Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»Können Sie nicht eine Kaffeemaschine gebrauchen?« wandte er sich an den Jesaul. »Ich habe bei unserm Marketender eine ganz ausgezeichnete gekauft! Er führt vorzügliche Sachen. Und er ist ein ehrlicher Mensch. Das ist die Hauptsache. Ich werde sie Ihnen zuschicken, unter allen Umständen. Und vielleicht sind Ihnen die Feuersteine ausgegangen, haben sich abgenutzt; das kommt ja nicht selten vor. Ich habe welche mitgenommen; ich habe hier« (er zeigte auf die Tasche), »hundert Stück bei mir. Ich habe sie sehr billig gekauft. Nehmen Sie doch, bitte, soviel Sie mögen, oder auch alle …«
Aber plötzlich bekam er einen Schreck, ob er auch nicht gar zu viel schwatze, und hielt errötend inne.
Er suchte in seinem Gedächtnis nach, ob er auch wohl nicht noch irgendwelche anderen Dummheiten begangen habe. Und indem er die Erinnerungen des heutigen Tages durchmusterte, kam ihm der Gedanke an den kleinen französischen Tambour in den Sinn. »Wir haben es hier so gut; aber wie mag es ihm gehen? Wo mögen sie ihn gelassen haben? Ob sie ihm wohl etwas zu essen gegeben haben? Und ob ihm auch niemand etwas zuleide getan hat?« dachte er. Aber da er sich bewußt war, über die Feuersteine zuviel geschwatzt zu haben, so scheute er sich jetzt, von dem Knaben zu reden.
»Ob ich wohl danach fragen darf?« dachte er. »Aber sie werden sagen: ›Er hat mit dem Knaben Mitleid, weil er selbst noch ein Knabe ist.‹ Aber morgen werde ich ihnen zeigen, was ich für ein Knabe bin! Muß ich mich schämen, wenn ich danach frage?« dachte Petja. »Na, ganz egal!« Und sofort sagte er, indem er errötete und die Offiziere ängstlich ansah, ob wohl auf ihren Gesichtern ein spöttischer Ausdruck erscheinen werde:
»Könnte vielleicht der Knabe hereingerufen werden, der heute gefangengenommen wurde? Und etwas zu essen bekommen … vielleicht …«
»Ja, der arme Junge«, erwiderte Denisow, der offenbar in dieser Anregung nichts fand, dessen Petja sich zu schämen hätte. »Wir wollen ihn hereinrufen. Vincent Bosse heißt er. Wir wollen ihn rufen.«
»Ich werde ihn rufen«, sagte Petja.
»Das tu, das tu. Der arme Junge«, sagte Denisow noch einmal.
Petja stand schon an der Tür, als Denisow das sagte. Aber er wand sich zwischen den Offizieren hindurch und trat dicht an Denisow heran.
»Erlauben Sie mir, Sie zu küssen, Sie Lieber, Guter«, sagte er. »Ach wie wunderschön! Wie wunderschön!«
Er küßte Denisow und lief auf den Hof.
»Bosse! Vincent!« rief Petja, an der Tür sehenbleibend.
»Wen rufen Sie, gnädiger Herr?« fragte eine Stimme aus der Dunkelheit.
Petja antwortete, er rufe den kleinen Franzosen, der heute gefangengenommen worden sei.
»Ah! Den Wessenni?« sagte der Kosak.
Seinen Namen Vincent hatten die Kosaken bereits in Wessenni umgewandelt, und die andern Soldaten und die Bauern in Wissenja. Bei beiden Umgestaltungen floß die Erinnerung an den Frühling1 mit der Vorstellung der Jugendlichkeit des Knaben zusammen.
»Er hat sich da ans Feuer gesetzt, um sich zu wärmen. He, Wessenni! Wissenja! Wissenja!« ertönten in der Dunkelheit Stimmen, die den Ruf weitergaben; Gelächter schloß sich daran an. »Das ist ein fixer kleiner Bursche«, sagte ein Husar, der neben Petja stand. »Wir haben ihm vorhin zu essen gegeben; er hatte einen gewaltigen Hunger!«
In der Dunkelheit wurden Schritte vernehmbar, und mit den nackten Füßen durch den Schmutz patschend, näherte sich der Tambour der Tür.
»Ah, da bist du ja!« sagte Petja auf französisch. »Willst du etwas essen? Habe keine Furcht; es wird dir nichts zuleide getan«, fügte er hinzu und berührte mit schüchterner Freundlichkeit den Arm des Knaben. »Komm herein, komm herein.«
»Danke, Monsieur«, antwortete der Tambour mit zitternder, beinahe kindlicher Stimme und wischte sich die schmutzigen Füße an der Schwelle ab.
Petja hätte dem kleinen Tambour gern noch vieles gesagt; aber er wagte es nicht. Verlegen und unschlüssig stand er neben ihm auf dem Flur. Dann griff er in der Dunkelheit nach seiner Hand und drückte sie ihm.
»Tritt ein, tritt ein«, sagte er noch einmal zärtlich flüsternd.
»Ach, was könnte ich wohl noch für ihn tun?« sagte Petja bei sich, öffnete die Tür und ließ den Knaben an sich vorbei hineingehen.
Als der Tambour in die Stube getreten war, nahm Petja in einiger Entfernung von ihm Platz, da er seiner Würde etwas zu vergeben glaubte, wenn er ihm seine Aufmerksamkeit zuwendete. Er tastete nur in der Tasche nach seinem Geld und war im Zweifel, ob er sich schämen müßte, wenn er es dem Tambour gäbe.
Fußnoten
1 Russisch wesna.
Anmerkung des Übersetzers.
VIII
Denisow ließ dem Tambour Schnaps und Hammelfleisch geben und ihm einen russischen Kaftan anziehen, da er beabsichtigte, ihn nicht mit den anderen Gefangenen wegzuschicken, sondern bei der Freischar zu behalten. Aber Petjas Aufmerksamkeit wurde von dem Knaben durch die Ankunft Dolochows abgelenkt. Petja hatte bei der Armee viel von Dolochows Tapferkeit und Grausamkeit den Franzosen gegenüber erzählen hören, und daher blickte er, seit Dolochow in die Stube getreten war, unverwandt zu ihm hin und nahm eine immer forschere Haltung an, indem er mit dem hochgereckten Kopf zuckte, um auch einer solchen Gesellschaft, wie es die Dolochows war, nicht unwürdig zu erscheinen.
Dolochows Äußeres überraschte ihn in eigentümlicher Weise durch seine Einfachheit.
Denisow trug einen Kosakenrock, einen Vollbart, und auf der Brust ein Bild des heiligen Nikolaus des Wundertäters, und seine Art zu reden und sein gesamtes Benehmen entsprachen durchaus der Besonderheit seiner Lage. Dolochow dagegen, der früher einmal in Moskau persische Tracht getragen hatte, sah jetzt ganz wie der eleganteste Gardeoffizier aus. Sein Gesicht war sauber rasiert; er trug einen wattierten Gardeuniformrock mit dem Georgskreuz im Knopfloch und eine einfache, gerade aufgesetzte Uniformmütze. Er legte in einer Ecke der Stube seinen nassen Filzmantel ab, trat dann, ohne jemand zu begrüßen, zu Denisow und begann sogleich, sich nach dem geplanten Unternehmen zu erkundigen. Denisow erzählte ihm von den Absichten, die die großen Korps auf diesen Transport hätten, und von Petjas Sendung, und was er den beiden Generalen geantwortet habe. Dann erzählte Denisow alles, was er über die Lage der französischen Abteilung wußte.
»Nun ja. Aber wir müssen wissen, wieviel Truppen und was für Truppen es sind«, sagte Dolochow. »Es ist notwendig, daß jemand hinreitet. Ohne genau zu wissen, wie viele es sind, dürfen wir uns nicht in einen Kampf einlassen. Ich verfahre gern sorgsam. Also, will nicht jemand von den Herren mit mir in ihr Lager reiten? Die nötigen Uniformen habe ich bei mir.«
»Ich, ich … ich reite mit Ihnen!« rief Petja.
»Es ist ganz und gar nicht nötig, daß du hinreitest«, sagte Denisow, zu Dolochow gewendet. »Und nun gar den hier lasse ich unter keinen Umständen hin.«
»Aber das wäre ja ganz arg!« rief Petja. »Warum soll ich denn nicht hinreiten?«
»Weil gar kein Grund dazu vorhanden ist.«
»Ich glaube, Sie wollen mich nicht reiten lassen, weil ich … weil ich … Aber ich reite hin, Punktum. Wollen Sie mich mitnehmen?« fragte er Dolochow.
»Warum nicht?« antwortete Dolochow zerstreut; er blickte gerade in diesem Augenblick dem französischen Tambour ins Gesicht. »Hast du dieses Bürschchen schon lange?« fragte er Denisow.
»Er wurde heute gefangengenommen; aber er weiß nichts zu sagen. Ich habe ihn bei mir behalten.«