutet nur, daß der Feind stärker war —, aber die eigene Wirtschaft zu verlieren, bedeutet, daß der Feind klüger war.«

«Du hast viel über diese Dinge nachgedacht, nicht wahr?«

Einen kurzen Augenblick lang blickten Maries Augen ernst, und dann antwortete sie mit fester Stimme:»Ja, das habe ich. Ich glaube, diese Dinge sind wichtig.«

«Hast du in Zürich etwas erfahren können?«

«Nichts Aufregendes«, sagte sie.»Geld kursiert überall. Mächtige Finanzgruppen suchen ständig nach neuen Anlagemöglichkeiten.«

«In dem Telegramm von Peter stand, deine Tagesberichte wären ausgezeichnet. Was meinte er damit?«

«Ich habe in Zürich gewisse Personen kennengelernt, von denen ich annehme, daß sie Kanadier als Strohmänner benutzen, um kanadischen Besitz aufzukaufen. Ich versuche nicht, dir etwas vorzuenthalten, ich glaube nur, daß die Namen dir nichts sagen werden.«

«Ich versuche nicht, mich in etwas einzumischen, was mich nichts angeht«, entgegnete Jason,»aber ich glaube, du siehst in mir ebenfalls einen Mann, der womöglich in seiner Vergangenheit einen einflußreichen Posten irgendwo in der Wirtschaft gehabt hat.«

«Ich schließe das nicht aus. Du könntest für ein Unternehmen gearbeitet haben, das alle möglichen illegalen Kaufmöglichkeiten sucht. Ich könnte das unauffällig überprüfen lassen, aber ich möchte das telefonisch veranlassen, nicht per Telegramm.«

«Jetzt werde ich neugierig. Was meinst du genau?«

«Sollte es in irgendeinem multinationalen Konzern eine Gesellschaft mit dem Namen Treadstone Seventy-One geben, werde ich Mittel und Wege finden, um herauszubekommen, um welche Firma es sich handelt. Ich möchte Peter von einer öffentlichen Telefonzelle in Paris anrufen. Ich werde ihm sagen, daß ich in Zürich auf den Namen Treadstone Seventy-One gestoßen bin, und ihn bitten, eine vertrauliche

Untersuchung durchzuführen.«

«Und wenn er etwas findet?«

«Wenn tatsächlich eine Firma Treadstone Seventy-One existiert, wird er Näheres über sie erfahren.«

«Dann nehme ich mit den autorisierten Direktoren< Verbindung auf.«

«Sehr vorsichtig«, fügte Marie hinzu.»Über Mittelsmänner. Über mich, wenn du willst.«

«Warum nicht direkt?«

«Sie — wer auch immer das sein mag — haben fast sechs Monate lang nicht versucht, dich zu erreichen.«

«Das weißt du noch nicht; ich ebensowenig.«

«Die Bank weiß es. Millionen von Dollar liegen unangetastet auf dem Konto, ohne daß jemand sich darum kümmert, und niemand hat sich die Mühe gemacht, die Gründe dafür herauszufinden. Das ist es, was ich nicht verstehen kann. Es ist gerade so, als hätte man dich aufgegeben. Dort ist vielleicht der Fehler begangen worden.«

Borowski lehnte sich im Sessel zurück. Als er auf seine bandagierte linke Hand blickte, fiel ihm die Waffe ein, die ein paarmal hintereinander in einem dahinrasenden Wagen in der Steppdeckstraße auf die Hand niedergesaust war.

«Vielleicht denken die Direktoren von Treadstone«, überlegte Marie weiter,»daß du sie in illegale Transaktionen hineingezogen hast — mit kriminellen Elementen —, die sie

Millionen mehr kosten können und womöglich die Enteignung ganzer Firmen zur Folge haben. Oder sie vermuten, daß du dich einem internationalen Verbrechersyndikat angeschlossen hast, vielleicht ohne es zu wissen. Alles ist möglich. Das würde erklären, warum sie so lange nicht an die Bank herangetreten sind. Sie möchten nicht zu Mitschuldigen gemacht werden.«

«Ich stehe also — egal, was dein Freund Peter in Erfahrung bringt — immer noch am Anfang. Tatsache ist, daß man mich töten will und ich weiß nicht, weshalb. Andere könnten sie daran hindern, aber das werden sie nicht tun. Der Mann im >Drei Alpenhäuser< hat gesagt, Interpol würde nach mir fahnden. Sollte man mich fassen und vor Gericht stellen, wäre ich schuldig im Sinne der Anklage, obwohl ich nicht weiß, wessen ich schuldig bin. Daß ich mich nicht erinnern kann, taugt als Verteidigung nicht viel.«

«Ich weigere mich, mir so etwas vorzustellen, und das mußt du auch.«

«Danke.«

«Ich meine das ernst, Jason. Hör auf!«

Hör auf — wie oft sage ich mir das? Du bist meine Liebe, die einzige Frau, die ich je gekannt habe, und du glaubst an mich. Warum kann ich nicht an mich glauben?

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