Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»Rostow! Petja!« rief in diesem Augenblick Denisow, der den Brief mit den Augen überflogen hatte. »Aber warum hast du denn nicht gesagt, wer du bist?« Und Denisow wandte sich lächelnd um und streckte dem Offizier die Hand entgegen.
Der Offizier war Petja Rostow.
Auf dem ganzen Weg hatte Petja sich darauf vorbereitet, wie er in einer eines Erwachsenen und Offiziers würdigen Weise, ohne auf die frühere Bekanntschaft hinzudeuten, sich Denisow gegenüber benehmen wollte. Aber sobald Denisow ihm zulächelte, strahlte Petja sofort über das ganze Gesicht, errötete vor Freude und vergaß den dienstlichen Ton, auf den er sich vorbereitet hatte: er fing an zu erzählen, wie er an den Franzosen vorbeigeritten sei, und wie er sich darüber gefreut habe, daß ihm ein solcher Auftrag erteilt sei, und daß er schon an der Schlacht bei Wjasma teilgenommen habe, und daß sich dort ein Husar besonders ausgezeichnet habe.
»Nun, ich freue mich, dich wiederzusehen«, unterbrach ihn Denisow, und sein Gesicht nahm wieder einen ernsten Ausdruck an.
»Michail Feoklitytsch«, wandte er sich an den Jesaul. »Das ist wieder von dem Deutschen. Der junge Mann hier dient bei ihm.«
Und Denisow erzählte dem Jesaul den Inhalt des soeben überbrachten Schreibens, der in der erneuten Aufforderung des deutschen Generals bestand, sich zum Zweck eines Überfalls auf den Transport mit ihm zu vereinigen.
»Wenn wir ihn morgen nicht nehmen, schnappt er ihn uns vor der Nase fort«, schloß er.
Während Denisow mit dem Jesaul sprach, brachte Petja, der über Denisows kalten Ton betroffen war und befürchtete, an diesem Ton sei der Zustand seiner Hose schuld, unter dem Mantel, so daß es niemand bemerken sollte, seine hinaufgerutschte Hose in Ordnung, wobei er sich alle Mühe gab, eine möglichst militärische Miene zu machen.
»Werde ich von Euer Hochwohlgeboren noch einen Befehl erhalten?« sagte er zu Denisow, indem er die Hand an den Mützenschirm legte und wieder zu dem Spiel »Adjutant und General« zurückkehrte, auf das er sich vorbereitet hatte, »oder soll ich bei Euer Hochwohlgeboren bleiben?«
»Einen Befehl?« erwiderte Denisow nachdenklich. »Aber darfst du denn bis morgen hierbleiben?«
»Ach, bitte, bitte … Darf ich bei Ihnen bleiben?« rief Petja.
»Was hast du eigentlich für einen Befehl vom General? Sollst du gleich wieder zurückkommen?« fragte Denisow.
Petja errötete.
»Er hat nichts befohlen; ich denke, ich darf?« erwiderte er in fragendem Ton.
»Nun gut«, antwortete Denisow.
Und sich zu seinen Untergebenen wendend, ordnete er an, die Freischar solle sich nach dem bestimmten Rastort beim Wächterhäuschen im Wald begeben; der Offizier auf dem Kirgisenpferd aber (dieser hatte die Obliegenheiten eines Adjutanten) solle hinreiten, um Dolochow aufzusuchen und zu hören, ob er am Abend kommen werde. Denisow selbst beabsichtigte mit dem Jesaul und Petja an den Waldsaum zu reiten, der nach Schamschewo zu lag, um diejenige Stelle des französischen Nachtlagers, gegen die sich am nächsten Tag der Angriff richten sollte, in Augenschein zu nehmen.
»Nun, Alterchen«, wandte er sich an den Bauer, der ihnen als Wegweiser diente, »führe uns nach Schamschewo.«
Denisow, Petja und der Jesaul, begleitet von einigen Kosaken und dem Husaren, der den Gefangenen mit auf seinem Pferd hatte, ritten links durch eine Schlucht nach dem Waldrand zu.
Fußnoten
1 = Hauptmann, Rittmeister.
Anmerkung des Übersetzers.
V
Der Regen hatte aufgehört; nur der Nebel senkte sich herab, und von den Zweigen der Bäume fielen Wassertropfen. Denisow, der Jesaul und Petja ritten schweigend hinter dem Bauern mit der Zipfelmütze her, der, mit seinen auswärts gesetzten, in Bastschuhen steckenden Füßen leicht und geräuschlos über die Wurzeln und die nassen Blätter hinschreitend, sie nach dem Waldsaum hinführte.
Als sie auf einen mäßigen Abhang gelangt waren, hielt der Bauer einen Augenblick an, blickte um sich und schlug die Richtung nach einer Stelle ein, wo die Baumwand minder dicht war. Bei einer großen Eiche, die ihr Laub noch nicht abgeworfen hatte, blieb er stehen und winkte die andern geheimnisvoll mit der Hand zu sich heran.
Denisow und Petja ritten zu ihm hin. Von der Stelle, wo der Bauer stehengeblieben war, konnte man die Franzosen sehen. Gleich vor dem Wald zog sich von der halben Höhe des Abhangs ein Sommerfeld nach unten. Rechts, jenseits einer steilen Schlucht, war ein kleines Dörfchen und ein nur mäßig großes Gutshaus sichtbar, mit zerstörten Dächern. In diesem Dörfchen und in dem Gutshaus und auf dem ganzen Abhang drüben, in dem Garten, bei den Ziehbrunnen, am Teich und auf dem ganzen Weg, der von der Brücke nach dem Dorf hinaufführte, waren in einer Entfernung von nicht mehr als fünf- bis sechshundert Schritt in dem wallenden Nebel Haufen von Menschen sichtbar. Es war deutlich zu hören, wie sie in einer nicht russischen Sprache die Pferde anschrien, welche sich mühsam mit den Fuhrwerken den Berg hinaufarbeiteten, und wie sie in derselben Sprache auch einander zuriefen.
»Bringt den Gefangenen her«, sagte Denisow leise, ohne die Augen von den Franzosen wegzuwenden.
Der Husar stieg vom Pferd, hob den Knaben herunter und kam mit ihm zu Denisow. Denisow wies auf die Franzosen hin und richtete an den Knaben mehrere Fragen, was dies und das für Truppen wären. Der Knabe, der seine frierenden Hände in die Taschen gesteckt hatte, blickte Denisow ängstlich mit hinaufgezogenen Brauen an; trotz seiner augenscheinlichen Bereitwilligkeit, alles zu sagen, was er wußte, verwirrte er sich in seinen Antworten und bejahte nur, was ihn Denisow fragte. Denisow wandte sich stirnrunzelnd von ihm weg und begann dem Jesaul seine Meinung auseinanderzusetzen.
Petja, der mit schnellen Bewegungen den Kopf nach allen Seiten drehte, betrachtete bald den Tambour, bald Denisow, bald den Jesaul, bald die Franzosen in dem Dorf und auf dem Weg, und war darauf bedacht, daß ihm nichts irgendwie Wichtiges entginge.
»Mag Dolochow kommen oder nicht, wir müssen den Transport nehmen! Wie?« sagte Denisow, in dessen Augen es vergnügt funkelte.
»Das Terrain ist günstig«, erwiderte der Jesaul.
»Die Infanterie schicken wir durch die Niederung, durch die Sümpfe«, fuhr Denisow fort. »Die schleichen sich an den Garten heran. Und Sie reiten mit den Kosaken dort herum« (Denisow zeigte auf den Wald hinter dem Dorf), »und ich mit meinen Husaren hier herum. Und auf das Zeichen durch einen Schuß …«
»Durch den Grund wird es nicht möglich sein; da ist es moorig«, sagte der Jesaul. »Da bleiben die Pferde stecken; wir müssen weiter links herumreiten …«
Während sie das halblaut miteinander besprachen, knallte unten im Grund vom Teich her ein Schuß; ein weißes Rauchwölkchen wurde sichtbar; ein zweiter Schuß folgte, und von den Franzosen, die sich auf halber Höhe des Berges befanden, ertönte ein hundertstimmiger Schrei, anscheinend ein Freudenschrei. Im ersten Augenblick wichen Denisow und der Jesaul zurück. Sie waren so nahe, daß sie die Ursache dieser Schüsse und dieses Schreiens zu sein glaubten. Aber die Schüsse und das Schreien hatten ihnen nicht gegolten. Unten, durch die Sümpfe, lief ein Mann in roten Hosen. Auf ihn hatten die Franzosen offenbar geschossen, und auf ihn hatte sich das Geschrei bezogen.
»Das ist ja unser Tichon!« sagte der Jesaul.
»Wahrhaftig, er ist es«, sagte Denisow. »So ein nichtswürdiger Kerl!«
»Er kommt davon!« sagte der Jesaul, die Augen zusammenkneifend.
Der Mann, den sie Tichon nannten, lief an das Flüßchen und plumpste so hinein, daß das Wasser nach allen Seiten hoch aufspritzte; nachdem er dann für einen Augenblick verschwunden war, arbeitete er sich, ganz schwarz vom Wasser, auf allen vieren heraus und lief weiter. Die Franzosen, die hinter ihm hergelaufen waren, blieben stehen.