Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»Das Signal!« sagte er.
Der Kosak hob den einen Arm in die Höhe; ein Schuß krachte. Und in demselben Augenblick erscholl vorn der Hufschlag dahinjagender Pferde, Schreien von verschiedenen Seiten und noch mehr Schüsse.
In dem Augenblick, als die ersten Töne der Hufschläge und des Geschreis vernehmbar wurden, versetzte Petja seinem Pferd einen Schlag mit der Peitsche, ließ ihm die Zügel und jagte, ohne auf Denisow zu hören, der ihm nachschrie, im Galopp vorwärts. Er hatte die Empfindung, als sei es plötzlich in dem Augenblick, wo der Schuß gefallen war, völlig hell wie am Mittag geworden. Er sprengte auf die Brücke zu. Vor ihm auf der Landstraße jagten die Kosaken dahin. Auf der Brücke stieß er mit einem zurückgebliebenen Kosaken zusammen und sprengte weiter. Vorn liefen irgendwelche Menschen (wahrscheinlich waren es Franzosen) von der rechten Seite der Landstraße nach der linken hinüber. Einer fiel unter den Füßen von Petjas Pferd in den Schmutz.
Bei einem Bauernhaus drängten sich mehrere Kosaken zusammen und taten irgend etwas. Aus der Mitte des Haufens erscholl ein furchtbarer Schrei. Petja jagte zu diesem Haufen hin, und das erste, was er sah, war ein Franzose, der den Schaft einer gegen ihn gerichteten Pike gepackt hielt; das Gesicht des Franzosen war blaß, und sein Unterkiefer zitterte.
»Hurra …! Kinder … Wir haben gesiegt …«, schrie Petja, ließ dem aufgeregten Pferd die Zügel und jagte auf der Dorfstraße vorwärts.
Vorn waren Schüsse zu hören. Kosaken, Husaren und zerlumpte russische Gefangene kamen von beiden Seiten der Landstraße eilig herbei und schrien alle laut und mißtönend etwas, was Petja nicht verstehen konnte. Ein kräftiger, mutiger Franzose, ohne Kopfbedeckung, in einem blauen Mantel, mit rotem, finsterem Gesicht, verteidigte sich mit dem Bajonett gegen mehrere Husaren. Als Petja herangesprengt kam, war der Franzose bereits gefallen. »Wieder zu spät gekommen!« fuhr es Petja durch den Kopf, und er jagte dorthin, von wo die vielen Schüsse ertönten. Die Schüsse wurden auf dem Hof des Gutshauses abgefeuert, wo Petja in der vergangenen Nacht mit Dolochow gewesen war. Die Franzosen hatten dort hinter dem geflochtenen Zaun in dem dicht mit Gebüsch bewachsenen Garten Stellung genommen und schossen auf die Kosaken, die sich am Tor zusammendrängten. Als Petja an das Tor heranritt, erblickte er im Pulverdampf Dolochow, der mit blassem, grünlichem Gesicht seinen Leuten etwas zuschrie. »Nach der Seite herumreiten! Auf das Fußvolk warten!« rief er gerade in dem Augenblick, als Petja sich ihm näherte.
»Warten …? Hurra …!« schrie Petja und sprengte, ohne auch nur einen Augenblick zu zaudern, nach der Stelle hin, von wo die Schüsse ertönten und wo der Pulverdampf am dichtesten war.
Eine Salve erscholl, Kugeln pfiffen, sowohl solche, die nichts trafen, als auch solche, die gegen irgend etwas anklatschten. Die Kosaken und Dolochow jagten hinter Petja her in das Hoftor hinein. Die Franzosen, die in dem dichten, wogenden Rauch steckten, warfen teils die Waffen weg und liefen aus den Büschen heraus den Kosaken entgegen, teils liefen sie bergab nach dem Teich zu. Petja sprengte auf seinem Pferd über den Hof des Gutshauses; aber statt die Zügel festzuhalten, schwenkte er seltsam und schnell beide Arme und glitt immer weiter vom Sattel auf die eine Seite. Das Pferd rannte auf ein Wachfeuer zu, das im Morgenlicht schwelte, prallte zurück, und Petja fiel schwer auf die feuchte Erde nieder. Die Kosaken sahen, wie seine Arme und Beine hastig zuckten, obgleich sein Kopf sich nicht bewegte. Eine Kugel hatte ihn in den Kopf getroffen.
Der höchste bei dieser Abteilung befindliche französische Offizier kam mit einem weißen Tuch am Degen hinter dem Haus hervor zu Dolochow und erklärte, daß sie sich ergäben. Dolochow verhandelte mit ihm, stieg dann vom Pferd und trat zu Petja hin, der regunglos mit ausgebreiteten Armen dalag.
»Der ist fertig«, sagte er mit finsterem Gesicht und ging nach dem Tor, dem herbeireitenden Denisow entgegen.
»Tot?!« schrie Denisow auf, als er schon von weitem sah, in welcher Art Petjas Körper dalag, eine Lage, die ihm nur zu gut bekannt war und zweifellos auf den Tod schließen ließ.
»Der ist fertig«, sagte Dolochow noch einmal, als ob es ihm ein besonderes Vergnügen machte, diese Worte auszusprechen, und begab sich schnell zu den Gefangenen, um welche sich die Kosaken in eiliger Tätigkeit drängten. »Wir nehmen sie nicht mit!« rief er Denisow zu.
Denisow antwortete nicht; er ritt zu Petja heran, stieg vom Pferd und wandte mit zitternden Händen Petjas mit Blut und Schmutz beflecktes, schon erblaßtes Gesicht zu sich hin.
»Ich bin gewöhnt, etwas Süßes zu essen. Vorzügliche Rosinen; nehmen Sie sie alle«, diese Worte Petjas fielen ihm ein. Und die Kosaken blickten sich erstaunt nach den einem Hundegebell ähnlichen Lauten um, mit denen Denisow sich schnell abwandte, an den Zaun trat und sich an ihm festhielt.
Unter den von Denisow und Dolochow befreiten russischen Gefangenen befand sich auch Pierre Besuchow.
XII
In betreff derjenigen Abteilung von Gefangenen, zu welcher Pierre gehörte, war während ihres ganzen Marsches von Moskau an seitens der französischen Behörde keine neue Verfügung eingegangen. Diese Abteilung befand sich am 22. Oktober nicht mehr mit denjenigen Truppen und Wagenzügen zusammen, mit denen sie aus Moskau ausgezogen war. Während der ersten Tagesmärsche war hinter ihr ein Wagenzug mit Zwieback gefahren: die eine Hälfte desselben hatten die Kosaken erbeutet, die andere Hälfte hatte den Gefangenentransport überholt und war weit voraus. Von den zu Fuß gehenden Kavalleristen, die ursprünglich vor dem Gefangenentransport marschiert waren, war auch nicht ein Mann mehr da; sie waren sämtlich verschwunden. An die Stelle der Artillerie, die auf den ersten Tagesmärschen vorn sichtbar gewesen war, waren jetzt die langen Wagenzüge des Marschalls Junot getreten, die von westfälischen Truppen eskortiert wurden. Hinter den Gefangenen fuhr ein Wagenzug mit Kavalleriesachen.
Von Wjasma an marschierte das französische Heer, das früher in drei Teilen marschiert war, in einem einzigen Haufen. Die Symptome der Zersetzung, welche Pierre schon am ersten Rastort nach Moskau wahrgenommen hatte, hatten jetzt den höchsten Grad erreicht.
Die Landstraße, auf der sie marschierten, war zu beiden Seiten mit Pferdekadavern eingefaßt; Soldaten in zerrissener Kleidung, die von verschiedenen Truppenteilen zurückgeblieben waren, schlossen sich in stetem Wechsel bald an die marschierende Kolonne an, bald blieben sie wieder hinter ihr zurück.
Einige Male während des Marsches hatte es falschen Alarm gegeben; die Soldaten der Eskorte hatten die Gewehre erhoben, geschossen und waren Hals über Kopf, einander drängend, davongerannt; dann aber hatten sie sich wieder geordnet und sich wechselseitig wegen der grundlosen Furcht ausgeschimpft.
Diese drei zusammen marschierenden Abteilungen, das Kavalleriedepot, das Gefangenendepot und der Wagenzug Junots, bildeten immer noch eine Art von besonderem Ganzen, obwohl ein jedes der drei schnell zusammengeschmolzen war.
Von dem Kavalleriedepot, welches anfangs aus hundertzwanzig Wagen bestanden hatte, waren jetzt nicht mehr als sechzig übrig; die anderen waren teils von den Feinden erbeutet, teils im Stich gelassen. Von dem Wagenzug Junots waren ebenfalls mehrere Fuhrwerke zurückgelassen oder von den Feinden erbeutet. Drei Fuhrwerke waren von Nachzüglern des Davoutschen Korps überfallen und geplündert worden. Aus den Gesprächen der Deutschen erfuhr Pierre, daß diesem Wagenzug eine größere Eskorte beigegeben war als dem Gefangenentransport, und daß einer ihrer Kameraden, ein deutscher Gemeiner, auf direkten Befehl des Marschalls erschossen worden war, weil man bei ihm einen dem Marschall gehörigen silbernen Löffel gefunden hatte. Am meisten aber war von den drei Abteilungen das Gefangenendepot zusammengeschmolzen. Von den dreihundertdreißig Mann, die aus Moskau ausgezogen waren, waren jetzt kaum noch hundert übrig. Noch mehr als durch die Sättel des Kavalleriedepots und den Wagenzug Junots fühlten sich die eskortierenden Soldaten durch die Gefangenen beschwert und belästigt. Was die Sättel und Junots Löffel anlangte, so begriffen die Soldaten, daß diese Dinge noch zu etwas nutz sein konnten; aber wozu hungernde und frierende Soldaten ebenso frierende und hungernde Russen bewachen und beaufsichtigen mußten, die ermattet unterwegs zurückblieben und dann dem Befehl gemäß erschossen wurden, das war ihnen unbegreiflich, und diese Obliegenheit war ihnen widerwärtig. Die Soldaten der Eskorte schienen in der traurigen Lage, in der sie sich selbst befanden, sich nicht dem Gefühl des Mitleids mit den Gefangenen, das in ihnen versteckt lag, überlassen zu wollen, um dadurch ihre eigene Lage nicht noch mehr zu verschlimmern, und gingen darum mit ihnen besonders barsch und streng um.