Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»Ja, ja, wir haben es vom Abhang aus mit angesehen, wie du durch die Pfützen davonranntest«, sagte der Jesaul und kniff seine blitzenden Augen zusammen.
Petja hatte die größte Lust zu lachen; aber er sah, daß sich alle andern das Lachen verbissen. Er ließ seine Augen schnell von Tichons Gesicht zu den Gesichtern des Jesauls und Denisows wandern, ohne zu verstehen, was das alles bedeutete.
»Spiel nur nicht den Narren«, sagte Denisow, sich ärgerlich räuspernd. »Warum hast du den ersten nicht hergebracht?«
Tichon kratzte sich mit der einen Hand den Rücken, mit der andern den Kopf; auf einmal verzog sich sein ganzes Gesicht zu einem strahlenden, dummen Lächeln, wobei eine Zahnlücke sichtbar wurde (daher hatte er auch den Beinamen Schtscherbaty bekommen: der mit der Zahnlücke). Denisow lächelte, und Petja brach in ein lustiges Lachen aus, in welches auch Tichon selbst mit einstimmte.
»Ach, er war ja ganz unbrauchbar«, sagte Tichon. »Die Kleider, die er anhatte, waren ganz schlecht; wozu sollte ich ihn da erst herbringen? Und dabei war er noch grob, Euer Wohlgeboren. ›Was?‹ sagte er, ›ich bin selbst der Sohn eines Generals; ich gehe nicht mit‹, sagte er.«
»Du Rindvieh!« sagte Denisow. »Ich mußte ihn doch ausfragen …«
»Ich habe ihn ja selbst ausgefragt«, sagte Tichon. »Er sagte: ›Ich weiß nicht Bescheid. Unsere Leute‹, sagte er, ›sind zwar eine große Menge, aber taugen tun sie allesamt nichts‹, sagte er. ›Sie haben‹, sagte er, ›nur hohe Titel. Ruft ordentlich Hurra‹, sagte er, ›dann nehmt ihr sie alle gefangen‹«, schloß Tichon und blickte Denisow vergnügt und fest in die Augen.
»Ich werde dir hundert gesalzene Hiebe aufzählen lassen, dann wird es dir schon vergehen, den Narren zu spielen«, sagte Denisow in strengem Ton.
»Warum denn so böse?« erwiderte Tichon. »Ich habe mir ja doch eure Franzosen ordentlich angesehen. Laß es nur erst dunkel werden, dann hole ich dir welche von der Sorte, wie du sie gern hast, meinetwegen drei Stück.«
»Na, wollen weiterreiten«, sagte Denisow und ritt, zornig die Stirn runzelnd und schweigend, nach dem Wächterhäuschen hin.
Tichon ging hinter ihnen her, und Petja hörte, wie die Kosaken mit ihm und über ihn wegen irgendwelcher Stiefel lachten, die er ins Gebüsch geworfen haben sollte.
Als die Heiterkeit, welche Tichons Worte und sein Lächeln bei ihm hervorgerufen hatten, vorbei war und Petja sich für einen Augenblick darüber klar wurde, daß dieser Tichon einen Menschen getötet hatte, überkam ihn eine gedrückte Stimmung. Er sah sich nach dem gefangenen Tambour um, und es war ihm, als bekäme er einen Stich ins Herz. Aber dieses unangenehme Gefühl dauerte nur einen Augenblick. Er hielt für notwendig, den Kopf höher zu heben, sich Mut zu machen und den Jesaul mit ernster Miene über das morgige Unternehmen zu befragen, um der Gesellschaft, in der er sich befand, nicht unwürdig zu sein.
Der abgesandte Offizier kam Denisow noch unterwegs mit der Nachricht entgegen, Dolochow werde baldigst persönlich kommen, und auf seiner Seite sei alles in Ordnung.
Jetzt wurde Denisow auf einmal vergnügt und rief Petja zu sich.
»Nun erzähle mir von deinen bisherigen Erlebnissen«, sagte er.
VII
Als Petja seine Angehörigen und Moskau verlassen hatte, war er bei seinem Regiment eingetreten und bald darauf Ordonnanz bei einem General geworden, der eine größere Abteilung befehligte. Seit seiner Beförderung zum Offizier und namentlich seit seinem Eintritt in die aktive Armee, mit der er an der Schlacht bei Wjasma teilgenommen hatte, befand sich Petja fortwährend in einem Zustand glückseliger Erregung und Freude darüber, daß er nun ein Erwachsener sei, und war stets mit enthusiastischem Eifer darauf bedacht, keine Gelegenheit vorübergehen zu lassen, wo er sich als wahrer Held zeigen könnte. Er war sehr glücklich über das, was er bei der Armee sah und erlebte, hatte aber trotzdem immer die Vorstellung, daß gerade dort, wo er nicht war, jetzt die wahren, großen Heldentaten verrichtet würden. Und so strebte er denn immer dorthin zu kommen, wo er augenblicklich nicht war.
Als am 21. Oktober sein General den Wunsch aussprach, jemanden zu Denisows Abteilung zu schicken, da bat Petja so inständig, ihn dazu zu verwenden, daß der General es ihm nicht abschlagen konnte. Aber der General erinnerte sich an Petjas sinnloses Verhalten in der Schlacht bei Wjasma, wo er, statt auf dem Weg dahin zu reiten, wohin man ihn geschickt hatte, zur Vorpostenkette in den Schußbereich der Franzosen gesprengt war und dort zweimal seine Pistole abgeschossen hatte; deshalb verbot ihm der General bei der Abfertigung ausdrücklich, sich an irgendwelchen Unternehmungen Denisows zu beteiligen. Aus diesem Grund war Petja rot und verlegen geworden, als Denisow ihn gefragt hatte, ob er dableiben dürfe. Bis sie aus dem Innern des Waldes an den Saum gelangten, war Petja noch der Ansicht gewesen, er müsse in strenger Erfüllung seiner Pflicht sofort zurückkehren. Aber als er die Franzosen erblickte und Tichon sah und vernahm, daß der Angriff in der Nacht bestimmt stattfinden werde, da ging er nach Art junger Leute schnell von einer Ansicht zur andern über und sagte sich nun, sein General, den er bis dahin sehr hochgeschätzt hatte, sei doch eigentlich ein unbedeutender Wicht, ein Deutscher, Denisow dagegen sei ein Held, und der Jesaul sei ein Held, und Tichon sei ein Held, und er müsse sich schämen, wenn er sie in einem so schweren Augenblick verließe.
Die Abenddämmerung brach schon an, als Denisow, Petja und der Jesaul bei dem Wächterhäuschen ankamen. Im Halbdunkel sah man die gesattelten Pferde und die Kosaken und Husaren, die auf einer Lichtung Hütten aus Zweigen bauten, und ein rotleuchtendes Feuer, das sie, damit die Franzosen den Rauch nicht sähen, in einer Schlucht des Waldes angezündet hatten. Im Flur des kleinen Häuschens zerhieb ein Kosak mit aufgestreiften Ärmeln Hammelfleisch. In dem Häuschen selbst waren drei Offiziere von Denisows Freischar, die sich aus einer Tür einen Tisch herstellten. Petja zog sich die nassen Kleider aus, gab sie zum Trocknen und machte sich dann sogleich daran, den Offizieren bei der Errichtung des Eßtisches zu helfen.
In zehn Minuten war der Tisch fertig und mit einer Serviette gedeckt. Auf dem Tisch standen Schnaps, eine Flasche Rum, Weißbrot, gebratenes Hammelfleisch und Salz.
Als Petja mit den Offizieren am Tisch saß und mit den Fingern, an denen das Fett entlanglief, das appetitlich duftende, fette Hammelfleisch zerriß, befand er sich in einem kindlich schwärmerischen Zustand zärtlicher Liebe zu allen Menschen und war infolgedessen auch der Überzeugung, daß die andern Menschen ihn in gleicher Weise liebten.
»Also wie denken Sie darüber, Wasili Fedorowitsch?« wandte er sich an Denisow. »Es ist doch wohl nichts dabei, wenn ich einen Tag bei Ihnen bleibe?« Und ohne die Antwort abzuwarten, beantwortete er sich seine Frage selbst: »Es ist mir ja befohlen, mich zu erkundigen; nun, das tue ich ja doch auch … Stellen Sie mich nur an den … an den wichtigsten Platz … Es liegt mir nichts an äußerer Anerkennung … Aber ich möchte gern …«
Petja preßte die Zähne aufeinander, blickte um sich, zuckte mit dem hochgereckten Kopf und schwenkte den einen Arm.
»An den wichtigsten Platz …«, wiederholte Denisow lächelnd.
»Oder, bitte, übergeben Sie mir das Kommando ganz; ich möchte gar zu gern kommandieren«, fuhr Petja fort. »Es kostet Sie ja nur ein Wort … Ah, Sie möchten ein Messer?« wandte er sich an einen Offizier, der sich ein Stück Hammelbraten abschneiden wollte.
Und er reichte ihm sein Taschenmesser hin. Der Offizier lobte das Messer.
»Bitte, behalten Sie es doch. Ich habe noch eine ganze Menge davon …«, sagte Petja errötend. »Mein Gott, das habe ich ja ganz vergessen …«, rief er plötzlich. »Ich habe Rosinen, vorzügliche Rosinen, wissen Sie, solche ohne Kerne. Wir haben einen neuen Marketender, der sehr gute Ware führt. Ich habe zehn Pfund gekauft. Ich bin gewöhnt, etwas Süßes zu essen. Mögen Sie welche …?« Und Petja lief auf den Flur zu seinem Kosaken und holte eine Tasche herein, in welcher etwa fünf Pfund Rosinen waren. »Essen Sie, meine Herren, essen Sie.«