Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»Im dritten Hundert«, antwortete der Kosak.
»Einer hinter dem andern, einer hinter dem andern!« sagte Dolochow auf französisch, der sich diesen Ausdruck von den Franzosen zu eigen gemacht hatte, und während seine Augen die vorübergehenden Gefangenen musterten, leuchtete in ihnen ein grausamer Glanz auf.
Denisow ging mit finsterem Gesicht und mit abgenommener Mütze hinter den Kosaken her, die Petja Rostows Leiche nach der Grube trugen, die im Garten gegraben war.
XVI
Vom 28. Oktober an, wo stärkerer Frost einsetzte, nahm die Flucht der Franzosen zwar insofern einen tragischeren Charakter an, als die Mannschaften vor Kälte erstarrten und sich dann an den Wachfeuern halbtot brieten, während der Kaiser, die Könige und Herzöge, in Pelze gehüllt, die Fahrt in ihren Kutschen mit dem geraubten Gut fortsetzten; aber in seinem Wesen erfuhr der Prozeß der Flucht und der Zersetzung der französischen Armee keine Veränderung.
Von Moskau bis Wjasma waren von den 73000 Mann der französischen Armee, die Garde nicht mitgezählt, die während des ganzen Krieges nichts anderes getan hatte als zu plündern, 36000 Mann übriggeblieben (von dem Abgang kamen nicht mehr als 5000 Mann auf Verluste in Kämpfen). Dies war das erste Glied einer Progression, aus welchem sich die folgenden mit mathematischer Gewißheit bestimmen ließen. Die Proportion, in der die französische Armee zusammenschmolz und dahinschwand, blieb dieselbe auf den Strecken von Moskau bis Wjasma, von Wjasma bis Smolensk, von Smolensk bis zur Beresina, von der Beresina bis Wilna, ohne daß der höhere oder geringere Grad der Kälte, der Verfolgung, der Sperrung des Weges und aller sonstigen Momente, einzeln genommen, darauf einen Einfluß gehabt hätte. Hinter Wjasma marschierten die Franzosen nicht mehr in drei Kolonnen, sondern drängten sich in einen Haufen zusammen, und das blieb so bis zum Ende. Berthier schrieb an seinen Herrn folgendes (es ist bekannt, welche Abweichungen von der Wahrheit höhere Kommandeure sich bei Schilderung der Lage der Armee zu erlauben pflegen):
»Ich halte es für meine Pflicht, zu Euer Majestät Kenntnis zu bringen, in welchem Zustand sich Ihre Truppen bei den verschiedenen Armeekorps befinden, welche ich in der Lage gewesen bin, während der letzten zwei oder drei Tage an verschiedenen Stellen des Marsches zu beobachten. Sie sind beinahe in Auflösung begriffen. Die Zahl der Soldaten, die den Fahnen folgen, beträgt bei allen Regimentern höchstens ein Viertel; die übrigen gehen einzeln auf eigene Hand nach verschiednen Richtungen, in der Hoffnung, Lebensmittel zu finden, und um sich der Disziplin zu entziehen. Allgemein betrachten sie Smolensk als den Platz, wo sie sich werden erholen können. In den letzten Tagen sah man viele Soldaten ihre Patronen und Waffen wegwerfen. Welches auch immer die weiteren Absichten Eurer Majestät sein mögen, so verlangt jedenfalls unter diesen Umständen das Interesse Ihres Dienstes, daß die Armee wieder in Smolensk gesammelt und von mancherlei Ballast befreit werde: von kampfunfähigen Leuten, also Kavalleristen ohne Pferde und Soldaten ohne Waffen, sowie von unnützem Train und von einem Teil des Artilleriematerials, da dieses mit den wirklichen Streitkräften nicht mehr im richtigen Verhältnis steht. Überdies sind einige Ruhetage mit guter Verpflegung für die durch Hunger und Anstrengung erschöpften Soldaten notwendig; viele sind in den letzten Tagen auf dem Marsch und in den Biwaks gestorben. Dieser Zustand verschlimmert sich fortwährend und gibt Anlaß zu der Befürchtung, daß, wenn ihm nicht baldigst abgeholfen wird, wir die Truppen bei einem Kampf nicht mehr in der Hand haben. Den 9. November, 30 Werst von Smolensk.«
Als die Franzosen sich in die Stadt Smolensk hineingestürzt hatten, die ihnen als das Gelobte Land vor Augen gestanden hatte, schlugen sie einander um des Proviants willen tot und plünderten ihre eigenen Magazine; nachdem dann alles ausgeraubt war, flohen sie weiter.
Alle zogen weiter, ohne selbst zu wissen, wohin sie marschierten und zu welchem Zweck. Noch weniger als die andern wußte dies das Genie Napoleons, da niemand ihm Befehle erteilte. Aber trotzdem behielten er und seine Umgebung ihre bisherigen Bräuche bei: Erlasse, Briefe, Rapporte und Tagesbefehle wurden geschrieben; sie nannten einander Sire, mein Vetter, Fürst von Eggmühl, König von Neapel usw. Aber die Befehle und Rapporte standen nur auf dem Papier; nichts kam ihnen gemäß zur Ausführung, weil eben nichts ausgeführt werden konnte, und obwohl sie einander Majestät und Hoheit und Vetter titulierten, so hatten sie doch alle die Empfindung, daß sie klägliche, schändliche Menschen waren, die viel Böses getan hatten und nun dafür büßen mußten. Und obwohl sie sich stellten, als sorgten sie für die Armee, so dachte doch ein jeder von ihnen nur an sich und daran, wie er am schnellsten davonkommen und sich retten könnte.
XVII
Die Operationen der russischen und französischen Truppen während des Rückzuges von Moskau bis zum Njemen gleichen einem Blindekuhspiel, bei dem den beiden Spielenden die Augen verbunden werden und der eine ab und zu mit einem Glöckchen klingelt, um dem Greifenden von seinem Aufenthaltsort Kenntnis zu geben. Anfangs setzt derjenige, nach dem gefahndet wird, das Glöckchen häufig in Tätigkeit, ohne seinen Feind zu fürchten; aber wenn es ihm dann schlechtgeht, dann bemüht er sich, unhörbar zu gehen, flüchtet vor seinem Feind und läuft oft, in der Meinung, ihm zu entrinnen, ihm geradezu in die Arme.
Anfangs, in der ersten Periode des Marsches auf der Kalugaer Straße, machten sich die napoleonischen Truppen noch bemerkbar; später aber, als sie die Smolensker Straße erreicht hatten, flohen sie davon, indem sie den Klöppel des Glöckchens mit der Hand andrückten, und liefen oft, während sie zu entkommen wähnten, geradezu auf die Russen los.
Bei der Schnelligkeit, mit der die Franzosen flohen und die Russen hinter ihnen her waren, und der dadurch bewirkten Erschöpfung der Pferde kam das wichtigste Mittel, um eine annähernde Kenntnis der Stellung des Feindes zu gewinnen, in Wegfalclass="underline" die Kavalleriepatrouillen. Außerdem konnten infolge des häufigen, schnellen Stellungswechsels beider Armeen Nachrichten, auch wenn man solche hatte, nicht zur rechten Zeit eintreffen. Wenn am Zweiten die Nachricht kam, daß die feindliche Armee am Ersten irgendwo gewesen sei, so hatte am Dritten, wo man etwas gegen sie hätte unternehmen können, diese Armee schon wieder zwei Tagesmärsche zurückgelegt und befand sich in einer ganz anderen Stellung.
Die eine Armee floh, die andere verfolgte. Hinter Smolensk boten sich den Franzosen viele verschiedene Wege dar, und man hätte meinen mögen, die Franzosen wären während ihres viertägigen Aufenthaltes in dieser Stadt in der Lage gewesen, in Erfahrung zu bringen, wo der Feind sei, sich einen nützlichen Plan zurechtzulegen und etwas Neues zu unternehmen. Aber nach der viertägigen Rast liefen ihre Haufen wieder weder nach rechts, noch nach links, sondern ohne alle Manöver und ohne alle Überlegung auf der schlechtesten Straße von allen, der alten Straße nach Krasnoje und Orscha, weiter: auf den Spuren, die sie bei ihrem Einmarsch hinterlassen hatten.
Die Franzosen, die den Feind vom Rücken her und nicht von vorn erwarteten, flohen in einem langen Zug, der sich mit manchen Lücken über einen Raum von vierundzwanzig Marschstunden ausdehnte. Allen voraus floh der Kaiser, dann die Könige, dann die Herzöge. Die russische Armee, welche glaubte, Napoleon werde sich rechts wenden und über den Dnjepr gehen, was das einzig Vernünftige war, bog gleichfalls nach rechts ab und gelangte auf die große Straße nach Krasnoje. Und hier stießen, wie beim Blindekuhspiel, die Franzosen auf unsere Vorhut. Bei dem unerwarteten Anblick des Feindes gerieten die Franzosen in Verwirrung, machten vor Überraschung und Schreck halt, flohen aber dann weiter, indem sie die hinter ihnen kommenden Kameraden im Stich ließen. Hier zogen nun die einzelnen Abteilungen der Franzosen, wie wenn sie bei den russischen Truppen Spießruten liefen, drei Tage lang eine nach der andern bei diesen vorbei, zuerst die des Vizeköniges, dann die Davouts, dann die Neys. Alle ließen sie einander im Stich und ebenso ihre ganze Bagage, ihre Artillerie, verloren die Hälfte der Mannschaft und entkamen nur dadurch, daß sie in mehreren Nächten nach rechts hin im Halbkreis um die Russen herumgingen. Ney, der als letzter marschierte (weil er trotz der unglücklichen Lage der Franzosen oder gerade infolge derselben die Diele hatte schlagen wollen, auf die sie gefallen waren, und sich damit aufgehalten hatte, die Mauern von Smolensk in die Luft zu sprengen, die doch niemand störten), Ney, der mit seinem ursprünglich zehntausend Mann starken Korps als letzter marschierte, gelangte zu Napoleon mit nur tausend Mann, nachdem er alle übrigen Mannschaften und alle Kanonen verloren und bei Nacht heimlich mit Benutzung von Waldwegen den Übergang über den Dnjepr bewerkstelligt hatte.