Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Moiraine ritt ihm ohne einen Moment des Zögerns nach, und Egwene hielt sich an der Seite der Aes Sedai. Rand und der Gaukler kamen zum Schluß, nach Mat und Perrin.
Die Rückseite der Schenke war dunkel und still, und der Mond warf Schatten in den Stallhof. Das sanfte Klappern der Hufe verflog schnell und wurde von der Nacht verschluckt. In der Dunkelheit machte der Umhang den Behüter gleichermaßen zum Schatten. Nur die Notwendigkeit, sich von ihm führen zu lassen, hielt die anderen davon ab, sich ängstlich um ihn zu scharen. Aus dem Dorf herauszukommen, ohne gesehen zu werden, war keine leichte Aufgabe. Das wurde Rand klar, als sie sich dem Tor näherten. Zumindest sollten sie von den Dorfbewohnern nicht gesehen werden. Hinter vielen Fenstern im Dorf glimmten blasse gelbe Lichter, und obwohl diese Lichter in der Nacht sehr klein wirkten, sah man häufig Schatten sich bewegen, die Schatten von Dorfbewohnern, die hinausblickten, um zu sehen, was diese Nacht mit sich brachte. Keiner wollte nochmals überrascht werden.
Im tiefsten Schatten neben der Schenke, gerade als sie den Stallhof verlassen wollten, hielt Lan plötzlich an und forderte sie mit einer scharfen Geste zum Schweigen auf.
Stiefel polterten über die Wagenbrücke, und hier und da glitzerte Metall im Mondlicht auf. Die Stiefel verließen die Brücke — Kies knirschte unter ihren Sohlen — und kamen auf die Schenke zu. Kein Laut war von den im Schatten Wartenden zu hören. Rand hatte den Verdacht, daß zumindest seine Freunde viel zuviel Angst hatten, um irgendein Geräusch zu machen. Genau wie er.
Die Schritte verstummten vor der Schenke im Dämmerlicht jenseits der trübe beleuchteten Fenster des Schankraums. Erst als Jon Thane vortrat, einen Speer über die kräftige Schulter gelegt, ein altes Lederwams mit aufgenähten Stahlscheiben um den Oberkörper geschnallt, erkannte Rand, wer es war: ein Dutzend Männer aus dem Dorf oder den umliegenden Bauernhöfen, einige mit Helmen oder Teilen von Rüstungen bewehrt, die generationenlang auf den Speichern Staub gesammelt hatten, alle mit einem Speer oder einer Holzfälleraxt oder einer verrosteten Pike bewaffnet.
Der Müller spähte durch eines der Fenster zum Schankraum und wandte sich dann mit einem kurzen: »Sieht so aus, als sei hier alles in Ordnung« wieder ab. Die anderen formierten sich in zwei unregelmäßigen Reihen hinter ihm, und die Patrouille marschierte in die Nacht hinaus, als gehorche sie drei verschiedenen Trommelwirbeln gleichzeitig.
»Zwei Dha'vol Trollocs würden genügen, um sie alle zum Frühstück zu verspeisen«, murmelte Lan, als das Geräusch der Stiefel verklungen war, »aber sie haben Augen und Ohren.« Er drehte seinen Hengst herum. »Kommt!«
Langsam und leise führte der Behüter sie zurück durch den Stallhof, die Uferböschung hinunter, an den Weiden vorbei und in den Weinquellenbach. Trotz der Nähe zur Weinquelle war das kalte, schnell fließende Wasser, das um die Beine der Pferde spülte und im Mondschein schimmerte, tief genug, um gegen die Sohlen der Reitstiefel zu plätschern.
Am gegenüberliegenden Ufer kletterten sie hinaus, und die Pferde suchten sich ihren Weg unter der sicheren Anleitung des Behüters, wobei sie sich von allen Häusern des Dorfes fernhielten. Von Zeit zu Zeit hielt Lan an und bedeutete allen, sich ruhig zu verhalten, obwohl sonst niemand etwas sah oder hörte. Jedesmal allerdings kam kurz darauf eine weitere Patrouille von Dorfbewohnern und Bauern vorbei. Langsam kamen sie dem Nordende des Dorfes näher.
Rand sah die Häuser mit ihren hohen Giebeln im Dunklen so genau wie möglich an und versuchte, sie sich einzuprägen. Ich bin ein toller Abenteurer, dachte er. Er hatte noch nicht einmal das Dorf verlassen und hatte schon Heimweh. Aber er betrachtete die Häuser weiterhin.
Sie passierten die letzten Bauernhäuser in den Außenbezirken des Dorfs und erreichten das unbewohnte Land. Sie hielten sich parallel zur Nordstraße, die nach Taren-Fähre führte. Rand fand, daß es sicherlich nirgendwo anders einen so schönen Nachthimmel gab wie über den Zwei Flüssen. Das klare Schwarz schien in die Ewigkeit zu greifen, und Myriaden von Sternen glitzerten wie Lichtpunkte in einem Kristall. Der Mond, nur eine dünne Sichelbreite schmaler als im vollen Zustand, schien greifbar nahe. Wenn er sich streckte und...
Eine schwarze Gestalt flog langsam über den silbernen Mondball. Rands unwillkürlicher Ruck an den Zügeln brachte den Grauen zum Stehen. Eine Fledermaus, dachte er mit weichen Knien, doch er wußte, daß es keine gewesen war. Fledermäuse waren ein häufiger Anblick an den Abenden, wenn sie im Zwielicht hinter Fliegen und Faltern herjagten. Die Flügel, die das unbekannte Wesen trugen, mochten wohl die gleiche Form haben, aber sie bewegten sich mit den langsamen, kraftvollen Schlägen eines Raubvogels. Und es jagte. Die Art, wie es in weiten Bögen hin- und zurückflog, ließ darüber keinen Zweifel aufkommen. Am schlimmsten aber war seine Größe. Wenn eine Fledermaus sich so groß vom Mondball abhob, dann mußte sie schon die Reichweite von menschlichen Armen haben. Er versuchte, ungefähr zu berechnen, wie weit entfernt und wie groß dieses Wesen war. Der Körper mußte Menschengröße haben und die Flügel... Wieder durchflog es die Mondsilhouette und kreiste dann plötzlich nach unten, um von der Nacht verhüllt zu werden.
Er hatte nicht bemerkt, daß Lan zu ihm zurückgeritten war, bis ihn der Behüter am Arm packte. »Was sitzt du hier und starrst in die Luft, Junge? Wir müssen weiter.« Die anderen warteten hinter Lan.
Er rechnete fast damit, daß man ihm sagen würde, er hätte aus Angst vor den Trollocs die Nerven verloren. Trotzdem berichtete Rand, was er gesehen hatte. Er hoffte, Lan werde es als Fledermaus oder als optische Täuschung abtun.
Lan grollte ein Wort, das klang, als hinterließe es einen schlechten Geschmack im Mund: »Draghkar.« Egwene und die anderen von den Zwei Flüssen suchten nervös den Himmel in allen Richtungen ab, aber der Gaukler stöhnte leise auf.
»Ja«, sagte Moiraine, »es wäre vermessen, auf etwas anderes zu hoffen. Und wenn der Myrddraal einen Draghkar bei seinen Truppen hat, dann wird er bald wissen, wo wir sind, wenn er es nicht bereits weiß. Wir müssen noch schneller querfeldein vorwärtskommen. Wir können vielleicht Taren-Fähre noch vor dem Myrddraal erreichen, und die Trollocs und er werden den Fluß nicht so leicht überqueren wie wir.«
»Ein Draghkar?« fragte Egwene. »Was ist das?«
Es war Thom Merrilin, der ihr heiser antwortete. »In dem Krieg, der das Zeitalter der Legenden beendete, wurden noch schlimmere Wesen als Trollocs und Halbmenschen erschaffen.«
Moiraines Kopf schnellte zu ihm herum, als er das sagte. Nicht einmal die Dunkelheit konnte die Schärfe in ihrem Blick verbergen.
Bevor jemand den Gaukler bitten konnte, mehr zu erzählen, begann Lan, Befehle zu erteilen. »Wir benutzen jetzt die Nordstraße. Um euer Leben willen — folgt meiner Führung und bleibt dicht zusammen.«
Er riß sein Pferd herum, und die anderen galoppierten wortlos hinterher.
11
Die Straße nach Taren-Fähre
Auf der ausgetretenen Lehmdecke der Nordstraße gaben sie den Pferden die Zügel frei. Mähnen und Schweife flatterten im Mondlicht, als sie nach Norden galoppierten. Die Hufe trommelten einen stetigen Rhythmus. Lan führte sie an. Der Rappe mit dem in Schatten gehüllten Reiter war in der kalten Nacht fast nicht zu sehen. Moiraines weiße Stute hielt mit. Wie ein blasser Pfeil huschte sie durch die Dunkelheit. Die anderen folgten in einer Linie, als hätte man sie alle an einem Seil befestigt, dessen Ende in den Händen des Behüters lag. Rand ritt als letzter in dieser Reihe. Thom Merrilin war vor ihm, und die Gefährten davor konnte er schon nicht mehr so klar erkennen. Der Gaukler drehte sich nicht um. Er sah nur nach vorn in die Richtung, in die sie flohen, und nicht nach hinten, um zu sehen, wovor sie flohen. Falls hinter ihnen Trollocs, der Blasse auf seinem lautlosen Pferd oder dieses fliegende Geschöpf, der Draghkar, auftauchten, wäre es Rands Aufgabe, die anderen zu alarmieren.