Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Was Petja jetzt auch hätte sehen mögen, er hätte sich über nichts gewundert. Er war in einem Zauberreich, in dem alles möglich war.
Er blickte zum Himmel auf. Der Himmel war ebenso zauberhaft wie die Erde. Über den Wipfeln der Bäume zogen Wolken schnell dahin, wie wenn sie die Sterne sichtbar machen wollten. Manchmal schien es, als ob es da oben klar würde und sich der schwarze, reine Himmel zeigte; dann wieder schien es, als ob diese schwarzen Flecke dunkle Wolken wären. Manchmal schien es, als ob der Himmel sich über Petjas Kopf hoch, hoch hinaufhöbe, und dann wieder, als ob er sich ganz und gar herabsenkte, so daß man ihn mit der Hand greifen könnte.
Petja schloß die Augen und wiegte sich hin und her.
Regentropfen fielen klatschend. Es wurde leise gesprochen. Die Pferde fingen an zu wiehern und einander zu schlagen. Es schnarchte jemand.
»Schsch, schsch, schsch, schsch …«, zischte der Säbel beim Schleifen, und auf einmal hörte Petja eine harmonische Orchestermusik, die eine ihm unbekannte, feierlich süße Hymne spielte. Petja war musikalisch, ebenso wie Natascha und mehr als Nikolai; aber er hatte nie Musikunterricht gehabt und nie an Musik gedacht; daher hatten die Weisen, die ihm so unerwartet in den Sinn kamen, schon als etwas ganz Neues für ihn einen besonderen Reiz. Die Musik spielte immer lauter und lauter. Die Melodie schwoll an und ging von einem Instrument auf das andere über. Es entstand das, was man eine Fuge nennt, wiewohl Petja nicht den geringsten Begriff davon hatte, was eine Fuge ist. Jedes Instrument, bald eines, das wie eine Geige, bald eines, das wie eine Trompete klang (aber schöner und reiner als wirkliche Geigen und wirkliche Trompeten), jedes Instrument spielte seinen Part und floß, ehe es noch die Melodie zu Ende gebracht hatte, mit einem andern zusammen, das beinahe das gleiche spielte, und mit einem dritten und einem vierten, und alle flossen sie in eins zusammen und trennten sich wieder und flossen von neuem zusammen, bald zu einer feierlichen Kirchenmusik, bald zu einem großartig schmetternden Siegeslied.
»Ach ja, ich träume das nur«, sagte sich Petja, und der Kopf fiel ihm vornüber. »Das ist alles nur in meinen Ohren. Aber vielleicht ist es eine von mir selbst komponierte Musik. Nun, noch einmal! Vorwärts, meine Musik! Nur zu …!«
Er schloß die Augen. Und von verschiedenen Seiten, anscheinend aus weiter Ferne, erklangen zitternd die Töne, taten sich zusammen, trennten sich, flossen ineinander, und wieder vereinigte sich alles zu demselben süßen, feierlichen Hymnus. »Ach, wie entzückend das ist! Es tönt, soviel ich will und wie ich will«, sagte Petja zu sich selbst. Er versuchte, dieses gewaltige Orchester von Instrumenten zu leiten.
»Jetzt leiser, leiser, wie ersterbend!« Und die Töne gehorchten ihm. »Jetzt voller, heiterer! Noch, noch freudiger!« Und aus einer unbekannten Tiefe stiegen anschwellende, feierliche Klänge herauf. »Jetzt soll die Vokalmusik einfallen«, befahl Petja. Und aus der Ferne ließen sich zuerst Männerstimmen, dann Frauenstimmen vernehmen. Die Stimmen schwollen in gleichmäßiger, feierlicher Kraftsteigerung an. Mit Beklommenheit und Freude zugleich horchte Petja auf ihren außerordentlichen Wohllaut.
Der Gesang floß mit einem triumphierenden Siegesmarsch zusammen, und die Tropfen fielen klingend hernieder, und »schsch, schsch, schsch …« zischte der Säbel, und die Pferde schlugen einander und wieherten; aber dies alles störte die Musik nicht, sondern fügte sich in sie ein.
Petja wußte nicht, wie lange dies dauerte: er war entzückt und wunderte sich fortwährend über sein Entzücken und bedauerte, daß er niemand daran teilnehmen lassen konnte. Die freundliche Stimme Lichatschows weckte ihn.
»Der Säbel ist fertig, Euer Wohlgeboren; nun können Sie einen Franzosen damit der Länge nach durchspalten.«
Petja kam zur Besinnung.
»Es wird schon hell; wahrhaftig, es wird hell!« rief er.
Die vorher unsichtbaren Pferde waren bis zu den Schwänzen sichtbar geworden, und durch die kahlen Zweige erschien eine wäßrige Helligkeit. Petja schüttelte sich, sprang auf, zog einen Rubel aus der Tasche und gab ihn Lichatschow; dann probierte er mit einem Schwung den Säbel und steckte ihn in die Scheide.
»Da ist auch der Kommandeur«, sagte Lichatschow.
Denisow war aus dem Wächterhäuschen herausgetreten, rief Petja an und hieß ihn sich fertigmachen.
Fußnoten
1 Eine kaukasische Pferderasse.
Anmerkung des Übersetzers.
XI
Schnell suchte sich im Halbdunkel ein jeder von der Mannschaft sein Pferd, band es los, zog den Sattelgurt straff, und dann ordneten sie sich abteilungsweise. Denisow stand bei dem Wächterhäuschen und gab die letzten Befehle. Das Fußvolk der Freischar, mit hundert Beinen durch die Nässe patschend, zog voran, um die Landstraße einzuschlagen, und verschwand in dem Nebel, der dem Tagesanbruch vorherging, schnell zwischen den Bäumen. Der Jesaul erteilte den Kosaken noch einen Befehl. Petja hielt sein Pferd am Zügel und wartete ungeduldig auf den Befehl zum Aufsitzen. Sein Gesicht, das er sich mit kaltem Wasser gewaschen hatte, und besonders die Augen brannten ihm wie Feuer, ein Frösteln lief ihm über den Rücken, und durch seinen ganzen Körper ging ein schnelles, gleichmäßiges Zittern.
»Nun, ist bei euch alles bereit?« sagte Denisow. »Mein Pferd!«
Das Pferd wurde gebracht. Denisow wurde auf den Kosaken zornig, weil der Sattelgurt zu schlaff sei; unter heftigen Schimpfreden auf ihn stieg er auf. Petja griff nach dem Steigbügel. Das Pferd wollte ihn seiner Gewohnheit nach ins Bein beißen; aber Petja, der sein Gewicht gar nicht fühlte, sprang schnell in den Sattel, warf noch einen Blick nach den Husaren, die hinter ihm in der Dunkelheit anritten, und sprengte zu Denisow hin.
»Wasili Fedorowitsch, Sie werden mir doch irgendeinen Auftrag geben? Ich bitte Sie dringend … inständig …«, sagte er.
Denisow hatte, wie es schien, Petjas Existenz ganz vergessen gehabt. Er sah sich nach ihm um.
»Ich bitte dich nur um eines«, sagte er in strengem Ton. »Gehorche mir und mische dich in nichts hinein.«
Auf dem ganzen Weg sprach Denisow kein Wort mehr mit Petja und ritt schweigend dahin. Als sie an den Saum des Waldes gelangten, fing es auf dem Feld schon an merklich hell zu werden. Denisow sprach flüsternd etwas mit dem Jesaul, und darauf ritten die Kosaken an Petja und Denisow vorbei. Als sie alle vorbei waren, trieb Denisow sein Pferd an und ritt bergab. Sich auf die Hinterteile setzend und gleitend, stiegen die Pferde mit ihren Reitern in den Grund hinab. Petja ritt neben Denisow. Das Zittern in seinem ganzen Körper nahm immer mehr zu. Es wurde immer heller und heller; nur der Nebel verbarg die ferneren Gegenstände. Als sie unten angelangt waren, blickte Denisow zurück und nickte dann einem neben ihm haltenden Kosaken mit dem Kopf zu.